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Sie sagte ihm, dass es ihrer Meinung nach nur um Geld gehen konnte. Zed müsste nur eine gewisse Summe von seiner Zeitung auf den Tisch legen, dann hätte er seine Geschichte. Davon wusste er zwar noch nichts, aber er würde es bald erfahren.

Als sie das Invalidenheim erreichten, sagte sie:»Sie warten hier.«

«Moment mal«, meinte Zed, der zweifellos fürchtete, dass er mal wieder nur den Chauffeur spielen sollte, während sie Informationen sammelte, die sie an ihn weitergeben würde oder auch nicht. Eigentlich konnte sie ihm das nicht einmal übel nehmen, dachte Deborah, denn beim letzten Mal hatte er nicht viel mehr von ihrem Ausflug gehabt als einen halbleeren Tank.

«Ich rufe Sie an, sobald ich mit ihr allein bin«, sagte sie.»Wenn wir sie gemeinsam ansprechen, dann sagt sie uns kein weiteres Wort über Alatea Fairclough, das garantiere ich Ihnen. Warum sollte sie auch? Wenn sie etwas Illegales vorhat, wird sie es nicht hinausposaunen wollen.«

Zum Glück fragte er nicht, warum zum Teufel sie dann überhaupt hergekommen waren.

Am Empfangstresen saß derselbe alte Herr wie beim letzten Mal. Er erinnerte sich an sie wegen ihres roten Haarschopfs. Er fragte, ob sie wieder Miss Lucy Keverne sprechen wolle, und hielt einen Stapel Papier hoch.»Ich lese nämlich gerade ihr Stück, und wenn das nicht groß rauskommt, dann fress ich einen Besen.«

Lucy machte ein überraschtes Gesicht, als sie die Eingangshalle betrat und sah, wer am Tresen stand. Dann änderte sich ihre Miene, und sie sah Deborah misstrauisch an.

Deborah ging auf sie zu, legte ihr eine Hand auf den Arm und sagte leise:»Hören Sie, Ms. Keverne. Scotland Yard ermittelt hier in Cumbria, und ein Journalist von der Source treibt sich ebenfalls hier in der Gegend herum. Früher oder später werden Sie Ihre Geschichte erzählen müssen — die wahre Version —, und es liegt an Ihnen, wem Sie sie erzählen.«

«Ich kann nicht …«

«Ihnen bleibt gar nichts anderes übrig. Ich habe Ihnen gestern etwas vorgemacht. Dafür bitte ich Sie um Entschuldigung. Aber ich hatte gehofft, der Sache auf den Grund gehen zu können, ohne Sie in eine unangenehme Situation zu bringen. Gegen Alatea Fairclough wird ermittelt, und die Spur führt auf direktem Weg zu Ihnen.«

«Ich habe nichts Verbotenes getan.«

«Das sagen Sie«, meinte Deborah.»Und wenn das tatsächlich stimmt …«

«Es ist die Wahrheit!«

«… dann können Sie entscheiden, wer Ihnen mehr zu bieten hat.«

Lucys Augen wurden schmal.»Wovon reden Sie?«

Deborah sah sich verstohlen um.»Darüber kann ich hier nicht mit Ihnen reden.«

«Gut, dann kommen Sie mit.«

Noch besser, dachte Deborah.

Diesmal gingen sie nicht in den Garten, sondern in ein Büro, das Lucys zu sein schien. Es gab zwei Schreibtische, von denen nur einer in Benutzung war. Lucy schloss die Tür, verschränkte die Arme vor der Brust und fragte:»Wer bietet was?«

«Boulevardzeitungen bezahlen für eine gute Geschichte, das wissen Sie doch.«

«Sind Sie Journalistin?«

«Nein, aber ich habe einen mitgebracht, und wenn Sie sich bereit erklären, mit ihm zu reden, sorge ich dafür, dass er Sie dafür bezahlt. Meine Aufgabe ist es, den Wert einer Geschichte einzuschätzen. Sie erzählen mir die Geschichte, ich verhandle mit dem Journalisten.«

«Ich kaufe Ihnen nicht ab, dass das so funktioniert«, entgegnete Lucy.»Wer sind Sie? Eine Agentin der Source? Eine Art … Nachrichten-Scout oder was?«

«Ich glaube nicht, dass es eine Rolle spielt, wer ich bin«, sagte Deborah.»Wichtiger ist, was ich zu bieten habe. Ich kann den Scotland-Yard-Detective anrufen, der hier in Cumbria in einem Mordfall ermittelt, oder ich kann einen Journalisten anrufen, der hier reinkommt, sich Ihre Geschichte anhört, Sie dafür bezahlt und wieder verschwindet.«

«Wie bitte? Sagten Sie gerade Mord

«Das ist im Moment nicht wichtig. Es geht um das, was sich zwischen Ihnen und Alatea Fairclough abspielt. Es ist Ihre Entscheidung. Was wäre Ihnen lieber? Ein Besuch von einem Detective von Scotland Yard oder von einem Journalisten?«

Lucy Keverne dachte darüber nach. Auf dem Korridor wurde ein Teewagen vorbeigeschoben. Schließlich sagte sie:»Wie viel?«

Deborah atmete erleichtert auf.»Ich schätze, das hängt davon ab, wie sensationell Ihre Geschichte ist«, antwortete sie.

