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Die Allianz-Flotte hatte den Punkt, an dem sie dem Hypernet-Portal am nächsten war, seit fast einer Stunde hinter sich gelassen und Geary überlegte ernsthaft, ob er die Hilfsschiffe irgendwie zu einem einladenderen Ziel machen konnte, doch dann auf einmal tat sich etwas… unerfreulicherweise nichts Gutes.

»Captain Geary, eine Syndik-Flotte verlässt den Sprungpunkt von T'negu.«

Als Geary auf die Brücke der Dauntless kam, hatten die Flottensensoren die Analyse der eintreffenden Streitmacht abgeschlossen. Captain Desjani deutete auf das Display. »Wir haben uns die Zahlen angesehen und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um die Blockade-Flotte handelt, die bei T'negu auf uns gewartet hat. Einer der Jäger, die uns bei Ixion beobachtet haben, wird nach T'negu gesprungen sein, sobald klar war, dass wir Lakota zum Ziel haben. Wenn unsere Informationen zutreffen, was die Sprungzeiten von Ixion nach T'negu und von dort hierher in dieses System angeht, dann hat die Zeit gerade gereicht, dass ein Jäger nach T'negu springt, die dortigen Syndiks über unser wahres Ziel informiert und dann mit ihnen herspringt.«

»Damit hätten wir rechnen sollen«, fluchte Geary, der auf sich selbst wütend war. Während ihrer Reise durch das Syndik-Territorium war die Allianz-Flotte nur selten in einem System gewesen, das über eine solche Weltraumgeometrie verfügte, doch das war keine Rechtfertigung für eine solche Nachlässigkeit.

»Normalerweise reagieren die Syndiks gar nicht so schnell«, machte Desjani klar. »Es hätte viel länger dauern sollen, ehe sie die Erlaubnis erhielten, T'negu zu verlassen.«

Geary ging auf diese Bemerkung gar nicht ein, sondern betrachtete mit finsterer Miene die Zahlen zur neuen Syndik-Flotte. »Achtzehn Schlachtschiffe, vierzehn Schlachtkreuzer, dreiundzwanzig Schwere Kreuzer.« Dazu noch etliche Leichte Kreuzer und Jäger. Die Syndik-Flotte vor dem Hypernet-Portal und diese Streitmacht ergaben zusammen eine Kampfstärke, die in etwa der der Allianz-Flotte entsprach. »Das Gleichgewicht der Kräfte ist soeben wiederhergestellt worden.«

»Jede Streitmacht für sich genommen ist uns zahlenmäßig unterlegen«, hielt Desjani dagegen.

»Ja, sofern wir eine von beiden in ein Gefecht verwickeln können, ohne dass die andere eingreift. Aber diese Streitmacht ist groß genug, um uns in Schwierigkeiten zu bringen.« Unwillkürlich dachte er darüber nach, was wohl geschehen wäre, hätten sie sich für den Weg nach T'negu entschieden. Dann wären sie am Sprungpunkt nicht nur von einem Minenfeld empfangen worden, sondern auch von dieser Streitmacht. Es hätte also alles deutlich schlimmer kommen können. Wieder musterte er das Display. »Die müssen uns in dem Moment gesehen haben, als sie ins System gekommen sind. Warum sind die noch immer nicht auf Abfangkurs gegangen?«

Desjani schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, Sir. Wir sind auf kleinere Flotten getroffen, die sich aggressiver verhalten haben.« Sie sah ihn an. »Vielleicht haben sie Angst vor Ihnen.«

Fast hätte er darüber gelacht, doch Desjani schien das völlig ernst zu meinen. »Das wäre zu schön, um wahr zu sein«, erwiderte er schließlich. »Aber…«

»Sie drehen bei!«, rief in dem Moment ein Wachhabender. »Syndik-Flotte Bravo ändert Kurs und Geschwindigkeit.«

Gearys Blick kehrte zurück zum Display. Die Syndik-Streitmacht war noch gut drei Lichtstunden entfernt, also hatten die Syndiks sie vor drei Stunden gesehen, bevor der Allianz-Flotte deren Auftauchen überhaupt auffallen konnte. Genügend Zeit also, um einen Plan zu entwickeln oder um Befehle von den Syndik-Behörden in diesem System zu erhalten. Doch erst jetzt schien die neue Flotte auf die Anwesenheit der Allianz-Flotte zu reagieren.

