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Jalani steckte ihr rundes Gesicht zur Tür herein —Aiel schienen nichts vom Anklopfen zu halten — und verkündete: »Mangin ist hier und will mit Rhuarc und Euch sprechen, Rand al'Thor.«

»Sagt ihm, ich werde mich glücklich schätzen, später mit ihm zu sprechen...« Soweit kam Rand, bis ihn Rhuarc mit ruhiger Stimme unterbrach: »Ihr solltet jetzt gleich mit ihm sprechen, Rand al'Thor.« Das Gesicht des Clanhäuptlings war ernst. Berelain hatte das lange Blatt auf den Tisch zurückgelegt und blickte angestrengt zu Boden.

»Also gut«, meinte Rand bedächtig.

Jalanis Kopf zog sich zurück, und Mangin trat ein. Er war größer als Rand und hatte zu denjenigen gehört, die die Drachenmauer auf der Suche nach Ihm, Der Mit Der Morgendämmerung Kommt überquert hatten, einer jener Handvoll, die den Stein von Tear eingenommen hatten, »Vor sechs Tagen habe ich einen Mann getötet«, fing er ohne weiteres an, »einen Baummörder, und ich muß wissen, ob ich jetzt Euch gegenüber Toh habe, Rand al'Thor.«

»Mir gegenüber?« fragte Rand. »Ihr könnt Euch doch selbst verteidigen, Mangin; Licht, Ihr wißt es...« Einen Moment lang schwieg er und suchte den Blick dieser grauen Augen, die nüchtern dreinblickten, aber ohne jede Furcht, vielleicht ein wenig neugierig. Rhuarcs Miene konnte er nichts anmerken, und Berelain wich seinem Blick noch immer aus. »Er hat Euch angegriffen, oder?«

Mangin schüttelte leicht den Kopf. »Ich sah, daß er den Tod verdiente, also habe ich ihn getötet.« Er sagte das in einem leichten Plauderton, als habe er gesehen, daß ein Abflußrohr gereinigt werden müsse und diese Arbeit gleich erledigt. »Doch Ihr habt uns untersagt, die Meineidigen zu töten, außer in der Schlacht oder wenn sie uns angreifen. Habe ich deshalb nun Toh Euch gegenüber?«

Rand erinnerte sich daran, was er gesagt hatte ... ihn werde ich hängen lassen. In seiner Brust zog sich etwas zusammen. »Warum verdiente er zu sterben?«

»Er trug, was zu tragen er kein Recht hatte«, erwiderte Mangin.

»Was? Was hat er getragen, Mangin?«

Rhuarc antwortete, wobei er seinen linken Unterarm berührte. »Dies.« Er meinte damit den Drachen, der sich um seinen Arm schlängelte. Die Clanhäuptlinge zeigten sie nur selten und sprachen fast nie darüber. Beinahe alles an diesen Kennzeichen war in Geheimnisse gehüllt und die Häuptlinge waren es zufrieden. »Natürlich war es nur mit Nadeln und Farben nachgemacht.« Eine Tätowierung also.

»Er hat sich als Clanhäuptling ausgegeben?« Rand war klar, daß er nach einer Entschuldigung suchte ... ihn werde ich hängen lassen. Mangin war einer seiner ersten Anhänger gewesen.

»Nein«, sagte Mangin. »Er hat getrunken und mit dem angegeben, was er nicht haben durfte. Ich sehe Eure Augen, Rand al'Thor.« Er grinste plötzlich. »Es ist ein Rätsel. Ich hatte recht damit, daß ich ihn tötete, aber nun habe ich Toh Euch gegenüber.«

»Ihr wart im Unrecht, als Ihr ihn getötet habt. Ihr kennt die Strafe für Mord.«

»Einen Strick um den Hals, wie ihn diese Feuchtländer benützen.« Mangin nickte nachdenklich. »Sagt mir, wann und wo, und ich werde dort sein. Mögt Ihr heute Wasser und Schatten finden, Rand al'Thor.«

»Mögt Ihr Wasser und Schatten finden, Mangin«, erwiderte Rand traurig.

»Ich schätze«, sagte Berelain, als sich die Tür hinter Mangin geschlossen hatte, »daß er tatsächlich freiwillig zu seiner eigenen Hinrichtung erscheinen wird.