Lucy schaute aus dem Fenster in den Garten, wo sie ihr erstes Gespräch geführt hatten. Ein Windstoß fuhr in einen japanischen Ahorn und riss einige der letzten Blätter ab, die sich immer noch störrisch an die Zweige klammerten. Deborah wartete. Es war ihre letzte Möglichkeit, die Wahrheit zu erfahren. Wenn Lucy Keverne sich nicht darauf einließ, blieb ihr nichts anderes übrig, als unverrichteter Dinge nach London zurückzukehren.

Schließlich sagte Lucy:»Es gibt keine Geschichte. Jedenfalls keine, die die Source interessieren könnte. Es ist nichts weiter als eine Vereinbarung zwischen zwei Frauen. Glauben Sie mir, ich würde mehr daraus machen, wenn ich wüsste wie, denn ich könnte das Geld gut gebrauchen. Es ist nicht gerade mein Traum, hier zu arbeiten. Viel lieber würde ich zu Hause sitzen, in Ruhe meine Stücke schreiben und sie in London auf die Bühne bringen lassen. Aber daraus wird so bald nichts werden, und deswegen arbeite ich vormittags hier im Invalidenheim, schreibe nachmittags und verdiene mir hin und wieder ein bisschen dazu, indem ich Eier spende. Deshalb auch die Anzeige in der Conception, aber das habe ich Ihnen ja bereits erzählt.«

«Sie haben mir außerdem erzählt, Alatea Fairclough hätte Sie angesprochen, weil sie eine Leihmutter sucht, und Sie hätten abgelehnt.«

«Okay, das war gelogen. Ich habe zugesagt.«

«Und warum haben Sie das gestern abgestritten?«

«Weil es eine Privatangelegenheit ist.«

«Und das Geld?«

«Was ist damit?«

«Soweit ich weiß«, sagte Deborah,»bezahlt man Sie dafür, dass Sie Ihre Eier spenden. Aber wenn Sie sich als Leihmutter zur Verfügung stellen, werden Sie nicht dafür bezahlt. Sie bekommen nur Ihre Kosten erstattet. Ist es nicht so?«

Lucy schwieg. In die Stille hinein klingelte Deborahs Handy. Ungehalten nahm sie es aus der Tasche und nahm das Gespräch entgegen.

«Halten Sie mich für einen verdammten Idioten?«, fragte Zed.»Was zum Teufel geht da drinnen vor?«

«Ich rufe Sie gleich zurück.«

«Kommt gar nicht in Frage. Ich komme rein.«

«Das ist keine gute Idee.«

«Ach nein? Also, es ist die beste, die mir einfällt. Und wenn ich komme, hoffe ich, dass Sie eine Geschichte für mich haben, und zwar eine, die mit dem Mord an Cresswell zu tun hat.«

«Das kann ich Ihnen nicht versprechen …«Aber er hatte bereits aufgelegt. Deborah sagte zu Lucy:»Der Journalist kommt. Ich kann jetzt nichts mehr tun, es sei denn, Sie wollen mir noch etwas sagen. Etwas, das ich benutzen kann, um Ihnen den Mann vom Hals zu halten. Ich nehme an, es geht um Geld. Alatea ist bereit, Ihnen mehr zu geben als das, was Sie auslegen, nicht wahr? Was illegal wäre. Und es würde auch erklären, warum Sie mich gestern in die Irre geführt haben.«

«Sehen Sie mich an!«, sagte Lucy aufgebracht.»Sehen Sie sich diesen Job hier an! Ich brauche Zeit, um mein Stück fertig zu schreiben, zu proben, zu überarbeiten, aber ich habe weder Zeit noch Geld, und die Vereinbarung mit Alatea hätte mir beides garantiert. Wenn Sie wollen, können Sie daraus gern eine Geschichte machen, doch ich glaube kaum, dass sie die Verkaufszahlen irgendeiner Boulevardzeitung steigert! Sie etwa?«

Sie hatte natürlich vollkommen recht. Fairclough-Erbe sucht illegal Leihmutter würde niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Die Geschichte wäre erst interessant, wenn es Fotos von einem lächelnden Baby gäbe und eine Schlagzeile in typischer Source-Manier: Fairclough-Baby für 50 000 Pfund von Leihmutter an Eltern verkauft. Ein geplatzter Deal wäre keine Story, da sich nicht beweisen ließ, dass überhaupt Verhandlungen stattgefunden hatten. Selbst wenn Lucy aussagte, würde Alatea alles abstreiten. Ohne ein Kind als lebenden Beweis gab es keine Geschichte.