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Er sah sie entrüstet an. Hier kniete er sich hin und küßte Ringe, und sie sagte ihm, er solle sich von Schwierigkeiten fernhalten, wenn er doch nur das Ziel verfolgte, Elayne und Nynaeve mit heiler Haut davonkommen zu lassen. »Ich werde es versuchen, Mutter«, sagte er mit etwas verzerrter Stimme. Vielleicht waren Sheriam und einige der anderen nahe genug, ihn zu hören. »Wenn Ihr mich entschuldigen wollt — ich muß mich um meine Männer kümmern.«

Eine weitere Verbeugung, und er ging einige Schritte rückwärts, bevor er zu der Stelle trat, wo Talmanes und die anderen noch immer knieten. »Wollt ihr so verharren, bis ihr Wurzeln schlagt?« grollte er. »Steigt auf.« Alle außer Talmanes stiegen in die Sättel.

Egwene wechselte einige Worte mit Elayne und Nynaeve, während Vandene und Adeleas zu Sheriam traten, um mit ihr zu sprechen. Und dann war die Zeit, nach allem Trödeln, doch sehr schnell gekommen. Mat erwartete irgendeine Art von Zeremonie, da Egwene in ihrer Stola dabei war, aber sie und die anderen, die nicht mit fortgingen, zogen sich nur ein kleines Stück zurück. Elayne trat vor, und plötzlich erschien vor ihr ein Blitzstrahl, der sich zu einer Öffnung erweiterte. Was durch diese Öffnung zu sehen war — anscheinend ein niedriger, mit braunem Gras bedeckter Hügel — kam aus einer Drehbewegung heraus zum Stillstand. Genauso wie bei Rand. Fast zumindest »Steigt ab«, befahl Mat. Elayne wirkte sehr zufrieden mit sich, aber ob dem so war oder nicht, das Wegetor war nicht so groß wie dasjenige, das Rand für die Horde geschaffen hatte. Natürlich waren sie nicht annähernd so viele Personen wie die Horde, aber sie hätte es wenigstens so hoch gestalten können, daß man hätte hindurchreiten können.

Auf der anderen Seite erstreckten sich niedrige, wogende, mit braunem Gras bewachsene Hügel, so weit Mat sehen konnte, auch als er wieder auf Fips' Rücken stieg, obwohl eine dunkle Fläche im Süden Wald vermuten ließ. Sandfarbene Hügel.

»Wir dürfen die Pferde nicht zu hart vorantreiben«, sagte Adeleas, während sie ihre rundliche, graue Stute mühelos umwandte, sobald das Wegetor verschwunden war.

»Oh, natürlich nicht«, sagte Vandene. Ihr Pferd war ein großer, schlanker schwarzer Wallach. Vandene und Adeleas brachen gen Süden auf und bedeuteten den anderen, ihnen zu folgen. Der alte Behüter ritt rechts hinter ihnen.

Nynaeve und Elayne wechselten verärgerte Blicke, gruben ihren Stuten aber dann die Fersen in die Seiten, um die älteren Frauen einzuholen, wobei die Pferdehufe Staub aufwirbelten, bis sie auf gleicher Höhe waren. Die blonde Jägerin blieb ihnen genauso beharrlich auf den Fersen wie der Behüter den anderen beiden.

Mat löste seufzend das schwarze Tuch um seinen Hals und band es sich über Nase und Mund. So sehr es ihm vielleicht auch gefiel, wenn die älteren Aes Sedai diesen beiden Vernunft beibrachten, so wünschte er sich doch nur einen ereignislosen Ritt, einen kurzen Aufenthalt in Ebou Dar und eine schnelle Rückkehr nach Salidar, bevor Egwene etwas Törichtes tat, das nicht wiedergutzumachen war. Frauen machten ihm stets Schwierigkeiten. Er verstand es nicht.

Als das Wegetor verblaßte, seufzte Egwene. Vielleicht konnten Elayne und Nynaeve gemeinsam verhindern, daß Mat in zu große Schwierigkeiten geriet. Ihn vollständig davon fernzuhalten, war wahrscheinlich zuviel verlangt. Sie empfand Bedauern darüber, daß sie ihn benutzte, aber er war dort, wo er sich jetzt befand, vielleicht von Nutzen, und er hatte von der Horde getrennt werden müssen. Außerdem verdiente er es. Vielleicht würde Elayne ihm tatsächlich ein paar Manieren beibringen.

Sie wandte sich zu den anderen um, zum Saal und Sheriam und ihrem Kreis. »Jetzt müssen wir unsere Aufgabe weiterführen.«

Aller Augen wandten sich dem Cairhiener im dunklen Umhang zu, der in der Nähe des Waldes gerade auf sein Pferd stieg. Talmanes, dachte Egwene, hatte Mat ihn genannt. Sie hatte es nicht gewagt, zu viele Fragen zu stellen. Er betrachtete sie alle einen Moment und schüttelte den Kopf, bevor er in den Wald hineinritt.

