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Sax sprach nicht wieder, aber seine Stirnlampe war wie ein Zeigefinger, und Nirgal richtete seine Stirnlampe oft auf die gleiche Stelle und verdoppelte damit die Beleuchtung. Der Himmel wurde rosa; und es war ihnen, als ob sie sich im Schatten des Planeten befänden, obwohl die Sonne genau über ihren Köpfen stand.

Dann sagte Sax: »Dr…!« und richtete seine Lampe auf einen steilen Kieshang, über dem ein Geflecht hölzerner Zweige wuchs, wie ein Netz, das das Geröll an Ort und Stelle halten sollte.

»Dr…!«

»Dryade«, sagte Nirgal. Er erkannte es.

Sax nickte emphatisch. Die Steine unter ihren Füßen waren mit hellgrünen Flecken aus Flechten bedeckt. Sax deutete auf einen Fleck und sagte: »Ap-fel. Rot. Karte. Moos.«

»He«, sagte Nirgal. »Das hast du recht gut gesagt.«

Das Sonnenlicht warf Schatten über den Kieshang. Plötzlich wurden die kleinen Blüten der Dryade vom Licht hervorgehoben. Die elfenbeinfarbenen Blütenblätter umspannten goldene Staubgefäße. »Dry-ade«, krächzte Sax. Das Licht ihrer Stirnlampen war jetzt nicht mehr zu sehen, und die Blüten strahlten in der Farbe des Tageslichts. Nirgal hörte im Interkom einen Ton und schaute Sax in den Helm. Er sah, daß der alte Mann weinte und ihm Tränen die Wangen herunterströmten.

Nirgal brütete über Karten und Fotos der Region. »Ich habe eine Idee«, sagte er zu Cojote. Und in dieser Nacht fuhren sie zum Nicholson-Krater, vierhundert Kilometer nach Westen. Das herunterfallende Kabel hätte quer über diesem großen Krater herunterkommen müssen, zumindest bei seiner ersten Runde; und Nirgal meinte, daß nahe dem Rand eine Unterbrechung oder Lücke sein könnte.

Als sie dann den niedrigen Berg mit flachem Gipfel hinaufrollten, der die nördliche Moränenböschung des Kraters bildete, kamen sie zu dem erodierten Rand und sahen das unheimliche Bild einer schwarzen Linie, die sich in etwa vierzig Kilometern Entfernung quer mitten über den Krater hinzog und aussah wie das Artefakt einer längst vergessenen Rasse von Riesen. Cojote begann: »Des Großen Mannes …«

»Haarsträhne«, schlug Spencer vor.

»Oder schwarze Zahnbürste«, sagte Art.

Die innere Wand des Kraters war viel steiler als der äußere Vorsprung; es stand aber eine Anzahl von Pässen zur Wahl. Sie fuhren ohne Schwierigkeiten den verfestigten Hang eines alten Erdrutsches hinunter und überquerten dann den Kraterboden, wobei sie der Krümmung der westlichen inneren Wand folgten. Als sie sich dem Kabel näherten, sahen sie, daß es aus einer Vertiefung herausragte, die es in den Rand gedrückt hatte, und sich elegant zum Kraterboden senkte wie das Trägerkabel einer vergrabenen Hängebrücke.

Sie fuhren langsam darunter. Wo es den Rand verließ, befand es sich fast siebzig Meter über dem Kraterboden und berührte ihn erst wieder nach mehr als einem Kilometer. Sie richteten die Kamera des Wagens nach oben und betrachteten gespannt das Bild auf dem Schirm. Aber der schwarze Zylinder zeigte vor den Sternen keine Merkmale, und sie konnten nur darüber spekulieren, was der Brand beim Absturz dem Karbon angetan haben könnte.

»Das ist famos«, bemerkte Cojote, als sie einen glatten Hang von durch Windwirkung entstandenen Ablagerungen hinauffuhren, über einen anderen Paß im Rand und dann aus dem Krater hinaus. »Hoffen wir jetzt, daß es einen Weg über den nächsten Paß gibt.«

Von der Südflanke Nicholsons konnten sie viele Kilometer nach Süden blicken, und in halber Entfernung zum Horizont war die schwarze Linie von der zweiten Runde des Kabels. Dieser Teil war viel stärker aufgeschlagen als der erste, und zwei Streifen von Auswurfmaterial verliefen parallel zum Kabel wie Erdwälle. Wie es schien, ragte das Kabel nur knapp aus dem Graben heraus, den es in das Gelände gedroschen hatte.

