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Da Perrin sich der Tatsache bewußt war, einen guten Eindruck erwecken zu müssen, beschloß er, nicht zu erwähnen, daß er viel lieber wieder ein Schmied wäre. »Ich behandle Faile so gut ich es vermag«, sagte er vorsichtig.

Bashere schnaubte erneut. »So gut du es vermagst!« Seine Stimme wurde zu einem Grollen. »Du solltest es lieber ausreichend gut können, Junge, oder ich werde... Du hast meine Worte gehört. Eine Frau ist kein Soldat, der läuft, wenn du brüllst. Eine Frau ist in gewisser Weise wie eine Taube. Du hältst sie halb so fest, wie du es für nötig hältst, um sie nicht zu verletzen. Du willst Zarine nicht verletzen. Hast du mich verstanden?« Er grinste plötzlich beunruhigt, und seine Stimme wurde fast freundlich. »Du bist vielleicht ein sehr guter Schwiegersohn, Aybara, aber wenn du sie unglücklich machst...«

»Ich werde alles tun, um sie glücklich zu machen«, sagte Perrin ernst. »Ich will sie keinesfalls unterdrücken.«

»Gut. Denn es wäre das letzte, was du tun würdest, Junge.« Auch das wurde mit einem Grinsen geäußert, aber Perrin bezweifelte nicht, daß Bashere jedes Wort ernst meinte. »Ich denke, es ist an der Zeit, dich zu Deira zu bringen. Wenn sie und Zarine ihre Unterhaltung inzwischen noch nicht beendet haben, schreiten wir besser ein, bevor eine von ihnen die andere tötet. Sie haben sich bei Streitigkeiten schon immer ein wenig vergessen, und Zarine ist inzwischen zu groß, als daß Deira die Auseinandersetzung noch mit einer Ohrfeige beenden könnte.« Bashere stellte seinen Becher auf den Tisch und sprach weiter, während sie zur Tür gingen.

»Einer Sache mußt du dir bewußt sein: Nur weil eine Frau sagt, daß sie etwas glaubt muß es noch nicht stimmen. Oh, sie wird es glauben, aber etwas muß nicht unbedingt stimmen, nur weil eine Frau es für wahr hält. Erinnere dich daran.«

»Das werde ich.« Perrin glaubte zu verstehen, was der Mann meinte. Manchmal war sich Faile der Wahrheit nur vorübergehend bewußt. Es ging niemals um etwas Wichtiges, aber wenn sie etwas zu tun versprach, was sie nicht tun wollte, schaffte sie es stets, sich ein Hintertürchen offenzulassen, um ihr Versprechen umgehen zu können, ließ das Versprechen sozusagen bestehen, während sie genau das tat, was sie wollte. Aber er verstand nicht, was das mit Failes Mutter zu tun haben sollte.

Es war ein langer Weg durch den Palast, Säulengänge entlang und Treppen hinauf und hinunter. Es waren nicht viele Saldaeaner zu sehen, aber viele Aielmänner und Töchter des Speers, ganz zu schweigen von rotweiß livrierten Dienern, die sich verbeugten oder Knickse vollführten, und weißgewandeten Männern und Frauen wie jene, welche die Pferde übernommen hatten. Sie eilten mit Tabletts oder Armen voller Handtücher umher, die Augen gesenkt, und schienen niemanden zu bemerken, Perrin erkannte bestürzt, daß einige von ihnen dasselbe scharlachrote Stoffband um die Stirn gebunden hatten, das viele Aielmänner trugen. Sie mußten also auch Aiel sein. Und er bemerkte noch eine Kleinigkeit. Genauso viele Frauen wie Männer in weißen Gewändern trugen das Stirnband, und auch Männer in den graubraunen Umhängen und Hosen, aber keine Töchter des Speers. Gaul hatte ihm ein wenig über die Aiel erzählt, aber die Stirnbänder hatte er nie erwähnt.

Als er und Bashere einen Vorraum mit reichverzierten Stühlen und kleinen Tischen auf einem rot und gold und grün gemusterten Teppich betraten, fingen Perrins Ohren den gedämpften Klang von Frauenstimmen auf. Er konnte die Worte durch die dicke Tür nicht verstehen, aber zweifellos war eine der Frauen Faile. Plötzlich dröhnte ein Schlag, gefolgt von einem weiteren, und er zuckte zusammen. Nur ein vollkommener Wollkopf stellte sich zwischen seine Frau und deren Mutter, wenn sie miteinander stritten — nach seinen bisherigen Erfahrungen gingen sie beide auf den armen Tor los, der zu vermitteln versuchte, und er wußte sehr wohl, daß Faile sich unter normalen Umständen behaupten konnte. Aber andererseits hatte er auch schon starke Frauen erlebt, selbst Mütter und sogar Großmütter, die sich von ihren eigenen Müttern wie Kinder behandeln ließen.

