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Also hatte eine der Traumgängerinnen in Melaines Träumen mit ihr gesprochen. Das war in etwa alles, was er über die Fähigkeiten der Traumgänger wußte, und obwohl es hätte nützlich sein können, waren sie selten gewillt, ihm ihre Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. Ungewöhnlich war die Aussage, daß sie eigensinnig und ähnliches seien. Die meisten Aiel benahmen sich, als glaubten sie, Aes Sedai könnten sie schlagen, und da sie glaubten, sie hätten es verdient, wenn es geschah, nahmen sie den Schlag klaglos hin. Sogar Weise Frauen sprachen, wenn überhaupt, nur respektvoll über Aes Sedai. Einige Dinge hatten sich offensichtlich verändert. Aber er sagte nur: »Ich weiß.« Wenn Melaine die Absicht hatte, ihm den Grund für die Veränderung zu nennen, würde sie es tun, und wenn sie es nicht tat, würde fragen auch nichts nützen. »Von Egwene, und auch von Salidar. Gerade jetzt halten sich neun Aes Sedai in Caemlyn auf. Min kam mit ihnen her.« Min regte sich an seiner Brust und murmelte etwas. Lews Therin grollte erneut, aber zu leise, um seine Worte verstehen zu können, und Rand war froh darüber. Min fühlte sich ... gut. Sie wäre sehr verletzt, wenn sie es wüßte. Andererseits würde sie vielleicht auch lachen, wenn man ihr Versprechen bedachte, ihn zahlen zu lassen. Vielleicht. Sie konnte manchmal sehr unberechenbar sein.

Melaine überraschte sein Wissen nicht. Sie richtete nicht einmal ihre Stola. Seit sie Bael geheiratet hatte, schien sie — ›ruhiger‹ war nicht ganz das richtige Wort; es war für Melaine viel zu milde — weniger reizbar geworden zu sein. »Das war meine zweite Neuigkeit. Ihr müßt Euch vor ihnen in acht nehmen, Rand al'Thor, und eine feste Hand walten lassen. Sie werden nichts anderes respektieren.« Es hatte sich ganz entschieden etwas verändert.

»Ihr werdet zwei Töchter haben«, murmelte Min. »Zwillinge wie Spiegelbilder.«

Wenn Melaine zuvor nicht überrascht war, holte sie es jetzt nach. Ihre Augen weiteten sich, und sie schrak so heftig zusammen, daß es sie fast vom Boden hob. »Wie konntet Ihr...?« begann sie ungläubig, hielt dann inne und faßte sich wieder. Aber dann fuhr sie mit atemloser Stimme fort: »Ich war bis heute selbst noch nicht sicher, ob ich schwanger bin. Wie konntet Ihr das wissen?«

Min richtete sich auf und sah Rand mit einem Blick an, den er nur zu gut kannte. Es war aus irgendeinem Grund seine Schuld, obwohl auch sie nicht völlig ohne Fehler war, wenn es auch nur kleine waren. Sie machte sich an ihrem Umhang zu schaffen und sah überall hin, außer zu Melaine, und als ihr Blick wieder auf ihn fiel, wirkte er anders. Er hatte sie in diese Lage gebracht. Jetzt war es an ihm, ihr wieder herauszuhelfen.

»Es ist in Ordnung, Min«, sagte er. »Sie ist eine Weise Frau und weiß vermutlich Dinge, die dir die Haare zu Berge stehen lassen würden. Ich bin sicher, daß sie versprechen wird, dein Geheimnis zu wahren, und du kannst ihrem Versprechen trauen.« Melaine verhaspelte sich fast bei ihrem eiligen Versprechen.

Rand wurde ein weiterer dieser gewissen Blicke zugedacht, bevor sich Min neben Melaine setzte. Vielleicht war es ein vorwurfsvoller Blick gewesen, aber wie sollte er sie, ihrer Meinung nach, aus dieser Lage befreien? Melaine würde es nicht vergessen, weil er sie darum bat, aber sie würde ein Versprechen halten und ein Geheimnis wahren. Sie hatte genügend Geheimnisse von ihm gewahrt.

Min begann, wenn auch widerwillig, eine weitaus umfangreichere Erklärung abzugeben, als sie ihm jemals eine gewährt hatte, wobei vielleicht die beständigen Fragen und die veränderte Haltung der anderen Frau halfen. Es war, als hätte Melaine das Gefühl, daß Mins Fähigkeit sie ihr in gewisser Weise gleichstellte, so daß sie gar keine Feuchtländerin mehr war.

»Es ist bemerkenswert«, sagte Melaine schließlich. »Als würde man einen Traum deuten, ohne zu träumen. Zwei, sagt Ihr? Und beides Mädchen? Bael wird sich sehr freuen. Dorindha hat ihm drei Söhne geschenkt, aber wir wissen beide, daß er gern eine Tochter hätte.« Min blinzelte und schüttelte den Kopf. Natürlich — sie konnte nichts von Schwester-Frauen wissen.

Von diesem Ausgangspunkt kamen die beiden Frauen schnell zum Thema Geburt selbst. Keine hatte jemals ein Kind geboren, aber beide hatten schon Hebammen geholfen.

Rand räusperte sich geräuschvoll. Es war nicht so, daß ihn die Einzelheiten gestört hätten. Er hatte bei Schafen, Stuten und Kühen bei der Geburt geholfen. Es ärgerte ihn nur, daß sie dasaßen und die Köpfe zusammensteckten, als gäbe es ihn gar nicht mehr. Keine der Frauen sah sich um, bis er sich erneut und ausreichend laut räusperte, daß er sich fragte, ob er sich eine Zerrung zugezogen hatte.

