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Ein Stich der Furcht durchzuckte ihn, dann musste er über die Ironie des Ganzen lächeln. Jetzt, da er endlich erfahren würde, was Auraya getan hatte, wollte er es nicht länger wissen. Ella hatte jedoch nicht die Absicht, Erbarmen zu zeigen.

»Du weißt von ihrer Affäre mit dem Traumweber Leiard«, begann sie. »Was du nicht weißt, ist, dass er nicht derjenige ist, der zu sein er behauptet hat.«

Er runzelte die Stirn. »Wer ist er dann?«

»Mirar.«

Er sah sie lange an in der festen Erwartung, dass sie lächeln und zugeben würde, dass es ein Scherz gewesen war. Aber sie tat nichts dergleichen. Sie erwiderte seinen Blick mit grimmiger Entschlossenheit.

»Aber… das ist nicht möglich«, sagte er schließlich. »Juran hätte ihn erkannt!«

Sie verzog das Gesicht. »Irgendwie hat er seine wahre Identität bis zu dem Punkt unterdrückt, an dem weder er selbst noch die Götter sich dessen bewusst waren. Aber als er seine wahre Persönlichkeit wiederfand, waren die Götter in der Lage, ihn zu erkennen. Juran sagt, seine Erinnerung an Mirar sei verblasst, und Leiard sah tatsächlich ganz anders aus.«

»Ich bezweifle, dass die Götter allzu glücklich über diese Wendung der Ereignisse waren.«

»Nein. Sie haben Auraya den Befehl gegeben, ihn zu töten.«

Danjin sog scharf die Luft ein und starrte sie entsetzt an. »Und sie konnte es nicht tun.«

»Nein.«

»Also haben sie sie aus dem Kreis der Weißen ausgestoßen.«

»Nein. Sie ist zurückgetreten. Sie hatte vollkommen zu Recht den Schluss gezogen, dass die Unfähigkeit, den Göttern zu gehorchen, eine Schwäche ist, die kein Weißer haben sollte.«

Er zuckte zusammen. »Sie konnten nicht von ihr erwarten, dass sie jemanden tötete, den sie liebte. Hätte das nicht ein anderer tun können?«

»Er ist nicht der Mann, den sie geliebt hat. Er ist Mirar. Und er war in Si. Kein anderer Weißer hätte ihn so schnell erreichen können wie Auraya.«

»Oh.« Ich wette, dass sie an diesem Tag ihre Fähigkeit zu fliegen verflucht hat, ging es ihm durch den Kopf.

»Leiard war eine temporäre Persönlichkeit, hinter der Mirar sich versteckt hat. Sie hätte nicht ihren ehemaligen Geliebten getötet, und das wusste sie.«

Danjin seufzte. »Ich bin davon überzeugt, dass sie es wusste. Trotzdem wäre es mir nicht leichtgefallen, das Abbild eines Menschen zu töten, den ich einmal geliebt habe.«

»Niemand erwartet, dass das Leben eines Weißen leicht ist.«

Er nickte. Sie hatte recht, aber es fiel ihm schwer, ihr unbarmherziges Urteil zu akzeptieren. Gewiss war sie zu hart gegen Auraya. Aber wie konnte sie Mitgefühl mit Auraya empfinden, wenn sie selbst niemals vor einem solchen Dilemma gestanden hatte?

Wie kommt es dann, dass ich Mitgefühl mit ihr habe? Hat Ella recht? Bin ich in meiner Treue zu blind?

Er seufzte. »Also ist sie nach Si zurückgekehrt…« Als ihm klar wurde, was das möglicherweise bedeutete, runzelte er die Stirn. »War Mirar noch dort?«

»Nein. Er war nach Südithania geflohen, wo die Pentadrianer ihn mit offenen Armen willkommen geheißen haben.«

Die Pentadrianer. Und jetzt war Auraya ebenfalls dort. Danjin ließ mutlos die Schultern sinken. »Ist sie jetzt Mirars Geliebte?«, brachte er mit einiger Mühe heraus.

»Das glaube ich nicht.«

»Also hat der Umstand, dass sie sich den Pentadrianern angeschlossen hat, nichts mit ihm zu tun?«, fragte er hoffnungsvoll.

Ella wandte den Blick ab und runzelte die Stirn. »Ich weiß es nicht. Aber da ist noch etwas, das du wissen solltest. Auraya ist vor einigen Monaten einer rätselhaften Frau begegnet. Wir glauben, sie war eine Wilde und hat Auraya verbotene Gaben gelehrt. Die Fähigkeit, ihren Geist vor den Göttern abzuschirmen… und vielleicht das Geheimnis der Unsterblichkeit.«

»Auraya ist eine Wilde

»Möglicherweise.«

Er schüttelte den Kopf. »Das macht sie also zu einer Feindin der Götter?«

Ella sah ihn kurz an, dann wandte sie sich wieder ab. »Nein.«

Sie gab keine näheren Erklärungen, und Danjin fand es eigenartig, dass seine Frage ihr so offenkundig unangenehm war. Vielleicht lag es nur daran, dass sie keine Antwort darauf hatte.

