Выбрать главу

Als sie entdeckte, was sie auf dieser Reise vorhatten, war sie darum sofort dafür begeistert. Das Leben bekam mehr Schwung, wenn sie da war, ohne Zweifel. Und Art hatte, obwohl er Stielaugen machte, wenn sie badete, etwas, das Nirgal wie eine verschmitzte Schärfe in seinem Lächeln vorkam beim Genuß ihrer hypnotisierenden Aktivitäten. Einmal erwischte Nirgal ihn, wie er Nadia einen Blick zuwarf, der entschieden belustigt war. Obwohl Art also Jackie recht gut leiden konnte und sie gern anschaute, schien er nicht hoffnungslos hingerissen zu sein. Das hing möglicherweise mit seiner Freundschaft mit Nirgal zusammen. Nirgal konnte nicht sicher sein, aber ihm gefiel dieser Gedanke, der weder in Zygote noch in Sabishii verbreitet gewesen war.

Jackie ihrerseits schien geneigt, Art als einen Faktor in der Organisierung einer allgemeinen Versammlung abzuschreiben, als ob sie das selbst übernehmen wollte. Aber dann besuchten sie eine kleine neomarxistische Zufluchtsstätte im Gebirge von Mitchell (das nicht gebirgiger war als das des Südens. Der Name war ein Relikt aus der Fernrohrzeit), und es stellte sich heraus, daß diese Neomarxisten mit der Stadt Bologna in Italien in Verbindung standen und mit der indischen Provinz Kerala — und mit Büros von Praxis an diesen beiden Stellen. Also hatten sie mit Art eine Menge zu besprechen und hatten offensichtlich ihre Freude daran. Am Ende des Besuches sagte einer von ihnen zu ihm: »Es ist wundervoll, was du tust, und du bist genau wie John Boone.«

Jackie riß den Kopf herum, um Art anzublicken, der verlegen den Kopf schüttelte. Sie sagte automatisch: »Nein, das ist er nicht.«

Aber danach behandelte sie ihn ernsthafter. Nirgal konnte bloß lachen. Jede Erwähnung des Namens John Boone war für Jackie wie ein Zauberspruch. Wenn sie mit Nadia Johns Theorien diskutierten, konnte er ein bißchen verstehen, warum sie so empfand. Vieles von dem, was Boone für den Mars gewollt hatte, war höchst sinnvoll; und Nirgal hatte den Eindruck, daß Sabishii insbesondere ein Ort von Boone war. Aber für Jackie ging es über eine rationale Reaktion hinaus. Es hatte zu tun mit Kasei und Esther und Hiroko, sogar mit Peter — mit einem Komplex von Gefühlen, die sie auf einer Ebene angesprochen hatten wie sonst nichts.

Sie zogen weiter nach Norden, in Gebiete, die noch stärker mitgenommen waren als die, welche sie hinter sich gelassen hatten. Es war vulkanisches Land, wo zu der rauhen Höhe des südlichen Gebirges noch die alten zerfallenen Piks von Australis Tholus und Amphitrites Patera hinzukamen. Diese beiden Vulkane umklammerten ein Gelände aus Lavaströmen, wo der schwärzliche Fels des Landes zu grotesken Klumpen, Wellen und Strömen erstarrt war. Einst hatten sich diese Ströme weißglühend über die Oberfläche ergossen. Und selbst jetzt noch, hart, schwarz und im Lauf der Zeiten zertrümmert, war der flüssige Ursprung ganz deutlich erkennbar.

Am auffallendsten von diesen Lavaresten waren lange niedrige Hügelketten wie zu festem schwarzen Fels versteinerte Drachenschwänze. Sie schlängelten sich viele Kilometer weit über das Land. Oft verschwanden sie in beiden Richtungen am Horizont und zwangen die Reisenden zu langen Umwegen. Diese Gesteinsrücken waren alte Lavakanäle. Der Fels, aus dem sie bestanden, hatte sich als härter erwiesen als das Land, das sie ursprünglich überschwemmt hatten. Und in den nachfolgenden Äonen war das Land abgetragen worden und hatte die schwarzen Hügel auf der Oberfläche liegen lassen, ähnlich dem heruntergefallenen Aufzugskabel, nur viel größer.

Einer der Rücken in der Dorsa-Brevia-Region war kürzlich zu einem geheimen Asyl ausgebaut worden. So fuhr Nadia ihren Rover auf einem gewundenen Weg durch vorspringende Lavawülste und dann in eine geräumige Garage in der Seite des größten schwarzen Berges, den sie gesehen hatten. Sie stiegen aus und wurden von einer kleinen Gruppe freundlicher Fremder empfangen, von denen Jackie einige schon getroffen hatte. In der Garage gab es keinen Hinweis darauf, daß der angrenzende Raum sich irgendwie von anderen unterscheiden würde, die sie schon besucht hatten; und so gingen sie in eine große zylindrische Schleuse und zur anderen Tür hinaus. Es war für sie ein großer Schock, daß sich vor ihnen ein freier Raum befand, der offenbar das ganze Innere des Hügels einnahm. Dieser war nämlich hohl. Der leere Innenraum war etwa zylindrisch, eine Röhre, die vielleicht hundert Meter vom Boden bis zur Decke maß, dreihundert Meter von Wand zu Wand, und sich so weit erstreckte, wie sie in beiden Richtungen sehen konnten. Arts Mund war wie ein Querschnitt des Tunnels. Er rief dauernd: »Oha, seht euch das an! Donnerwetter!«

