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Es war spät am Nachmittag seines zweiten Tages in Salidar, als ein Mädchen in einem weißen Gewand erschien, hübsch, mit Sommersprossen und sehr um frostige Würde bemüht, was ihr beinahe gelang. »Ihr werdet sofort vor der Amyrlin erscheinen.« Punktum, und kein Wort mehr. Mat bedeutete ihr, sie solle vorausgehen. Es schien angemessen, und offenbar gefiel es ihr.

Alle waren sie in dem Raum in der Kleinen Burg: Egwene und Nynaeve und Elayne und Aviendha, obwohl er zweimal hinsehen mußte, um die Aielfrau in einem Blauen Gewand aus edlem Stoff mit Spitzenkragen und Manschetten zu erkennen. Zumindest versuchten weder Aviendha noch Elayne einander zu erwürgen, aber sie zeigten beide versteinerte Gesichter, worin sie sich von Egwene und Nynaeve nicht unterschieden. Alle vier Gesichter waren vollkommen ausdruckslos, und aller Augen waren auf ihn gerichtet. Es gelang ihm, den Mund zu halten, während Egwene seine Möglichkeiten aufzählte, wie sie diese sah, während sie mit einer gestreiften Stola um die Schultern hinter dem Tisch saß.

»Solltest du glauben, daß du nichts von alledem zustande bringen kannst«, beendete sie ihre Rede, »dann erinnere dich, daß ich dich jederzeit auf dein Pferd binden und zur Horde zurückbringen lassen kann. In Salidar ist kein Platz für Faulpelze und Drückeberger. Das werde ich nicht dulden. Du hast die Wahclass="underline" Entweder gehst du mit Elayne und Nynaeve nach Ebou Dar, oder du gehst fort und siehst zu, wen du mit deinen Flaggen und Bannern beeindrucken kannst.«

Wodurch ihm tatsächlich überhaupt keine Wahlmöglichkeit blieb. Als er dies sagte, veränderte sich niemandes Gesichtsausdruck. Wenn überhaupt eine Regung zu erkennen war, nahm Nynaeves Gesicht allenfalls noch einen versteinerteren Ausdruck an. Und Egwene sagte nur: »Ich bin froh, daß dies geklärt ist, Mat. Und jetzt habe ich tausend Dinge zu erledigen. Ich werde versuchen, dich noch einmal zu sehen, bevor du gehst.« Er wurde wie ein Stallbursche entlassen. Die Amyrlin war beschäftigt. Sie hätte ihm wenigstens eine Kupfermünze zuwerfen können.

An seinem dritten Morgen in Salidar fand sich Mat unmittelbar außerhalb davon wieder, auf freiem Feld zwischen dem Dorf und dem Wald. »Sie können hier warten, bis ich zurückkomme«, belehrte er Talmanes, während er über die Schulter zu den Pferden schaute. Sie würden bald kommen, und er wollte nicht, daß Egwene irgend etwas hiervon erfuhr, denn sie würde es nach Möglichkeit zu verhindern versuchen. »Ich hoffe es jedenfalls. Wenn sie sich regen, folgt ihnen, wohin auch immer sie gehen, aber niemals so nahe, daß sie sich ängstigen. Und wenn eine junge Frau namens Egwene auftaucht, stellt ihr keine Fragen, sondern nehmt sie einfach mit und reitet nach Caemlyn, und wenn ihr durch Gareth Bryne hindurchreiten müßt.« Sie könnten sehr wohl vorhaben, nach Caemlyn zu ziehen. Die Möglichkeit bestand durchaus. Er befürchtete jedoch, daß ihr Ziel Tar Valon sein könnte. Tar Valon und die Axt des Henkers. »Und nehmt Nerim mit Euch.«

Talmanes schüttelte den Kopf. »Wenn Ihr Nalesean mitnehmt, wird es als Beleidigung aufgefaßt werden, wenn Ihr mich nicht meinen Mann mitschicken laßt, damit er sich um Eure Belange kümmert.« Mat wünschte, Talmanes würde hin und wieder lächeln. Es wäre hilfreich zu erkennen, wann er etwas ernst meinte.

Nerim stand mit Pips ein Stück entfernt, und seine kleine, unförmige braune Stute sowie zwei Packpferde mit bis obenhin vollgestopften Weidenkörben ragten über ihm auf. Naleseans Mann, ein stämmiger Bursche namens Lopin, führte außer seinem Wallach und Naleseans großem schwarzen Hengst nur ein Packpferd mit sich.

