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Schließlich erreichten sie eine weitere Straßensperre. Es war nur eine schmale Gasse zwischen zwei Häusern, keine Straße, sondern einfach ein vier oder fünf Meter breiter Streifen, der niemals bebaut worden war, und an seinem Ende standen nicht Dutzende, sondern nur drei Ameisenkrieger. Wenn sie eine Chance hatten, den Sperrgütel zu durchbrechen, dann hier.

Skudder wollte seine Waffe heben, aber wieder hielt ihn Leßter zurück. »Noch nicht«, sagte er. »Warte.«

»Worauf?« fragte Skudder schlechtgelaunt. »Daß sie uns entdecken?«

»Warte«, sagte Leßter einfach.

Und sie warteten. Eine Minute verging, dann zwei, drei, fünf - und plötzlich erschütterte eine ungeheure Explosion das Stadtviertel. Die Gebäude rings um sie herum wankten. Ein grellrotes Licht löschte den Sonnenschein aus, und in das Krachen der Explosion, das noch gar nicht ganz verklungen war, mischte sich das Poltern und Bersten zusammenbrechender Häuser. Staub und Steintrümmer regneten von der Decke herab, und draußen auf der Straße schlugen zerbrochene Dachziegel und Steine auf, die sich aus den mürben Wänden gelöst hatten. Die drei Moroni zogen sich hastig ein Stück weit zurück, um nicht von den herabstürzenden Trümmerstücken erschlagen zu werden.

»Jetzt!« befahl Leßter und sprang als erster auf die Straße hinaus. Charity und Skudder folgten ihm fast im gleichen Sekundenbruchteil, aber wie vorhin in der Lagerhalle war Leßter einfach schneller als sie. Sein Gewehr stieß drei kurze, grellweiße Lichtblitze aus, und die drei Ameisen sanken nebeneinander getroffen zu Boden, ehe sie auch nur einen Warnruf ausstoßen konnten.

»Was war das?« schrie Charity, während sie neben Leßter die Straße hinunterrannte.

»Der Sucher«, antwortete Leßter. »Das Gerät hat ihn angelockt und sich dann selbst gesprengt. Es sieht so aus, als hätte Ihr Freund die Wahrheit gesagt.«

»Er ist nicht mein Freund«, antwortete Charity automatisch. Aber das hörte Leßter wahrscheinlich gar nicht mehr, denn er lief plötzlich schneller und entfernte sich so rasch von ihnen, daß Skudder und Charity keine Chance hatten, zu ihm aufzuholen.

Einen Moment später stürmte er auf die Straße hinauf, vor der die drei Ameisen Wache gestanden hatten, warf sich mitten in der Bewegung nach links, rollte über die Schulter ab und begann zu schießen, noch ehe er wieder vollends in die Höhe gekommen war, Charity konnte nicht erkennen, worauf er feuerte, hörte aber einen schrillen Pfiff, und fast im gleichen Moment wurde der Laserbeschuß erwidert: Vor und neben Leßter explodierten grelle Lichtblitze im Boden. Auch Skudder und sie erreichten das Ende der Gasse und stürmten auf die Straße hinaus. Es war ein knappes Dutzend Moroni, das von dem plötzlichen Angriff offensichtlich vollkommen überrascht worden war, denn drei oder vier der schwarzen Gestalten lagen bereits reglos am Boden, in Haltungen, die verrieten, daß sie nicht einmal dazu gekommen waren, ihre Waffen zu ziehen.

Aber sie überwanden ihre Überraschung sehr schnell. Leßter tötete mit der Präzision einer Maschine einen Krieger nach dem anderen, und auch Charity und Skudder begannen, vielleicht nicht ganz so zielsicher wie er, dafür aber mit um so verbissenerer Wut, auf die Moroni zu schießen. Ihre Zahl schmolz rasend schnell, aber sie wehrten sich mit erbitterter Kraft. Skudder fiel mit einem Schmerzlaut auf die Knie, als einer der dünnen, weißen Lichtblitze seinen Oberschenkel streifte und eine rauchende Spur im Stoff seiner Hose hinterließ, und plötzlich schrie Leßter auf und kippte rücklings auf die Straße. Kleine Flammen züngelten aus Brust und Rücken seiner Jacke und erloschen sofort wieder.

Charity schaltete mit einem Fluch ihre Waffe auf Dauerfeuer um und schwenkte den Lauf langsam von recht nach links. Der grellweiße Strahl mähte wie eine Sense aus Licht über die Straße und streckte die letzten verbliebenen Ameisen nieder, aber die Waffe wurde in ihrer Hand glühend heiß, und auf ihrer Oberseite begann ein kleines, rotes Licht warnend zu blinken.