Melaine beugte sich näher zu Min und sprach in einem Flüsterton, den man noch im nächsten Raum hätte hören können. »Männer fallen dabei immer in Ohnmacht.«

»Und immer zum ungünstigsten Zeitpunkt«, stimmte Min ihr im gleichen Tonfall zu.

Was würden sie denken, wenn sie Mat in der Scheune seines Vaters gesehen hätten — bis zu den Schultern mit Blut und Geburtsflüssigkeit verschmiert und mit drei gebrochenen Rippen, weil die Stute ihn getreten hatte, da sie noch niemals zuvor geboren hatte und verängstigt war? Ein hübsches Fohlen war es gewesen, und beim nächsten Mal hatte die Stute nicht mehr ausgekeilt.

»Bevor ich ohnmächtig werde«, bemerkte er trocken, während er sich zu ihnen auf den Teppich setzte, »könnte mir eine von Euch etwas mehr über die Aes Sedai berichten?« Er wäre schon früher aufgestanden oder hätte sich zu Melaine auf den Teppich gesetzt, wenn sein Schoß nicht besetzt gewesen wäre. Unter den Aiel besaßen nur Häuptlinge Stühle, und der Stuhl eines Häuptlings wurde nur bei der Verkündung von Urteilen oder bei der Unterwerfung eines Feindes benutzt.

Beide Frauen fühlten sich ausreichend gerügt. Keine sagte etwas, aber sie zupften ausführlich an ihren Stolen, richteten ihre Umhänge und mieden seinen Blick. Alles das verging, als sie dann erneut sprachen. Min hielt beharrlich an ihrer Meinung fest, daß die Aes Sedai aus Salidar Rand nicht schaden wollten, sondern ihm vielleicht sogar helfen würden, wenn man es richtig anging, was voraussetzte, daß sie ihm in jeder Hinsicht alles berichtete, was sie hörte. »Ich werde nicht zur Verräterin, versteht Ihr, Melaine? Ich kannte Rand schon vor jeder Aes Sedai, außer Moiraine natürlich, und die Wahrheit ist, daß er sich meiner Treue schon seit lange vor ihrem Tode gewiß sein kann.«

Melaine hielt Min nicht für eine Verräterin, ganz im Gegenteil, und schien nur um so besser über sie zu denken. Weise Frauen hatten ihre eigene Version der Aiel-Ansicht über Spione. Aber sie meinte, daß man Aes Sedai — mit beträchtlichen Ausnahmen — genauso weit wie Shaido trauen konnte, was bedeutete, nicht eher, als bis sie gefangengenommen und zu Gai'shain gemacht worden waren. Sie schlug nicht wirklich vor, die Aes Sedai in der Rosenkrone gefangenzunehmen, aber es kam dem nahe. »Wie könnt Ihr ihnen trauen, Rand al'Thor? Ich glaube, sie haben keine Ehre, außer Egwene al'Vere, und sie...« Melaine rückte erneut ihre Stola zurecht. »Wenn eine Aes Sedai mir zeigt, daß sie soviel Ehre wie Egwene besitzt, werde ich ihr vertrauen, und nicht eher.«

Rand hörte mehr zu, als daß er sprach, sagte nicht mehr als ungefähr ein Dutzend Worte und lernte eine ganze Menge. Indem sie Melarnes Einwände konterte, ging Min die Namen der Abordnung einen nach dem anderen durch, zählte auf, welche Frau was über die Unterstützung Rands gesagt hatte, und gab wahrhaftig zu, daß eigentlich nicht alles zum besten stand. Merana Ambrey und Kairen Stang, eine Blaue, waren beide Andoraner, und auch wenn Aes Sedai vermutlich aller Treue entsagten — außer der zur Weißen Burg, vielleicht weil sie von der Burg ferngehalten wurden —, machte es sie besorgt, daß Rand in Caemlyn saß und vielleicht Morgase getötet hatte. Rafela Cindal, ebenfalls eine Blaue, wäre über die Veränderungen vielleicht erfreut gewesen, die Rand in Tear durchlaufen hatte, wo das Lenken der Macht einst verpönt gewesen war und ein Mädchen, das dies lernen konnte, aus dem Land gejagt wurde, aber sie sagte nur wenig. Und Morgase gab Min ebenfalls Anlaß zur Sorge. Seonid Traighan, eine Grüne, grübelte über jedes Gerücht ihrer heimischen Cairhiener nach und behielt ihre Meinung für sich, und Faeldrin Harella, die zweite Grüne Schwester, verglich die Greueltaten der Drachenverschworenen in Altara und Murandy manchmal mit dem, was die Drachenverschworenen in Tarabon getan hatten, wo sie sich sogar geweigert hatten, über die Tatsache zu reden, daß der Bürgerkrieg ihr Land schon zerrissen hatte, bevor sich dort der erste Mann dem Drachen verschworen hatte. Gleichgültig, wie sehr Melaine jedoch drängte — Min beharrte darauf, daß alle diese Aes Sedai Rand als Wiedergeborenen Drachen anerkannten und sie während der ganzen Reise von Salidar hierher sehr vorsichtig befragt hatten, wie er sei und wie man sich ihm am besten annähern könnte, ohne ihn zu kränken oder zu ängstigen.