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Perry, der Graves inzwischen in die Höhle gefolgt war, wenn auch deutlich langsamer und zögerlicher, drängte sich nun an dem anderen Mann vorbei und streckte die Hand nach oben, um die Decke der Höhle zu betasten. »Sehen Sie das hier? Das sind Risse! Und die sind ziemlich neu. Ich bin mir sicher, wir sollten nicht länger hier unten bleiben! Was macht ihr hier, J’merlia?«

»Nun, wir warten selbstverständlich. So wie man es uns aufgetragen hat.« Der Lo’tfianer stieß eine Reihe kurzer, schneller Pfeiflaute in Richtung Kallik aus, dann fuhr er fort. »Unsere Meister brachten uns hierher und sagten uns, wir sollten hier ihre Rückkehr erwarten. Und das tun wir.«

»Atvar H’sial und Louis Nenda?«

»Selbstverständlich. Die Besitzer sind nicht veränderlich.«

»Also ist Nenda doch nicht wütend wieder nach Hause abgerauscht. Wann sind eure Meister aufgebrochen?«

»Vor zwei Tagen. Wir blieben zunächst an der Oberfläche, doch die Bedingungen dort missfielen uns — zu heiß, zu ungeschützt, das Atmen fiel zu schwer. Aber hier, gemütlich unter der Oberfläche …«

»Gemütlich, während euch fast schon die Decke auf die Schädel kracht! Haben die gesagt, wann sie zurückkommen werden?«

»Taten sie nicht. Warum sollten sie auch? Wir haben Nahrung, wir haben Wasser, wir sind hier in Sicherheit.«

»Machen Sie sich gar nicht erst die Mühe, weitere Fragen zu stellen, Commander!« Graves, der jetzt alles begutachtet hatte, was sich in der Höhle befand, ging in die Knie und rieb sich die Augen, die von all dem allgegenwärtig umherwirbelnden Staub schon deutlich gereizt waren. »Atvar H’sial und Louis Nenda werden ihre geplante Reiseroute J’merlia gegenüber nicht preisgegeben haben, und auch sonst nichts. Warum sollten sie auch, wie J’merlia schon richtig gesagt hat? Damit es uns leichter fällt, ihnen zu folgen? Nein.« Er senkte die Stimme, flüsterte nur noch — aber so, wie ein Schauspieler auf einer Theaterbühne flüstert. »Wenn sie überhaupt beabsichtigen, wegen der beiden noch einmal zurückzukehren! Vielleicht haben sie die hier einfach nur zurückgelassen. Aber selbst das ist nicht die eigentliche Frage. Die Frage, die hier wirklich interessiert, ist folgende: Welches Ziel hatten H’sial und Nenda? Wohin sind sie gegangen, auf Erdstoß, kurz vor dem Gezeitensturm, dass sie J’merlia und Kallik nicht haben mitnehmen können oder wollen?«

Wie zur Antwort auf seine Frage erzitterte der Höhlenboden. Der schwache Erdstoß ließ die Höhlendecke unbeschädigt, doch eine Wolke feinen weißen Staubs hüllte sie allesamt ein.

»Es ist mir egal — ä-häm! —, wo die hingegangen sind!« Perry hatte Schwierigkeiten, das Husten zu unterdrücken. »Was mir nicht egal ist, ist, was mit uns passiert und wohin wir als Nächstes gehen.«

»Wir werden jetzt die Carmel-Zwillinge finden.« Wieder rieb sich Graves das weiße Pulver aus den Augen; jetzt sah er aus wie ein Zirkusclown.

»Klar doch. Wo denn? Und wann?« Perry war sehr wohl bewusst, dass ihnen die Zeit davonlief, auch wenn Graves sich darum nicht im Geringsten zu kümmern schien. »Wir haben nur noch fünfundfünfzig Stunden bis zum Gezeitensturm.«

»Das reicht doch dicke!«

»Nein. Sie hören nur ›fünfundfünfzig Stunden‹ und glauben, bis dahin könne Ihnen gar nichts passieren. Das ist völlig falsch! Jeder, der in den letzten fünf oder wahrscheinlich auch fünfzehn Stunden vor dem eigentlichen Gezeitensturm immer noch auf Erdstoß ist, ist wahrscheinlich bereits tot. Wenn wir die Zwillinge nicht bald finden — in den nächsten zehn bis zwölf Stunden —, dann sind auch die tot! Wir werden dann nämlich die Suche abbrechen und zu ›Nabelschnur‹ zurückkehren müssen.«

Endlich schien der Allianzrat zu begreifen, wie Perry über die ganze Lage dachte. Graves erhob sich, den kahlen Schädel gesenkt, und seufzte zustimmend. »Also gut. Wir haben nicht genug Zeit, uns auch noch zu streiten. Dann suchen wir jetzt die Zwillinge.«

»Und was ist mit den beiden hier?« Perry deutete auf Kallik und J’merlia.