Es war wie ein Wettlauf mit der Zeit, und sie gewann ihn nur ganz knapp. Das Gewehr versagte ihr den Dienst, fast im gleichen Sekundenbruchteil, in dem der Laserstrahl den letzten Moroni traf und tötete. Das Metall war so heiß geworden, daß sie trotz der dicken Handschuhe einen heftigen Schmerz verspürte.

Hastig warf sie die Waffe zu Boden, überzeugte sich mit einem Blick davon, daß Skudder nicht ernsthaft verletzt war, und rannte dann auf Leßter zu. In der Brust seiner gefleckten Uniformjacke, nur ein kleines Stück unter dem Herzen, war ein winziges, rauchendes Loch. Aber zu Charitys Verblüffung öffnete Leßter die Augen, als er ihre Schritte hörte, und lächelte ihr mit schmerzverzerrtem Gesicht zu.

»Sieht so aus, als hätte ich den Mund ein bißchen zu voll genommen«, sagte er gepreßt.

Charity kniete neben ihm nieder. »Nicht reden«, sagte sie. »Bewegen Sie sich nicht. Wir bringen Sie hier weg.«

»Ob Sie es glauben oder nicht, Captain Laird«, stöhnte Leßter mit zusammengebissenen Zähnen, »Ich hatte nicht vor, davonzulaufen.«

Charity öffnete mit fliehenden Fingern seine Jacke, riß das dünne Hemd darunter einfach entzwei und sog erschrocken die Luft zwischen den Zähnen ein, als sie die schreckliche Wunde sah, die der Laserstrahl in seinen Körper geschlagen hatte. Daß Leßter überhaupt noch am Leben war, grenzte an ein Wunder.

»Wie sieht es aus?« stöhnte Leßter.

Sie versuchte zumindest, sich zu einem Lächeln zu zwingen. »Ich habe schon Schlimmeres gesehen«, sagte sie.

Leßter nickte. »Ja. Vermutlich im Kino.«

»Halten Sie den Mund«, sagte Charity streng. »Wir bringen Sie irgendwie hier weg. Keine Angst.«

Skudder langte humpelnd neben ihnen an, warf einen nur flüchtigen Blick auf Leßters Brust und schüttelte fast unmerklich den Kopf. So sachte die Bewegung gewesen war, Leßter hatte sie gesehen.

»Freu dich nicht zu früh, Rothaut«, sagte er. »So schnell bin ich nicht kleinzukriegen.«

Und wie um seine Worte unter Beweis zu stellen, versuchte er, sich in die Höhe zu stemmen. Aber seine Kraft reichte nicht. Mit einem halblauten Schmerzensschrei fiel er zurück und schloß die Augen.

»Hilf mir!« verlangte Charity. »Wir müssen ihn hier wegschaffen.«

Sie wollte Leßter unter den Achseln ergreifen, aber Skudder schob sie einfach zur Seite, hob den Verletzten auf und warf ihn sich über die Schulter. Leßter stöhnte, öffnete aber nicht die Augen, und Skudder drehte sich herum und begann mit gewaltigen Sätzen die Straße zu überqueren.

Sie erreichten die nächste Abzweigung nie. Plötzlich zuckte ein greller Lichtblitz auf und schnitt kaum einen Meter vor Skudder durch die Luft, und als Charity herumfuhr, sah sie sich einem weiteren halben Dutzend zwei Meter großer Insektenkrieger gegenüber, die urplötzlich am Ende der Straße aufgetaucht waren. Automatisch hob sie ihre Waffe, aber das rote Licht auf dem Gewehr hatte nicht aufgehört zu flackern. Der Laser war überhitzt. Und es hätte ihr auch nicht viel genutzt, denn plötzlich stieß Skudder einen überraschten Ruf aus, und Charity drehte sich herum und blickte in die entgegengesetzte Richtung.

Am ändern Ende der Straße war ein buckeliges, silberfarbenes Fahrzeug mit dem roten Flammen-›M‹ Morons auf dem Bug erschienen. Rechts und links des asymmetrisch geformten Fensters ragten die stumpfen Läufe schwerer Laserkanonen aus dem Rumpf.

Skudder schrie abermals auf, ließ sich auf ein Knie herabfallen und versuchte, seine Waffe zu heben, und im gleichen Sekundenbruchteil eröffnete das Fahrzeug das Feuer...

*

»Der Gefangene ist entkommen.«

Stones Logik und seine dreijährige Erfahrung im Umgang mit den Ameisen sagten ihm sehr deutlich, daß es unmöglich war - und trotzdem war er für einen Moment sicher, in den kalten Kristallaugen des Inspektors so etwas wie Wut aufblitzen zu sehen.