Ach, seht mich nicht so an, Rhuarc. Ich will weder ihn noch die Ehre der Aiel angreifen.«

»Sechs Tage«, grollte Rand, und dann fuhr er sie an: »Ihr wußtet, warum er hier war, Ihr beide! Vor sechs Tagen, aber Ihr habt mir die Entscheidung überlassen! Mord ist Mord, Berelain.«

Sie richtete sich gebieterisch auf, klang aber dann doch, als müsse sie sich rechtfertigen. »Ich bin es nicht gewohnt, daß Männer zu mir kommen und mir gestehen, daß sie gerade einen Mord begangen haben. Verdammtes Ji'e'toh. Verdammte Aielmänner und ihre verdammte Ehre.« Es klang eigenartig, aus ihrem Mund solche Flüche zu hören.

»Ihr habt keinen Grund, böse auf sie zu sein, Rand al'Thor«, warf Rhuarc ein. »Mangins Toh besteht Euch gegenüber und nicht ihr — oder mir.«

»Sein Toh besteht dem Mann gegenüber, den er ermordet hat«, sagte Rand kalt. Rhuarc blickte entsetzt drein. »Wenn jemand beim nächsten Mal einen Mord begeht, wartet nicht auf mich! Befolgt einfach das Gesetz!« Auf diese Weise würde er vielleicht nicht noch einmal gezwungen, einen Mann, den er kannte und mochte, zum Tode zu verurteilen. Er würde es tun, wenn er dazu gezwungen war. Er wußte es, und es machte ihn traurig. Was war aus ihm geworden?

Das Rad des Lebens eines Mannes, murmelte Lews Therin. Keine Gnade. Kein Mitleid.

18

Ein Vorgeschmack der Einsamkeit

Gibt es noch mehr Probleme, die Ihr von mir lösen lassen wollt?« Rands Tonfall sagte eindeutig aus, daß er Probleme meinte, die sie bereits gelöst haben sollten. Rhuarc schüttelte leicht den Kopf, während Berelain errötete. »Gut. Legt einen Zeitpunkt fest, an dem Mangin gehängt wird...« Wenn es zu sehr weh tut —Lews Therins Lachen klang wie ein heiseres Flüstern — laß es statt dessen jemand anderes spüren. Seine Verantwortung. Seine Pflicht. Er versteifte seinen Rücken, um diesen Berg davon abzuhalten, ihn zu erdrücken. »Hängt ihn morgen. Sagt ihm, ich hätte das angeordnet.« Er schwieg und blickte wütend drein, bis ihm klar wurde, daß er auf Lews Therins Antwort wartete und nicht auf die ihre. Wartete auf die Stimme eines toten Mannes, eines toten Verrückten, »Ich gehe zur Schule.«

Rhuarc wies darauf hin, daß die Weisen Frauen sich möglicherweise auf dem Weg von ihren Zelten hierher befänden, und Berelain stellte fest, die Adligen aus Tear und Cairhien würden sich darum reißen, herauszufinden, wo sie Rand versteckte. Doch er befahl beiden, bei der Wahrheit zu bleiben und anzuordnen, keiner solle ihm folgen. Er würde eben zurückkommen, wenn er es für richtig hielt. Die beiden wirkten, als hätten sie saure Pflaumen gegessen, doch er schnappte sich nur sein Drachenszepter und ging.

Im Gang sprangen Jalani und einer der Roten Schilde mit blondem Haar geschmeidig auf, wobei sie sich kurz anblickten. Bis auf die zwei war der Gang menschenleer. Nur ein paar Diener eilten gelegentlich geschäftig umher. Einer aus jeder Gemeinschaft, das ergab einen Sinn. Allerdings fragte Rand sich, ob Urien Sulin zuerst einen Ringkampf geliefert hatte, damit sie seinen Leuten einen Platz überließ.

Er bedeutete ihnen, ihm zu folgen, und ging dann hinunter zum nächstgelegenen Stall, wo selbst die Boxenwände aus dem gleichen grünen Marmor gefertigt waren wie die Säulen, die die hohe Decke stützten. Der Stallmeister, ein verdrießlicher Bursche mit großen Ohren, der auf der kurzen Lederweste die Aufgehende Sonne Cairhiens trug, wurde von Rands Erscheinen so überrascht, und noch dazu mit nur zwei Aiel als Eskorte, daß er ständig zum Stalltor hinübersah, ob nicht doch noch weitere kämen. Zwischen diesen Blicken verbeugte er sich unablässig, und Rand fragte sich schon, ob er jemals ein Pferd bekommen werde. Doch sobald der Mann schrie: »Ein Pferd für den Lord Drache«, sprangen sechs Stallburschen herbei, um einen hochrahmigen braunen Wallach mit feurigem Blick für ihn herzurichten. Das Zaumzeug war mit Goldfransen geschmückt, der Sattel enthielt Einlegearbeiten aus Gold und lag auf einem himmelblauen Satteltuch, das ebenfalls Fransen aufwies und reich mit goldenen Aufgehenden Sonnen bestickt war.