Выбрать главу

Mat kratzte sich am Kopf. »Ich verstehe nicht, was das hiermit zu tun hat.«

»Es bedeutet einfach, daß man nicht glauben soll, die ganze Geschichte zu kennen, wenn man erst einen Teil davon gehört hat. Weißt du, daß Elayne und Nynaeve in ungefähr einem Tag nach Ebou Dar aufbrechen werden? Juilin und ich sollen sie begleiten.«

»Ebou...« Mat konnte seine Pfeife gerade noch auffangen, bevor sie in das tote Laub fiel, das die Gasse bedeckte. Nalesean hatte irgend etwas über einen Besuch Ebou Dars erzählt, und selbst wenn man berücksichtigte, wie häufig er übertrieb, wenn es um Frauen ging, die er gekannt, und um Kämpfe, an denen er teilgenommen hatte, klang es nach einem rauhen Ort. Also glaubten sie, sie könnten Elayne von ihm fortbringen. »Thom, Ihr müßt mir helfen...«

»Wie?« wandte Thom ein. »Sie dem Stiefelmacher stehlen?« Er stieß eine blaue Rauchwolke aus. »Das werde ich nicht tun, Junge. Du kennst noch immer nicht die ganze Geschichte. Was empfindest du Egwene und Nynaeve gegenüber? Oder, wenn ich es mir recht überlege, nur Egwene gegenüber?«

Mat runzelte die Stirn und fragte sich, ob der Mann glaubte, er könnte alles verwirren, wenn er nur lange genug im Kreis herumginge. »Ich mag Egwene. Ich... Verdammt, Thom, sie ist Egwene. Das sagt schon genug. Darum versuche ich, ihren törichten Hals zu retten.«

»Sie vor dem Stiefelmacher zu retten, meinst du«, murmelte Thom, aber Mat sprach einfach weiter.

»Ihren und auch Elaynes Hals, und sogar Nynaeves — wenn ich mich davon abhalten kann, sie eigenhändig zu erwürgen. Licht! Ich will ihnen doch nur helfen. Außerdem wird Rand mir den Hals brechen, wenn Elayne etwas zustößt«

»Hast du jemals daran gedacht, ihnen bei dem zu helfen, was sie wollen, anstatt darauf zu beharren, was du willst? Wenn ich du wäre, würde ich Elayne auf ein Pferd setzen und nach Andor reiten. Aber sie hat anderes zu tun — ich glaube, sie muß es —, also werde ich in ihrer Nähe bleiben und Tag und Nacht befürchten, daß es jemandem gelingen könnte, sie zu töten, bevor ich es verhindern kann. Sie wird erst nach Caemlyn ziehen, wenn sie dazu bereit ist.« Er sog selbstzufrieden an seiner Pfeife, aber seine Stimme hatte am Ende ein wenig unsicher geklungen, als gefielen ihm seine Worte nicht so sehr, wie er vorgab.

»Mir scheint, als wollten sie sich Elaida ausliefern.« Also würde Thom dieses törichte Mädchen auf ein Pferd setzen? Ein Feuerwerker, der die Tochter-Erbin verschleppt, damit sie gekrönt wird! Thom hielt viel von sich.

»Du bist kein Narr, Mat«, sagte Thom ruhig. »Du weißt es besser. Egwene ... es ist schwer, sich dieses Kind als Amyrlin vorzustellen...« Mat brummte ärgerlich. Thom achtete nicht auf ihn. »...und doch glaube ich, daß sie genügend Rückgrat hat. Es ist zu früh, um sagen zu können, ob gewisse Dinge nur Zufall sind, aber ich fange an zu glauben, daß sie auch den Verstand dafür hat. Die Frage ist aber: Ist sie zäh genug? Wenn nicht, werden sie sie lebendig verspeisen — mit Rückgrat, Verstand und allem anderen.«

»Wer wird das tun? Elaida?«

»Oh, sie ohnehin. Wenn sie die Gelegenheit dazu bekommt. Sie ist ausreichend zäh. Aber die Aes Sedai, die sich hier aufhalten, sehen Egwene kaum als Aes Sedai an. Vielleicht als Amyrlin, aber nicht als Aes Sedai, wenn das auch schwer zu glauben ist.« Thom schüttelte den Kopf. »Ich verstehe es nicht, aber es stimmt. Das gleiche gilt für Elayne und Nynaeve. Sie versuchen, es für sich zu behalten, aber selbst Aes Sedai können nicht alles verbergen, wenn man sie genau beobachtet und seinen Verstand gebraucht.« Er zog erneut den Brief hervor, drehte ihn aber nur in den Händen, ohne ihn zu betrachten. »Egwene wandelt an einem Abgrund, Mat, und drei Gruppen hier in Salidar — ich bin mir sicher, daß es drei sind — könnten sie hinabstoßen, wenn sie nur einen falschen Schritt tut. Elayne wird ihr folgen, wenn das geschieht, und Nynaeve ebenfalls. Oder vielleicht werden sie die beiden zuerst hinabstoßen, damit sie Egwene mit hinabziehen.«

