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»Das glaube ich nicht.«

Er grinste. »Oh, ich denke, du hast das, was wir gerade getan haben, mehr als nur ein wenig erregend gefunden.«

Sie starrte ihn an. »Das kann nicht dein Ernst sein. Zu Anfang war es schön, aber später… Welchen Teil von ›Hör auf, du tust mir weh‹ hast du nicht verstanden?«

Er lachte. »Das hast du nicht ernst gemeint.«

»Du weißt, dass es mir ernst war.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich denke, du hast es genossen, mir wehzutun. Du hattest denselben Ausdruck in den Augen, den ich bei dir sehe, seit du Auraya in Ketten gelegt hast. Ich habe fast erwartet, dass du ihren Namen rufen würdest.«

Sein Lächeln verblasste, und seine Augen wurden schmal. Er rollte sich zur Bettkante und stand auf. Sie beobachtete, wie seine Roben sich vom Boden in seine Hände erhoben und er sich mit schnellen, wütenden Bewegungen ankleidete.

Ihr eigener Zorn verebbte, und ein Gefühl der Benommenheit machte sich in ihr breit. »Du gehst.«

»Ja. Wenn meine Bemühungen nicht erwünscht sind«, sagte er, »werde ich irgendwo hingehen, wo es anders ist.«

Tränen der Kränkung schossen ihr in die Augen. Hör auf damit, befahl sie sich. Hör auf, dich wie eine Närrin zu benehmen. Er wollte dich verletzen, also lass ihn nicht sehen, dass er Erfolg hatte.

Er marschierte aus dem Schlafzimmer. Der Knall der zugeschlagenen Tür hallte durch ihre Räume. Die darauffolgende Stille dröhnte in ihren Ohren. Wieder und wieder hörte sie im Geiste seine Worte. »Du bist wohl kaum die Göttin der Liebe.«

Ich bin nicht gut genug für ihn. Deshalb war er so grob. Er hat die Geduld mit mir verloren.

Sie ging zum Bett hinüber, erfüllt von dem einzigen Wunsch, sich zusammenzurollen und sich ihrem Elend zu ergeben. Dann sah sie die Blutflecken. Ihr Blut. Es waren nur wenige Tropfen, aber genug, um sie an die Gewalt zu erinnern, die er ihr angetan hatte, an den wahnsinnigen Ausdruck in seinen Augen, die Hand um ihre Kehle und die Art, wie er über ihren Protest gelacht hatte. Wieder flammte Wut in ihr auf. Sie erhob sich und ging ins Badezimmer.

Ich werde jede noch so kleine Erinnerung an ihn wegwaschen, sagte sie sich. Er kann mit jeder Frau in Glymma schlafen. Meinetwegen kann er auch Auraya in sein Bett nehmen, wenn es das ist, was es braucht, um ihn zu befriedigen. Ich bin fertig mit ihm.

Wäre da nicht der ständige, quälende Gedanke daran gewesen, dass Auraya in ihrem Gefängnis unter dem Sanktuarium litt, hätte Mirar den Tag als besonders zufriedenstellend und vergnüglich eingestuft.

Er hatte sich mit über hundert Traumwebern von Glymma getroffen, um mit ihnen über ihre Rolle als Heiler nach der bevorstehenden Schlacht zu sprechen. Aus dem ganzen Kontinent kamen Traumweber in die Stadt gereist, und Arleej hatte ihn gebeten zu überwachen, dass alle ein Quartier und etwas zu essen bekamen. Obwohl die Anführer des Traumweberhauses den größten Teil dieser Arbeit leisteten, brauchten sie alle jemanden, der in Zweifelsfällen Entscheidungen traf und mit den Stimmen und Götterdienern in Verbindung blieb.

Die Traumweber waren zu einer großen Vernetzung zusammengekommen, und er hatte viel von ihnen erfahren. Er hatte seinen Gedankenschild gerade lange genug sinken lassen, um seine Identität zu bestätigen. Unter anderen Umständen hätte er ihnen gern von seinem »Tod« und seinem Überleben erzählt, aber Auraya spielte eine zu große Rolle in seiner Geschichte, und er konnte das Risiko nicht eingehen, dass die Stimmen die Gedanken der Traumweber lasen und herausfanden, dass er Auraya nicht so sehr verabscheute, wie sie glaubten.

Außerdem hatten die Traumweber, wie er bei dieser Gelegenheit erfahren hatte, den Verdacht gehabt, dass er nicht wirklich Mirar war, dass die Stimmen einen Traumweber angeworben hatten, der bereit war, sich als Mirar auszugeben, um Einfluss auf Nordithania zu gewinnen. Arleej hatte ihnen versichert, dass dies nicht die Wahrheit sei, aber einige Traumweber waren noch immer schockiert über die Entdeckung, dass er tatsächlich ihr legendärer, unsterblicher Begründer war.

