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Was sie nicht wissen, ist, dass das Schiff mit Absicht auf Grund gesetzt worden war und dass die angeblichen Opfer in ihrem unfruchtbaren Heimatland kein kärgliches Dasein gefristet hatten, wie diese behaupteten. Es waren pentadrianische Priester und ihre Familien, ausgeschickt, sich mit Dunwegern anzufreunden und diese dann zu bekehren.«

Sie zog die Brauen zusammen. »Bisher ist es ihnen gelungen, das halbe Dorf zu bekehren. Die Übrigen akzeptieren die Bekehrung der anderen, obwohl einige den Neuankömmlingen aus verschiedenen eher kleinlichen Gründen grollen.« Sie sah Yem an. »Sobald die Pentadrianer sich niedergelassen hatten, trafen sie Vorkehrungen, unzufriedene Diener nach Dram bringen zu lassen. Ich weiß nicht, warum der einheimische Clan diesen Pentadrianern erlaubt hat zu bleiben, aber ich habe die Absicht, es herauszufinden. Die Dorfbewohner glauben, der Zuwachs der Ernteerträge durch die zusätzlichen Arbeiter sei der Grund dafür, warum ihre Anführer sich die Dinge nicht allzu genau ansehen.«

Yem zuckte die Achseln. »Wir bekommen in Chon nicht oft Mitglieder des Correl-Clans zu Gesicht. Sie zahlen ihre Steuern und nehmen an den Abstimmungen teil, bleiben ansonsten aber unter sich.«

»Ich möchte ihnen einen Besuch abstatten«, sagte sie.

»Wir werden morgen an der Straße zu ihrer Festung vorbeikommen«, erwiderte er.

Ella blickte nachdenklich drein. »Gut. Wir werden ihre Hilfe brauchen, wenn wir diese Pentadrianer zusammentreiben.«

»Wenn du die Festung besuchst, gehst du das Risiko ein, dass die Pentadrianer von deiner Ankunft erfahren«, warnte Gillen sie. »Was ist, wenn es dort Spione gibt?«

»Ich werde sie finden und mich um sie kümmern«, entgegnete sie entschieden.

Yem rutschte auf seinem Platz hin und her. »Was wirst du mit den Pentadrianern machen?«

Ella runzelte die Stirn. »Das zu entscheiden wird bei Juran und I-Portak liegen.«

»Und sie werden auch über das Schicksal der Dorfbewohner entscheiden?«

»Ja.«

Yem runzelte abermals die Stirn, aber er schwieg. Gillen verzog das Gesicht und seufzte.

»Die Dorfbewohner sind getäuscht worden«, bemerkte Danjin. »Sie haben sich lediglich des Vergehens schuldig gemacht, Menschen eine helfende Hand zu reichen, von denen sie glaubten, sie seien in Not. Dafür wird man sie doch gewiss nicht bestrafen.«

»Die Clans wird das nicht interessieren«, sagte Gillen. »Sie werden an ihnen ein Exempel statuieren wollen, um in Zukunft Diener davon abzuhalten, ihre Herren zu verlassen oder Feinde zu verstecken.«

»Man wird ihnen eine Gelegenheit geben, ihr Verhalten zu erklären«, versicherte Yem Danjin.

Wird ihnen das etwas nutzen?, fragte sich Danjin. Die dunwegische Rechtsprechung war im Allgemeinen unversöhnlich und brutal.

»Sie haben sich von den Göttern abgewandt«, erklärte Ella düster. »Sie sind nicht vollkommen schuldlos, Danjin.«

Er sah sie bestürzt an. Ihre Augen wurden schmal, und ein kalter Schauer überlief ihn. Warum habe ich das Gefühl, dass sie förmlich nach Anzeichen von Treulosigkeit sucht? Er drängte das Gefühl beiseite. Meine Rolle besteht darin, sie zu beraten. Es wird von mir erwartet, dass ich unbequeme Fragen stelle.

»Was ist mit den Dorfbewohnern, die sich nicht von den Göttern abgewandt haben, mit denen, die nicht wissen, dass sie betrogen wurden?«

»Du meinst diejenigen, die die Anwesenheit des Feindes in ihrem Dorf hätten melden sollen?«, fragte sie zurück. »In diesem Fall ist niemand schuldlos, Danjin.«

»Sie könnten die Tatsache, dass der Clan sich nicht eingemischt hat, als Zustimmung gewertet haben«, wandte Danjin ein. »Sie hätten es nicht gewagt, sich gegen ihre Herren zu stellen.«

»Das kannst du nicht wissen, Danjin«, erwiderte sie lächelnd, »aber wir werden es bald genug herausfinden. Wenn es dein Gewissen erleichtert, werde ich bei den Dorfbewohnern nach solchen Gedanken Ausschau halten. Ich bezweifle jedoch, dass die Clans ebenso mitfühlend sein werden wie du.« Sie blickte zu Yem hinüber, der resigniert die Achseln zuckte. »Jetzt lasst uns zusehen, dass wir so viel Schlaf wie möglich bekommen. Morgen liegt ein anstrengender Tag vor uns.«

28

In dem Saal, in dem die Stimmen offizielle Bankette für Gäste abhielten, hallten Reivans und Imenjas Schritte wider. Am Ende des langen Tisches waren fünf Gedecke hergerichtet. Nur fünf Menschen aßen in diesem riesigen Raum. Es wirkte lächerlich, aber es war alles ein Teil von Nekauns Bemühungen, Auraya zu beeindrucken.

