»Zu schade, dass die Aliens es ihnen nicht verraten werden.
Aber wir können wohl dankbar sein, wenn sie den Syndiks nicht verraten, wo wir sind.«
»Oh ja.« Geary drückte die Handballen gegen seine Augen, da er fühlte, dass Kopfschmerzen im Anmarsch waren.
»Reden wir über andere Dinge.«
Duellos schien zu überlegen. »Wollen wir über persönliche Angelegenheiten reden?«
»Ihre oder meine?«, fragte Geary ironisch.
»Ihre.«
»Das hatte ich befürchtet. Was ist jetzt schon wieder?«
Duellos legte die Stirn in Falten und sah nach unten. »Sie und Tanya Desjani.«
»Nein, wir haben nichts miteinander, und daran wird sich auch nichts ändern.«
»In der Flotte wächst die Überzeugung, dass es doch so ist.
Jeder weiß, dass Co-Präsidentin Rione nicht mehr in Ihrem Quartier übernachtet und dass sie und Captain Desjani nur mit Mühe zivilisiert miteinander umgehen können.« Duellos machte eine beiläufige Geste. »Daraus wird gefolgert, dass die bessere Frau gewonnen hat. Natürlich sieht die Flotte in Tanya Desjani eine bessere Frau als in einer Politikerin.«
Geary schnaubte aufgebracht. »Sie ist eine wunderbare Frau, aber sie ist auch meine Untergebene. Sie kennen die Vorschriften so gut wie ich, und sie ist ebenfalls damit vertraut.«
»Sie könnten damit durchkommen, wie Sie wissen«, gab Duellos zu bedenken. »Sie sind ein Sonderfall. Sie sind Black Jack Geary.«
»Der fast mythische Held, der tun und lassen kann, was er möchte. Klingt schön, aber ich kann es mir nicht leisten, so von mir zu denken.« Er stand auf und begann, rastlos im Raum auf und ab zu gehen, obwohl er sich hundemüde fühlte.
»Wenn ich gegen diese Vorschrift verstoße, warum dann nicht gleich auch noch gegen ein paar mehr? Und wenn ich schon dabei bin, warum nehme ich dann nicht gleich Captain Badayas Angebot an und schwinge mich zum Diktator auf? Abgesehen davon«, fügte er schließlich an, »würde sich Tanya gar nicht darauf einlassen. Sie würde von sich aus nichts mit mir anfangen, und sie würde mich auch nicht zum Zug kommen lassen.«
»Da haben Sie vermutlich recht«, stimmte Duellos ihm zu.
»Aber dann müssen Sie auch noch kräftig daran arbeiten, dass Ihre Augen nicht diesen sehnsüchtigen Ausdruck annehmen, wenn Sie ihren Namen sagen.«
Geary wirbelte zu Duellos herum. »Ich hoffe, das war als Scherz gemeint. Oder stimmt das etwa?«
»Zumindest fällt es mir auf. Aber keine Sorge, das scheint nur aufzutreten, wenn Sie ›Tanya‹ sagen. Bei ›Captain Desjani‹ ist das nicht der Fall.« Duellos verzog die Mundwinkel. »Und es ist ja nicht so, als würde sie Sie nicht manchmal ganz genauso ansehen.«
Tatsächlich? »Ich schwöre Ihnen, wir haben nichts gemacht, was…«
Duellos hob seine Hand, um Gearys Redefluss zu stoppen.
»Das müssen Sie gar nicht. Ich zweifle nicht an dem, was Sie sagen. Jaylen Cresida und ich kennen Desjani gut genug, um zu wissen, dass sie sich mit ihren Gefühlen für Sie nicht nur schrecklich herumquält, sondern dass sie deswegen auch ein schlechtes Gewissen hat. Für einen vorgesetzten Offizier etwas zu empfinden, läuft allem zuwider, woran sie glaubt.« Mit einem Schulterzucken fügte er hinzu: »Jetzt glaubt sie natürlich an Sie.«
Vom eigenen schlechten Gewissen geplagt, rieb sich Geary mit beiden Händen übers Gesicht. »Ich sollte die Dauntless verlassen. Ich habe kein Recht, sie in eine solche Situation zu bringen.«
»Wenn Sie die Dauntless verlassen, führt das zu gar nichts.
