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Da zog Nynaeve tatsächlich an ihrem Zopf. »Diese Nisao sagte mir, es müsse ein Irrtum sein, und zerrte mich davon. Sie sagte, sie würde ihre Zeit nicht für eine Feier verschwenden.« Draußen waren erste Klänge dieser Feier zu hören, ein allgemeines Summen, das gerade laut genug war, die Steinmauern zu durchdringen, und leise Musik.

»Nun, es war kein Irrtum«, sagte Egwene. Nisao hatte etwas anderes vor? Nun, sie würde nicht jetzt danach fragen. Nynaeve war nicht glücklich darüber, und Egwene wollte, daß dies ein möglichst fröhliches Zusammensein würde. Sie zog den Stuhl hinter dem Tisch hervor, sah zwei Kissen darauf liegen und lächelte. Chesa. »Wir werden uns hierher setzen und miteinander reden, und dann werde ich euch helfen, die beiden schönsten Kleider in Salidar zu finden. Erzählt mir von euren Entdeckungen. Anaiya erwähnte sie, und Sheriam ebenfalls, aber ich konnte sie nicht lange genug aufhalten, daß sie mir Einzelheiten hätten berichten können.«

Die beiden Frauen hielten fast gleichzeitig in ihrer Bewegung inne, sich hinsetzen zu wollen, und wechselten Blicke. Unerklärlicherweise schienen sie nur widerwillig von Nynaeves Heilung Siuans und Leanes — Nynaeve wiederholte drei Mal sehr besorgt, daß die Heilung Logains ein Versehen gewesen sei —und Elaynes Arbeit mit dem Ter'angreal sprechen zu wollen.

Es waren bemerkenswerte Erfolge, besonders Nynaeves Wirken, aber mehr wollten sie nicht sagen. Egwene konnte ihnen noch so oft erklären, wie großartig das war, was sie getan hatten, und wie sehr sie sie beneidete. Egwene hatte nicht lange versucht, selbst Heilung zu bewirken. Sie hatte kein richtiges Gefühl dafür und besonders nicht für dieses komplizierte Muster, das Nynaeve ohne nachzudenken wob, und obwohl sie gut mit Metallen zurechtkam und sowohl Feuer als auch Erde gut beherrschte, verlor sie sie fast augenblicklich wieder. Natürlich wollten sie wissen, wie das Leben unter den Aiel war. Dem erstaunten Blinzeln und jäh abbrechenden Lachen nach zu urteilen, war sich Egwene nicht sicher; ob sie glaubten, was sie ihnen erzählte, und sie erzählte sicherlich nicht alles. Das Thema Aiel führte natürlich auch zum Thema Rand. Beide Frauen lauschten ihrer Wiedergabe seines Treffens mit den Aes Sedai aufmerksam. Sie stimmten ihr zu, daß er sich in größere Gefahr begab, als ihm bewußt war, und jemanden brauchte, der ihn anleitete, bevor er in eine Falle geriet. Elayne glaubte, Min könnte dabei hilfreich sein, wenn die Abordnung Caemlyn erst erreicht hätte — Egwene hörte jetzt zum ersten Mal, daß Min zu der Abordnung gehörte oder überhaupt in Salidar gewesen war —, obwohl sie in Wahrheit eher halbherzig bei der Sache war. Und sie äußerte etwas höchst Eigenartiges, als sei dies eine Wahrheit, die sie nicht hören wollte.

»Min ist besser als ich.« Aus irgendeinem Grund bewirkte dies einen mitfühlenden Blick von Nynaeve. »Ich wünschte, ich wäre dort«, fuhr Elayne mit kräftigerer Stimme fort. »Ich meine, um ihn anzuleiten.« Sie schaute von Egwene zu Nynaeve, und ihre Wangen röteten sich. »Nun, auch das.« Nynaeve und Egwene mußten so sehr lachen, daß sie beinahe von ihren Stühlen fielen, und Elayne schloß sich ihnen fast augenblicklich an.

»Es gibt eine gute Nachricht, Elayne«, sagte Egwene atemlos, während sie sich noch immer zu fassen versuchte. Dann erkannte sie plötzlich, was sie im Begriff war zu sagen und warum sie es sagen wollte. Licht, in welch eine Lage war sie da geraten, und sie lachte noch! »Es tut mir leid wegen deiner Mutter, Elayne. Du weißt nicht, wie sehr ich mir wünschte, ich hätte dir mein Beileid früher aussprechen können.« Elayne wirkte verständlicherweise verwirrt. »Die Sache ist die, daß Rand dir den Löwenthron und den Sonnenthron übergeben will.« Elayne setzte sich zu ihrer Überraschung ruckartig auf.

