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«Wir müssen herausfinden, was da drin ist«, sagte Deborah. In Anbetracht seiner Größe würde Zed das allerdings nicht schaffen, ohne aufzufallen. Deborah stieg aus.»Warten Sie hier«, sagte sie und rannte auf die andere Straßenseite, wo die parkenden Autos ihr ein wenig Sichtschutz boten.

Sie näherte sich dem Gebäude, bis sie die Schrift über dem Eingang lesen konnte. Kent-Howath Foundation for Disabled Veterans stand da. Ein Heim für Soldaten, die im Krieg verwundet worden waren.

Alatea war Argentinierin. Der Falklandkrieg, dachte Deborah. War es möglich, dass ein argentinischer Soldat irgendwie in diesem Heim gelandet war? Jemand, den Alatea besuchte?

Sie überlegte gerade, welche anderen Kriege in Frage kamen — die Golfkriege am ehesten —, als Alatea aus dem Gebäude trat. Sie war nicht allein, in ihrer Begleitung war aber auch kein kriegsversehrter Veteran, sondern eine Frau, so groß wie Alatea, wenngleich viel kräftiger gebaut. Die Frau hatte einen langen, buntgemusterten Rock, einen weiten Pullover und Stiefel an. Ihr langes, graumeliertes Haar, das sie offen trug, war einmal so dunkel gewesen wie Alateas. Ein Haarreif hielt es ihr aus dem Gesicht.

In ein offensichtlich ernstes Gespräch vertieft, gingen die beiden Frauen zum Parkplatz hinter dem Gebäude. Deborah eilte zurück zu Zeds Auto und stieg ein.»Sie wird gleich weiterfahren. Eine Frau ist bei ihr.«

Zed ließ den Motor an.»Was ist das für ein Gebäude?«, fragte er.

«Ein Heim für Kriegsinvaliden.«

«Was wollte sie denn da?«

«Keine Ahnung. Wie gesagt, sie ist mit einer Frau zusammen wieder rausgekommen. Es könnte natürlich eine Soldatin sein, aber soweit ich das sehen konnte, ist sie keine Invalidin. Da kommen sie. Schnell. «Deborah warf sich Zed an den Hals in der Hoffnung, dass es so aussah, als wären sie ein Pärchen in leidenschaftlicher Umarmung. Als sie über Zeds Schulter hinweg sah, wie Alateas Auto auf die Straße einbog, ließ sie ihn wieder los. Er war puterrot angelaufen.»Tut mir leid«, sagte sie.»Mir ist nichts Besseres eingefallen.«

«Kein Problem … äh …«, stammelte er. Dann fuhr er los und heftete sich wieder an Alateas Fersen.

Es herrschte dichter Verkehr, aber es gelang Zed, Alateas Auto im Auge zu behalten. Sie fuhr aus dem Stadtzentrum hinaus, bis eine Anhöhe mit einer Reihe großer, moderner Gebäude in Sicht kam.

«Sie fährt zur Uni«, sagte Zed.»Das bringt uns bestimmt nicht weiter.«

Da war Deborah ganz anderer Meinung. Wenn Alatea mit einer Freundin oder Bekannten zur Universität von Lancaster fuhr, dann hatte sie dafür sicherlich einen Grund. Deborah konnte sich auch schon denken, was für ein Grund das war, und der hatte nichts mit dem Erwerb von höherer Bildung zu tun.

Es würde allerdings nicht leicht sein, Alatea unbemerkt über den Campus zu folgen. Der Verkehr zur Uni wurde über eine Nebenstraße geleitet, wo Deborah und Zed feststellten, dass das Parken nur in dafür ausgewiesenen Parkbuchten erlaubt war, die kaum die Möglichkeit boten, sich zu verstecken. Offenbar war die Universität ohne einen Gedanken daran errichtet worden, dass man mal jemanden beschatten musste.

Als Alatea in eine dieser Parkbuchten einbog, bat Deborah Zed, sie aussteigen zu lassen. Das gefiel Zed ganz und gar nicht, schließlich lautete der Plan, dass sie Alatea gemeinsam beschatten würden. Er habe nichts in der Hand, was ihm die Kooperation von Scotland Yard sichere, argumentierte er.

«Hören Sie«, sagte Deborah.»Wir können hier nicht zu zweit hinter den beiden herlaufen. Parken Sie irgendwo anders, dann rufen Sie mich auf dem Handy an, und ich sage Ihnen, wo ich bin. Es ist das Einzige, was wir machen können.«

Er wirkte nicht überzeugt, aber daran ließ sich nichts ändern. Sie war nicht hier, um ihm zu beweisen, dass sie vertrauenswürdig war. Sie war hier, um die Wahrheit über Alatea Fairclough ans Tageslicht zu befördern. Zed hielt an, und ehe er protestieren konnte, war Deborah schon aus dem Wagen gesprungen.»Rufen Sie mich an!«, sagte sie, dann eilte sie los.