Wie sagte doch Captain Cresida zu mir: ›Wenn Tanya erst einmal ein Ziel erfasst hat, dann lässt sie nicht wieder los. Sie kann gar nicht anders.‹ Und damit hat Jaylen recht. Sie geraten nicht aus Tanyas Gesichtsfeld, wenn Sie auf ein anderes Schiff wechseln, und es könnte für sie sogar noch schlimmer sein, wenn Sie nicht mehr da sind. Abgesehen davon erfüllt es die Crew der Dauntless mit Stolz, Sie an Bord zu haben. Ich rate Ihnen, sie nicht zu verlassen.«
Geary nickte ihm zu, fragte sich jedoch, ob Duellos mit »sie« Tanya Desjani oder die Dauntless gemeint hatte. »Aber wenn die Flotte glaubt, zwischen uns läuft was…«
»Das glaubt die Flotte nicht. Jedenfalls nicht in dieser Weise. Auch wenn getuschelt wird, dass es sehr wohl so ist, glauben die meisten in der Flotte, dass Sie beide zwar ein inniges Verhältnis haben, dass Sie aber strikt dienstlich miteinander umgehen und den nötigen Abstand wahren.«
»Nicht mal das stimmt«, beteuerte Geary und ließ sich wieder in seinen Sessel sinken.
»Bei einer buchstabengetreuen Auslegung der Vorschrift haben Sie recht, aber eine unerfüllte Liebe ist immer auch von einer romantischen Aura umgeben, und ich glaube, dass Sie beide trotz Ihrer Gefühle die Regeln beachten, stärkt Ihre Position umso mehr. Es ist so wie in einer antiken Sage.« Duellos lächelte, als Geary ihm einen mürrischen Blick zuwarf. »Sie haben gefragt, und ich antworte Ihnen.«
»Enden diese Sagen nicht alle ziemlich tragisch?«
Wieder kam von Duellos ein Schulterzucken. »Die meisten schon. Aber das hier ist Ihre Sage, Sie schreiben daran, während wir hier sitzen.«
Aus irgendeinem Grund musste Geary darüber lachen. »Ich glaube, ich muss mal ein eindringliches Gespräch mit mir führen, was diesen Plot angeht.«
»Eine Sage wäre doch uninteressant, wenn den Figuren nicht irgendetwas Schlimmes zustoßen würde«, betonte Duellos.
»Ich habe nie gewollt, dass mein Leben interessant ist, und ich habe erst recht nicht gewollt, dass Desjanis Leben auf diese Weise interessant wird.«
»Sie schreibt ihre eigene Geschichte. Sie können ihr auf der Brücke Befehle erteilen, aber sie scheint mir nicht der Typ zu sein, der sich von irgendwem vorschreiben lässt, wie ihre persönliche Sage verlaufen soll.«
Dagegen war nichts einzuwenden. »Es ist ohnehin alles Spekulation. Wenden wir uns lieber wieder den unpersönlichen Angelegenheiten zu«, murrte Geary. »Ich hoffe, die Leute machen Tan-… Captain Desjani deswegen nicht das Leben schwer.«
»Falls doch, ist sie in der Lage, zurückzuschießen. Ich muss zugeben, mich hat Ihre offensichtliche Vorliebe für gefährliche Frauen erstaunt, aber das scheint ja auf Gegenseitigkeit zu beruhen.«
Da ihm nichts einfallen wollte, was er darauf erwidern konnte, wechselte Geary kurzerhand das Thema. »Ich wusste gar nicht, dass Sie und Oesida befreundet sind.«
»Waren wir ursprünglich auch nicht. Wir kannten uns kaum, aber seitdem Sie das Kommando übernommen haben, gab es für uns immer wieder Gelegenheiten für längere Unterhaltungen. Sie ist eine beeindruckende Frau. Ich weiß nicht, ob ihr Temperament für ein größeres, eigenständiges Kommando genügt, aber Jaylen Cresida ist eine brillante Wissen-schaftlerin. Da stellt man sich unwillkürlich die Frage, was wohl ohne diesen Krieg aus ihr geworden wäre.« Er schaute nachdenklich drein. »Meine Frau und ich haben zu Hause ein paar Freunde, mit denen wir sie bekanntmachen wollen.
Beide Seiten könnte es erheblich schlechter erwischen.«
»Kann ich mir gut vorstellen«, meinte Geary. Lange Zeil hatte er es vermieden, sich intensiver mit den Personalakten seiner Schiffskommandanten zu beschäftigen, aber es war mehr als überfällig, dass er endlich mehr über die Menschen hinter den Posten herausfand. »Und abgesehen von meinem nicht existenten Liebesleben und Ihrem Wunsch, Captain Cresida zu verkuppeln…«
Duellos grinste flüchtig, dann lehnte er sich zurück, dachte kurz nach und machte einen unglücklichen Eindruck. »Ich komme nicht dahinter, was Captain Numos vorhat. Ganz sicher hat er seinen Arrest bis heute nicht akzeptiert. Aber die Mitteilungen, die er an seine Anhänger verschickt, verlassen so klammheimlich seine Zelle, dass nicht mal das Gerücht ihrer Existenz bis zu denjenigen vordringt, die bereit sind, die Information an mich weiterzugeben.«