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Hartree nahm die Weidepflöcke. Vor dem verwundeten Arapahoe warf er sie hoch und fing sie wieder auf. Charles murmelte Magee etwas ins Ohr. Magee sagte: »Yessir, ich schau' mal nach, ob vorn jemand verletzt ist.« Mit seiner Springfield im Arm marschierte er auf die Lokomotive zu.

Weitere Passagiere schauten aus dem Waggon. Hartree wandte sich ihnen zu. »Gentlemen - und ganz besonders Ladys -, ich möchte Sie höflichst bitten, im Wagen zu bleiben, während ich mich um diese Wilden kümmere. Ich habe die Absicht, einen von ihnen in der gleichen Weise zu bestrafen, in der sie mit weißen Gefangenen umgehen. Von dieser Lektion werden alle Weißen in Kansas profitieren.«

»Zurück, Hartree«, sagte Charles. »Ich habe Ihnen doch schon erklärt, daß dies Sache der Armee ist.«

Zwei von Hartrees Scharfschützen hoben ihre Büffelflinten. Hartree sagte: »Nein, Sir, das ist Sache der Eisenbahn. Mischen Sie sich nicht ein, sonst können Sie Ihrem kommandierenden Offizier erklären, wie es zu ein paar toten Niggern gekommen ist.«

Ein Kavallerist griff zu seinem Revolver. Graue Eule hielt seine Hand fest. »Wir stehen auf der gleichen Seite. Zumindest sollte es so sein.«

Charles blickte zur Lokomotive. Magee war verschwunden. Hartree warf Turk die Weidepflöcke zu. Der Schaffner umklammerte das Geländer der Plattform und sagte: »Mr. Hartree, das geht ein bißchen zu weit.«

Hartree schrie: »Halt dein verdammtes Maul, sonst heben wir uns einen Pflock für dich auf. Turk?« Der Mann, der auf das Zugende zuging, drehte sich um. »Reiß zuerst seinen Lendenschurz runter. Red, bring dieses Dreckstück hier nach hinten, damit er zusehen kann.«

Der Arapahoe mit dem blutenden Arm wurde weggeschleift. Er sah krank aus. Charles schluckte seinen säuerlichen Speichel.

Graue Eule blickte zum Zug. Plötzlich fiel ihm der Unterkiefer herunter. Charles warnte ihn mit einem Blick, dann sah er bewegungslos zu, wie erst eine Truthahnfeder und dann eine schwarze Melone über dem Dach des Frachtwaggons auftauchten. Magic Magee kletterte hoch, unbemerkt von Hartree oder den Fahrgästen unter ihm.

Charles spürte, wie ihm der Schweiß von der Nase tropfte. Magee hob die Springfield an seine Schulter und nahm den Rücken der grünen Samtweste aufs Korn. Einer von Hartrees Männern am Ende des Zuges entdeckte Magee und schrie auf, gerade als Charles sagte: »Drehen Sie sich um, Mr. Hartree. Wenn Sie diesen Indianer kreuzigen, dann kostet es Sie das Leben.«

Hartree wirbelte herum, sah Magee, ballte die Hände zu Fäusten. »Scheiße.« Er warf seinen Männern einen Blick zu. Sie waren zu weit entfernt, um ihm etwas zu nützen. Charles zog seinen Armee-Colt und brachte ihn in Anschlag. Hartree wirbelte mit scharlachrotem Gesicht zurück.

»Sie Bastard, Sie, dafür kriegt die Eisenbahn Sie am Arsch.«

Charles sagte zu seinen Kavalleristen: »Sammelt die drei ein, und bringt sie in den Frachtwaggon. Die Indianer können im Bremswagen mitfahren.«

Hartree ließ eine Schimpfkanonade los, bis die Männer im Wagen protestierten. Magee gab Graue Eule ein Zeichen. Der Fährtensucher lief vor und fing Magees Springfield auf. Magee hängte sich an das Dach des Wagens und ließ sich fallen.

»Gut gemacht«, sagte Charles zu ihm. »Jetzt können Sie den Schuldschein wieder zerreißen.«

»Oh nein, Sir. Das war doch gar nichts. Ich stehe tief in Ihrer Schuld. Wann immer Sie Hilfe brauchen, ein Wort genügt.«

Emotionen stiegen in Charles auf. Bis jetzt hatte er gar nicht so richtig bemerkt, was für gute Soldaten aus den Männern geworden waren. Sie reagierten schnell, befolgten Befehle und taten ganz allgemein eine Menge mehr, als nur auf den Feind zu schießen. Eine Woge von Stolz überflutete ihn.