Er straffte die Schultern und schritt auf die innere Tür zu, aber Bashere war vor ihm da und klopfte seelenruhig an die Tür, als hätten sie alle Zeit der Welt. Bashere konnte natürlich nicht hören, was für Perrin wie zwei Katzen in einem Sack klang. Nasse Katzen.

Basheres Klopfen unterbrach den Streit jäh. »Herein«, rief eine gelassene Stimme.

Perrin mußte sich beherrschen, um sich nicht an Bashere vorbeizudrängen, und als er den Raum betrat, suchte sein Blick hastig Faile, die in einem breiten Sessel saß, den das Licht von den Fenstern weniger erhellte. Der Teppich war überwiegend von einem dunklen Rot, das Perrin an Blut denken ließ, und einer der kleinen Wandbehänge zeigte eine Frau auf einem Pferd, die mit dem Speer einen Leoparden tötete. Ein zweiter Wandbehang zeigte einen heftigen Kampf, der um ein Weißes Löwenbanner herum tobte. Faile roch nach einer Mischung aus Empfindungen, die er nicht entwirren konnte, und ihre linke Wange zeigte einen roten Handabdruck, aber sie lächelte ihm zu, wenn auch schwach.

Beim Anblick von Failes Mutter mußte Perrin blinzeln. Nach Basheres Bemerkung über die Tauben hatte er eine zarte Frau erwartet, aber Lady Deira war deutlich größer als ihr Mann und wirkte ... statuenhaft. Sie wirkte nicht so wuchtig wie Herrin Luhhan, die rundlich war, oder wie Daise Congar, von der man glauben könnte, sie würde einem. Schmied den Hammer aus der Hand nehmen. Sie war kräftig gebaut, was ein Mann bei seiner Schwiegermutter sicher nicht erwartete, und er konnte erkennen, von wem Faile ihre Schönheit geerbt hatte. Failes Gesicht war das Abbild des Gesichts ihrer Mutter, aber ohne den Streifen Weiß im dunklen Schläfenhaar. Wenn Faile so aussah, wenn sie älter würde, durfte er sich sehr glücklich schätzen. Andererseits verlieh die kühne Nase Lady Deira das Aussehen eines Adlers, als sich jene dunklen, schrägstehenden Augen auf Perrin hefteten — ein glutäugiger Adler, der seine Krallen tief in einen besonders unverschämten Hasen versenken wollte. Sie roch nach Zorn und Verachtung. Die wahre Überraschung war jedoch der dunkelrote Handabdruck auf ihrer Wange.

»Vater, wir haben gerade von dir gesprochen«, sagte Faile mit liebevollem Lächeln, während sie zu ihm trat und seine Hände nahm. Sie küßte seine Wangen, und Perrin ärgerte sich plötzlich. Ein Vater verdiente das nicht, wenn der Ehemann dabei war und nur mit einem kurzen Lächeln abgespeist wurde.

»Sollte ich davonreiten und mich verstecken, Zarine?« fragte Bashere leise lachend. Oh, es war ein sehr herzliches Lachen. Der Mann schien nicht einmal zu sehen, daß seine Frau und seine Tochter einander geschlagen hatten!

»Sie wird lieber Faile genannt, Davram«, sagte Lady Deira verächtlich. Die Arme unter ihrem stattlichen Busen verschränkt, begutachtete sie Perrin von Kopf bis Fuß, ohne sich die Mühe zu machen, es zu verbergen.

Er hörte Faile ihrem Vater zuflüstern: »Es hängt jetzt von ihm ab.«

Das hatte Perrin bereits vermutet, da sie und ihre Mutter sich geschlagen hatten. Er straffte die Schultern und bereitete sich darauf vor, Lady Deira zu erklären, er werde Faile so liebevoll wie ein Kätzchen behandeln und selbst so sanft wie ein Lamm sein. Letzteres wäre natürlich eine Lüge — Faile würde einen sanften Mann anspeien und zum Abendessen rösten —, aber der Frieden mußte gewahrt werden. Außerdem wollte er wirklich versuchen, liebevoll mit ihr umzugehen. Vielleicht war Lady Deira der Grund, weshalb Bashere über Sanftheit gesprochen hatte. Niemand hätte den Mut, diese Frau anders zu behandeln.

Bevor er jedoch den Mund öffnen konnte, ergriff Failes Mutter das Wort: »Gelbe Augen machen noch keinen Wolf aus. Bist du stark genug für meine Tochter, junger Mann? Nach dem, was sie mir erzählt, bist du ein Weichling, der ihr jede Laune nachsieht und sich von ihr um den Finger wickeln läßt, wann immer sie das Fingerfadenspiel spielen will.«