»Ein Mann, der nichts Gutes verheißt, wenn ich schon jemals einen solchen Mann gesehen habe«, sagte Romanda.

Lelaine nickte. »Es wird besser sein, Abstand zwischen uns und Männer wie ihn bringen.«

Egwene erlaubte sich kein Lächeln. Mats Horde hatte vorerst ihren Zweck erfüllt, aber vieles hing jetzt davon ab, welche Befehle Mat diesem Talmanes hinterlassen hatte. Sie glaubte, dabei auf Mat zählen zu können. Siuan sagte, daß dieser Vanin schon Dinge bereinigt hatte, bevor sie auch nur eine Gelegenheit gehabt hatte, sie ihm unter die Nase zu reiben. Und wenn sie schutzsuchend zur Horde laufen wollte, müßte die Horde ihr nahe sein. »Wollen wir zu unseren Pferden gehen?« fragte sie. »Wenn wir jetzt losreiten, sollten wir Lord Bryne noch vor Sonnenuntergang einholen.«

45

Ein bitterer Gedanke

Als Vilnar seinen berittenen Spähtrupp durch die Straßen der Neustadt führte, nicht weit von der hohen äußeren Stadtmauer entfernt, deren graue Quader in der Mittagssonne wie von silbernen und weißen Streifen durchzogen wirkte, dachte er darüber nach, sich seinen Bart abzurasieren. Einige andere hatten dies bereits getan. Wenn jedermann sagte, diese Hitze sei unnatürlich, mußte es in Saldaea kühler gewesen sein. Er fühlte sich ausreichend sicher, um seine Gedanken umherschweifen zu lassen. Er konnte sein Pferd im Schlaf führen, und nur der tollkühnste Taschendieb würde es wagen, in der Nähe von zehn Saldaeanern zu stehlen. Sie ritten fast ziellos voran, damit die Burschen nicht wußten, wo sie in Sicherheit waren. In Wahrheit sperrten sie häufiger einfach nur diejenigen ein, die zu ihnen kamen, als daß sie Diebe fangen mußten, denn auch der hartgesottenste Maulheld in Caemlyn würde zu den Saldaeanern gelaufen kommen, damit sie ihn festnähmen, bevor die Aiel es tun konnten. Also hielt Vilnar nur ein Auge auf die Straße gerichtet und ließ seine Gedanken schweifen. Er dachte über das Mädchen zu Hause in Mehar nach, die er gerne heiraten würde. Teryanes Vater war ein Händler und wünschte sich vielleicht mehr einen Krieger zum Schwiegersohn, als Teryane sich einen zum Ehemann wünschte. Er dachte über das Spiel nach, das diese Aielfrauen vorgeschlagen hatten: ›Der Kuß der Tochter des Speers‹ klang harmlos, aber da war ein Glitzern in ihren Augen gewesen, dem er nicht ganz traute. Aber hauptsächlich dachte er über die Aes Sedai nach.

Vilnar hatte sich stets gewünscht, einer Aes Sedai zu begegnen, und sicherlich konnte es in diesen Zeiten keinen geeigneteren Ort geben als Caemlyn, es sei denn, er ginge eines Tages nach Tar Valon. Offensichtlich waren überall in Caemlyn Aes Sedai. Er war zum Culains Jagdhund geritten, wo den Gerüchten nach hundert von ihnen sein sollten, aber er hatte sich im letzten Moment doch nicht überwinden können hineinzugehen. Ein Schwert in Händen, ein Pferd zwischen den Knien und Männer oder Trollocs vor sich gaben ihm Zuversicht, aber der Gedanke an Aes Sedai machte ihn befangen. Außerdem hätte das Gasthaus keine hundert Frauen bewirten können, und die Mädchen, die er sah, waren wahrscheinlich keine Aes Sedai. Er war auch zur Rosenkrone gegangen, hatte das Gasthaus von der anderen Straßenseite aus beobachtet, aber er war sich nicht sicher, daß auch nur eine der Frauen, die er gesehen hatte, eine Aes Sedai war, und das machte ihn sicher, daß sie es nicht waren.

Er blinzelte einer dünnen Frau mit breiter Nase zu, die aus einem großen, wohl einem Kaufmann gehörenden Haus trat. Sie blieb zunächst stirnrunzelnd auf der Straße stehen, bevor sie einen breitkrempigen Strohhut aufsetzte und davoneilte. Vilnar schüttelte den Kopf. Er hätte ihr Alter nicht benennen können, aber das allein genügte nicht. Er wußte, wie man eine Aes Sedai erkennt. Jidar hatte behauptet, sie seien so wunderschön, daß sie einen Mann mit einem Lächeln töten könnten, und Rissen beharrte darauf, daß sie einen Fuß größer wären als jeder Mann. Vilnar wußte, daß man sie am Gesicht erkennen konnte, an dem alterslosen Gesicht einer Unsterblichen. Man würde sich unmöglich täuschen können.