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Mat betrachtete die Frauen. Nynaeve spähte über den Sattel hinweg zu ihm, aber als sie bemerkte, daß er sie ansah, duckte sie sich hinter den Hals ihrer unförmigen braunen Stute. Er hätte geglaubt, daß nicht einmal Nynaeve Juilin überlegen wäre, aber der dunkle Diebefänger war nur noch ein Schatten des Mannes, den er in Tear kennengelernt hatte. Jener Juilin war zu allem bereit gewesen. Jetzt runzelte Juilin ständig die Stirn und schien niemals aufzuhören, sich zu sorgen. »Wir werden ihr auf dieser Reise Manieren beibringen, Juilin. Thom, ich bin derjenige, der sich entschuldigen muß — wegen dem, was ich über den Brief gesagt habe. Die Hitze und die Sorge um die törichten Frauen waren schuld. Ich hoffe, der Brief enthielt gute Nachrichten.« Er erinnerte sich zu spät an Thoms Worte. Er hatte die Frau, die diesen Brief geschrieben hatte, sterbend zurückgelassen.

Aber Thom zuckte nur die Achseln. Mat wußte nicht, wie er ihn ohne seinen Gauklerumhang nehmen sollte. »Gute Neuigkeiten? Das habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. Oft weiß man nicht, ob eine Frau eine Freundin, eine Feindin oder eine Geliebte ist, bis es zu spät ist. Manchmal ist sie alles zugleich.« Mat erwartete ein Lachen, aber Thom runzelte nur die Stirn und seufzte. »Frauen scheinen sich gern geheimnisvoll zu geben, Mat. Ich kann dir ein Beispiel nennen. Erinnerst du dich an Aludra?«

Mat dachte nach. »Die Feuerwerkerin, die wir in Aringill davor bewahrt haben, daß ihr die Kehle durchgeschnitten wurde?«

»Genau die. Juilin und ich trafen sie auf unseren Reisen, und sie kannte mich nicht... Nicht daß sie mich nicht wiedererkannt hätte. Man redet mit Fremden, mit denen man reist, um sie kennenzulernen. Aludra wollte nicht mit mir reden, und auch wenn ich nicht weiß warum, sah ich keinen Grund, Eindruck zu schinden. Ich traf sie als Fremde und verließ sie als Fremde. Würdest du sie als eine Freundin oder eine Feindin bezeichnen?«

»Vielleicht eine Geliebte«, antwortete Mat trocken. Er hätte nichts dagegen, Aludra wiederzubegegnen. Sie hatte ihm einige sehr nützliche Anregungen gegeben. »Wenn du etwas über Frauen wissen willst, dann frage Perrin, nicht mich. Ich weiß überhaupt nichts. Ich habe immer gedacht, Rand wüßte etwas darüber, aber bei Perrin bin ich mir dessen sicher.« Elayne sprach unter den wachsamen Blicken der Jägerin mit den beiden weißhaarigen Aes Sedai. Eine von ihnen schaute nachdenklich in Mats Richtung. Sie verhielten sich genau wie Elayne, kühl wie Königinnen auf ihrem verdammten Thron. »Nun, vielleicht brauche ich mich nicht lange mit ihnen aufzuhalten«, murmelte er zu sich selbst. »Mit etwas Glück wird ihr Vorhaben nicht allzu lange dauern, und wir können in fünf oder zehn Tagen zurücksein.« Mit etwas Glück wäre er vielleicht zurück, bevor die Horde die unvernünftigen Frauen unbemerkt zu beschatten begann. Zwei Heere zu verfolgen wäre natürlich genauso leicht, wie einen Kuchen zu stehlen, aber er wollte nicht mehr Zeit in Elaynes Gegenwart verbringen als nötig. »Zehn Tage?« sagte Thom. »Mat, selbst mit diesem Wegetor wird es schon fünf oder sechs Tage dauern, bis wir Ebou Dar erreichen. Das ist zwar besser als ein Ritt von zwanzig Tagen, aber...«

Mat hörte nicht mehr zu. Der ganze Ärger, der sich aufgebaut hatte, seit er Egwene zum ersten Mal gesehen hatte, brach sich jäh Bahn. Er riß sich den Hut vom Kopf und näherte sich Elayne und den anderen Frauen. Es war schon schlimm genug, ihn im ungewissen zu lassen — wie sollte er sie vor Gefahr schützen, wenn sie ihm nichts sagten? —, aber dies war lächerlich. Nynaeve sah ihn kommen und flüchtete hinter ihre Stute.