Als Reivan und Imenja sich dem Ende des Tisches näherten, wurde eine Tür geöffnet. Eine Frau trat ein, und einen Moment lang sah Reivan nichts als die weiße Gewandung einer zirklischen Priesterin, und Angst stieg in ihr auf.

Dann bemerkte sie Nekaun hinter der Frau und kurz darauf Turaan, der den beiden folgte. Das Schwarz seiner Roben bildete einen starken Gegensatz zu Aurayas weißer Kleidung, und Reivans Furcht machte einer nervösen Erregung Platz.

Da sowohl Imenja als auch Nekaun anwesend waren, fühlte sie sich wieder sicher. Auraya hatte keine Chance, Nekaun und Imenja an magischer Stärke zu übertreffen… Obwohl es Reivan schwerfiel, sich vorzustellen, dass die beiden Stimmen am gleichen Strang zogen.

Sie würden es tun, wenn es sein müsste, dachte sie. Dann holte sie tief Luft und hoffte, dass ihre Angst sich nicht auf ihrem Gesicht gezeigt hatte. Natürlich würde das nicht viel nutzen, wenn Auraya nach wie vor Gedanken lesen konnte. Sie blickte zu Imenja hinüber.

Kann sie es?

Wir sind uns nicht sicher.

»Priesterin Auraya, dies ist die Zweite Stimme, Imenja«, sagte Nekaun. Turaan übersetzte die Worte ins Hanianische. »Imenja, dies ist Priesterin Auraya, eine ehemalige Weiße«, beendete Nekaun die Vorstellung.

»Willkommen in Glymma und im Sanktuarium«, erwiderte Imenja auf Avvensch. »Es ist viel angenehmer, dir beim Essen zu begegnen, als auf einem Schlachtfeld.« Aurayas Miene blieb ausdruckslos, bis Turaan übersetzte, was Reivan dahingehend deutete, dass Auraya doch nicht in der Lage war, Gedanken zu lesen.

Die ehemalige Weiße lächelte schwach. »Das ist es gewiss - auch für mich.«

Imenja drehte den Kopf leicht in Reivans Richtung, als widerstrebe es ihr, Auraya auch nur für einen Moment aus den Augen zu lassen.

»Dies ist meine Gefährtin, Reivan.«

Auraya sah Reivan direkt an. »Ich fühle mich geehrt, dich kennenzulernen, Gefährtin Reivan. Nekaun hat mir viel von dir erzählt, unter anderem, dass du die pentadrianische Armee aus den Minen geführt hast.«

Reivan schoss die Röte ins Gesicht. »Auch ich fühle mich geehrt, dich kennenzulernen.« Wie viel hat er ihr über mich erzählt? Oh, mach dich nicht lächerlich, Reivan. Er wird wohl kaum mit einer ehemaligen Weißen Herzensangelegenheiten besprechen.

Die ehemalige Weiße wirkte erheitert, was zweifellos auf Reivans Erröten zurückzuführen war. Reivan war erleichtert, als die Frau ihre Aufmerksamkeit wieder Imenja zuwandte, die eine Bemerkung darüber machte, dass Reivan die sennonische Sprache beherrsche und sie ihre Unterhaltung vielleicht auf Sennonisch fortsetzen sollten. Reivan hörte jedoch kaum zu, da Nekaun endlich ihren Blick erwiderte. Sein Lächeln ließ ihr Herz schneller schlagen, dann wandte er sich wieder ab und deutete auf den Tisch.

»Bitte, setzt euch«, sagte er. »Wir werden es uns bequem machen, während wir reden.«

Imenja und Auraya gingen zu gegenüberliegenden Seiten des Tisches, während Nekaun seinen gewohnten Platz am Kopfende der Tafel einnahm. Reivan fand sich Turaan gegenüber. Der Mann bedachte sie mit einem kurzen, hochmütigen Blick, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf die anderen richtete.

»Es ist eine interessante Idee, diese Position eines Gefährten«, bemerkte Auraya. »Ich hatte einen Ratgeber, aber es wurde nicht von ihm verlangt, Priester zu werden.«