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Charles holte mit dem Stiefel aus, um den alten Narren zu treten. Dann siegte die Vernunft. Er schwang sich in den Sattel und trabte schnell die Straße entlang, geschüttelt von Zorn und Selbstbeschuldigungen. Falls noch irgendwas zwischen ihm und Willa Parker übriggeblieben war, dann war es jetzt dahin.

MADELINES JOURNAL

November 1867. Unmöglich, mit dem Gettys-Laden Geschäfte zu machen. Seine Wucherzinsen bleiben bei 70% und einem Anteil an der Ernte. Das sind seine Bedingungen für Weiße. Schwarze werden abgewiesen.

... Die Ernennung von Gen. Edw. Canby zum Kommandeur des Militärbezirks hat die Leute etwas besänftigt. Er stammt aus Kentucky; nicht so hart wie der alte Sickles. Von Gen. Scott, der das staatliche Büro leitet, heißt es, er hätte den Ehrgeiz, der nächste Gouv. zu werden. Sehr merkwürdig für einen Mann, der Carolina erstmals als Kriegsgefangener kennenlernte. Die Meinungen über ihn sind geteilt. Einige halten ihn für einen Opportunisten. Will er den Staat regieren, um ihn in aller Ruhe ausbeuten zu können?...

Unser Flirt mit dem Bankrott geht weiter. Ein später Sturm trieb die Salzflut den Ashley hoch. Unsere Reisernte wurde vernichtet. Die alte, dampfgetriebene Säge, auf die ich so mühsam gespart hatte, brach an ihrem zweiten Betriebstag. Reparaturen sind teuer. Um sie bezahlen zu können, werde ich Dawkins' nächste Bankrate kürzen müssen. Er wird darüber nicht glücklich sein.

Aber es gibt auch Brosamen an guten Nachrichten. Brett hat endlich geschrieben. Ihr kleiner Junge, G. W, wächst und gedeiht im Klima von San Francisco. Nach einem harten, mühevollen Jahr hat Billys Installationsfirma den Vertrag für die Errichtung der Wasser-, Gas- und Liftinstallationen in einem neuen Hotel bekommen.

Wenn ich von solchen Erfolgen höre, gerate ich manchmal in Versuchung, hier alles aufzugeben und drüben noch mal von vorn anzufangen. Nur mein Versprechen, das ich dir gegeben habe, Orry -der Traum vom Wiederaufbau -, hält mich hier. Doch jeder Tag scheint die Verwirklichung dieses Traumes in weitere Ferne zu schieben ...

... Bald schon wird in einer speziellen Wahl entschieden, ob wir eine verfassunggebende Versammlung haben werden. Die Armee registriert weiterhin männliche Wähler. Sind sie schwarz, dann unterweist sie der neue UL-Club, wie sie dieses Recht auszuüben haben ...

In der herbstlichen Dämmerung eilte Andy Sherman durch das Dörfchen Summerton. Ein Soldat bei der Wählerregistratur holte die amerikanische Flagge ein, die über der vom Militär übernommenen verlassenen Hütte hing. Ganz in der Nähe plauderte ein Corporal mit einem barfüßigen weißen Mädchen, das immer wieder eine Haarsträhne um ihren Finger wickelte. Andy staunte. In manchen Punkten war es so, als hätte es den Krieg nie gegeben.

In anderen Punkten blieb er nüchterne Realität. Von der dunklen Veranda aus verfolgte ihn jemand von einem Schaukelstuhl aus mit seinen Blicken. Das sterbende Licht blitzte noch einmal in den Brillengläsern auf. Andy konnte die Feindseligkeit fast riechen.

Nachdem er eine weitere Meile marschiert war, bog er von der Uferstraße in einen schmalen, baumbestandenen Weg ab. Der Mond hing nun als strahlender weißer Kreis über den Bäumen. Ein schwarzer Junge mit schlechten Zähnen bewachte den Weg mit einer alten Flinte. Andy nickte ihm zu und wollte vorbeigehen. Der Junge versperrte ihm mit der Flinte den Weg und sagte dümmlich: »Kennwort, Sherman.«

Kennwort - Andy fand es kindisch und erniedrigend. Unglücklicherweise genossen die meisten Clubmitglieder solche Dinge.

»Freiheit«, sagte er. »Lincoln. Liga.«

»Gott segne General Grant. Geh durch, Bruder.«

Er betrat die Hütte, nachdem er von Wesley, einem bulligen Schwarzen mit einer Pistole im Gürtel, inspiziert worden war. Wesley half dem Clubgründer, eine Aufgabe, für die er sich bestens eignete; er war ein Schlägertyp.