»Tut er das, tut er das?« fragte sie mit beherrschter, tonloser Stimme. »Er beabsichtigt, mir beide Throne zu übergeben.« Sie reckte leicht das Kinn. »Ich habe einigen Anspruch auf den Sonnenthron, und wenn ich ihn einnehmen will, dann werde ich ihn allein einnehmen, weil ich das Recht dazu habe. Und was den Löwenthron betrifft — Rand al'Thor hat kein Recht, überhaupt kein Recht, mir zu geben, was mir bereits gehört.«

»Ich bin sicher, daß er es nicht so gemeint hat«, wandte Egwene ein. Wirklich nicht? »Er liebt dich, Elayne. Ich weiß, daß er dich liebt.«

»Wenn es doch nur so einfach wäre«, murmelte Elayne, was auch immer das bedeuten sollte.

Nynaeve schnaubte. »Männer behaupten stets, sie meinten es nicht so. Man könnte glauben, sie sprächen eine andere Sprache.«

»Wenn ich ihn wieder in die Finger bekomme«, sagte Elayne bestimmt, »werde ich ihn lehren, sich richtig auszudrücken. Sie mir geben!«

Es kostete Egwene Mühe, nicht erneut zu lachen. Wenn Elayne das nächste Mal Rand in die Finger bekam, würde sie zu sehr damit beschäftigt sein, einen abgeschiedenen Platz zu finden, um ihn etwas zu lehren. Es war genau wie in alten Zeiten. »Jetzt, wo du eine Aes Sedai bist, kannst du zu ihm gehen, wann immer du willst. Niemand kann dich aufhalten.« Die beiden wechselten schnell einen Blick.

»Der Saal läßt niemanden einfach gehen«, sagte Nynaeve. »Und selbst wenn sie einfach so gehen könnte, würden wir mit Sicherheit etwas Wichtigeres finden.«

Elayne nickte heftig. »Das glaube ich auch. Ich gebe zu, daß ich, als ich gehört habe, daß du zur Amyrlin ernannt worden bist, zuerst dachte, Nynaeve und ich könnten es jetzt vielleicht wirklich finden. Nun, es war wohl eher der zweite Gedanke; zuerst empfand ich eine Art benommener Freude.«

Egwene blinzelte verwirrt. »Ihr habt etwas gefunden? Aber jetzt müßt ihr es wirklich finden?« Sie beugten sich auf ihren Stühlen vor und antworteten eifrig und einander fast übertönend.

»Wir haben es gefunden«, sagte Elayne, »aber nur in Tel'aran'rhiod.«

»Wir haben die Notwendigkeit benutzt«, fügte Nynaeve hinzu. »Wir benötigten sicherlich etwas.«

»Es ist eine Schale«, fuhr Elayne fort, »ein

Ter'angreal, und ich denke, daß sie vielleicht ausreichend stark sein könnte, das Wetter zu verändern.«

»Aber die Schale befindet sich irgendwo in Ebou Dar, in einem schrecklichen Gewirr von Straßen ohne Hinweise oder irgend etwas, das uns helfen könnte. Der Saal hat Merilille einen Brief gesandt, aber sie wird ihn niemals finden.«

»Besonders weil sie Königin Tylin nachdrücklich davon überzeugen soll, daß sich die wahre Weiße Burg hier befindet.«

»Wir haben ihnen gesagt, daß beim Lenken der Macht ein Mann benötigt wird.« Nynaeve seufzte. »Das war natürlich vor Logain, obwohl ich nicht glaube, daß sie ihm vertrauen würden.«

»Es wird nicht wirklich ein Mann benötigt«, erklärte Elayne. »Wir wollten sie einfach überzeugen, daß sie Rand brauchen. Ich weiß nicht, wie viele Frauen nötig sein werden, aber vielleicht ein vollständiger Kreis von dreizehn Frauen.«

»Elayne sagte, die Schale sei sehr mächtig, Egwene. Sie könnte das Wetter wieder regeln. Mir wäre es recht, wenn mein Wettersinn wieder funktionierte.«

»Die Schale kann es tatsächlich wieder regeln, Egwene.« Elayne wechselte beglückte Blicke mit Nynaeve. »Du mußt uns nur nach Ebou Dar schicken.«

Der Redefluß versiegte, und Egwene lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. »Ich werde tun, was ich kann. Vielleicht wird es keine Einwände geben, da ihr jetzt Aes Sedai seid.« Aber sie hatte das Gefühl, daß es doch Einwände geben würde. Sie zu Aes Sedai zu ernennen, war als kühner Streich erschienen, aber sie begann allmählich zu glauben, daß es doch nicht so einfach war.

»Was du kannst?« fragte Elayne ungläubig. »Du bist der Amyrlin-Sitz, Egwene. Du befiehlst, und die Aes Sedai springen.« Sie grinste flüchtig. »Sag ›spring‹, und ich beweise es dir.«