»Hier in Salidar«, wiederholte Mat vollkommen tonlos. Thom nickte ruhig, und Mat konnte nicht verhindern, daß seine Stimme lauter wurde. »Und Ihr wollt, daß ich sie hierlasse?«

»Ich will, daß du aufhörst zu glauben, du könntest sie dazu bringen, etwas zu tun. Sie haben bereits beschlossen, was sie tun werden, und du kannst es nicht ändern. Aber vielleicht — nur vielleicht — kannst du mir helfen, ihr Leben zu retten.«

Mat sprang auf. Er sah vor seinem geistigen Auge das Bild einer Frau mit einem Messer zwischen den Brüsten. Es war keine der geborgten Erinnerungen. Er trat gegen das Faß, auf dem er gesessen hatte, so daß es die Gasse hinunterrollte. Einem Feuerwerker helfen, ihr Leben zu retten? Eine schwache Erinnerung regte sich, eine Erinnerung an Basel Gill, einen Wirt in Caemlyn, der etwas über Thom gesagt hatte, aber sie war nur flüchtig und verschwand, sobald er sie festhalten wollte. »Von wem ist der Brief, Thom? Von einer weiteren Frau, die Ihr gerettet habt? Oder habt Ihr sie dort gelassen, wo sie ihr Leben verlieren konnte?«

»Ich habe sie dort gelassen«, sagte Thom leise. Er stand auf und ging wortlos davon.

Mat streckte halb die Hand aus, um ihn aufzuhalten, und wollte etwas sagen. Aber ihm fiel nichts ein. Verrückter alter Mann! Nein, er war nicht verrückt. Egwene war stur wie ein Maultier, und Nynaeve ließ sie fügsam wirken. Noch schlimmer —beide würden auf einen Baum klettern, um die Blitze besser sehen zu können. Und was Elayne betraf, so hatte die Adlige noch nie genug Verstand besessen, um aus dem Regen herauszutreten, und dann war sie empört, wenn sie naß wurde.

Er klopfte seine Pfeife aus, trat die Glut mit dem Stiefelabsatz aus, bevor das trockene Laub Feuer fangen konnte, hob seinen Hut vom Boden auf und hinkte auf die Straße hinaus. Er brauchte Informationen aus einer besseren Quelle als von einem Feuerwerker, der dadurch, daß er mit diesem anmaßenden jungen Ding von Tochter-Erbin herumlief, unter Größenwahn litt. Zu seiner Linken sah er Nynaeve aus der Kleinen Burg kommen und beobachtete sie, während sie sich ihren Weg zwischen von Ochsen oder Pferden gezogenen Karren hindurch bahnte. Sie konnte ihm sagen, was er wissen mußte. Wenn sie es wollte. Ein Schmerz durchzuckte seine Hüfte. Verdammt, sie schuldet mir einige Antworten.

In diesem Augenblick sah Nynaeve ihn und erstarrte sichtbar. Sie beobachtete einen Moment, wie er herankam, und eilte dann in entgegengesetzter Richtung davon. Sie versuchte ihm offensichtlich aus dem Weg zu gehen. Sie schaute zweimal über die Schulter, bevor Menschen und Karren sie verbargen.

Mat blieb stirnrunzelnd stehen und zog sich den Hut tief in die Stirn. Zuerst trat die Frau ihn ohne Grund, und jetzt wollte sie nicht mit ihm sprechen. Sie und Egwene wollten ihn schmoren lassen, bis er sanftmütig davontrottete, wenn sie ihn verwiesen. Nun, sie haben sich, verdammt noch mal, den Falschen für ihr Spiel ausgesucht!

Vanin und die anderen standen vor einem Stall neben einem Steingebäude, das sicherlich einmal ein Gasthaus gewesen war. Jetzt strömten Aes Sedai dort hinein und hinaus. Pips und die anderen Pferde waren festgebunden, und Vanin und die beiden Kundschafter, die gefangengenommen worden waren, kauerten an der Wand. Mär und Ladwin waren so verschieden, wie Männer nur sein konnten. Der eine war groß und schlaksig und hatte ein rauhes Gesicht, der andere war klein, stämmig und sanftmütig, aber beide wirkten sehr verwirrt, als Mat herankam. Sie waren noch nicht darüber hinweggekommen, wie leicht sie gefangengenommen worden waren. Die beiden Unterführer standen steif auf, während sie noch immer die Banner fest an die Stäbe drückten, als wäre das jetzt wichtig. Sie wirkten äußerst wachsam. Eine Schlacht war eine Sache, aber alle diese Aes Sedai waren eine ganz andere Sache. Im Kampf hatte ein Mann eine Chance. Zwei Behüter beobachteten sie. Nicht offensichtlich, sondern über den Stallhof hinweg. Sie hatten sich diesen Standort in der prallen Sonne nicht nur ausgesucht, um sich zu unterhalten.