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Sie hätten Auraya getötet, erklang jetzt eine leise Frauenstimme. Dies konnte nur Yranna sein. Auf diese Weise wäre das Gleichgewicht wiederhergestellt worden.

Nein, die Waage hätte sich zugunsten der Pentadrianer gesenkt, warf Lore ein. Sie haben Mirar.

Der nicht kämpfen wird, rief Saru den anderen ins Gedächtnis.

Huan beachtete ihn nicht. Wir waren nie in einer besseren Position, um auch ihn loszuwerden, bemerkte sie.

Wenn das Gleichgewicht alles ist, was dir Sorgen macht, können wir Auraya befehlen, sich aus jedweden Schlachten herauszuhalten.

Und sie würde gehorchen, wenn die Zirkler verlören?

Obwohl die Götter jetzt um die Frage stritten, ob man ihr vertrauen könne oder nicht, grübelte Auraya über Huans Behauptung nach, dass die Situation günstig sei, um Mirar loszuwerden. Wie konnte das sein, wenn er sich im Zentrum der pentadrianischen Macht befand? Vielleicht gab es hier jemanden, der im Dienst der Weißen stand und bereit war zu töten. Wie war es ihm oder ihr gelungen, einer Entdeckung durch die Stimmen zu entgehen? Oder hatte der Betreffende keine Ahnung, wer sein Auftraggeber war?

Auraya ist nicht der Grund, warum die Zirkler in den Krieg ziehen werden, donnerte Huan plötzlich.

In den Krieg ziehen? Auraya bedauerte plötzlich, dass sie ihre Gedanken hatte schweifen lassen. Wollten die Zirkler die Pentadrianer tatsächlich angreifen, oder sprachen die Götter lediglich von einer theoretisch möglichen Situation?

Sie werden nicht in den Krieg ziehen, erwiderte Lore. Einige pentadrianische Verschwörungen zur Bekehrung von Zirklern sind nicht Grund genug, um einen anderen Kontinent zu überfallen.

Auraya war erleichtert.

Die Weißen würden nur dann in den Krieg ziehen, wenn wir den Befehl dazu gäben, stimmte Saru ihm zu.

Und?, sagte Yranna leise.

Es ist nicht recht, wenn wir uns einmischen, erwiderte Lore energisch. Sie müssen von sich aus zu dem Entschluss kommen.

Ich sehe nicht ein, warum wir ihnen nicht einen kleinen Stoß geben sollten, bemerkte Saru. Beim letzten Mal war es die Entscheidung eines Sterblichen, warum sollte es diesmal nicht unsere Entscheidung sein?

Ich werde dem nur zustimmen, wenn Auraya nicht in die Angelegenheit verwickelt wird, sagte Chaia.

Du Narr, entgegnete Huan, und ihre Stimme troff vor Wut und Verachtung. Wenn es nach dir ginge, würden wir zu den Sitten der alten Zeiten zurückkehren, als die Welt übervölkert war mit Göttern und keiner von uns irgendetwas tun konnte, ohne dass die anderen uns nachspioniert hätten.

Nachspioniert… Chaias Warnung fiel Auraya wieder ein, und als die Götter von neuem zu streiten begannen, zog sie sich widerstrebend zurück.

… werde ihr sagen..

Sobald du es getan hast, welchen… töten?

Ich werde nicht

Während ihre Stimmen langsam verklangen, wurde Auraya sich wieder ihres eigenen Ichs bewusst und öffnete die Augen. Bruchstücke des Gesprächs der Götter gingen ihr durch den Sinn. Es gab vieles, was sie verwirrte. Sie listete auf, was sie erfahren hatte.

Die Götter wollen einen Krieg, sie sind sich nur nicht einig, was den Zeitpunkt betrifft und wer darin verwickelt werden soll.

Für Wesen, denen es nicht widerstrebt, ihre eigenen Gesetze zu brechen, um Mirar zu töten, machen sie sich erstaunlich viele Sorgen darüber, ob ein Krieg ein ausgeglichener Kampf zwischen gleichstarken Gegnern wäre.

Chaia verteidigt mich immer noch. Tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass er seine Unterstützung für den Krieg als Gegenleistung dafür anbietet, dass mir dabei nichts geschehen wird.

Mirar ist hier nicht so sicher, wie er glaubt.

Und wenn sie ihn warnte, würde sie sich mit dem Feind der Götter verbünden.

