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»Ja, nun, manchmal ist das Leben halt so. Nichts weiter als ein verdammt schlechtes Geschäft.« Er machte eine leichte Bewegung mit dem rechten Arm, in dessen Beuge sein Gewehr lag. »Wenigstens hat Colonel Grierson mir die Spencer und mein Pferd gelassen.«

Sternengucker erhob sich, rieb sich mit den Knöcheln über den Mund. Zögernd sagte Williams: »Da ich der erste war, der sich gegen Sie ausgesprochen hat, sollte ich auch der erste sein, der das alles zurücknimmt. Für einen Südstaatler sind Sie ein echter weißer Mann.«

Die Soldaten lachten über den unbeabsichtigten Rassismus in dieser Bemerkung. Charles lächelte. Verlegen streckte Williams die Hand aus.

»Wir werden Sie vermissen, C.C.«

Charles' Hand blieb in der Luft hängen. »Was?«

»Er sagte C.C«, entgegnete Washington Toby. Sein Bein war noch bandagiert, aber er konnte damit laufen.

»Das bedeutet Cheyenne Charlie«, sagte Magee. »Cheyenne deswegen, weil Sie die so mögen.«

»Hm. Cheyenne Charlie. Ich glaube, der Spitzname paßt. Gefällt mir. Vielen Dank.«

Er drehte sich um und wollte hinausgehen. »Sir? Hab' ich glatt vergessen«, sagte Williams und griff unter sein äußeres Flanellhemd, von denen er zwei über der Armeebluse und seiner Unterwäsche trug. »Das liegt seit einer Woche in meinem Schreibtisch. Schätze, sie haben's reingetan, während wir die Eisenbahn abritten.«

Charles nahm den blaßgrauen Umschlag mit der vertrauten Handschrift entgegen. Er tippte nachdenklich mit den Fingerspitzen dagegen, während seine Augen wieder zu Eis wurden.

»Danke. Gute Nacht«, sagte er und ging. Das letzte, was er hörte, bevor er die Tür schloß, war der Ruf von Magee:

»Und vergessen Sie nicht, ich bin Ihnen noch was schuldig.«

Bei dem Wachposten in der Nähe des Stalles brannte ein Feuer gegen die klirrende Kälte. Charles ging auf die Flammen zu, die der Präriewand ihm horizontal entgegenpeitschte.

Als er am Feuer vorbeikam, warf er Willas Brief ungeöffnet in die Flammen. Dann verschwand er schnell in der Dunkelheit des Stalles. Zehn Minuten später hörte der Wachposten Hufschläge im Schnee, die sich schnell entfernten.

HERBSTMODE 1867 DUPLEX-RÖCKE

J.W. Bradleys gefeierte, patentierte Duplex-Ellipsenröcke sind die widerstandsfähigsten, wirtschaftlichsten Röcke, die es gibt; jeder Reifen besteht aus zwei wunderbar gehärteten Stahlfedern, raffiniert miteinander verflochten, und obwohl sie sehr flexibel und bequem für die Trägerin sind, gehören sie zu dem Stärksten und Leistungsfähigsten, was Röcke heutzutage aufzuweisen haben. Es gibt die modischsten und elegantesten Formen für

REZEPTION, PROMENADE, OPER, KIRCHE,

haus und für das strassenkleid ...

MADELINES JOURNAL

Dezember 1867. Weihnachten steht vor der Tür, und wir sind dem Verhungern näher denn je. Bald werde ich es allen sagen müssen Prudence, den Shermans, den anderen loyalen freien Negern. Für den Cent, den wir verdienen, muß ich zwei bezahlen. Wenn ich keinen Bittgang zu George H. antrete, sehe ich keine Alternative, als den Fehlschlag einzugestehen und Cooper zu informieren, daß es mir an der Fähigkeit mangelt, