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Das machte eine weitere Beratung auf der gegenüberliegenden Seite des Brunnens notwendig. Erith verlangte offensichtlich, daran teilnehmen zu dürfen. Rand schnappte nur ein paar Bruchstücke auf, aber es war klar, daß Haman, der sein mächtiges Haupt hartnäckig schüttelte, gegen diesen Plan war, während Covril, deren Ohren so steif hochstanden, als kämpfe sie um jede Handbreit Größe, ihn befürwortete. Zuerst blickte Covril dabei Erith genauso zornig an wie Haman. Wie auch die Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter bei den Ogiern aussehen mochte, sie war offenbar der Meinung, die jüngere Frau habe in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht. Aber es dauerte nicht lange, da änderte sie ihre Meinung. Nun prügelten sie mit Worten gemeinsam auf Haman ein.

»...zu gefährlich. Viel zu gefährlich«, erklang wie ferner Donner von Haman.

»...heute noch beinahe dort...« Ein helleres Grollen von Covril.

»...er war schon zu lange Außerhalb...« Eriths Stimme klang dagegen wie Silberglöckchen. »...Abkürzungen bringen lange Umwege...« »...mein Loial...« »...mein Loial...«

»...Mashadar unter unseren Füßen...« »...mein Loial...« »...mein Loial...« »...als ein Ältester...«

»...mein Loial...«

»...mein Loial...«

Haman kam zu Rand zurück, wobei er seinen Mantel zurechtzog, als sei er ihm halb heruntergerissen worden. Die beiden Frauen folgten ihm. Covril beherrschte ihre Züge besser als Erith, die sich offensichtlich bemühte, ein Lächeln zu unterdrücken, doch bei beiden standen die Ohren keck hoch und vermittelten ein Gefühl der Befriedigung.

»Wir haben uns entschieden, Euer Angebot anzunehmen«, sagte Haman förmlich. »Laßt uns diese lächerliche Herumtreiberei so schnell wie möglich beenden, damit ich zu meinem Unterricht zurückkehren kann. Und zum Stumpf. Hmmm. Hmmm. Es gibt viel über Euch zu berichten, wenn ich vor dem Stumpf spreche.«

Rand war es egal, ob Haman dem Stumpf erzählte, er sei ein Sklaventreiber. Die Ogier hielten sich ohnehin von den Menschen fern, außer sie reparierten ihre alten Steinmetzarbeiten, und es war unwahrscheinlich, daß sie irgendeinen Menschen in bezug auf ihn so oder so beeinflussen würden. »Gut«, sagte er. »Ich werde jemand schicken, um Euer Gepäck aus Eurer Schenke zu holen.«

»Wir haben alles hier bei uns.« Covril schritt hinüber zur anderen Seite des Brunnens und bückte sich; beim Aufrichten hatte sie zwei Bündel in den Händen, die vorher hinter dem Becken verborgen gelegen hatten. Jedes der beiden hätten für einen Mann noch eine schwere Last dargestellt. Sie gab Erith eines davon, und dann zog sie sich den Tragriemen des anderen über den Kopf, so daß er schräg über ihren Oberkörper verlief und sie das Bündel auf dem Rücken hängen hatte.

»Wäre Loial hier«, erklärte Erith, während sie sich ihr Bündel überhängte, »dann könnten wir ohne Verzögerung den Rückweg zum Stedding Tsofu antreten. Falls nicht, könnten wir auf diese Weise sofort Weiterreisen. Ohne jede Verzögerung.«

»Ehrlich gesagt, lag es an den Betten«, vertraute ihm Haman an, und der Ogier deutete mit den Händen etwa die Größe eines menschlichen Kindes an. »Einst verfügte jede Schenke Außerhalb über zwei oder drei Ogierzimmer, aber heutzutage sind sie sehr schwer zu finden. Das ist kaum zu verstehen.« Er blickte die Landkarten mit seinen handschriftlichen Markierungen an und seufzte. »Es war sehr schwer zu verstehen.«

Rand wartete gerade lange genug, daß Haman sein Bündel holen konnte, dann griff er nach Saidin und öffnete ein Tor gleich neben dem Brunnen, ein Loch in der Luft, hinter dem eine unkrautbewachsene Straße und die zusammengebrochenen Ruinen von Gebäuden zu erkennen waren.

»Rand al'Thor.« Sulin schlenderte gemächlich in den Hof, gefolgt von einer Gruppe mit Landkarten beladener Diener und Gai'schain. Liah und Cassin befanden sich bei ihr und taten genauso unbeschwert und nebensächlich. »Ihr hattet um weitere Landkarten gebeten.« Sulins Blick zu dem Tor war beinahe schon anklagend.