Während sie sich zwischen ausgeworfenen Felsblöcken hindurchwanden und näher kamen, sahen sie, daß das Kabel eine zertrümmerte Masse aus schwarzem Schrott war, ein Hügel aus Karbon, drei bis fünf Meter höher als die Ebene ringsum und steil an den Seiten, so daß es nicht möglich schien, im Felsenwagen darüberzufahren.

Aber weiter im Osten war eine Delle in dem Trümmerhügel; und als sie an der Linie entlangfuhren, um das zu erkunden, stellten sie fest, daß ein Meteoriteneinsturz nach dem Fall des Kabels auf den Trümmern selbst gelandet war. Er hatte das Kabel zerschmettert und auch das ausgeworfene Material zu beiden Seiten und einen neuen flachen Krater gebildet, der ganz mit schwarzen Kabelfragmenten und gelegentlichen Diamantbruchstücken, die im Innern des Kabels eine Spirale gebildet hatten, bestreut war. Es war ein unordentlicher Wust von einem Krater ohne definierten Rand, um ihnen den Weg zu versperren. Es sah so aus, als ob es möglich wäre, eine Route hindurch zu finden.

»Unglaublich!« sagte Cojote.

Sax schüttelte heftig den Kopf. »Dei… Dei…«

»Phobos«, sagte Nirgal, und Sax nickte.

»Meinst du?« rief Spencer.

Sax zuckte die Achseln, aber Spencer und Cojote diskutierten leidenschaftlich diese Möglichkeit. Der Krater war oval, ein sogenannter Badewannenkrater, was den Gedanken eines Aufsturzes unter flachem Winkel stützen würde. Und während ein willkürlicher Meteorit, der das Kabel in den vierzig Jahren seit seinem Sturz getroffen hätte, ein ungewöhnlicher Zufall gewesen wäre, waren die Fragmente von Phobos gänzlich in der Äquatorzone heruntergekommen. Darum wäre es weniger überraschend, wenn ein Stück von ihm das Kabel getroffen hätte. »Aber immer noch sehr nützlich«, bemerkte Cojote, nachdem er sie über den kleinen Krater gesteuert und den Wagen nach Süden aus dem Bereich der Auswürfe hinausgebracht hatte.

Sie parkten dicht bei einem der letzten großen ausgeschleuderten Brocken, zogen sich an und gingen hinaus, um einen Blick auf die Stelle zu werfen.

Überall gab es in Brekzien verwandelte Steinklumpen, so daß es nicht deutlich war, welche Stücke des Meteoriten und welche beim Sturz des Kabels herausgerissen worden waren. Aber Spencer verstand sich sehr gut auf das Bestimmen von Mineralien und sammelte mehrere Proben, die er für exotische kohlenstoffhaltige Chondrite erklärte, sehr ähnlich den Stücken des aufgeprallten Meteoriten. Es würde eine chemische Analyse erfordern, um sicher zu sein; aber nachher, wieder im Wagen, betrachtete er sie unter Vergrößerung und erklärte sich zuversichtlich, daß es Stücke von Phobos wären. »Arkady hat mir, als er zum ersten Male herunterkam, ein Stück gezeigt, das genauso war.« Sie reichten ein schwarzes Stück herum, das sehr schwer verbrannt aussah. »Brekzienbildung durch Aufprall hat eine Metamorphose bewirkt«, sagte Spencer und sah sich den Stein genau an, als er wieder zu ihm kam. »Ich nehme an, man müßte es Phobosit nennen.«

»Auch nicht gerade das seltenste Mineral auf dem Mars«, erklärte Cojote.

Südöstlich vom Nicholson-Krater liefen die zwei großen parallelen Canyons der Medusae Fossae über dreihundert Kilometer weit ins Herz der Gebirge des Südens. Cojote beschloß, nach East Medusa hinaufzufahren, dem größeren der beiden Brüche. »Ich liebe es, durch Canyons zu fahren, wenn ich kann, und zu sehen, ob die Wände Überhänge oder Höhlen haben. Auf diese Weise habe ich die meisten meiner Versteckplätze gefunden.«

»Was ist, wenn du auf eine steile Böschung stößt, die quer durch den ganzen Canyon geht?« fragte Nirgal.

»Ich mache kehrt. Das ist mir schon unerhört oft passiert, ohne Zweifel.«

Also fuhren sie den Rest der Nacht den Canyon hinauf, der, wie sich zeigte, größtenteils einen flachen Boden hatte. Als sie in der folgenden Nacht weiter nach Süden gingen, begann der Boden des Canyons anzusteigen in Stufen, die man immer bewältigen konnte. Dann erreichten sie ein neues höheres Niveau des Bodens, und Nirgal, der fuhr, hielt den Wagen an. »Da oben gibt es Häuser!«