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Dieser Spanier, Cazalla, ein Offizier seines Königs Philipp, zerstörte das englische Handelsschiff Entrepid und tötete alle an Bord mit blutrünstiger Grausamkeit. Unter den Getöteten befand sich ein Günstling Seiner Majestät, ein gewisser Captain Warner. Ich bin sicher, dass Seine Majestät den Verlust dieses Gentleman über die Maßen bedauern wird.«

Hunter hielt inne. Das war dem Tribunal neu, und es war offensichtlich alles andere als erfreut, das zu hören.

König Charles nahm vieles im Leben sehr persönlich; seine für gewöhnlich gute Laune konnte schlagartig dahin sein, wenn einer seiner Freunde verletzt oder gar beleidigt wurde – geschweige denn getötet.

»Als Vergeltung für diese mannigfachen Provokationen«, sagte Hunter, »griffen wir die spanische Festung Matanceros an, um Ihre Ladyschaft zu retten und so viel Beute zu machen, wie wir als Entschädigung für vernünftig und angemessen erachteten. Dabei handelte es sich keineswegs um Piraterie, Gentlemen. Dabei handelte es sich um eine ehrenhafte Vergeltung für abscheuliche Untaten auf hoher See, und als nichts anderes kann meine Handlungsweise betrachtet werden.«

Er hielt inne und blickte in die Gesichter vor ihm. Die Männer starrten ihn ungerührt an; sie alle kannten die Wahrheit, begriff er.

»Lady Sarah Almont kann meine Aussage bezeugen, so wie jeder andere an Bord meines Schiffes, der dazu aufgerufen wird. Die Anklage entbehrt jeder Grundlage, denn von Piraterie kann nur die Rede sein, wenn keine gebührende Provokation vorliegt, und in diesem Fall war die Provokation gewaltig.«

Er hatte alles gesagt und blickte in die Gesichter. Sie waren jetzt ausdruckslos, leer und unergründlich. Ihn fröstelte.

Hacklett beugte sich über den Tisch vor. »Habt Ihr noch mehr zu Eurer Verteidigung vorzutragen, Mr Charles Hunter?«

»Nein«, sagte Hunter. »Ich habe alles gesagt, was ich zu sagen habe.«

»Und das höchst glaubhaft, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf«, sagte Hacklett. Die anderen sechs Männer nickten und murmelten zustimmend. »Doch die Wahrheit Eurer Rede ist eine andere Frage, mit der wir uns nun befassen müssen. Seid doch so gut und erklärt diesem Gericht, mit welchem Auftrag Euer Schiff in See stach.«

»Blutholz fällen«, sagte Hunter.

»Hattet Ihr einen Kaperbrief?«

»Jawohl, von Sir James Almont persönlich.«

»Und wo befindet sich das Dokument?«

»Es ist mit der Cassandra verschollen«, sagte Hunter, »aber ich habe keinen Zweifel, dass Sir James bestätigen wird, es aufgesetzt zu haben.«

»Sir James«, sagte Hacklett, »ist schwer erkrankt und außerstande, vor diesem Gericht irgendetwas zu bestätigen oder in Abrede zu stellen. Gleichwohl können wir Euch, wie ich glaube, beim Worte nehmen, dass das fragliche Dokument ausgestellt wurde.«

Hunter macht eine knappe Verbeugung.

»Also weiter«, sagte Hacklett. »Wo wurdet Ihr von dem spanischen Kriegsschiff gekapert? In welchen Gewässern?«

Hunter sah augenblicklich, in welchem Dilemma er sich befand, und so zögerte er mit der Antwort, obwohl er wusste, dass das Zögern seiner Glaubwürdigkeit Abbruch tun würde. Er beschloss, die Wahrheit zu sagen – beinahe.

»In der Windward-Passage nördlich von Puerto Rico.«

»Nördlich von Puerto Rico?«, sagte Hacklett mit gespielt überraschter Miene. »Wachsen in der Region Blutholzbäume?«

»Nein«, sagte Hunter, »aber ein heftiger Sturm hatte uns zwei Tage lang hin und her geworfen und wir waren weit vom Kurs abgekommen.«

»Das kann man wohl sagen, denn Puerto Rico liegt nordöstlich von Jamaika, Blutholzbäume finden sich dagegen ausschließlich im Südwesten.«

Hunter sagte: »Für Stürme bin ich wohl kaum verantwortlich zu machen.«

»An welchen Tagen war der Sturm?«

»Am zwölften und dreizehnten September.«

»Sonderbar«, sagte Hacklett. »An den Tagen war in Jamaika schönes Wetter.«

»Das Wetter auf See ist nicht immer so wie an Land«, sagte Hunter, »was allgemein bekannt ist.«

