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Aber hatte Auraya es auch getan?

Unfug sprang auf die Matratze. Einige Minuten lang drehte er sich immer wieder um die eigene Achse und prüfte nach Kriterien, die nur er verstand, die beste Position, um zu schlafen. Als er eine annehmbare Stelle gefunden hatte, rollte er sich zusammen und seufzte.

Auraya, die zur Decke emporblickte, ließ sich noch einmal durch den Kopf gehen, was sie Juran an diesem Abend berichtet hatte. Oder vielmehr das, was sie nicht berichtet hatte.

Mirar ist hier, hatte sie ihm mitgeteilt. Es war einer dieser Zufälle, dass wir einander begegnet sind, nur dass es offensichtlich kein Zufall war.

Was ist passiert?

Nichts. Er hat mich darauf hingewiesen, dass die Stimmen ihn schützen würden und dass die Mission der Siyee von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen sei.

Ich fürchte, er hat in beiden Punkten recht.

Sie hatte Juran nichts von ihrer Übereinkunft mit Mirar erzählt, so zu tun, als seien sie Feinde. Damit wäre allzu offenkundig geworden, dass sie Mirar nicht als Feind betrachtete, und das würde Juran kaum gefallen. Sie wollte ihm keinen weiteren Grund liefern, ihr zu misstrauen.

Jetzt stand ihr noch die letzte abendliche Aufgabe bevor. Seit ihrer ersten Traumvernetzung mit Mirar hatten sie in jeder Nacht auf solche Weise zueinander Verbindung aufgenommen. Heute Nacht würden sie viel zu besprechen haben. Sie schloss die Augen und ließ sich in den Geisteszustand sinken, den sie brauchte.

Auraya.

Sie brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass sie sofort eingeschlafen sein musste.

Mirar?

Endlich! Wie spät gehst du eigentlich ins Bett?

Seine Ungeduld erfüllte sie mit Erheiterung.

So spät, wie ich möchte.

Ah. So ist das also, ja? Seit die Stimmen angefangen haben, dich wie einen Ehrengast zu behandeln, glaubst du, etwas Besseres zu sein?

Vielleicht. Haben wir unsere Sache heute gut gemacht?

Es war ein Anfang.

Ha! Mir sind die besten schnippischen Antworten eingefallen!

Ich hatte das letzte Wort.

Das ist wahr, pflichtete sie ihm bei.

Also, wo warst du heute Abend? Ich hatte mich darauf gefreut, unser Gespräch beim Essen fortzusetzen.

Hat Imenja es dir nicht erzählt? Wir haben uns zu weit von der Stadt entfernt, als dass wir rechtzeitig hätten zurück sein können.

Dann ist das also die Wahrheit?

Ja. Natürlich haben Nekaun und ich vielleicht ein wenig länger als nötig mit der Begutachtung der Glasbläserwerkstätten verbracht.

Nun, die Stimmen werden wahrscheinlich von dir erwarten, dass du mir aus dem Weg gehst.

Und ich fürchte, wenn wir uns allzu oft begegnen, könnten mir die schnippischen Antworten ausgehen.

Dann hast du also eine ganze Sammlung davon?

Eine Handvoll. Und sie warten alle auf den richtigen Augenblick.

Wer hätte gedacht, dass du ein so begabter Zankteufel bist.

Danke. Also, haben die Stimmen dir schon irgendwelche Angebote gemacht?

Nein. Am Tag meiner Ankunft haben sie mich über das Traumwebergesetz gegen Gewalt befragt. Vielleicht hat meine Antwort sie abgeschreckt.

Hm. Vergiss nicht, selbst wenn sie dir nicht anbieten, mich für dich zu töten, könnten sie mir immer noch das Angebot machen, dich für mich zu töten.

