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Rand sagte nichts dazu. Die Stimme in seinem Kopf war zu leise, um sie verstehen zu können, aber sie klang eiskalt. »Sie werden eher mit den Händen Rauch auffangen als Gerüchte.« Er sagte dies mit all der Verachtung, die er empfand — Taim hatte ihn gerettet? —, und der Mann zuckte zusammen. Äußerlich schien er noch immer ruhig, aber seine Augen glänzten dunkel.

»Und wenn sie sich den Roten Aes Sedai anschließen?« Seine Stimme klang kühl und belustigt, aber seine Augen funkelten. »Auf dem Land halten sich Rote Schwestern auf. In den letzten Tagen sind mehrere Gruppen von ihnen eingetroffen. Sie versuchen, Männer daran zu hindern hierherzukommen.«

Ich werde ihn töten, schrie Lews Therin, und Rand spürte dieses tastende Ausstrecken nach Saidar.

Geh weg, sagte er fest. Das Tasten blieb, und auch die Stimme.

Ich werde zuerst ihn töten und dann sie. Sie müssen ihm dienen. Es ist offensichtlich: Sie müssen ihm dienen.

Geh weg, schrie Rand wortlos zurück. Du bist nur eine Stimme! Er streckte sich nach der Quelle aus.

Oh, Licht, ich habe sie alle getötet. Alle, die ich geliebt habe. Wenn ich auch ihn getötet habe, wird es jedoch gut sein. Ich kann es wiedergutmachen, wenn ich ihn letztendlich töte. Nein, nichts kann es wiedergutmachen, aber ich muß ihn dennoch töten. Sie alle töten. Ich muß es tun. Ich muß es tun.

Nein! schrie Rand in seinem Kopf. Du bist tot, Lews

Therin. Ich lebe, verdammt seist du, und du bist tot! Du bist tot!

Er erkannte plötzlich, daß er am Tisch lehnte und sich mit schwachen Knien abstützte. Leise murmelte er: »Du bist tot! Ich lebe, und du bist tot!« Aber er hatte Saidar nicht ergriffen. Und Lews Therin auch nicht. Er sah Taim zitternd an und war überrascht keine Sorge auf dem Gesicht des Mannes zu sehen.

»Ihr müßt fest bleiben«, sagte Taim sanft. »Wenn Ihr Euch die geistige Gesundheit bewahren wollt, müßt Ihr es tun. Der Preis für ein Versagen ist zu hoch.«

»Ich werde nicht versagen«, sagte Rand und stieß sich wieder hoch. Lews Therin schwieg. In seinem Kopf schien nichts außer ihm selbst zu sein. Und das Bewußtsein von Alannas Anwesenheit natürlich. »Haben diese Roten schon jemanden gefangengenommen?«

»Nicht daß ich wüßte.« Taim beobachtete ihn vorsichtig, als erwarte er einen weiteren Ausbruch. »Die meisten der Schüler kommen jetzt durch Tore, und bei all den Menschen auf den Straßen dürfte es nicht leicht sein, einen Mann herauszupicken, der hierhereilt es sei denn, er redet zuviel.« Er hielt inne. »Auf jeden Fall könnte man sie nur zu leicht loswerden.«

»Nein.« War Lews Therin wirklich fort? Er wünschte es sich, und wußte doch, daß er ein Narr war, wenn er es glaubte. »Wenn sie Männer gefangennehmen, werde ich etwas tun müssen, aber im Moment bedeuten sie auf dem Land keine Bedrohung. Und glaubt mir — niemand, den Elaida schickt, wird sich jenen Aes Sedai in der Stadt anschließen. Beide Gruppen würden eher Euch als einander willkommen heißen.«

»Was ist mit jenen, die sich nicht auf dem Land aufhalten? Elf? Einige Unfälle könnten diese Anzahl auf ein weitaus sichereres Maß reduzieren. Wenn Ihr Euch nicht selbst die Hände schmutzig machen wollt, bin ich bereit...«

»Nein! Wie oft muß ich nein sagen! Wenn ich in Caemlyn einen Mann die Macht lenken spüre, werde ich Euch holen kommen. Ich schwöre, daß ich es tun werde. Und glaubt nicht, daß Ihr weit genug vom Palast entfernt bleiben und Euch in Sicherheit wiegen könntet, daß ich es nicht spüren würde. Wenn eine jener Aes Sedai tot umfällt, werde ich wissen, wen ich dafür zur Rechenschaft ziehen muß. Nehmt Euch vor mir in acht!«

»Ihr steckt weite Grenzen«, sagte Taim trocken. »Wenn Sammael oder Demandred beschließen, Euch mit einigen toten Aes Sedai auf Eurer Schwelle zu verhöhnen, muß ich bluten?«

»Sie haben es bis jetzt nicht getan, und Ihr solltet hoffen, daß sie nicht damit anfangen. Ich rate Euch: Nehmt Euch vor mir in acht.«

»Ich habe meinen Lord Drache gehört und gehorche natürlich.« Der hakennasige Mann verbeugte sich leicht. »Aber ich sage dennoch, daß elf Aes Sedai eine gefährliche Anzahl sind.«

Rand mußte wider Willen lachen. »Taim, ich beabsichtige, sie nach meiner Flöte tanzen zu lehren.« Licht, wie lange hatte er schon keine Flöte mehr gespielt? Wo war seine Flöte? Er hörte Lews Therin leise kichern.