»Die sind bereits über den Abfangkurs hinausgeflogen«, stellte Desjani verdutzt fest. »Wohin wollen die?« Leider wurde die Antwort darauf sehr schnell offensichtlich. »Sie haben Kurs auf den Sprungpunkt nach Branwyn genommen.«

»Springen wollen sie dahin ganz sicher nicht«, ergänzte Geary. Die Syndik-Streitmächte, denen sie bislang begegnet waren, hatten selbst dann aggressiv agiert, wenn das völlig sinnlos war. Diese Flotte ließ ein solches Verhalten dagegen nicht erkennen. »Wollen die nur den Sprungpunkt blockieren? So wie die anderen das Portal besetzt halten? Ist das ihre neue Taktik? Abwarten, bis wir es leid sind und eine Dummheit begehen?«

Desjani legte die Stirn in Falten. »Vermutlich haben sie bei T'negu den Sprungpunkt vermint.«

»Genau.« Ihm wurde auch klar, was das zu bedeuten hatte. »Die werden den Sprungpunkt nach Branwyn verminen, nicht wahr?«

»Ich glaube schon, Sir. Da wir versuchen, dieses Sternensystem zu verlassen, können sie den Sprungpunkt vollständig verminen, damit wir das Minenfeld auf jeden Fall zum Teil durchfliegen müssen, um ihn zu erreichen.«

»Wenn wir nicht zu viele Schiffe verlieren wollen, müssen wir möglichst langsam fliegen, und damit sind wir für Hochgeschwindigkeitsattacken dieser Flotte empfänglich.« Die Zahl der brauchbaren Alternativen nahm rapide ab. »Meinen Sie, wir könnten sie vom Sprungpunkt nach Branwyn weglocken, indem wir vorgeben, mit der Flotte Kurs auf das Hypernet-Portal zu nehmen?«

Desjani dachte angestrengt nach. »Sie können es sich nicht leisten, uns das Portal erreichen zu lassen, wenn wir ihnen so überlegen sind. Und der Kommandant dieser zweiten Flotte wird seines Lebens nicht mehr froh, wenn die erste Flotte das Portal zerstören muss, weil er uns nicht verfolgt hat. Aber die Flotte am Portal kann es aus eigenem Antrieb zerstören, wenn sie das will. Und wenn wir jetzt das Portal zu bedrohen versuchen, würden wir der neuen Syndik-Streitmacht den Rücken zudrehen. Das würde nicht überzeugend aussehen.«

»Ich will diese neue Flotte von ihrer Position locken, damit wir sie angreifen können«, machte Geary klar.

»Das ist richtig«, stimmte Desjani ihm zu.

»Die werden nicht überhastet angreifen«, ließ Rione verlauten.

Geary drehte sich zu ihr um. Bis zu diesem Moment hatte er gar nicht bemerkt, dass sie auf die Brücke gekommen war. »Wieso nicht?«

»Weil sogar die Syndiks lernfähig sind, wenn sie genügend Verluste einstecken mussten.« Sie schaute Geary an. »Wie viele Syndik-Kriegsschiffe hat diese Flotte unter Ihrem Kommando zerstört? Wie viele Schlachten haben Sie gewonnen? Und nicht bloß gewonnen, sondern praktisch einseitig entschieden? Das ist Ihnen wieder und wieder gelungen.« Sie deutete auf die Darstellung der Syndik-Flotte Bravo auf dem Display. »Die Syndiks haben gelernt. Zweifellos haben sie den Befehl erhalten, nur dann einen Kampf zu beginnen, wenn die Gegebenheiten für sie günstig sind und wir uns in einer schlechten Position befinden. Die Syndiks können abwarten, aber den Luxus haben wir nicht.«

»Sie haben Angst vor Captain Geary!«, wiederholte Desjani triumphierend. »Aber sie können diese Flotte nur davon abhalten, den Sprungpunkt nach Branwyn zu benutzen, indem sie eine Schlacht gegen uns anzetteln.«

Geary studierte aufmerksam die Situation. Alles Wichtige befand sich derzeit ziemlich genau auf der Ebene des Sternensystems, nichts lag deutlich darüber oder darunter. Die Allianz-Flotte, die einem bogenförmigen Kurs durch das System folgte, hatte mehr als die halbe Strecke bis zum anvisierten Sprungpunkt zurückgelegt und war nun auf dem Weg zum Rand des Systems. Das Hypernet-Portal mit seinen Syndik-Bewachern war nur gerade drei Lichtstunden nach Backbord entfernt. Die bewohnte Welt war unterwegs zur abgewandten Seite des Sterns und fast eine Lichtstunde entfernt, sodass ihr als Bedrohung für die Allianz-Flotte keine Bedeutung mehr zukam. Die zweite Syndik-Flotte war durch den Sprungpunkt von T'negu kommend ins System eingetreten, und nach ihrer Kursänderung war sie nun unterwegs zum Sprungpunkt nach Branwyn. Damit würde sie bei gleichbleibender Geschwindigkeit und unverändertem Kurs die momentane Flugbahn der Allianz-Schiffe kreuzen und dabei gut eine halbe Lichtstunde entfernt sein. Aber die Allianz-Flotte musste ihrerseits den Kurs ändern, wenn sie nicht einfach in den leeren Raum weiterfliegen wollte. Die Frage war nur, auf welches Ziel dieser Kurs geändert werden sollte.