Nachdem er mit dem Anführer des Traumweberhauses von Glymma gespeist hatte, war Mirar zu später Stunde ins Sanktuarium zurückgekehrt, wo die Einladung auf ihn gewartet hatte, sich mit der Zweiten Stimme Imenja zu treffen. Ein Götterdiener hatte ihn zu einem Balkon mit Blick auf einen Innenhof begleitet, wo ein Springbrunnen im Licht mehrerer Lampen funkelte. Imenja saß auf einem Riedsessel und erhob sich nun, um ihn zu begrüßen.

»Traumweber Mirar«, sagte sie. »Wie ist deine Zusammenkunft mit deinen Leuten gelaufen?«

»Sehr gut«, antwortete er. »Ich kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, Traumweber ohne die ständige Angst vor Verfolgung leben zu sehen. Es macht mir Mut, zu beobachten, dass sie in Harmonie mit einer vorherrschenden Religion existieren können.«

Sie lächelte. »Geradeso wie in alten Zeiten?«

Er schüttelte den Kopf. »Ja und nein. In der Vergangenheit gab es so viele Götter, dass nur wenige von ihnen über eine derart absolute Macht verfügten, wie deine Götter es tun. Ein einzelner Gott mochte zwar über ein kleines Land wie Dunwegen herrschen, aber niemals über einen ganzen Kontinent. Und niemals im Einklang mit anderen Göttern.«

»Ich würde gern mehr über diese Zeiten hören. Wie nennen die Zirkler sie?«

»Das Zeitalter der Vielen.«

»Ja, und jetzt leben wir im Zeitalter der Fünf. Oder sollte es besser das Zeitalter der Zehn heißen?«

Mirar zuckte die Achseln. »Wenn ich dir Geschichten aus der Vergangenheit erzähle, werden es zumindest nicht deine Götter sein, von deren üblen Taten ich berichte.«

Sie kicherte. »Nein. Ich entnehme deinen Worten, dass die Zirkler nichts von der Vergangenheit ihrer Götter wissen?«

»Nein. Nur die Traumweber wissen Bescheid und geben Erfahrungen und Geschichten durch Gedankenvernetzungen weiter.«

»Dann ist das vielleicht der Grund, warum dein Volk dort schlecht und hier gut behandelt wird. Unsere Götter brauchen die Geschichten nicht zu fürchten, die die Traumweber erzählen.«

Mirar sah sie beeindruckt an. Ihre Worte ergaben durchaus einen Sinn, obwohl er sich nicht sicher war, ob er zu derselben Schlussfolgerung gekommen wäre.

Imenja blickte auf den Innenhof hinaus. »Ich muss dich warnen: Je näher der Krieg kommt, umso mehr werden wir wünschen, dass du uns in irgendeiner Weise hilfst.«

Als sie sich wieder zu ihm umwandte, sah er ihr gelassen in die Augen.

»Traumweber kämpfen nicht.«

»Nein, aber es gibt vielleicht andere Möglichkeiten, wie du uns von Nutzen sein könntest.«

»Wir heilen die Verwundeten. Was können wir sonst noch anbieten?«

Sie drehte sich auf ihrem Stuhl um, so dass sie ihm zugewandt saß. »Was tut ihr, wenn jemand einen Patienten angreift, den ihr gerade heilt? Lasst ihr zu, dass man dem Betreffenden Schaden zufügt, oder beschützt ihr ihn?«

»Wir beschützen ihn«, antwortete er.

»Was tut ihr, wenn jemand einen Freund - oder einen Fremden - angreift? Lasst ihr zu, dass ihm Schaden zugefügt wird, oder beschützt ihr ihn?«

Er runzelte die Stirn, denn er glaubte zu wissen, wohin dieses Gespräch führen würde. »Wir beschützen ihn.«

Sie lächelte und blickte wieder auf den Hof hinaus. »Nekaun wäre vielleicht mit einem Kompromiss zufrieden.« Ihr Lächeln erstarb, und sie seufzte. »Ich kann dir nicht versprechen, dass er dich oder deine Leute nicht bestrafen wird, wenn ihr ihm nicht irgendetwas anbietet. Es muss dabei nicht um deine Anhänger gehen. Er möchte, dass es so aussieht, als hätten wir dich, den legendären Mirar, auf unserer Seite.«

Mirar schüttelte den Kopf. »Das könnte die Traumweber im Norden in Gefahr bringen.«

Sie musterte ihn mit bekümmerter Miene. »Ich weiß. Es ist eine Entscheidung, um die ich dich nicht beneide.« Sie stand auf und lächelte. »Aber wenn du dich uns anschließt, besteht eine gute Chance, dass wir siegen werden, und das wäre wahrscheinlich ein besseres Ergebnis für die Traumweber als die Alternative.«