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»Eine Belohnung, die der erhält, der Neuigkeiten von Elayne bringt«, sagte Ellorien tonlos, und ihre Miene versteinerte sich noch mehr, »die zur Königin gekrönt werden soll, nun, da Morgase tot ist.«

Dyelin nickte. »Das erscheint mir eine gute Sache.«

»Mir nicht!« fauchte Ellorien. »Morgase hat ihre Freunde betrogen und ihre ältesten Anhänger vertrieben. Laßt uns dem Hause Trakand ein Ende auf dem Löwenthron bereiten.« Sie schien Rand vergessen zu haben. Das hatten sie alle.

»Dyelin«, sagte Luan knapp. Sie schüttelte den Kopf, als habe sie all das schon öfters gehört doch er fuhr fort: »Sie hat den ersten Anspruch. Ich stimme für Dyelin.«

»Elayne ist Tochter-Erbin«, sagte ihnen die Frau mit dem goldenen Haar in ruhigem Ton. »Ich stimme für Elayne.«

»Welche Rolle spielt es schon, für wen einer von uns stimmt?« wollte Abelle wissen. »Wenn er Morgase getötet hat, wird er...« Abelle hielt inne und verzog das Gesicht. Dann blickte er Rand an, nicht trotzig, aber herausfordernd, als wolle er sagen: ›Stellt mit mir an, was Ihr wollt. ‹ Und er erwartete wohl auch das Schlimmste.

»Glaubt Ihr das wirklich?« Rand sah den Löwenthron auf seinem Podest traurig an. »Warum, beim Licht, sollte ich Morgase töten, nur um den Thron anschließend Elayne zu übergeben?«

»Nur wenige wissen, was sie glauben sollen«, sagte Ellorien unbeholfen. Auf ihren Wangen waren noch immer rote Flecken zu sehen. »Die Menschen behaupten viele Dinge, und die meisten davon sind schlichtweg töricht.«

»Beispielsweise?« Er stellte ihr die Frage, doch es war Dyelin, die sie beantwortete, wobei sie ihm in die Augen sah: »Daß Ihr in der Letzten Schlacht kämpfen und den Dunklen König töten werdet. Daß Ihr ein falscher Drache seid, oder die Marionette der Aes Sedai, oder beides. Daß Ihr Morgases unehelicher Sohn seid, oder ein Hochlord aus Tear, oder ein Aielmann.« Sie runzelte einen Augenblick lang erneut die Stirn, sprach aber weiter: »Daß Ihr der Sohn einer Aes Sedai und des Dunklen Königs seid. Daß Ihr der Dunkle König selbst seid, oder der fleischgewordene Schöpfer.

Daß Ihr die Welt zerstören werdet, oder sie retten, sie unterjochen, ein neues Zeitalter bringen. Es gibt so viele Meinungen, wie es Münder gibt. Die meisten sagen. Ihr hattet Morgase getötet. Viele glauben das auch in bezug auf Elayne. Sie sagen, Eure Proklamation sei nur eine Maske, um dahinter Eure Verbrechen zu verbergen.«

Rand seufzte. Einige dieser Ansichten waren schlimmer als alles, was er bisher vernommen hatte. »Ich werde nicht erst fragen, welche davon Ihr glaubt.« Warum sah sie ihn immer noch so eigenartig und finster an? Sie war nicht die einzige. Auch Luan blickte genauso drein, und Abelle und Ellorien warfen ihm die Art von schnellen Seitenblicken zu, die er von Arymillas Haufen erwartete, wenn sie glaubten, er sehe gerade nicht hin. Sie beobachten. Beobachten. Das war Lews Therin mit heiserem Kichern im Flüsterton. Ich sehe dich. Wer sieht mich? »Werdet Ihr mir statt dessen behilflich sein, Andor wieder zu einer Einheit zusammenzufügen? Ich will nicht, daß aus Andor ein neues Cairhien wird oder, noch schlimmer, ein neues Tarabon oder Arad Doman.«

»Ich kenne einiges aus dem Karaethon-Zyklus«, sagte Abelle. »Ich glaube, Ihr seid der Wiedergeborene Drache, aber nichts sagt aus, daß Ihr herrschen werdet, nur, daß Ihr in Tarmon Gai'don gegen den Dunklen König kämpfen werdet.«

Rands Hand verkrampfte sich so hart um seinen Pokal, daß die dunkle Oberfläche des Weins bebte. Um wie vieles leichter wäre alles, wenn diese vier den meisten Hochlords von Tear ähnelten oder den Adligen Cairhiens, aber keiner von ihnen wollte auch nur ein Stückchen mehr Macht für sich selbst, als er bereits besaß. Auf welche Weise auch der Wein gekühlt worden war, bezweifelte er doch, daß die Eine Macht diese vier einschüchtern werde. Höchstwahrscheinlich würden sie mir sagen, ich solle sie töten und dafür vom Licht verbrannt werden!

