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Und dennoch war der Effekt der gleiche. »Terraformung — unumkehrbar«, krächzte er. »Wäre taktisch — technisch — schwer — zu starten — zu stoppen. Bemühung gleich einem — gemacht. Und könnte nicht. Und — Umwelt kann — eine Waffe in unserem Fall sein — in unserem — Anliegen. Auf jeder Stufe.«

»Inwiefern?« fragten verschiedene Leute, aber Sax erklärte sich nicht näher. Er konzentrierte sich auf Ann, die ihn mit eigenartiger Miene ansah, als ob sie verbittert wäre.

Sie sagte: »Wenn wir auf dem Weg zur Lebensfähigkeit sind, dann stellt der Mars für die Transnationalen einen unglaublichen Wert dar. Vielleicht sogar ihre Rettung, wenn die Dinge dort unten auf der Erde wirklich schiefgehen. Sie können hierherkommen, die Macht übernehmen und ihre eigene neue Welt haben und die Erde zum Teufel gehen lassen. Wenn das geschieht, sind wir vom Glück verlassen. Ihr habt gesehen, was einundsechzig passiert ist. Ihnen stehen gigantische Militärkräfte zur Verfügung, und so werden sie ihre Macht hier behalten.«

Sie zuckte die Achseln. Sax blinzelte, als er darüber nachdachte. Er nickte sogar. Nadia fühlte, wie ihr Herz sich verkrampfte, als sie die beiden ansah. Sie waren fast so leidenschaftslos, als ob es ihnen nichts ausmachte oder als ob die Teile von ihnen, welche das kümmerte, den Teilen, die das nicht taten, die Waage hielten. Beide schienen in ihren früher siebziger Jahren zu stehen, so daß Nadia, wenn sie sie anschaute und ihren eigenen nervösen Puls fühlte, kaum glauben konnte, daß sie jetzt über 120 zählten, unmenschlich alt und so … verändert, irgendwie verschlissen, übersättigt, erschöpft — oder mindestens darüber hinaus, sich bei einem bloßen Wortwechsel übermäßig zu erregen.

Sie wußten jetzt, welch geringe Bedeutung Worte in der Welt hatten. Und so schwiegen sie jetzt und sahen einander nur noch in die Augen, in einer Auseinandersetzung befangen, aus der fast jede Wut gewichen war.

Aber andere glichen ihre Nachdenklichkeit mehr als aus, und die jüngeren Heißsporne gingen wie der Teufel darauf los. Für die jüngeren Roten war Terraformung nichts weiter als ein Teil des imperialen Vorgehens. Ann war im Vergleich mit ihnen gemäßigt. Sie griffen in ihrer Wut sogar Hiroko an. »Nenne das nicht Areoformung!« schrie sie eine an; und Hiroko sah gleichgültig diese große junge Frau an, eine blonde Walküre, die der Gebrauch des Wortes fast tollwütig machte. »Es ist Terraformung, was du meinst und tust. Es Areoformung zu nennen ist eine Lüge, bei der einem schlecht wird.«

»Wir terraformen den Planeten«, sagte Jackie zu der Frau. »Aber der Planet areoformt uns.«

»Und auch das ist eine Lüge!«

Ann starrte Jackie wütend an und sagte: »Das hat dein Großvater vor langer Zeit zu mir gesagt, wie du vielleicht weißt. Aber ich warte immer noch darauf, was Areoformung bedeuten soll.«

Jackie sagte zuversichtlich: »Das ist jedem passiert, der hier geboren wurde.«

»Wieso? Du bist auf dem Mars geboren. Inwiefern bist du anders?«

Jackie machte ein finsteres Gesicht und erwiderte: »Wie alle anderen Eingeborenen. Mars ist alles, was ich kenne und an dem mir liegt. Ich wurde in einer Kultur aufgezogen, die aus Zügen vieler unterschiedlicher irdischer Vorfahren besteht, vermischt zu einem neuen Marswesen.«

Ann zuckte wieder die Achseln. »Ich sehe nicht, wie du so anders bist. Du erinnerst mich an Maya.«

»Zum Teufel mit dir!«

»Wie Maya sagen würde. Und das ist euer Areoformen. Wir sind menschlich und bleiben menschlich, ganz gleich, was John Boone gesagt hat. Er hat viel geredet, davon ist nichts je wahr geworden.«

»Noch nicht«, sagte Jackie. »Aber der Prozeß wird verlangsamt, wenn er in den Händen von Leuten liegt, die seit fünfzig Jahren keinen neuen Gedanken gehabt haben.« Darüber lachten viele jüngere Leute. »Und die es gewohnt sind, in eine politische Diskussion willkürlich persönliche Beleidigungen einzuflechten.«

So stand sie da und blickte Ann an. Sie wirkte ruhig und entspannt bis auf das Blitzen ihrer Augen, das Nadia wieder daran erinnerte, was für eine Macht Jackie war. Fast alle Eingeborenen standen hinter ihr. Daran gab es keinen Zweifel.

