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Er folgte ihr mit gerunzelter Stirn. Was für eine Ausstellung?

Die Eingangshalle der Schule war ein riesiger Saal mit glänzenden dunkelgrauen Säulen, hellgrauen Fußbodenfliesen und einer grauen Marmorbalustrade, die sich in zwei Spannen Höhe um den ganzen Saal zog. Nun war sie zum größten Teil mit ... eigenartigen Apparaten angefüllt. Die Lehrer, die sich hinter ihm hineindrängten, liefen schnell zu ihnen hin. Rand riß die Augen auf. Mit einem Mal mußte er an Berelains Worte denken, daß die Schule Dinge ›mache‹. Aber was?

Idrien erklärte es ihm auf ihre Weise, während sie ihn von einem Ausstellungsstück zum nächsten führte, wo jeweils verschiedene Männer und Frauen ihm sagten, was sie geschaffen hatten. Er verstand sogar einiges davon.

Eine Anordnung von Sieben und Pressen und Sammelbecken, gefüllt mit Leinenfetzen, lieferte feineres Papier, als irgend jemand bisher herstellen konnte, wie der Erfinder erklärte. Ein großes, wuchtiges Gebilde mit Hebeln und riesigen flachen Platten war eine Druckerpresse, viel besser als alle bisher im Gebrauch befindlichen, wie ihr Hersteller beteuerte. Dedric zeigte sich äußerst interessiert daran, bis Jalani offensichtlich entschied, er solle lieber aufpassen, ob jemand den Car'a'carn angreifen wolle: sie trat ihm hart auf den Fuß, woraufhin er wieder hinter Rand herhumpelte. Es gab einen Pflug mit Rädern, der angeblich sechs Furchen auf einmal ziehen konnte. Rand war beeindruckt. Es war durchschaubar für ihn und er glaubte, es könne funktionieren. Dann stand da ein Ding mit Deichseln für Pferde, mit dem man Heu ernten sollte, ohne Männer mit Sensen zu benötigen, und eine neue Art von Webstuhl, der leichter zu bedienen war, wie der Bursche behauptete, der ihn gebaut hatte. Angemalte Holzmodelle von Aquädukten waren aufgebaut worden, die Wasser an Orte befördern sollten, in denen die Quellen versiegt waren, des weiteren Modelle von neuen Abfluß- und Abwasserkanälen für Cairhien, und sogar ein ganzer Tisch, auf dem winzige Abbilder von Männern und Karren, Kränen und Rollen zu sehen waren. Das sollte darstellen, wie man Straßen bauen und pflastern konnte, und zwar so gut, wie man es vor langer Zeit fertiggebracht hatte.

Rand konnte nicht beurteilen, ob irgend etwas davon wirklich Erfolg versprach, aber einiges sah aus, als sei es einen Versuch wert. Dieser Pflug beispielsweise würde nützlich sein, wenn Cairhien sich jemals wieder selbst versorgen wollte. Er würde Idrien befehlen, ihn bauen zu lassen. Nein, er würde Berelain sagen, sie solle es anordnen. Halte dich in den Augen der Öffentlichkeit immer an die offizielle Rangfolge, hatte Moiraine geraten, außer du willst die Autorität einer Person untergraben und sie zu fall bringen.

Unter den ihm bekannten Lehrern befand sich auch Kin Tovere, ein untersetzter Linsenmacher, der sich ständig den kahlen Kopf mit einem gestreiften Taschentuch abwischte. Abgesehen von Fernrohren in verschiedenen Größen — »zählt die Haare in der Nase eines Mannes noch auf eine Meile Entfernung«, so drückte er sich immer aus — hatte er eine Linse ausgestellt mit einem Durchmesser wie sein eigener Kopf, dazu eine Zeichnung von dem Fernrohr, in welches diese Linse und noch weitere ähnliche Linsen passen sollten, ein sechs Schritt langes Gebilde, mit dem er ausgerechnet die Sterne betrachten wollte. Nun, Kin wollte eben immer weit entfernte Dinge sichtbar machen.

Idriens Blick zeigte Zufriedenheit, als Rand Meister Toveres Zeichnung betrachtete. Sie hatte für gewöhnlich vor allem praktische Dinge im Kopf. Während der Belagerung Cairhiens hatte sie persönlich eine riesige Armbrust gebaut, die mit Hebeln und Flaschenzügen bedient wurde, und damit konnte sie einen kleinen Speer so hart eine volle Meile weit hinausschleudern, daß er am Ziel noch einen Mann durchbohrte. Ginge es nach ihr, würde niemand Zeit für etwas verschwenden, was nicht zweckmäßig verwendbar war.