Sie tauschten einen Blick voller gegenseitiger Abneigung aus. Dann ging Andy zu einer der hinteren Bänke. Ungefähr zwanzig Personen, junge und alte, waren anwesend. Der Organisator nickte einen Gruß vom anderen Ende der Hütte, wo er unter einem gerahmten Porträt von Lincoln stand.

Es gab nichts an Lyman Klawdell, was Andy beeindruckt hätte. Weder die schäbige Kleidung und die vorstehenden Zähne noch die jaulende Yankee-Stimme oder der tiefgeschnallte Colt. Klawdell befahl, eine Laterne auszublasen, worauf nur noch eine einzige Kerze auf einer Kiste in der Nähe des Porträts brannte. Die Kerze beleuchtete Klawdells Kinn und seine lange Nase von unten. Seine Augen glänzten in ihren tiefen schwarzen Höhlen. Das hatte eine unheimliche Wirkung, auf die manche mit nervösem Schaudern und Grinsen reagierten.

Klawdell schlug mit einem Hammer auf die Kiste. »Die Versammlung des Union League Club, Ashley-River-Bezirk, ist hiermit eröffnet. Gelobet sei Gott, gelobet sei die Freiheit, gelobet sei die Republikanische Partei.«

»Amen«, sagten die Zuhörer im Chor. Andy schwieg. Mußte man als freier Mann auf ein Schlüsselwort reagieren?

»Boys!« Falls einer von den anderen das als Beleidigung wertete, so merkte Andy zumindest nichts davon. »Wir nähern uns einem für South Carolina monumentalen Tag. Ich beziehe mich damit auf die spezielle Wahl zur Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung, die diesen Staat auf den richtigen Weg bringen wird. Wir brauchen diese Versammlung, um Mr. Johnson in die Schranken zu weisen«, Stöhnen, höhnische Zurufe, »der sich nicht gerade als Freund des schwarzen Mannes gezeigt hat. Er arbeitet weiterhin gegen den Kongreß, der versucht, euch eure Rechte zu garantieren.«

Andy sah Verwirrung auf vielen Gesichtern als Folge von Klawdells billigen Worten. Mußte man Menschen verwirren, um sie zu beeindrucken?

». der sich vor kurzem eine noch größere Unverschämtheit geleistet hat, als er einen eurer besten Freunde, den Ehrenwerten E.M. Stanton, Kriegsminister und loyaler Anhänger eures geliebten Präsidenten Lincoln, entmachtete. Johnson will Stanton daran hindern, seinen Job zu tun, weil er ihn so gut macht. Es war Mr. Stanton, der die Soldaten geschickt hat, die euch beschützen. Wißt ihr, was mit Johnson passieren wird?«

Die Männer antworteten: »Nein.« Andy verzog das Gesicht. Klawdell schlug ein paarmal mit dem Hammer zu.

»Eure republikanischen Freunde werden Johnson den Hals umdrehen. Vielleicht werfen sie ihn sogar aus dem Amt.«

Applaus und Stampfen. »Schon gut, beruhigt euch«, schnappte Klawdell. »Wir haben hier zu Hause wichtige Geschäfte zu erledigen. Wie viele von euch Jungs sind nach Summerton gegangen und haben sich zugunsten der Versammlung eintragen lassen?«

Bis auf Andy und einen alten Mann hoben alle die Hand. Klawdell mochte Andy nicht; er deutete mit dem Hammer auf ihn. »Erklär das mal, Sherman.«

Empört sprang Andy auf. »Ich arbeite den ganzen Tag, bloß um zu überleben. Abends kann man sich nicht mehr eintragen, und ich habe nur da Zeit.«

»Komm schon, raus mit der Wahrheit«, sagte Klawdell. »Diese Frau, die Mont Royal leitet, läßt dich nicht. Sie gibt vor, auf seiten der Farbigen zu sein, aber das ist sie nicht. Warum sprichst du nicht offen und klagst sie an?«

»Weil sie eine Freundin ist; ich werde keine Lügen über sie verbreiten.«

Klawdell leckte sich die Lippen. »Sherman, einigen dieser Jungs ging es vor einiger Zeit noch genauso mit ihren Herren. Weißt du, was mit ihnen passiert ist?«

»Oh ja.« Er deutete auf Rafe Hicks, einen hellbraunen Jungen mit einem schmutzigen Kopfverband. »Ein paar von ihnen wurden in der Dunkelheit überfallen und verprügelt.«

»Dann lerne was draus. Klag sie öffentlich an.«

»Das werde ich nicht. Wenn das von mir verlangt wird, gehöre ich nicht mehr zu diesem Club.«