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Und sie liefen dahin. Nirgal übernahm die Führung und versuchte, die sauberste Route über den Canyonboden zu finden, die am wenigsten mit Steinen bestreut war. Das Licht der Sterne erschien mehr als ausreichend, ihren Weg zu erhellen. Art stampfte zu seiner Rechten voran und drängte ihn zur Eile. Es wurde fast ein Wettrennen, und Nirgal lief viel schneller, als er es von sich aus oder unter normalen Verhältnissen getan hätte. So war ein großer Teil davon Rhythmus, Wärme und deren Abgabe aus dem Rumpf in die Haut und dann den Schutzanzug. Es war überraschend zu sehen, wie Art mit ihm Schritt hielt, ohne den Vorteil irgendeiner Ausbildung. Er war ein kräftiger Kerl.

Sie liefen fast an Cojote vorbei, der hinter einem Felsen hervortrat und sie so erschreckte, daß es sie wie Kegel umhaute. Dann erklommen sie gemeinsam die steinige Piste, die er auf der Wand der Klippe markiert hatte, und befanden sich auf dem Rand wieder unter der Kuppel voller Sterne. Die hellen Lichter von Senzeni Na waren wie ein Raumschiff, das in die gegenüberliegende Klippe getaucht war.

Zurück im Felsenwagen schnappte Art nach Luft, noch außer Atem von dem Lauf durch den Canyon. Er sagte zu Nirgaclass="underline" »Du mußt mir … dieses lung-gom beibringen. Mein Gott, läufst du schnell!«

»Nun, du auch. Ich weiß nicht, wie du das machst.«

»Angst.« Er schüttelte den Kopf und sog die Luft ein. »So etwas ist gefährlich«, beklagte er sich bei Cojote.

Cojote erwiderte heftig: »Es war nicht meine Idee. Wenn diese Schufte nicht meine Vorräte gestohlen hätten, hätten wir das nicht tun müssen.«

»Nun ja, aber du leistest dir doch die ganze Zeit solche Stücke, nicht wahr? Und das ist gefährlich. Ich meine, du solltest etwas anderes machen als Sabotage im Hinterland. Etwas, das zum System paßt.«

Es stellte sich heraus, daß fünfzig Kilo das absolute Minimum waren, welches sie brauchten, um nach Hause zu kommen. Darum krochen sie dahin nach Abschaltung aller nicht lebensnotwendigen Systeme. Darum war das Innere des Wagens dunkel und recht kalt. Draußen war es auch kalt. Wegen der länger werdenden Nächte des frühen südlichen Winters erschien Reif auf dem Boden, und es gab Schneetreiben. Salzkristalle in dem Gestöber dienten als Keime für Eisflocken, die so dick wie Eisblumen wurden. Zwischen diesen weißen Kristallfeldern, die im Sternenlicht matt schimmerten, navigierten sie, bis diese zu einer großen Decke von Schnee, Rauhreif und Eisblumen verschmolzen. Sie fuhren langsam darüber hin, bis eines Nachts das Wasserstoffperoxid zu Ende ging. Art sagte: »Wir hätten mehr holen sollen.«

»Halt den Mund!« knurrte Cojote.

Sie fuhren weiter mit Batteriekraft, die nicht lange vorhalten würde. Im Dunkel des unbeleuchteten Wagens war das von der weißen Welt draußen kommende Licht gespenstisch. Keiner von ihnen sagte etwas, außer um wichtige Punkte des Fahrens zu besprechen. Cojote war zuversichtlich, daß die Batterien sie weit genug bis nach Hause bringen würden. Und wenn etwas schiefgehen sollte, wenn eines der von Eis blockierten Räder mit seiner Achse steckenbleiben würde, hätten sie es mit Gehen versuchen müssen, dachte Nirgal. Laufen. Aber Spencer und Sax würden nicht weit laufen können.

In der sechsten Nacht nach dem Überfall auf Senzeni Na aber wurde gegen Ende des Zeitrutsches der frostige Boden vor ihnen zu einer rein weißen Linie, die am Horizont dicker wurde und sich dann von ihm löste. Weiße Klippen der Südpolkappe. Art sagte ginsend: »Das sieht wie eine Hochzeitstorte aus.«

Sie hatten die Batteriekraft fast ganz erschöpft, so daß der Wagen langsamer zu werden anfing. Aber Gamete lag nur ein paar Kilometer im Uhrzeigersinn um die Polkappe entfernt. Und so lenkte Cojote den Wagen kurz nach Tagesanbruch in die außerhalb liegende Garage im Nadia-Komplex am Kraterrand. Das letzte Stück marschierten sie. Frischer Reif knirschte unter ihren Füßen im Morgenlicht mit seinen langen Schatten unter dem großen weißen Überhang von Trockeneis.