Eine ganze Anzahl der Gesteinsrücken war hohl, wie ihre Gastgeber ihnen sagten. Lavatunnels, wie es viele auf der Erde gab; aber der gewohnte Sprung um zwei Größenordnungen galt auch hier. Und diese Röhre war wirklich hundertmal so groß wie die größte irdische. Wie eine junge Frau namens Ariadne Art erklärte, hatten sich die Lavaströme, als sie noch flossen, an den Rändern abgekühlt und verhärtet. Danach war heiße Lava weiter durch den Ärmel geflossen, bis die Fluten aufgehört hatten. Und die restliche Lava hatte sich in einen Teich aus Feuer entleert und zylindrische Höhlen zurückgelassen, die bisweilen fünfzig Kilometer lang waren.

Der Boden dieses Tunnels war nahezu eben und jetzt bedeckt von Dächern und Parks, Teichen und Hunderten junger Bäume, die in Hainen aus Bambus und Kiefern gepflanzt waren. Lange Risse im Dach des Tunnels hatten als Basis für gefilterte Oberlichter gedient aus geschichteten Materialien, die dieselben visuellen und thermischen Merkmale boten wie der übrige Bergrücken, aber in den Tunnel lange Streifen sonniger brauner Luft hineinließen, so daß selbst die dunkelsten Teile des Tunnels nur so trübe waren wie an einem wolkigen Tag.

Der Tunnel von Dorsa Brevia war vierzig Kilometer lang, wie Ariadne ihnen mitteilte, als sie eine Treppe hinuntergingen, obwohl es auch Stellen gab, wo das Dach sich nach innen wölbte oder Lavapfropfen die Höhlung fast ausfüllten. »Wir haben natürlich nicht das ganze Ding abgedichtet. Es ist mehr, als wir brauchen, und auch mehr, als wir überhaupt warm und unter Druck halten könnten. Aber wir haben jetzt ungefähr zwölf Kilometer dichtgemacht in Segmenten von je einem Kilometer Länge mit Schotts aus Zeltstoff dazwischen.«

»Donnerwetter!« sagte Art wieder. Nirgal war ebenso beeindruckt, und Nadia war deutlich begeistert. Selbst Vishniac war nichts im Vergleich hiermit.

Jackie war schon nahe dem unteren Ende der langen Treppe, die von der Garagenschleuse zu einem Park unter ihnen führte. Als sie ihr folgten, sagte Art: »Jede Kolonie, zu der du mich geführt hast, habe ich für die größte gehalten. Und ich habe mich immer geirrt. Warum sagst du mir nicht einfach, ob die nächste so wie Hellas sein wird oder etwas dergleichen?«

Nadia lachte. »Dies ist die größte, die ich kenne. Die allergrößte!«

»Warum bleibt ihr da alle in Gamete, wo es so kalt und düster ist? Würden nicht die Menschen aus allen Zufluchtsstätten hier hereinpassen?«

»Wir wollen nicht, daß alle an einer Stelle sind«, entgegnete sie. »Was diesen Ort hier betrifft, so hat es ihn vor einigen Jahren noch gar nicht gegeben.«

Unten auf dem Boden des Tunnels schienen sie sich in einem Wald zu befinden, unter einem Himmel aus schwarzem Stein, der von langen gezackten hellen Spalten zerrissen war. Die vier Reisenden folgten einer Gruppe ihrer Gastgeber zu einem Komplex von Gebäuden mit dünnen Holzwänden und steilen, an den Ecken hochgebogenen Dächern. In einem davon wurden sie einer Schar älterer Frauen und Männer in bunten, bauschigen Gewändern vorgestellt und zu einem gemeinsamen Mahl eingeladen.

Beim Essen erfuhren sie mehr über die Stätte, zumeist von Ariadne, die neben ihnen saß. Sie war erbaut und in Besitz genommen worden durch die Nachkommen von Menschen, die zum Mars gekommen waren und sich in den 2050ern mit den Verschwundenen zusammengetan hatten. Sie hatten die Städte verlassen und in dieser Gegend kleine Refugien besiedelt, in ihren Bemühungen unterstützt durch die Sabishiianer. Sie waren von Hirokos Areophanie stark beeindruckt, und ihre Gesellschaft wurde von manchen als Matriarchat bezeichnet. Sie hatten einige alte matriarchalische Kulturen studiert und einige ihrer Bräuche auf die alte minoische Kultur und die nordamerikanischen Hopi gegründet. Darum verehrten sie eine Göttin, die das Leben auf dem Mars repräsentierte, eine Art Personifikation von Hirokos Viriditas oder eine Vergöttlichung von Hiroko selbst. Der Sitte gemäß gehörte der Haushalt der Frau des Hauses und wurde von ihr an die jüngste Tochter weitergegeben in ultimo genitur, wie Ariadne es nannte, einen Brauch der Hopi. Und wie bei den Hopi zogen die Männer bei der Heirat in die Häuser der Frauen.