Danjin dachte über alles nach, was er erfahren hatte. Die Götter hatten Auraya nicht zurückgewiesen. Ella hatte gesagt, dass Auraya möglicherweise eine Wilde sei. Vielleicht bedeutete der Umstand, dass die Götter sie akzeptierten, dass es sich nicht so verhielt.

Oder vielleicht bekümmert sie die Existenz unsterblicher Zauberer nicht, solange diese Zauberer ihnen huldigen.

Ella drehte sich wieder zu ihm um. »Sobald du die Überraschung über diese Offenbarungen überwunden hast, wirst du eins erkennen: Wenn die Pentadrianer jetzt eine Wilde auf ihrer Seite haben, werden sie beträchtlich stärker sein als zuvor. Halte dir ferner vor Augen, was Auraya über die Stärken und Schwächen der Zirkler weiß, und du wirst feststellen, dass der Gedanke an zukünftige Konflikte überaus erschreckend ist.«

»Ja«, stimmte Danjin ihr zu.

»Sie kennt uns zu gut, aber du kennst sie besser als irgendjemand sonst. Ich möchte, dass du genau überlegst, auf welche Weise sie ihr Wissen gegen uns benutzen könnte und wie wir unser Wissen über Auraya gegen die ehemalige Weiße einsetzen können.«

Er nickte. »Das werde ich tun. Ich könnte durchaus etwas gebrauchen, worüber ich während dieser Reise nachdenken kann.«

Sie warf ihm einen seltsamen Blick zu. »Die Vorstellung, eine Verschwörung gegen Auraya zu planen, bekümmert dich nicht weiter?«

Er lächelte. »Ein weiterer Vorzug meiner Ergebenheit. Es macht mir nichts aus, mir ein Bündnis zwischen Auraya und den Pentadrianern vorzustellen, weil ich nicht daran glaube.«

Ella schüttelte den Kopf. »Wenn dir das hilft, will ich dir nicht noch mehr Illusionen über Auraya rauben.« Sie erhob sich. »Gute Nacht, Danjin Speer.«

»Gute Nacht.«

25

Eine weiche Matratze bedeutete ein Bett, und ein Bett bedeutete, dass Auraya in ihrem Zimmer im Turm war … Aber das konnte nicht wahr sein.

Auraya öffnete die Augen und stöhnte, als ihr alles wieder einfieclass="underline" der gescheiterte Angriff der Siyee auf die pentadrianischen Vögel, ihre Übereinkunft mit Nekaun, die Tatsache, dass sie sich im Sanktuarium befand, der Trutzburg des Feindes. Sie war sofort hellwach, und ihre Gedanken wanderten unverzüglich zu dem vor ihr liegenden Tag und den Dingen, die baldmöglichst geschehen mussten.

Ich habe jetzt fast eine Nacht und einen Tag hier verbracht. Wenn Nekaun sein Wort hält, wird er heute einen weiteren Siyee freilassen.

Und wenn er es nicht tut?

Dann würde sie fortgehen - wenn sie konnte - und versuchen, eine Möglichkeit zu finden, die Siyee zu befreien.

Als sie aus dem Bett stieg, hörte sie einen leisen, schläfrigen Laut des Protests. Sie blickte hinab und stellte fest, dass Unfug blinzelnd zu ihr aufsah. Er reckte sich mit bebendem Schwanz.

Einige Diener hatten ihr am Tag zuvor einen Berg Kleider gebracht. Sie hatte zum Schlafen ein schlichtes Hemd gewählt und dann ihren Zirk, die Hosen und die ärmellose Tunika, in denen sie angekommen war, gereinigt. Jetzt schlüpfte sie wieder in ihre Priesterinnengewänder und trat ans Fenster.

Von dort aus hatte man einen prächtigen Blick auf die Stadt und die Dächer und Innenhöfe des Sanktuariums. Die Räume, die man ihr gegeben hatte, waren wahrscheinlich der Beherbergung wichtiger Gäste vorbehalten. Ich frage mich, wer vorher hier gewohnt haben mag. Die Räume sind groß, aber nicht besonders kunstvoll eingerichtet. Es gibt nicht viele Möbel. Könige und ähnliche Würdenträger würden gewiss prächtigere Quartiere bevorzugen.