Das war noch nicht die ganze Gruppe. Niemand schien bereit, ihm mehr zu sagen, als wo und wann er sich einfinden sollte, aber mitten in einem weiteren Gespräch über die Behüter hatte Myrelle ihn wissen lassen, es sei jetzt in Ordnung, wenn er sich mit der Horde in Verbindung setzte, solange er sie nicht näher an Salidar heranzubringen versuchte. Das wäre ihm als letztes in den Sinn gekommen. Vanin war heute morgen hier, weil er die Lage des Landes auskundschaften konnte, sowie ein Dutzend wegen ihrer breiten Schultern und ihrer in Maerone als Rotwaffen erwiesenen Disziplin aus der Horde auserwählte Reiter. Nalesean meinte, schnelle Fäuste und Keulen sollten jegliche Ungelegenheit abwehren können, in die Nynaeve und Elayne geraten mochten, zumindest ausreichend lange, um sie fortzubringen. Das letzte Mitglied der Gruppe war Olver auf seinem Grauen, den er ›Wind‹ genannt hatte, was das langbeinige Tier vielleicht sogar verdiente. Bei Olver hatte es Bedenken gegeben. Die Horde könnte sehr wohl auf Schwierigkeiten stoßen, wenn sie diesem Haufen verrückter Frauen tatsächlich folgen mußten. Vielleicht keine Schwierigkeiten mit Bryne, aber es würden sich genügend viele Adlige über zwei Heere erzürnen, die ihre Ländereien durchquerten, was nächtliche Angriffe auf die Pferde und aus jedem zweiten Dickicht hervorfliegende Pfeile bedeutete.

Noch immer war kein Anzeichen der Aes Sedai zu erkennen, als die Sonne bereits über die Baumwipfel stieg.

Mat riß sich verärgert den Hut vom Kopf. »Nalesean kennt Ebou Dar, Talmanes.« Der Tairener grinste und nickte. Talmanes' Gesichtsausdruck änderte sich nicht.

»Oh, das ist schon in Ordnung. Nerim kommt mit.« Talmanes neigte den Kopf. Vielleicht hatte er es ernst gemeint.

Schließlich regte sich im Dorf etwas — eine berittene Gruppe Frauen kam heran, die Packpferde mit sich führten. Es waren nicht nur Elayne und Nynaeve, obwohl er niemanden sonst erwartet hatte. Aviendha trug ein graues Reitgewand, aber sie wirkte auf ihrer hageren, grauen Stute äußerst unbeholfen. Die Jägerin mit dem blonden Zopf wirkte auf ihrem breitkruppigen, mausgrauen Wallach zuversichtlicher und schien Aviendha gerade von irgend etwas, das ihre Stute betraf, überzeugen zu wollen. Was wollten die beiden dort? Auch zwei Aes Sedai waren dabei — weitere Aes Sedai außer Nynaeve und Elayne, sollte er vermutlich sagen —, schlanke Frauen mit weißem Haar, was er bei einer Aes Sedai noch niemals zuvor gesehen hatte. Ein alter Bursche folgte ihnen zu Pferde und mit einem Packtier, ein sehniger Mann mit schütterem grauen Haar. Mat brauchte einen Moment, um zu erkennen, daß er ein Behüter war, da einer dieser die Farben verändernden Umhänge seinen Rücken herabhing. Das bedeutete es, ein Behüter zu sein: Aes Sedai bearbeiteten sie, bis ihnen das Haar ausfiel, und bearbeiteten dann wahrscheinlich auch noch ihre Knochen, wenn sie tot waren.

Thom und Juilin folgten dichtauf, und auch sie führten ein Packpferd mit sich. Die Frauen blieben mit ihrem betagten Behüter ungefähr fünfzig Schritte zur Linken stehen und sahen Mat und seine Männer kaum an. Der Gaukler betrachtete Nynaeve und die anderen und sprach dann mit Juilin, woraufhin sie ihre Pferde auf Mat zuführten, aber dann jäh stehenblieben, als wären sie nicht sicher, willkommen zu sein. Mat ging zu ihnen.

»Ich muß mich entschuldigen, Mat«, sagte Thom und zupfte an seinem Schnurrbart. »Elayne hatte bestimmt, daß ich nicht mehr mit dir sprechen durfte. Sie hat diesen Befehl erst heute morgen aufgehoben. Ich versprach ihr in einem schwachen Moment vor mehreren Monaten, ihren Befehlen zu folgen, und auf diesem Versprechen beharrt sie zu den ungelegensten Zeiten. Sie war nicht sehr erfreut darüber, daß ich soviel gesagt hatte.«

»Nynaeve hat mir gedroht, mir ein blaues Auge zu verpassen, wenn ich mich dir nähern würde«, sagte Juilin verdrießlich, während er sich auf seinen Bambusstock lehnte. Er trug die rote Kappe der Taraboner, die nicht viel Schutz vor der Sonne gewährte, und selbst sie wirkte verdrießlich.