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Wenn ich doch nur diese Symbole auf der umgekehrten Seite loswerden könnte… Sie blinzelte, dann lächelte sie. Natürlich kann ich das. Ich brauche das Licht lediglich an ihnen vorbeizuleiten.

Aber das bedeutete, dass sie ihr Licht in den Diamanten hineinbewegen musste. Sie war sich nicht sicher, ob sie das tun konnte, ohne den Stein zu beschädigen.

Sie ließ den Anhänger auf ihren Schoß fallen und wog das Risiko ab. Vielleicht sollte sie warten, bis sie die Zwillinge erreichte. Oder sie sollte sie zumindest fragen, ob es möglich war, ein Licht in einen Diamanten zu bewegen, ohne ihn zu beschädigen.

Sie betrachtete die Matte, unter der sie den Schatz versteckt hatte.

Vielleicht kann ich es zuerst an einem anderen Edelstein ausprobieren.

Vorher überprüfte sie jedoch den Geist der Menschen um sich herum. Die Leute, die ihr am nächsten waren, befanden sich in der benachbarten Binsenkuppel einige Schritte von ihr entfernt. Sie deckte den Schatz schnell und vorsichtig auf und achtete darauf, dass ihr dabei nichts auf die feuchtigkeitsdurchtränkte Erde fiel. Ohne lange suchen zu müssen, fand sie einen in einen dicken Goldring eingefassten Diamanten, der sich in einigen Ketten verfangen hatte.

Sie befreite ihn und betrachtete den Stein. Er war mit keinerlei Markierungen versehen. In den vergangenen Wochen hatte sie den gesamten Schatz bereits sorgfältig daraufhin überprüft und nichts entdeckt, was Schriftzeichen oder andere vielsagende Merkmale aufwies.

Dann führte sie ihr Licht nahe heran und machte es so klein und so kühl, wie es ihr möglich war. Langsam schob sie es an die Oberfläche des Diamanten heran. Und als sie den Lichtfunken mit ihrem Willen hineinbewegte, spürte sie keinerlei Widerstand.

Die Lichtwirkung in der Kuppel war recht hübsch. Die Facetten des Diamanten warfen ihr Muster auf die Wände. Sie bewegten sich und zeichneten die Bewegungen ihrer Hände um ein Vielfaches vergrößert nach. So sehr sie auch versuchte, die Hände ruhig zu halten, die ganze Kuppel wirkte doch, als zittere sie.

Nachdem sie das Licht wieder aus dem Edelstein herausgeführt hatte, legte sie ihn beiseite und nahm erneut den mit Schriftzeichen versehenen Stein zur Hand. Sie holte tief Luft, hielt ihn so ruhig sie konnte und bewegte ihr Licht hinein.

Ringsum an der Wand erschien ein Gewirr aus Schriftzeichen und Linien, erst rasch bewegt, dann stillstehend. Sie sah sich um und spürte Enttäuschung in sich aufsteigen. Die Schriftzeichen schoben sich immer noch übereinander und bildeten dabei unverständliche Symbole. Aber als sie einen Blick hinter sich warf, konnte sie ein kurzes Aufwallen von Erregung, Erleichterung und Triumph nicht unterdrücken. Ein Abschnitt war vollkommen klar. Linien und Zahlen umgaben die Schriftzeichen, die sie bereits identifiziert hatte.

Jetzt allerdings erwies sich das gerundete dunkle Riedgeflecht der Kuppel als Hindernis bei ihren Bemühungen zu verstehen, was sie sah. Was sie brauchte, war eine glatte, flache Wand. Oder irgendeine andere ebene Oberfläche.

Sie ließ ihren Blick durch die kleine Kuppel schweifen und stellte fest, dass das Tuch, das sie über ihr Bündel gebreitet hatte, eine relativ ebene Fläche bildete. Sie führte das Licht wieder aus dem Diamanten heraus, legte ihn hin und hängte die Decke mit Angelhaken und Zwirn unter die Kuppel.

Dann nahm sie den Diamanten wieder zur Hand und führte den Lichtfunken erneut vorsichtig hinein. Sie drehte den Stein so, dass die Seite mit der Inschrift ein Licht/ein Schlüssel der Decke zugewandt war und starrte auf die Form, die sich vor ihren Augen abzeichnete.

Es war ein von klaren Linien umrissenes Achteck, durch das nummerierte, gepunktete Linien führten und es in mehrere Segmente unterteilten. Im Zentrum stand das Schriftzeichen für »Licht«. Das ganze Diagramm bewegte sich durch das leichte Zittern ihrer Hände hin und her.