Kümmerte sie das?

Lu war nicht mehr so müde gewesen, seit… seit Ti auf die Welt gekommen war. Wie in jener Nacht konnte sie auch heute trotz ihrer Erschöpfung nicht schlafen. Damals hatte die Sorge um Ti sie wach gehalten, die schwach und kränklich gewesen war. Jetzt hatte sie Angst um ihre ganze Familie.

Sie blickte zu ihrem Mann, Dor, hinüber. Er starrte in den Nachthimmel hinauf. Sein Wangenknochen war geschwollen und dunkel verfärbt; einer der Krieger war es müde geworden, Dors Versuchen zu lauschen, sich aus dieser Geschichte herauszureden, und hatte ihn geschlagen.

Ebenso gut könnte er versuchen, die Sterne vom Himmel herunterzureden, dachte sie. Ob Krieger oder Diener, wir alle folgen blind unseren Regeln und Traditionen. Das ist es, was die Pentadrianer gesagt haben. Sie runzelte die Stirn. Sie haben gesagt, sie könnten Dunwegen verändern, aber es wird sich nichts verändern, solange die Clans es nicht wollen. Ihnen gefällt die Situation, so wie sie ist.

»Es ist alles ihre Schuld«, bemerkte jemand in der Nähe. Eine andere Stimme murmelte eine Antwort. Etwas Abwehrendes.

Seit die Krieger ihnen befohlen hatten, sich niederzulegen und zu schlafen, tuschelten die Dorfbewohner und die Neuankömmlinge miteinander. Lu hatte Argumenten und Anklagen gelauscht, Ängsten und Hoffnungen. Und die ganze Zeit über war aus allen Richtungen leises Weinen gekommen, und der alte Ger hatte wieder zu husten begonnen.

»… glauben wir? Ihr oder ihnen?«, sagte eine Stimme. Lu erkannte Mez, den Schmied.

»Sie kennt die Wahrheit. Sie verfügt über Magie. Sie kann Gedanken lesen«, antwortete ein anderer. Pol, ein Bauer.

»Sie könnte lügen.«

»Warum sollte sie?«

»Weil es ihr nicht gefällt, wenn Außenseiter sich einmischen und einfachen Menschen den Rücken stärken. Sie hat sich mit I-Portak zusammengetan, um dafür zu sorgen, dass er und seine Krieger die Oberhand behalten.«

»Die Götter haben sie erwählt«, sagte Pol. »Ich folge dem Zirkel nach wie vor.«

»Das alles wäre nie geschehen, wenn wir unseren eigenen Priester gehabt hätten«, lamentierte eine andere Stimme. Roi, die Frau des Bäckers.

»Es spielt keine Rolle«, sagte Ger heiser. »Niemand schert sich um uns. Weder die Neuankömmlinge noch die Krieger oder die Weißen. Wenn wir den Neuankömmlingen nicht gleichgültig wären, wären sie nach Hause gegangen, statt uns alle in Schwierigkeiten zu bringen.«

»Wir haben versucht, die Situation zu verbessern«, bemerkte eine Frau. Lu erkannte Noeneis Stimme. Lu hatte die Würde und die Gelassenheit der anderen Frau immer bewundert. Jetzt, auf dem Weg nach Chon und zu ihrem Richter, spielten solche Eigenschaften keine Rolle mehr.

»Ihr hättet die Diener nicht herholen sollen«, sagte Roi. »Das hat ihre Aufmerksamkeit erregt.«

»Wir… wir wollten ihnen nur helfen.«

»Nun, das habt ihr aber nicht getan. Seht euch doch nur an, was aus uns geworden ist. Wir alle werden sterben, weil ihr nicht wusstet, wann ihr aufhören musstet.«

Abermals trat Stille ein.

»Warum konntet ihr euren Göttern nicht um unserer Götter willen abschwören?«, fragte jemand, der weiter weg lag, mit unüberhörbarer Wut. »Nicht einer von euch ist zum zirklischen Glauben übergetreten, aber viele von uns sind Pentadrianer geworden. Wenn ihr wirklich Dunweger hättet werden wollen, wie ihr behauptet habt, hättet ihr euch dem Zirkel angeschlossen.«

Ein anderer der Neuankömmlinge, der zu weit entfernt war, als dass Lu ihn hätte verstehen können, antwortete.