Magee übernahm es, Hartree und dessen Scharfschützen in den Frachtwaggon zu befördern; nachdem er ihn geschlossen hatte, stellte er zwei Wachen davor. Drinnen konnte man den Sicherheitschef stampfen und fluchen hören.

Wieder bat der Schaffner Charles, er möge sich um den Verwundeten kümmern.

»Steht es schlimm um ihn?«

»Nein, nicht schlimm.«

»Dann sehe ich erst nach meinem Mann.« Er war gereizt, weil er Dinge tun mußte, die er gar nicht wollte: schießwütige Zivilisten im Zaum halten; verwundete Indianer retten. Alles, bloß nicht das, weshalb er wieder zur Armee gegangen war.

Er kletterte zur Plattform hoch, ohne den intensiven Blick zu bemerken, den Graue Eule ihm zuwarf - ein Blick, in dem neuer Respekt und neue Achtung lagen.

Kavallerist Washington Toby, ein schlaksiger Mulatte aus Philadelphia, lag neben dem Bremserhäuschen; seine schöne Hirschlederhose war blutgetränkt. Ein abgebrochener Pfeil ragte aus seinem Bein. Toby umklammerte sein Bein, während er vor Schmerzen fluchte und weinte.

»Leg dich zurück, Toby.« Charles versuchte, sich seine Besorgnis nicht anmerken zu lassen. »Laß dein Bein los.«

Widerstrebend gehorchte Toby. Charles kniete nieder und zog sein Bowiemesser. Er verlängerte den Riß im Wildleder auf mehr als einen Fuß. Seit die Stämme ihre steinernen Pfeilspitzen durch Spitzen aus Eisenblech ersetzt hatten, verursachten sie schreckliche Wunden. Wenn das Eisen auf einen Knochen traf, dann verformte es sich oft so, daß man es nur unter schlimmsten Qualen wieder entfernen konnte. Wenn die Pfeilspitze allerdings auf einen Muskel traf oder eine Ader ritzte ... Charles sagte zu einem der herumstehenden besorgten Kavalleristen: »Lauf zu Satan, und öffne meine rechte Satteltasche. Bring mir den Kautabak, den du dort findest. Entspann dich, Toby. Du hast Glück gehabt«, log er. »Ein Pfeil im Bein ist gar nichts. Wenn du einen Pfeil in den Bauch oder in die Brust verpaßt kriegst, dann spielen sie dir den Beerdigungsmarsch, noch bevor du ganz umgefallen bist.«

Tobys Mund verkrampfte sich, der traurige Versuch eines Lächelns. Schweißtropfen erschienen auf seinem Gesicht. Charles zog das Wildleder von der Wunde weg und studierte den Pfeil.

»Nimm meinen linken Arm. Halt dich ganz fest.«

Der Kavallerist kam mit dem Kautabak zurückgerannt. Charles machte den Mund auf, und der Soldat steckte ihm den Tabak hinein. Charles begann heftig zu kauen, während er den Pfeilschaft sanft hin und her bewegte. Irgendwie schien er festzuhängen. Er übte mehr Druck aus. Tobys Augen quollen hervor. Seine Nägel gruben sich fast durch Charles' Hemd.

»Ruhig, ruhig«, wiederholte Charles; wegen des Kautabaks klangen die Worte gequetscht. Toby grunzte schmerzerfüllt, hob dann seine Schultern vom Boden. »Drückt ihn runter«, rief Charles. Zwei Soldaten hielten den Verwundeten fest.

Blut strömte nun aus der Wunde. Er bewegte den Schaft weiter in eine Richtung, dann in die andere, vor und zurück, vor und zurück.

Er spürte, wie der Pfeil sich lockerte. Ein Klumpen, groß wie ein Stein, formte sich in seiner Kehle. »Alles in Ordnung, Toby, in ein paar Minuten sind wir fertig.« Er redete, um die Aufmerksamkeit des Mannes abzulenken. »Halt bloß noch einige.« Er riß. Washington Toby schrie auf und verlor das Bewußtsein.

Charles sackte in sich zusammen. In seiner rechten Hand hielt er den Pfeilschaft mit der nur leicht verbogenen, blutigen Spitze. Kurz darauf schlug Toby die Augen auf. Noch völlig benommen, begann er zu weinen.

»Nur zu, weine nur«, sagte Charles. »Ich weiß, es tut weh. Was ich jetzt tue, wird dir ein bißchen helfen, bis wir ins Fort kommen. Tabak ist eine alte Präriemedizin für Wunden.«

Er spuckte mehrmals darauf, füllte die Wunde mit brauner Soße. Er knetete die Ränder, um Blut und Tabaksaft gründlich zu mischen. Das Blut spritzte nicht heraus, es kam auch kein dunkleres Blut. Der Pfeil hatte keinen größeren Schaden angerichtet.