43

Die Rosenkrone

Meranas Mietkutsche fuhr gemächlich durch die dicht bevölkerten Straßen auf die Rosenkrone zu. Sie wirkte äußerlich ruhig, eine dunkelhaarige Frau mit kühlen, haselnußbraunen Augen und friedlich auf ihren hellgrauen Seidenröcken verschränkten Händen. Innerlich war sie nicht so friedlich gestimmt. Vor achtunddreißig Jahren war sie durch Zufall an diesem Ort gewesen, um über einen Vertrag zwischen Arad Doman und Tarabon zu verhandeln, der dem Streit um die Ebene von Almoth ein Ende setzen sollte, wo Domani und Taraboner hinter jeder Ecke lauerten und bereits drei Mal während der Verhandlungen beinahe einen Krieg begonnen hätten, während sie unentwegt lächelte und scheinbar guten Willen zeigten. Als die Unterschriften getrocknet waren, hatte sie sich gefühlt, als wäre sie in einem Faß voller Splitter über rauhe Hügel gerollt worden. Und nach alledem war der Vertrag nicht das Papier wert, auf dem er stand. Sie hoffte, daß das, was sie heute nachmittag im Königlichen Palast begonnen hatte, besser enden würde — es mußte besser enden —, aber sie fühlte sich tief innerlich, als wäre sie gerade einem weiteren Faß entstiegen.

Min setzte sich mit geschlossenen Augen zurück. Die junge Frau machte anscheinend jedesmal, wenn gerade keine Aes Sedai mit ihr sprach, ein Nickerchen. Die anderen beiden Schwestern in der Kutsche warfen dem Mädchen gelegentlich hastige Blicke zu. Seonid wirkte in ihrer Brokatkleidung kühl und verschlossen. Masuri, schlank und mit lustigen Augen, trug Braun, das um den Saum mit blühenden Ranken bestickt war. Sie waren mit ihren Stolen und Ajah-Farben alle förmlich gekleidet.

Merana war sich sicher, daß die anderen dasselbe dachten wie sie, als sie Min ansahen. Seonid sollte sicherlich begreifen, obwohl... Wer konnte schon sicher sein? Seonid war ihren Behütern gegenüber sehr sachlich eingestellt, fast wie eine Frau mit zwei hochgelobten Wolfshunden, für die sie eine gewisse Vorliebe empfand. Masuri verstand vielleicht. Sie tanzte und schäkerte gerne, obwohl sie jeden armen Mann schnell wieder vergaß, wenn sie ein Gerücht über eine alte, verborgene Urschrift hörte. Merana selbst war seit einiger Zeit vor diesem Fünften Vertrag von Falme nicht mehr verliebt gewesen, aber sie erinnerte sich an dieses Gefühl, und nur ein Blick auf Min, wie sie al'Thor ansah, hatte genügt, um eine Frau zu erkennen, die bar jeder Vernunft ihrem Herzen die Zügel schießen ließ.

Es gab keine Beweise dafür, daß Min die zahlreichen Vorsichtsmaßnahmen mißachtet, ihr Versprechen gebrochen und al'Thor alles erzählt hatte, aber er wußte von Salidar. Er wußte, daß Elayne dort war, und war über ihr Entkommen belustigt —belustigt! Abgesehen von der Ungewißheit, ob Min das Vertrauen mißbraucht hatte — Sorgfalt wäre bei allem vonnöten, was von nun an in ihrer Gegenwart gesagt wurde —, war sie äußerst beunruhigt. Merana war es nicht gewohnt, sich zu fürchten. In dem Jahr nach Basans Tod hatte sie oft Furcht empfunden und hatte sich danach, weil sie dies nie wieder durchmachen wollte und auch weil sie einfach zu beschäftigt war, um den richtigen Mann zu erwählen, niemals wieder mit einem anderen Behüter verbunden. Die Sache mit Basan war vor dem Aiel-Krieg die letzte Begebenheit gewesen, bei der sie mehr als Besorgnis empfunden hatte. Jetzt hatte sie Angst, und das gefiel ihr nicht. Noch konnte alles gut ausgehen, nichts wirklich Verheerendes war geschehen, aber der Gedanke an al'Thor ließ ihre Knie weich werden.