Brennen sollst du dafür. Lews Therins verdrießliche Stimme ergab ein trauriges Echo.

»Wie oft muß ich eigentlich noch sagen, daß ich Andor nicht regieren will? Wenn Elayne auf dem Löwenthron sitzt, werde ich Andor verlassen. Und wenn es nach mir ginge, würde ich es nie mehr betreten.«

»Sollte irgend jemand Anspruch auf den Thron haben«, sagte Ellorien mit gepreßter Stimme, »dann ist es Dyelin. Solltet Ihr tatsächlich meinen, was Ihr sagt, dann laßt sie krönen und geht. Dann wird Andor eine Einheit sein, und zweifellos werden Euch die andoranischen Soldaten in die Letzte Schlacht folgen, wenn das notwendig wird.«

»Ich lehne das immer noch ab«, sagte Dyelin mit fester Stimme und wandte sich sodann Rand zu. »Ich werde warten und überlegen, mein Lord Drache. Wenn ich sehe, daß Elayne am Leben ist und gekrönt wird und Ihr Andor verlaßt, werde ich Euch meine Anhänger zur Verfügung stellen, gleich, ob jemand anders in Andor das gleiche macht oder nicht. Doch wenn die Zeit vergeht und Ihr hier immer noch regiert, oder falls Eure Aielwilden hier dasselbe anstellen wie angeblich in Cairhien und Tear...« — sie blickte die Töchter und die Roten Schilde finster an, und auch die Gai'schain, als sehe sie im Geist, wie sie brandschatzten und raubten —, »oder wenn Ihr diese ... Männer, die Ihr nach Eurer Amnestie hier versammelt, auf Andor loslaßt, wende ich mich gegen Euch, gleich, ganz gleich, was die anderen in Andor unternehmen.«

»Und ich reite an deiner Seite«, sagte Luan mit fester Stimme.

»Ich auch«, sagte Ellorien, und Abelle stimmte ebenfalls zu.

Rand warf den Kopf in den Nacken und lachte unwillkürlich, halb vor Freude, halb vor Zorn. Licht! Und ich hielt einen ehrlichen Widerstand für besser, als hinter meinem Rücken zu intrigieren oder mir die Stiefel zu lecken!

Sie blickten ihn nervös an und dachten zweifellos, der Wahnsinn nage an ihm. Vielleicht hatten sie recht. Er war sich seiner selbst nicht mehr sicher.

»Überlegt, was immer Ihr wollt«, sagte er zu ihnen und stand auf, um das Ende der Audienz anzuzeigen.

»Ich meine es so, wie ich es sagte. Aber denkt auch an das Folgende: Tarmon Gai'don rückt näher. Ich weiß nicht, wie lange Ihr noch Zeit zum Überlegen haben werdet.«

Sie verabschiedeten sich von ihm — ein gehemmtes Kopfnicken, wie es unter Gleichstehenden üblich war, noch ausgeprägter als bei ihrer Ankunft — doch als sie sich zum Gehen wandten, griff Rand nach Dyelins Ärmel. »Ich habe eine Frage an Euch.« Die anderen blieben stehen und wollten sich schon zurückwenden. »Eine private Frage.« Sie zögerte einen Augenblick und nickte dann. Ihre Begleiter gingen ein Stück weiter durch den Thronsaal. Sie beobachteten alles genau, waren aber nicht nahe genug, um zu lauschen. »Ihr habt mich so ... seltsam angesehen«, sagte er. Ihr und jeder andere Adlige in Camlyn. Jeder andoranische Adlige zumindest. »Warum?«

Dyelin blickte zu ihm auf und nickte schließlich. »Wie hieß Eure Mutter?«

Rand blinzelte. »Meine Mutter?« Kari al'Thor war seine Mutter gewesen. Als das sah er sie jedenfalls an. Sie hatte ihn von Kindheit an aufgezogen bis sie starb. Doch er entschloß sich, ihr die kalte Wahrheit zu sagen, die er in der Wüste erfahren hatte. »Meine Mutter hieß Shaiel. Sie war eine Tochter des Speers. Mein Vater war Janduin, der Clanhäuptling der Taardad Aiel.« Sie zog zweifelnd die Augenbrauen hoch. »Ich schwöre jeden Eid darauf, den Ihr hören wollt. Was hat das mit meiner Frage zu tun? Sie sind beide schon lange tot.«