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Sie zuckte ungewollt zusammen. Sie bot einen schönen Anblick. Der Staub war durch ihren Schal gedrungen —nein; Schmutz, der sich mit Schweiß verbunden hatte —, und hatte Striemen auf ihren Wangen und Flecken auf ihrer Stirn hinterlassen, wo sie ihn fortzureiben versucht hatte.

»Ich werde Somara nach ein wenig Wasser schicken«, sagte er trocken. »Vielleicht wird sie denken, es sei für meine Ohren gedacht.« Dieses Grinsen war unerträglich!

»Das ist nicht nötig«, belehrte sie ihn mit soviel Würde, wie sie aufbringen konnte. Sie wollte nicht, daß er dabei zusah, wie sie sich wusch. Sie zog ihr bereits angeschmutztes Taschenruch hervor und versuchte hastig, den schlimmsten Schmutz zu beseitigen. »Du triffst bald Coiren und die anderen. Ich maß dich doch nicht warnen, daß sie gefährlich sind?«

»Ich glaube, du hast es gerade getan. Sie kommen nicht alle. Ich sagte, nicht mehr als drei, so daß sie auch nur drei herschicken.« Er neigte im Spiegel den Kopf, als höre er zu, und er nickte, während seine Stimme zu einem Murmeln verblaßte. »Ja, ich kann mit dreien fertig werden, wenn sie nicht zu mächtig sind.« Er bemerkte plötzlich, daß sie ihn ansah. »Natürlich könnte ich in Schwierigkeiten geraten, wenn eine von ihnen eine Moghedien mit Perücke oder eine Semirhage ist.«

»Rand, du mußt dies ernst nehmen.« Das Taschentuch bewirkte nicht viel. Äußerst widerwillig spie sie darauf. Es gab einfach keine würdige Art, auf ein Taschentuch zu speien. »Ich weiß, wie stark du bist, aber sie sind Aes Sedai. Du kannst dich nicht so verhalten, als wären sie Frauen vom Lande. Selbst wenn du glaubst, daß Alviarin sich zu deinen Füßen hinknien wird, und alle ihre Freundinnen mit ihr, wurde sie doch von Elaida gesandt. Du darfst nicht glauben, daß sie etwas anderes beabsichtigt, als dich zu gängeln. Du solltest sie schlicht und einfach fortschicken.«

»Und deinem verborgenen Freund vertrauen?« fragte er sanft. Viel zu sanft.

Sie konnte ihr Gesicht nicht sauber bekommen. Jetzt konnte sie jedoch nicht mehr um Wasser bitten, nicht nachdem sie sein Angebot abgelehnt hatte. »Du weißt, daß du Elaida nicht trauen kannst«, sagte sie vorsichtig, wobei sie sich ihm zuwandte. Da sie sich an das erinnerte, was beim letzten Mal geschehen war, verspürte sie nicht einmal den Wunsch, die Aes Sedai in Salidar zu erwähnen. »Du weißt es.«

»Ich traue keiner Aes Sedai. Sie...«, ein Zögern lag in seiner Stimme, als wollte er ein anderes Wort benutzen, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, welches. »...werden mich benutzen wollen, und ich werde sie zu benutzen versuchen. Ein hübscher Kreislauf, findest du nicht?« Wenn sie jemals die Möglichkeit erwogen hatte, daß er in die Nähe der Salidar Aes Sedai gelassen würde, belehrte sein Blick sie eines Besseren, so hart, so kalt, daß sie innerlich erschauderte.

Wenn er vielleicht ausreichend zornig wäre, wenn er sich heftig genug mit Coiren stritte, daß die Abordnung mit leeren Händen zur Burg zurückkehren würde, allein... »Wenn du ihn hübsch nennst, ist er es vermutlich. Du bist der Wiedergeborene Drache. Nun, da du dies durchzuführen beabsichtigst, könntest du es ebensogut richtig machen. Erinnere dich einfach daran, daß sie Aes Sedai sind. Selbst ein König hört Aes Sedai mit Respekt zu, auch wenn er ihnen nicht zustimmt, und er würde sofort nach Tar Valon aufbrechen, wenn er dorthin berufen würde. Selbst die Hohen Herren von Tear würden es tun, oder auch Pedron Niall.« Der törichte Mann grinste sie erneut an — oder zeigte zumindest die Zähne. Sein übriges Gesicht war vollkommen ausdruckslos. »Ich hoffe, du bist vorsichtig. Ich versuche dir nur zu helfen.« Wenn auch nicht auf die Art, wie er es glaubte. »Wenn du sie benutzen willst, darfst du sie nicht wie nasse Katzen erzürnen. Der Wiedergeborene Drache wird sie mit dem Phantasieumhang, dem Thron und dem törichten Szepter nicht mehr beeindrucken als mich.« Sie warf einen verächtlichen Blick auf die mit Quasten versehene Speerspitze. Licht, dieses Ding verursachte ihr eine Gänsehaut!