Sie hatte keine Ahnung, was es bedeuten mochte. Das Wort »Licht« in dem Achteck stand sicherlich für ein Licht in dem Diamanten. Aber was bedeuteten die Zahlen und die sich im Mittelpunkt des Achtecks schneidenden Diagonalen?

Auf Zahlen und Gleichungen habe ich mich nie besonders gut verstanden. Darum müssen sich die Zwillinge kümmern, beschloss sie. Sie starrte das Gebilde an, bis sie sich sicher sein konnte, dass sie sich an jede Einzelheit würde erinnern können, und zog dann ihr Licht aus dem Diamanten zurück. Im Anschluss legte sie sich ihn an seiner Kette um den Hals und verbarg den Rest des Schatzes wieder. Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass die ganze Kuppel durch einen magischen Schild gut geschützt war, legte sie sich nieder, um zu schlafen.

Zuerst dachte ich, es sei unwahrscheinlich, dass dieses gerettete Elai-Kind eine Prinzessin war, sagte Mirar zu Auraya. Eine Prinzessin wäre doch gewiss zu gut bewacht, um in die Hände von Seeräubern zu fallen. Aber jeder, dessen Gedanken ich abgeschöpft habe, hält es für wahr.

Das tun auch alle, denen ich begegnet bin.

Gestern hat Nekaun mir dann von dem Bündnis mit den Elai erzählt. Er schien recht stolz auf diese Tatsache zu sein, obwohl er nichts damit zu tun gehabt hatte. Es war einzig das Werk der Zweiten Stimme, Imenja, und ihrer Gefährtin.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der König der Elai aus einem geringeren Grund als der Rückkehr seiner Tochter ein Bündnis mit Landgehern schließen würde. Es ist eine beträchtliche Leistung.

Und eine Überraschung. Ich kann für die Pentadrianer keinen großen Nutzen in diesem Bündnis erkennen. Die Elai sind wohl kaum ein mächtiges oder großes Volk. Es wird ihnen vielleicht zu guter Letzt gelingen, die Zahlen der Piraten zu verringern, aber das wird dem Handel keinen großen Aufschwung geben, da nur wenige pentadrianische Kaufleute sich die Mühe machen, nach Toren oder Genria zu reisen.

Aber wenn sie Schiffe versenken können, werden sie vielleicht im Krieg ein wertvoller Verbündeter sein. Die Weißen müssen davon erfahren. Auraya hielt inne. Würdest du ihnen für mich eine Botschaft übermitteln?

Mirar wurde plötzlich flau im Magen.

Sie würden nichts glauben, was ich ihnen erzähle.

Sie brauchen ja nicht zu wissen, von wem es gekommen ist. Es müsste eine anonyme Warnung sein.

Ich bin mir nicht sicher, ob das klug wäre. Was werden die Weißen den Elai antun? Wenn sie wissen, dass das Meeresvolk sich den Pentadrianern angeschlossen hat, könnten sie die Elai vor der Schlacht angreifen, um zu verhindern, dass sie kämpfen. Dies ist vielleicht eine Angelegenheit, die besser verschleiert bleibt. Ich bezweifle, dass die Elai im Krieg eine große Rolle spielen werden, und wenn die Weißen gewinnen, besteht später wenigstens eine Chance auf Frieden.

Die Weißen werden sie nicht angreifen, versicherte Auraya ihm. Aber sie müssen wissen, dass ihre Schiffe in Gefahr sind.

Mirar wünschte langsam, er hätte das Thema nicht angeschnitten. Es schien ihm falsch zu sein, Auraya zu widersprechen, während sie wochenlang gefesselt in einem unterirdischen Gefängnis saß und er derweil wie ein Ehrengast behandelt wurde. Und er hatte noch keine Möglichkeit gefunden, sie zu retten, ohne dass seine Beteiligung offenbar wurde und das gute Verhältnis zwischen Traumwebern und Pentadrianern darunter leiden würde. Aber er konnte sich nicht von Schuldgefühlen und Mitleid dazu treiben lassen, etwas zu tun, womit er nicht einverstanden war.

Konntest du dich im Geiste weit genug wegbewegen, um die Gedanken der zirklischen Armee abzuschöpfen?, wechselte er das Thema. Hast du etwas von ihren Plänen belauschen können?

Noch nicht. Ich nehme an, ich werde auf das gleiche Problem stoßen, das ich schon hatte, als ich versucht habe, pentadrianische Kriegsräte auszuspionieren. Einige der Götter werden dort sein, und wenn ich nicht entdeckt werden will, werde ich mich fernhalten müssen.