»Ich kann mich selbst dort besser beschützen, als Ihr es könnt«, sagte Rand unwirsch. Er hatte eigentlich nicht so kalt mit ihr sprechen wollen, doch ins Nichts gehüllt brachte er es nicht fertig, seine Stimme anders als kalt und fern klingen zu lassen. »Es gibt nichts, was Ihr mit Euren Speeren besiegen könnt, aber einiges, was die Speere nicht erlegen werden.«

Sulin wirkte nach wie vor ziemlich steif und beleidigt. »Um so mehr ein Grund für unsere Anwesenheit.«

Das ergab für niemanden einen rechten Sinn, der nicht zu den Aiel gehörte, aber... »Ich habe nichts dagegen«, sagte er. Sollte er sich weigern, würde sie trotzdem versuchen, ihm zu folgen. Sie würde Töchter herbeirufen, die noch hindurchspringen würden, wenn er bereits dabei war, das Tor zu schließen. »Ich denke, Ihr werdet den Rest der heutigen Leibgarde gleich hinter der nächsten Tür versammelt haben. Pfeift sie herbei. Aber alle sollen sich nahe bei mir aufhalten und nichts berühren. Macht schnell. Ich will das hinter mich bringen.« Seine Erinnerungen an Shadar Logoth waren nicht die angenehmsten.

»Ich habe sie auf Euer Ansinnen hin weggeschickt«, sagte Sulin verachtungsvoll. »Laßt mich langsam bis einhundert zählen.«

»Bis zehn.«

»Bis fünfzig.«

Rand nickte, und ihre Finger flogen. Jalani eilte in den Palast, und wieder flogen Sulins Finger. Drei weibliche Gai'schain ließen ihre Armladungen Landkarten fallen, blickten überrascht drein — Aiel zeigen niemals Überraschung —, rafften die langen weißen Roben hoch und verschwanden blitzschnell in verschiedenen Richtungen in den Palast. Doch so schnell sie sich auch bewegten, Sulin war noch schneller.

Als Rand bei zwanzig angelangt war, begannen die Aiel in den Hof zu hetzen. Einige sprangen durch Fenster herein, andere von Balkonen herab. Er hätte sich beinahe verzählt. Alle waren verschleiert, und nur wenige davon waren Töchter des Speers. Sie sahen sich verwirrt um, als sie lediglich Rand und drei Ogier vorfanden, die sie neugierig anblinzelten. Ein paar ließen die Schleier wieder herab. Die Palastdiener drückten sich ängstlich aneinander.

Der Zustrom setzte sich auch nach Sulins Rückkehr fort. Sie war unverschleiert und erschien auf den Punkt genau bei fünfzig, während sich der Hof immer noch mit Aiel füllte. Ihm wurde schnell klar, daß sie die Nachricht ausgegeben hatte, der Car'a'carn befinde sich in Gefahr, da dies wohl die einzige Möglichkeit gewesen war, in der Kürze der gegebenen Zeit genügend Speere zu versammeln. Die Männer machten ein wenig säuerliche Mienen, aber die meisten beschlossen, es als guten Witz zu betrachten, woraufhin einige schmunzelten oder mit den Speeren auf die Schilde schlugen. Und keiner verließ den Hof. Sie sahen das Tor und kauerten sich nieder, um zu sehen, was geschehen würde.

Mit durch die Macht geschärftem Gehör vernahm Rand, wie eine Tochter namens Nandera, sehnig und doch immer noch gutaussehend, obwohl in ihrem Haar mehr Grau als Blond zu sehen war, Sulin zuflüsterte: »Du hast mit Gai'schain wie mit Far Dareis Mai gesprochen.«

Sulins blaue Augen blickten gelassen in Nanderas grüne. »Das habe ich. Wir werden darüber sprechen, wenn wir Rand al'Thor heute beschützt haben.«

»Wenn er sicher und behütet ist«, stimmte ihr Nandera zu.

Sulin wählte eilends zwanzig Töchter aus, von denen einige am Morgen zur fest eingeteilten Wache gehört hatten, andere aber nicht, doch als Urien Rote Schilde auswählte, bestanden auch Männer aus anderen Kriegergemeinschaften darauf, mit eingeschlossen zu werden. Diese durch das Tor sichtbare Stadt wirkte, als könne man dort Gegner vorfinden, vor denen man den Car'a'carn schützen mußte. Um bei der Wahrheit zu bleiben, würde wohl kein Aiel einem möglichen Kampf ausweichen, und je jünger sie waren, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, daß sie sogar nach jedem möglichen Kampf suchten. Ein weiterer Streit entstand beinahe, als Rand entschied, er werde nicht mehr Männer mitnehmen als Töchter des Speers, weil das die Far Dareis Mai entehren würde, denn schließlich hatte er ihnen seine Ehre anvertraut, und er werde auch nicht mehr Töchter mitnehmen, als Sulin bereits ausgewählt hatte. Er brachte sie tatsächlich an einen Ort, an dem Kampferfahrung ihnen nicht helfen würde, und auf jeden, den er mitnahm, würde er am Ende selbst aufpassen müssen. Das erklärte er ihnen aber nicht. Wer wußte schon, wessen Ehre er damit wieder beschnitt.