»Sie werden nicht auf die Knie sinken, wenn sie dich sehen, und es wird dich nicht umbringen, wenn sie es nicht tun. Es wird dich auch nicht umbringen, höflich zu sein. Beuge dein eigensinniges Haupt. Es ist nicht erniedrigend, angemessene Ehrerbietung und ein wenig Bescheidenheit an den Tag zu legen.«

»Angemessene Ehrerbietung...«, sagte er nachdenklich. Dann schüttelte er seufzend den Kopf und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. »Ich kann mit einer Aes Sedai vermutlich nicht genauso sprechen wie mit einem Lord, der hinter meinem Rücken Ränke schmiedet. Das ist ein guter Rat, Egwene. Ich werde es versuchen. Ich werde so bescheiden wie eine Maus sein.«

Sie wollte nicht gehetzt wirken und rieb erneut mit dem Taschentuch über ihr Gesicht, um ihr Augenrollen zu verbergen. Sie war sich nicht ganz sicher, ob ihre Augen hervorstanden, glaubte aber, es müsse der Fall sein. Ihr ganzes Leben lang hatte er, immer wenn sie erklärt hatte, daß das Recht ein besserer Weg war, sein Kinn vorgestreckt und darauf bestanden, daß sie ging! Warum mußte er jetzt zuhören?

Wendete sich etwas zum Guten, so wie die Dinge standen? Zumindest konnte es ihm nicht weh tun, ein wenig Respekt zu zeigen. Selbst wenn sie Elaida folgten, regte sie der Gedanke daran, daß jemand den Aes Sedai gegenüber Ungehörigkeit an den Tag legen könnte, wirklich auf. Nur daß sie wollte, daß er ungehörig wäre, daß er so hochmütig wäre wie eh und je. Es hatte keinen Sinn, das zu leugnen, nicht jetzt. Er war nicht dumm. Nur ärgerlich.

»War das alles, weshalb du gekommen bist?« fragte er.

Sie konnte noch nicht gehen. Vielleicht bestand noch eine Möglichkeit, die Dinge ins rechte Licht zu rücken oder zumindest sicherzustellen, daß er nicht töricht genug war, nach Tar Valon zu gehen. »Weißt du, daß sich eine Herrin der Wogen des Meervolks auf einem Schiff auf dem Fluß befindet? Auf der Gischt.« Dies war ein ebenso gutes Thema wie jedes andere. »Sie ist gekommen, um dich zu sprechen, und ich habe gehört, daß sie bereits ungeduldig wird.« Diese Neuigkeit stammte von Gawyn. Erian hatte sich hinausrudern lassen, um zu ergründen, was das Meervolk so weit im Landesinneren wollte, aber ihr wurde die Erlaubnis verweigert, an Bord zu gehen. Sie war in einer Stimmung zurückgekehrt, die man bei jeder anderen Frau, die keine Aes Sedai war, als peitschenschwingenden Zorn bezeichnet hätte. Egwene hegte mehr als nur Vermutungen, warum sie hier waren, aber das würde sie Rand nicht sagen. Er sollte erst einmal Menschen begegnen, bei denen er nicht erwartete, daß sie sich vor ihm duckten.

»Die Atha'an Miere sind anscheinend überall.« Rand setzte sich auf einen der Stühle. Er wirkte aus irgendeinem Grund belustigt, aber sie hätte schwören können, daß es nichts mit dem Meervolk zu tun hatte. »Berelain sagt, ich sollte diese Harine din Togara Zwei Winde treffen, aber wenn ihr Temperament dem entspricht, wie Berelain es beschreibt, kann sie warten. Ich habe im Moment genug zornige Frauen um mich.«

Das war beinahe eine Eröffnung. »Ich kann gar nicht verstehen, warum. Du hast stets eine solch gewinnende Art.« Sie wünschte sich augenblicklich, sie könnte diese Worte zurücknehmen. Sie bestärkten nur, was sie ihn nicht tun sehen wollte.

Er runzelte die Stirn und schien sie überhaupt nicht gehört zu haben. »Egwene, ich weiß, daß du Berelain nicht magst, aber es ist doch nicht darüber hinausgegangen? Ich meine, du nimmst deine Beschäftigung mit den Aiel so ernst, daß ich mir vorstellen könnte, daß du sie zum Speerkampf herausforderst. Sie war wegen etwas besorgt, aber sie wollte nicht sagen, weshalb.«

Wahrscheinlich hatte die Frau einen Mann gefunden, der ihr die Stirn bot. Das würde genügen, um Berelains Welt bis auf die Grundfesten zu erschüttern. »Ich habe seit dem Stein von Tear kein Dutzend Worte mit ihr gewechselt. Rand, du glaubst doch nicht... «