»Die kommen mit uns. Selbstverständlich sogar! Atvar H’sial und Louis Nenda kommen vielleicht nie wieder zurück, oder sie kommen zu spät, oder sie werden vielleicht das Funkfeuer nicht mehr anpeilen können — Sie haben ja gesagt, dass dem die Energie auszugehen droht.«

»Das ist auch so. Sie haben völlig recht, wir können die beiden nicht einfach hier lassen. Im Wagen ist genug Platz für uns alle.« Perry wandte sich zu J’merlia und Kallik um. »Kommt schon! Wir sehen zu, dass wir hier rauskommen.«

Als die anderen sich daraufhin nicht in Bewegung setzten, griff er nach einem der schlanken, schwarzen Vorderbeine von J’merlia und begann auf den Ausgang der Höhle zuzugehen. Erstaunlicherweise setzt der Lo’ttianer sich zur Wehr.

»Bei allem Respekt, Commander Perry.« J’merlia stemmte sechs seiner Beine gegen den Fels und kauerte sich so weit zusammen, dass sein schlanker Unterleib den Boden berührte. »Menschen sind sehr viel bedeutendere Wesen als Kallik oder ich, das wissen wir, und wir mühen uns auch stets, das zu tun, was Menschen uns auftragen. Aber Atvar H’sial und Louis Nenda erteilten uns die Anweisung, hierzubleiben. Wir müssen warten, bis sie zurückkehren.«

Voller Frustration drehte sich Perry zu Graves um. »Und nun? Die beiden wollen nicht auf mich hören. Meinen Sie, die würden einen direkten Befehl von Ihnen akzeptieren?«

»Wahrscheinlich nicht.« Der Allianzrat schaute J’merlia ruhig an. »Oder doch?«

Der Lo’tfianer erschauerte und kauerte sich noch dichter auf den staubigen Höhlenboden.

Graves nickte. »Das ist mir schon Antwort genug. Wissen Sie, Commander, wir bringen die beiden gerade in eine unerträgliche Situation. Obwohl sie darauf trainiert wurden, uns zu gehorchen, können sie doch nicht den direkten Anweisungen ihrer Meister zuwiderhandeln. Sie haben sehr wohl stark ausgeprägte Instinkte, das eigene Leben zu schützen, aber hier sehen sie keinerlei Gefahr. Allerdings hätte ich einen Alternativvorschlag — der für die beiden akzeptabel sein könnte. Wir lassen sie hier …«

»Wir können sie nicht hier lassen. Sie werden sterben.«

»Wir lassen sie nicht für unbestimmte Zeit hier. Aber wir sind der Pentacline-Senke schon recht nah. Dort können wir nach den Zwillingen suchen. Und wenn wir diesem Funkfeuer eine neue Energiequelle spendieren, können wir anschließend wieder hierher zurückkehren, ob unsere Suche nun erfolgreich war oder nicht. Bis dahin sind vielleicht auch Nenda und Atvar H’sial wieder zurückgekehrt. Falls nicht, werden die Veränderungen an der Oberfläche von Erdstoß mittlerweile gewiss deutlich gefährlicher wirken, und dann können wir erneut versuchen, die beiden davon zu überzeugen, dass es doch besser wäre, mit uns zu kommen.«

Perry zögerte immer noch. Schließlich schüttelte er den Kopf. »Ich glaube, das kriegen wir noch besser hin.« Er wandte sich an J’merlia. »Hat man euch angewiesen, nicht den Ort zu verlassen, an dem Atvar H’sial und Louis Nenda euch abgesetzt haben?«

»Das ist zutreffend.«

»Aber ihr habt den Ort doch bereits verlassen — ihr seid hier in diese Höhle hinuntergegangen. Also müsst ihr doch zumindest über ein gewisses Maß an Bewegungsfreiheit verfügen. Wie weit vom eigentlichen Ort wärt ihr, Kallik und du, denn bereit, euch fortzubewegen?«

»Einen Augenblick, bitte.« J’merlia wandte sich von Perry ab und begann dann, sich in Pfeiflauten ausgiebig mit dem Hymenopter zu unterhalten, der die ganze Zeit über völlig reglos auf dem Boden gekauert hatte. Schließlich nickte er.

»Das ist weniger eine Frage der Entfernung als vielmehr der Zeit. Einige Kilometer wären akzeptabel; Kallik und ich sind gemeinsam zu dem Schluss gekommen, so weit könnten wir uns auch zu Fuß bewegen. Aber wenn Sie sich sicher sind, dass wir innerhalb von drei oder vier Stunden wieder hierher würden zurückkehren können, dann wären wir bereit, mit dem Flugwagen eine deutlich größere Strecke zurückzulegen.«