»Baut es«, sagte Rand zu Kin. Vielleicht würde es niemandem nützen, nicht so wie der Pflug, aber er mochte Tovere. Idrien seufzte und schüttelte den Kopf. Tovere strahlte. »Und ich verleihe Euch einen Preis von hundert Goldkronen. Es sieht wirklich bemerkenswert aus.« Das rief verstärktes Gemurmel hervor, und er mochte nicht raten, wessen Kinnlade tiefer herunterklappte — Idriens oder Toveres.

Im Vergleich zu anderen Dingen und ihren Schöpfern erschien Tovere jedoch beinahe genauso praktisch veranlagt wie der Straßenbaumeister. Der Bursche mit dem runden Gesicht beispielsweise, der etwas mit Kuhfladen anstellte und schließlich eine bläuliche Stichflamme am Ende eines Messingrohrs erhielt; selbst er schien keine Ahnung zu haben, wozu das dienen könne. Oder die schlaksige junge Frau, deren Ausstellungsstück aus einer Papierhülle bestand, die an Fäden hing und durch die Hitze einer kleinen Flamme in der Luft gehalten wurde. Sie gab irgend etwas übers Fliegen von sich — er war sicher, daß sie das tatsächlich erwähnt hatte — und die gewölbten Flügel von Vögeln — sie hatte Skizzen von Vögeln dabei und von etwas, das wie ein hölzerner Vogel aussah — aber sie war so verlegen und sprach so undeutlich, weil sie dem Wiedergeborenen Drachen gegenüberstand, daß er nichts verstand, und Idrien war natürlich nicht in der Lage, ihm zu erklären, worum es sich handelte.

Und dann war da ein Mann mit Halbglatze und einer ganzen Ansammlung von Messingrohren und Zylindern, Stangen und Rädern, die zusammen einen schweren Holztisch bedeckten, der frische Rillen und Kratzer aufwies. Ein paar der Rillen waren tief in die Tischfläche eingegraben. Aus irgendeinem Grund waren die eine Gesichtshälfte des Mannes und eine seiner Hände dick mit Bandagen umwickelt. Sobald Rand in der Eingangshalle erschienen war, hatte er nervös damit begonnen, ein Feuer unter einem der Zylinder zu entzünden. Als Rand und Idrien vor ihm stehenblieben, legte er einen Hebel um und lächelte stolz.

Die Vorrichtung begann zu beben, und Dampf zischte an zwei oder drei Stellen heraus. Das Zischen wurde zu einem Kreischen, und das ganze Ding erzitterte und ächzte unheildräuend. Das Kreischen war ohrenbetäubend. Das Ding zitterte so stark, daß sich der ganze Tisch bewegte. Der Mann mit der Halbglatze warf sich auf den Tisch und löste einen Stöpsel am größten Zylinder. Eine Dampfwolke strömte aus, und das Ding gab endlich Ruhe. Der Mann saugte an seinen verbrühten Fingerspitzen und brachte gerade noch ein schwaches Grinsen zuwege.

»Sehr hübsche Messingarbeiten«, sagte Rand, bevor er sich von Idrien weiterführen ließ. »Was war das?« fragte er leise, als sie sich außer Hörweite befanden.

Sie zuckte die Achseln. »Mervin verrät es niemandem.

Manchmal hört man aus seinem Raum Donnerschläge, die laut genug sind, um die Türen zittern zu lassen, und bisher hat er sich bereits sechsmal verbrüht, aber er behauptet, es werde ein neues Zeitalter einleiten, wenn es funktionierte.« Sie sah Rand nervös an.

»Mervin soll es bringen, wenn er soweit ist«, erwiderte er trocken. Vielleicht sollte das Ding Musik machen? All dieses Kreischen? »Ich kann Herid nirgendwo sehen. Hat er vergessen herunterzukommen?«

Idrien seufzte wieder. Herid Fei war ein Andoraner, der irgendwie hierhergekommen war und in der Königlichen Bibliothek viele Bücher las — er bezeichnete sich selbst als jemand, der Geschichte und Philosophie studiere — und er gehörte nicht gerade zu der Sorte von Menschen, die sich bei ihr beliebt machten. »Mein Lord Drache, er kommt nie aus seinem Arbeitszimmer heraus, außer, wenn er in die Bibliothek geht.«

Er mußte eine kleine Rede halten, um den Menschen hier zu entkommen. So stellte er sich auf einen Hocker, hielt das Drachenszepter in der Armbeuge und erzählte ihnen, ihre Schöpfungen seien wundervoll. Seines Wissens waren es einige tatsächlich. Dann endlich war es ihm möglich, zusammen mit Jalani und Dedric hinauszuschlüpfen. Und mit Lews Therin und Alanna. Sie ließen ein erfreut klingendes Volksgemurmel hinter sich zurück. Er fragte sich, ob außer Idrien noch irgend jemand daran gedacht habe, eine Waffe herzustellen.