Hiroko sagte zu Ann: »Wenn wir uns hier nicht verändert haben, wie erklärst du da die Roten? Wie erklärst du die Areophanie?«

Ann zuckte die Achseln. »Es gibt eben Ausnahmen.«

Hiroko schüttelte den Kopf. »In uns ist ein Geist des Ortes. Landschaft hat tiefe Effekte auf die menschliche Psyche. Du bist eine Studentin von Landschaften und eine Rote. Du mußt zugeben, daß das wahr ist.«

Ann erwiderte: »Wahr für manche, aber nicht für alle. Die meisten Menschen empfinden diesen Geist des Ortes offenbar nicht. Eine Stadt gleicht sehr der anderen. In Wirklichkeit sind sie in jeder wichtigen Beziehung austauschbar. Also kommen Leute in eine Stadt, und was ist der Unterschied? Es gibt keinen. Darum denken sie nicht mehr an Zerstörung des Landes außerhalb der Stadt, als sie es auf der Erde getan haben.«

»Man kann diesen Menschen beibringen, anders zu denken.«

»Nein, ich glaube nicht, daß man das kann. Du hast sie zu spät erwischt. Bestenfalls kannst du ihnen befehlen, anders zu handeln. Das ist aber keine Areoformung durch den Planeten, sondern Indoktrination, Umerziehungslager und dergleichen. Eine faschistische Areophanie.«

»Überredung«, entgegnete Hiroko. »Befürwortung, Argumentation durch Beispiel, Überzeugung durch Argumente. Es muß nicht Zwang sein.«

»Die aerogele Revolution«, sagte Ann sarkastisch. »Aber Aerogel hat sehr wenig Einfluß auf Geschosse.«

Mehrere Leute redeten zugleich, und für einen Moment war der Faden der Erörterung verloren. Die Diskussion spaltete sich sofort in hundert kleinere Debatten, da hier zu viele etwas sagen wollten, das sie bisher nicht vorgebracht hatten. Es war offenkundig, daß das noch stundenlang so weitergehen könnte und Tag für Tag.

Ann und Sax setzten sich wieder hin. Nadia entfernte sich kopfschüttelnd aus der Menge. Am Rande der Versammlung traf sie auf Art, der auch den Kopf gelassen schüttelte.

»Unglaublich«, sagte er.

»Glaub es nur!«

Die Tage des Kongresses entwickelten sich ganz ähnlich wie die ersten, mit guten oder schlechten Workshops, danach dem Dinner und dann langen Abenden mit Gesprächen oder Parties. Nadia stellte fest, daß, während die alten Emigranten nach dem Essen wieder an die Arbeit zu gehen pflegten, die jungen Eingeborenen dazu neigten, die Konferenzen nur als Arbeit bei Tage anzusehen, während in den Nächten gefeiert wurde, meist bei dem großen warmen Teich in Phaistos. Das war wieder einmal eine Sache der Neigungen mit vielen Ausnahmen in beiden Richtungen. Aber Nadia fand es interessant.

Sie selbst verbrachte ihre Abende meistens auf den Speiseterrassen von Zakros, machte sich Notizen über die Meetings des Tages, sprach mit den Leuten und dachte über die Dinge nach. Nirgal arbeitete oft mit ihr zusammen und Art auch, wenn er nicht mit Menschen zusammenkam, die tagsüber diskutiert hatten, um zusammen Kava zu trinken und dann in Phaistos eine Party zu besuchen.

In der zweiten Woche nahm sie die Gewohnheit an, einen Abendspaziergang das Rohr hinauf zu unternehmen, oft bis hin zu Falasarna. Danach ging sie zurück und pflegte mit Nirgal und Art zusammenzukommen für ihre letzte Manöverkritik des Tages, wofür sie sich auf einem Patio trafen, der sich auf einem kleinen Lavabuckel in Lato befand. Die beiden Männer waren auf ihrer langen Heimreise von Kasei Vallis Freunde geworden und wurden unter dem Druck des Kongresses wie Brüder. Sie sprachen über alles, verglichen ihre Eindrücke, testeten Theorien, entwickelten Pläne zur Beurteilung durch Nadia und beschlossen, eine Art von Dokument über den Kongreß abzufassen. Nadia war ein Teil davon — vielleicht als ältere Schwester oder einfach die großmütterliche Babuschka. Einmal, als sie Schluß gemacht hatten und ins Bett wankten, sprach Art vom ›Triumvirat‹. Ohne Zweifel mit ihr als Pompejus. Aber sie tat ihr Bestes, um sie mit ihren Analysen des größeren Bildes zu beeinflussen.