»Was ist das?«
»SchubBomben Kanonen.«
»Ach ja. Dann fehlen noch alle elektronischen Anlagen und sonstigen Systeme. Hat es nicht neun Monate gedauert, auf der Raumfähre die Toiletten zu ändern?«
»Kein Wunder, so wie die NASA arbeitet«, sagte Gillespie. »Wir fackeln nicht lange, sondern bauen einfach alles ein. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, daß wir nicht grammweise abspecken müssen. Wir haben genug Schub für den Start.«
Das kann man wohl sagen. »Wird alles Material nach Plan geliefert?«
»Nein, aber wir kommen in etwa hin«, sagte Gillespie. »Vielleicht haben Sie schon gemerkt, daß hier nicht viel Militärpolizei zu sehen ist, gerade genug zum Schutz der inneren Abzäunungen. Die übrigen habe ich mit Colonel Taylor zur Werft in Bremerton geschickt, um den Mistkerlen da ordentlich Feuer unterm Hintern zu machen…«
»Und das hat die Lieferungen ganz unglaublich beschleunigt «, ergänzte Rohrs. »Hier, noch ‘ne Runde.« Er holte weitere Bierflaschen aus dem Kühlschrank.
»Wir haben eine ganze Menge Sicherheitskniffe gelernt«, fuhr Gillespie fort. »Hauptsächlich von Vietnamesen.«
»Flüchtlinge?« wollte Jenny wissen.
»Einige, die meisten sind ehemalige Vietkong. Die kennen sehr brauchbare Kniffe: wie man Geleitzüge versteckt, Baumstämme aushöhlt, um Stahl zu transportieren, Tunnels baut, alles, was sie damals gegen uns verwendet haben.«
»Vielleicht hätten Sie Ihre Sicherheitsleute hierbehalten sollen «, sagte Jack Clybourne. »Ich habe nicht den Eindruck, daß die örtliche Polizei von dem Projekt begeistert ist.«
»Ich weiß«, sagte Gillespie. »Ich hatte schon überlegt, ob ich ihnen einfach sage, was wir tun. Vielleicht würde sie das zur Mitarbeit veranlassen.«
»Und warum tut ihr es nicht?« wollte Jenny wissen.
»Weil sich unmöglich vorhersagen läßt, wie die Leute reagieren, wenn sie erfahren, womit das Ding hier angetrieben wird.« Gillespie schüttelte den Kopf. »Der einzige sichere Ort im Umkreis von vielen Kilometern wird im Schiff sein. Alles andere wird verschwinden. Manche denken vielleicht, besser, die Rüßler werfen einen Steinbrocken auf den Hafen, als daß hier fünfzig Atombomben hochgehen.«
»Es läßt sich nur schwer vorstellen, daß jemand das absichtlich verraten würde«, sagte Jenny. »Aber Vorsicht ist angebracht. Schön, wir brauchen glaubhafte Erklärungen. Was wird hier also gebaut, wenn es kein Gewächshaus ist?«
»Darüber zerbrechen wir uns schon lange den Kopf«, sagte Gillespie. »Wie wäre es mit einem Gefängnis?«
»Ein Gefängnis?«
»Ja, ein Sondergefängnis für politische Gefangene. Das würde erklären, warum hier so viele Soldaten herumlaufen. Wenn jemand zu mißtrauisch wird, können wir durchblicken lassen, daß wir politische Gefangene aus Kansas hier haben, Deserteure und Kollaborateure, die wir herbringen mußten, weil der Mob sie dort umgebracht hätte.«
»Das könnte klappen«, sagte Jack. »Und was, wenn die Bevölkerung Ihnen das auch nicht abnimmt?«
»Weiter haben wir noch nicht gedacht.«
»Wir müßten eine plausible Erklärung in der nächsten verstecken, wie die Schalen einer Zwiebel.« Jack malte konzentrische Kreise auf einen Notizblock. »Wer die erste durchschaut, trifft auf die nächste und kennt immer noch nicht das wahre Geheimnis. Was ist also die nächste?«
»UnterwasserForschungsanlagen im Bau?« schlug Gillespie vor.
»Nein. Warum sollte man das geheimhalten?… Aber uns fällt schon was ein, laßt uns einfach weiterreden.«
Jenny beugte sich zu Jack hinüber und sah, daß er außerhalb der Kreise mit Druckbuchstaben geschrieben hatte GEWÄCHSHAUS, und im ersten KOLLABORATEURE.
Sie tranken.
»Rüßler«, sagte Jenny.