Gamete gab Nirgal das gleiche Gefühl wie immer, nämlich daß er versuchen würde, sich Kleider anzuziehen, die viel zu klein waren. Aber diesmal war Art bei ihm, und so war der Besuch dadurch interessant, daß er einem neuen Freund sein altes Heim zeigte. Jeden Tag führte Nirgal ihn herum, erklärte Besonderheiten des Platzes und machte ihn mit Leuten bekannt. Wenn er den Wandel von Mienen beobachtete, die in Arts Gesicht offen zum Ausdruck kamen, von Erstaunen bis hin zu Unglauben, so empfand er das als wirklich eigenartig. Die weiße Eiskuppel, die Winde, Nebel, Vögel, der Teich, das stets unter Frost stehende Dorf, seltsam ohne Schatten, seine weißblauen Gebäude, die von der Sichel aus Bambusbaumhäusern umrahmt wurden … Es war ein ungewöhnlicher Ort. Und Art fand sämtliche Issei ebenso erstaunlich. Er schüttelte ihnen die Hände und sagte: »Ich habe euch im Video gesehen und freue mich sehr, euch kennenzulernen.« Nachdem er Vlad und Ursula, Marina und Iwao vorgestellt worden war, bemerkte er leise zu Nirgaclass="underline" »Das ist wie ein Wachsfigurenkabinett.«

Nirgal brachte ihn zu Hiroko hinunter; und sie war wie üblich freundlich und distanziert. Sie behandelte Art mit etwa der gleichen Herzlichkeit, die sie Nirgal zukommen ließ. Muttergöttin der Welt… Sie waren in ihren Labors; und da sie sich von ihr irgendwie beunruhigt fühlten, führte Nirgal Art zu den Ektogentanks und erklärte, um was es sich handelte. Art machte ganz runde Augen, wenn er überrascht war, und jetzt waren sie wie weißblaue Kugeln. »Die sehen aus wie Kühlschränke«, sagte und starrte Nirgal an. »War es einsam?«

Nirgal zuckte die Achseln und schaute nach unten auf die kleinen klaren Fenster wie Bullaugen. Einstmals hatte er darin geschwommen, träumend und strampelnd … Es war schwer, sich die Vergangenheit vorzustellen, und schwer, an sie zu glauben. Milliarden von Jahren lang hatte er nicht existiert. Und dann eines Tages, in diesem kleinen schwarzen Kasten… eine plötzliche Erscheinung, Grün im Weiß, Weiß im Grün.

»Es ist hier so kalt«, bemerkte Art, als sie wieder hinausgingen. Er trug einen großen geliehenen Mantel mit Textilfutter und hatte die Kapuze über den Kopf gezogen.

»Wir müssen eine Schicht aus Wassereis aufrechterhalten, die das Trockeneis bedeckt. So bleibt die Luft gut. Darum ist sie immer ein wenig unter dem Gefrierpunkt, aber nicht viel. Mir selbst gefällt es. Ich halte es für die beste Temperatur von allen.«

»Kindheit.«

»Allerdings.«

Sie besuchten Sax jeden Tag, und er krächzte dann zum Gruß »Hallo!« oder »Lebt wohl!« und versuchte sein Bestes, um zu sprechen. Michel arbeitete jeden Tag stundenlang mit ihm. Er sagte ihnen: »Es ist entschieden Aphasie. Vlad und Ursula haben ihn gescannt; der Schaden steckt im linken vorderen Sprachzentrum. Er hat Mühe, das Wort zu finden, und denkt manchmal, daß er es erwischt hat. Aber was herauskommt, sind synonyme, antonyme oder tabuisierte Wörter. Ihr solltet hören, wie er sagen kann: ›Schlimme Resultates Es ist für ihn frustrierend, aber die Verbesserung gegenüber seiner speziellen Versehrtheit ist oft gut. Allerdings langsam. Es ist im Grunde so, daß andere Teile des Gehirns lernen müssen, die Funktionen des geschädigten Teils zu übernehmen. So — arbeiten wir daran. Es ist hübsch, wenn es gut vorangeht. Und es könnte natürlich schlimmer sein.«