»Das Gericht dankt Euch für Eure Lektion in Seemannskunst, Mr Hunter«, sagte Hacklett. »Obgleich Ihr, wie ich glaube, den anwesenden Gentlemen hier nur wenig beizubringen habt, hä?« Er lachte leise. »Nun denn, Mr Hunter – verzeiht, wenn ich Euch nicht als Captain Hunter anrede –, behauptet Ihr, dass Ihr zu keinem Zeitpunkt die Absicht hegtet, mit Eurem Schiff und Eurer Besatzung eine spanische Siedlung oder spanisches Hoheitsgebiet zu überfallen?«

»Das behaupte ich, allerdings.«

»Ihr habt einen solchen gesetzwidrigen Überfall nie in Erwägung gezogen?«

»Niemals.« Hunter sprach mit aller Bestimmtheit, die er aufbringen konnte. Er wusste, dass seine Besatzung es nicht wagen würde, ihm in diesem Punkt zu widersprechen. Wenn sie die Abstimmung zugaben, die sie in der Bull Bay abgehalten hatten, würden sie mit Sicherheit wegen Piraterie verurteilt.

»Schwört Ihr bei Eurer sterblichen Seele, dass eine solche Absicht niemals mit einem Angehörigen Eurer Besatzung erörtert wurde?«

»Ich schwöre es.«

Hacklett sammelte sich kurz. »Lasst mich Eure Aussage noch einmal zusammenfassen, um sicherzugehen, dass ich Euch richtig verstanden habe. Ziel Eurer Fahrt war eine simple Blutholzexpedition, und durch widrige Umstände seid Ihr von einem Sturm, der diese Küste nie erreichte, weit nach Norden verschlagen worden. Anschließend wurdet Ihr ohne Provokation irgendwelcher Art von einem spanischen Kriegsschiff gekapert. Ist das korrekt?«

»Ja.«

»Und fürder erfuhrt Ihr, dass selbiges Kriegsschiff ein englisches Handelsschiff überfallen und Lady Sarah Almont als Geisel genommen hatte, was Euch Veranlassung zu einem Vergeltungsschlag gab. Richtig?«

»Ja.«

Hacklett hielt erneut inne. »Wie brachtet Ihr in Erfahrung, dass das Kriegsschiff Lady Sarah Almont gefangen genommen hatte?«

»Sie war an Bord des Kriegsschiffs, als wir gekapert wurden«, sagte Hunter. »Das erfuhr ich – von einem schwatzhaften spanischen Soldaten.«

»Wie praktisch für Euch.«

»Es entspricht der Wahrheit. Nachdem wir entkommen konnten – was, wie ich hoffe, vor diesem Tribunal kein Verbrechen ist –, verfolgten wir das Kriegsschiff nach Matanceros und sahen dort, wie Lady Sarah von Bord in die Festung verbracht wurde.«

»Dann habt Ihr also mit dem alleinigen Ziel angegriffen, die Tugend dieser Engländerin zu bewahren?« Hackletts Stimme triefte vor Sarkasmus.

Hunter blickte im Tribunal von einem Gesicht zum nächsten. »Gentlemen«, sagte er, »wenn ich mich nicht irre, ist es nicht Aufgabe dieses Tribunals herauszufinden, ob ich ein Heiliger bin« – amüsiertes Lachen erklang –, »sondern einzig und allein, ob ich ein Pirat bin. Ich wusste natürlich von der Galeone im Hafen von Matanceros. Sie war eine überaus verlockende Prise. Dennoch wird das Gericht hoffentlich anerkennen, dass die Provokationen eine Vielzahl solcher Angriffe gerechtfertigt hätten – und zwar eindeutige Provokationen, die keinen Raum für juristische Spitzfindigkeiten oder formale Deuteleien lassen.«

Er blickte zu dem Gerichtsschreiber hinüber, dessen Aufgabe es war, bei dem Verfahren Protokoll zu führen. Erstaunt stellte Hunter fest, dass der Mann friedlich dasaß und nicht mal die Feder in der Hand hielt.

»Sagt uns«, sagte Hacklett, »wie ist es Euch gelungen, von dem spanischen Kriegsschiff zu entkommen, nachdem Ihr gefangen genommen worden wart?«

»Durch den Heldenmut und die Tapferkeit des Franzosen Sanson, der uns befreite.«

»Ihr habt eine hohe Meinung von diesem Sanson?«