Dann verstehen sie sich bemerkenswert gut darauf, das zu verbergen. Wir haben ausführlich über die Traumweber und meinen Platz unter ihnen gesprochen. Ob meine Rolle eher die eines Anführers oder die eines Beraters sei. Imenja meinte, dass die Traumweber mich in jedem Fall voller Ehrfurcht betrachten würden, ganz gleich, ob ich ihr Anführer sein wolle oder nicht. Es hat einen Nachteil, wenn man für eine Weile tot war: Die Menschen zeichnen ein geschöntes Bild von einem. Ich habe ihr versichert, dass ich ihnen zuvor nicht gestattet habe, mir zu huldigen, und dass ich es auch jetzt nicht tun werde. Sie meinte, sie glaube mir.

Er war mit einem Mal ernst geworden, und Auraya hatte das beunruhigende Gefühl, mit Leiard zu sprechen. Sie drängte die Regung beiseite.

Wahrscheinlich hat sie die Gedanken von Traumwebern gelesen, um herauszufinden, was sie von dir halten.

Ja. Oh, da ist noch etwas anderes, das sie sagte… Ich glaube, sie wissen, dass du Gedanken lesen kannst.

Ein leichtes Frösteln überfiel Auraya. War es möglicherweise gefährlich, dass die Stimmen wussten, dass sie Gedanken lesen konnte? Jade hatte vermutet, es könne gefährlich sein, wenn die Götter wüssten, dass Auraya diese Fähigkeit zurückerlangt hatte, aber damals hatte sie von den zirklischen Göttern gesprochen.

Wie dem auch sei, es war möglich, dass die zirklischen Götter gelegentlich die Gedanken von Pentadrianern lasen. Es sei denn …

Glaubst du, nur die Stimmen wissen Bescheid oder auch andere?

Ich weiß es nicht. Ich könnte mir heute Nacht einige Träume ansehen und feststellen, ob ich etwas für dich in Erfahrung bringen kann.

Ja. Ich werde ebenfalls ein wenig Gedanken abschöpfen. Vielleicht finde ich ja jemanden, der noch wach ist.

Wenn du es tust, halte Ausschau nach Gedanken, die die Elai betreffen. Bei meiner Ankunft habe ich etwas aufgeschnappt, das den Verdacht nahelegt, sie würden Schiffe versenken.

Sie versenken Schiffe? Das ist eine beunruhigende Möglichkeit.

Ja. Also, wir haben beide viel zu tun, und die Nacht wird nicht länger.

Nein. Gute Nacht.

Gute Nacht.

Mirar?

Ja?

Sie zögerte, plötzlich besorgt, dass sie mit dem, was sie zu sagen im Begriff stand, einen falschen Eindruck erwecken könnte. Nachdem sie einen Moment darüber nachgedacht hatte, kam sie zu dem Schluss, dass dies nicht zu befürchten sei.

Danke für deine Hilfe.

Du solltest mir noch nicht danken. Nicht bis der letzte Siyee frei ist und du aus der Stadt fliehen konntest. Wenn der letzte Siyee fliegt, sei bereit für einen Verrat, Auraya, warnte er sie. Ich glaube nicht, dass die Stimmen die Absicht haben, dich gehen zu lassen.

Als er die Verbindung abbrach, trieb sie in einem beklommenen Traumzustand dahin und dachte über seine Warnung nach. Wenn ich an Nekauns Stelle wäre, würde ich mich auch nicht gehen lassen. Ich werde ihm einen Grund geben müssen, mich ziehen zu lassen. Sie war zu müde, um sich jetzt weiter mit dieser Frage zu beschäftigen, und sie musste immer noch Gedanken abschöpfen. Sie konzentrierte sich und sandte ihren Geist in die Welt hinaus.

Während sie sich von einem Geist zum nächsten bewegte, schöpfte sie die Gedanken der Götterdiener und Domestiken im Sanktuarium ab, die noch wach waren. Als sie auf den Geist der Gefährtin einer Stimme traf, stieg ein Gefühl der Befriedigung in ihr auf. Die Frau, Reivan, war rastlos und konnte nicht schlafen, und ihre Gedanken kreisten um die Erste Stimme Nekaun.

Es ist schon so lange her, überlegte Reivan. Gewiss hätte er die Zeit für einen einzigen Besuch gefunden. Wie soll ich ihm von Imenjas Verdacht erzählen? Ich darf mich ihm nicht nähern, für den Fall, dass Auraya Gedanken lesen kann.