»Häh?«
»Ein großes wissenschaftliches Zentrum zur Untersuchung und Erforschung gefangengenommener Rüßler. Das würden die Außerirdischen auf keinen Fall bombardieren, wir aber hätten gute Gründe, so etwas vor unseren Leuten geheimzuhalten.«
»Könnte gehen.«
»Und wir bringen unsere Kollaborateure hier unter, damit sie sich mit den Rüßlern unterhalten können!«
Clybourne lächelte. »Schön. Wer kann Gefängnisse planen?«
»Wie?«
»Wir haben jetzt das Gerippe einer guten Geschichte und müssen Fleisch draufpacken. Was müßte man herbringen? Ganz gleich, was es ist, wir müssen es öffentlich zeigen. Man vermutet, daß wir Gemüse anbauen. Schiffe würden Gemüse fortbringen – aber sie kommen voll her und fahren leer wieder weg.« Neben GEWÄCHSHAUS schrieb er LEBENSMITTEL und machte einen Pfeil nach innen. Neben KOLLABORATEURE schrieb er GEFÄNGNIS, AUFSEHER. In den zweiten Kreis schrieb er RÜSSLER, daneben RÜSSLER BESORGEN. »Wir haben Gefangene gemacht. Die Rüßler lassen sich willenlos hinbringen, wo man sie haben will. Sie sprechen nicht einmal miteinander. Aber zeigen könnten wir sie den Leuten.«
Jenny lächelte zufrieden. Das erste Mal, daß ich Jack richtig begeistert sehe. Außer bei mir…
»Kreise«, sagte Jack. »Schichten. Das Sicherheitssystem ist kreisförmig angeordnet, ebenso wie die Geschichten, die wir als Deckmantel benutzen. Sie müßten jeden draußen halten, der nicht wild entschlossen ist, hinter das wahre Geheimnis zu kommen. Der wirklich Zweck aber besteht darin, jeden drinzuhalten, dem es gelingt reinzukommen – natürlich, wir bauen einfach ein Gefängnis, vielleicht nicht besonders groß, aber groß genug für alle, die zuviel erfahren.«
»Klingt alles schön und gut, aber vergeßt ihr nicht was?« fragte Rohrs. »Der Polizeichef hilft euch mit Sicherheit nicht dabei.«
»Dann machen wir es eben allein.«
»Ja.« Rohrs kratzte sich am Kopf. »Aber, Mr. Clybourne…«
»Jack.«
»Jack, ich kann keinen Mann entbehren.«
Jack lachte leise in sich hinein. »Das denke ich mir. Ist schon in Ordnung. Als erstes holen wir uns ein paar Männer vom Heer.«
»Abwehr«, sagte Rohrs, »klar.«
»Außerdem Militärpolizei. Bauingenieure für das Gefängnis und Kampftruppen, vorsichtshalber«, fuhr Jack fort. »Wenn wir das nächste Mal mit Lafferty sprechen, soll er begreifen, daß er gegen Wände anrennt.«
»Klang das nicht gerade, als ob da etwas in Stücke gerissen würde?« fragte General Gillespie. »Womöglich unsere Verfassung?«
Jenny warf einen Blick auf Eds angewidertes Gesicht. Interessant. Ein liberaler General? Wir kämpfen doch hier gegen die Rüßler, und Not kennt kein Gebot!
»Nein.« Jack Clybourne war sich seiner Sache sicher. »Was Sie da gehört haben, ist das Geräusch, mit dem Bellingham außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten gestellt wird.« Er öffnete seine Aktentasche und entnahm ihr ein Dokument. »Ich habe hier eine Anordnung des Präsidenten, die die Bestimmungen der HabeasCorpus Akte für das Gebiet von Bellingham aufhebt. Es ist durchaus verfassungsgemäß. Ich halte mich an die Regeln, General.«
»Schon, aber falls das herauskommt!«
»Ach was. Wenn die Soldaten erst mal hier sind, wird Bellingham sofort abgeriegelt. Niemand kann mehr raus.«
»Und was ist mit Leuten, die über die Fernstraße kommen?«
»Da herrscht jetzt kaum Verkehr«, sagte Rohrs.
»Das Hafengebiet ist von der Straße aus nicht einzusehen«, sagte Jack. »Der hohe Hügel mit der Universität darauf liegt dazwischen. Wer da entlangfährt, sieht nichts Bemerkenswertes, wer aber um den Hügel herum in die Stadt kommt, verläßt sie einfach nicht mehr, Punkt, Schluß, aus, Feierabend.«