»Es wird ein Erlebnis sein, mit einem Ta'veren zu reisen«, bemerkte eine der weißhaarigen Aes Sedai. Mat konnte auch aus der Nähe ihr Alter nicht bestimmen, aber irgendwie vermittelte ihr Gesicht den Eindruck hohen Alters. Es mußte an ihrem Haar liegen. Die andere Aes Sedai hätte ihr Spiegelbild sein können. Vielleicht waren sie tatsächlich Schwestern. »Ich bin Vandene Namelle.«

Mat war nicht in der Stimmung, darüber zu sprechen, daß er ein Ta'veren war. Er war niemals in dieser Stimmung, aber jetzt ganz sicher nicht. »Was ist das für ein Unsinn, daß wir fünf oder sechs Tage bis Ebou Dar brauchen?« Der alte Behüter richtete sich auf und sah ihn scharf an, und Mat taxierte auch ihn neu. Er war zwar sehnig, aber auch hart wie alte Wurzeln, was man seiner Stimme nicht anmerkte. »Ihr könnt in Sichtweite Ebou Dars ein Wegetor eröffnen. Wir sind kein verdammtes Heer, das jemanden ängstigen will, und was das Erscheinen aus dem Nichts betrifft, so seid Ihr Aes Sedai. Die Menschen erwarten von Euch, daß Ihr aus dem Nichts erscheint und durch Mauern geht.«

»Ich fürchte, Ihr sprecht die Falsche an«, sagte Vandene. Er betrachtete die andere weißhaarige Frau, die den Kopf schüttelte, während Vandene hinzufügte: »Ich fürchte, Adeleas ist auch nicht die Richtige. Es scheint, daß wir einigen der neuen Dinge nicht gewachsen sind.«

Mat zögerte, zog dann seinen Hut in die Stirn und wandte sich Elayne zu.

Sie reckte das Kinn empor. »Anscheinend weißt du noch weniger, als du zu wissen glaubst, Mat Cauthon«, sagte sie kühl. Er sah, daß sie nicht schwitzte, nicht mehr als die beiden anderen Aes Sedai. Die Jägerin sah ihn herausfordernd an. »Es gibt in hundert Meilen Umkreis um Ebou Dar Dörfer und Bauernhöfe«, fuhr Elayne fort, einem Narren das Offensichtliche erklärend. »Ein Wegetor ist nicht ungefährlich. Ich möchte nicht die Schafe oder Kühe irgendeines armen Mannes töten, und noch viel weniger den armen Mann selbst«

Er haßte ihren Tonfall. Sie hatte recht, aber er würde nicht zugeben, daß sie recht hatte, nicht ihr gegenüber, und während er nach einem Ausweg suchte, sah er Egwene mit zwei Dutzend oder mehr Aes Sedai aus dem Dorf herankommen, von denen die meisten mit Fransen besetzte Stolen trugen. Oder genauer gesagt: Egwene kam, und die anderen folgten ihr. Den Kopf hoch erhoben, schaute sie strikt geradeaus, die gestreifte Stola um den Hals gelegt. Die anderen schritten in kleinen Gruppen hinter ihr einher. Sheriam, welche die blaue Stola der Hüterin trug, sprach mit Myrelle und einer Aes Sedai mit gutmütigem Gesicht, die mütterlich wirkte. Mat erkannte als einzige Aes Sedai Delana. Alle sprachen miteinander, ohne auf die Frau zu achten, die sie zur Amyrlin ernannt hatten. Egwene hätte genausogut allein sein können. Und sie wirkte allein. Da er sie kannte, wußte er, daß sie sich sehr bemühte, ihrer Ernennung gerecht zu werden, und sie ließen sie, für jedermann sichtbar, allein gehen.

In den Krater des Verderbens mit ihnen, wenn sie glauben, sie könnten eine Frau aus den Zwei Flüssen so behandeln, dachte Mat grimmig.

Er trat auf Egwene zu, nahm den Hut vom Kopf und verbeugte sich so ehrerbietig wie möglich, und er konnte es gut, wenn es sein mußte. »Guten Morgen, Mutter, das Licht möge auf Euch scheinen«, sagte er laut genug, daß er auch im Dorf gehört wurde. Er kniete sich hin, ergriff ihre rechte Hand und küßte ihren Großen Schlangenring. Ein schneller Blick und eine Grimasse zu Talmanes und den anderen ließ sie alle eilig hinknien und rufen: »Das Licht bescheine Euch, Mutter.« Sogar Thom und Juilin.

Egwene wirkte zuerst bestürzt, obwohl sie es rasch verbarg. Dann lächelte sie und sagte weich: »Danke, Mat.«

Er sah einen Moment zu ihr hoch, räusperte sich dann, erhob sich und klopfte sich den Staub von den Knien. Sheriam und alle anderen hinter Egwene sahen ihn an. »Ich habe dich nicht hier erwartet«, sagte er leise, »aber andererseits scheint es hier vieles zu geben, was ich nicht erwartet habe. Ist es üblich, daß die Amyrlin Reisende verabschiedet? Du wirst mir doch jetzt nicht etwa erzählen wollen, worum es bei alledem geht, oder?«

Sie hätte es vielleicht im ersten Moment getan, aber dann biß sie die Zähne zusammen und schüttelte leicht den Kopf. »Ich werde Freunde immer verabschieden, Mat. Ich hätte schon früher mit dir gesprochen, wenn ich nicht so beschäftigt gewesen wäre. Mat, halte dich in Ebou Dar von Schwierigkeiten fern.«