Zed war natürlich klar, dass Alatea ihn auf keinen Fall entdecken durfte, sonst würde die Verfolgungsaktion sofort auffliegen. Deborah durfte sich natürlich auch nicht sehen lassen, aber sie war längst nicht so auffällig wie er.

Den beiden zu folgen erwies sich als leichter, als Deborah erwartet hatte. Sie hatte Glück: Es begann zu regnen. Und zwar so plötzlich und heftig, dass man einen Schirm brauchte. Eine ideale Tarnung. Deborah fischte ihren Knirps aus ihrer Handtasche, spannte ihn auf und hielt ihn erleichtert über ihr kupferrotes Haar.

Sie folgte den beiden Frauen in gebührender Entfernung. Um diese Tageszeit wimmelte es auf dem Campus von Studenten, und das war ein Segen. Und es war ebenfalls ein Segen, dass die Uni, anders als die alten Universitäten, aus einem einzigen großen Komplex bestand, der deutlich sichtbar außerhalb der Stadt auf einem Hügel stand.

Alatea und ihre Begleiterin gingen zusammen unter einem Schirm und waren ins Gespräch vertieft. Alatea hatte sich bei der anderen Frau untergehakt. Als sie einmal stolperte, fing die andere sie auf. Die beiden schienen Freundinnen zu sein.

Sie bewegten sich schnell und zielstrebig, offenbar kannten sie sich hier aus, dachte Deborah aufgeregt.

Ihr Handy klingelte.»Wir sind auf einem Weg, der quer über den Campus führt«, sagte sie hastig.

«Deb?«

Es war Tommy. Deborah wand sich innerlich und verfluchte sich dafür, dass sie sich gemeldet hatte, ohne aufs Display zu sehen.»Ah, Tommy«, sagte sie.»Ich dachte, es wäre jemand anders.«

«Das hab ich gemerkt. Wo bist du?«

«Warum willst du das wissen?«

«Weil ich dich kenne. Ich habe gestern auf dem Parkplatz dein Gesicht gesehen. Du tust etwas, wovon wir dich gebeten haben, es sein zu lassen, hab ich recht?«

«Simon ist nicht mein Vater, Tommy. Ist er bei dir?«

«Er hat sich mit mir in Newby Bridge zum Kaffee verabredet. Deb, was hast du vor? Wo bist du? Wessen Anruf erwartest du?«

Deborah überlegte, ob sie ihn anlügen sollte, und fragte sich gleichzeitig, ob sie es überhaupt fertigbringen würde, Tommy zu belügen. Sie seufzte.»Ich bin an der Uni in Lancaster.«

«An der Uni in Lancaster? Was machst du denn da?«

«Ich verfolge Alatea Fairclough. Sie ist in Begleitung einer Frau hier, die sie in einem Heim für Kriegsinvaliden abgeholt hat. Ich möchte wissen, wo die beiden hingehen. «Um ihm keine Zeit zu lassen, darüber nachzudenken, was das zu bedeuten hatte, fuhr sie hastig fort:»Die ganze Sache hat mit Alatea Fairclough zu tun. Irgendwas stimmt da nicht, Tommy. Ich weiß, dass du das auch spürst.«

«Das Einzige, was ich spüre, ist, dass du drauf und dran bist, dir großen Ärger einzuhandeln, Alatea Fairclough hin oder her.«

«Wie soll ich mir Ärger einhandeln, indem ich den beiden folge? Die wissen ja nicht mal, dass ich hinter ihnen her bin. Und selbst wenn sie es merken …«Sie zögerte. Wenn sie ihm mehr erzählte, würde er es wahrscheinlich Simon weitersagen.

Aber er war ein schlauer Fuchs.»Du hast meine andere Frage noch nicht beantwortet, Deb. Wer soll dich anrufen?«

«Der Journalist.«

«Der Reporter von der Source? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen, Deb? Da kann Gott weiß was passieren!«

«Es kann nichts Schlimmeres passieren, als dass mein Konterfei auf der Titelseite der Source erscheint mit der Unterschrift ›Detective Sergeant Cotter‹. Und das ist nicht gefährlich, sondern lustig, Tommy.«

Er schwieg einen Moment. Deborah sah, dass die beiden Frauen offenbar ihr Ziel erreicht hatten, ein hoher Betonkasten im gesichtslosen Stil der sechziger Jahre. Deborah blieb stehen, um ihnen Zeit zu lassen, das Gebäude zu betreten und in den Fahrstuhl zu steigen. Tommy sagte:»Deb, hast du eigentlich eine Ahnung, wie es Simon gehen würde, wenn dir etwas zustieße? Denn ich weiß es, glaub mir.«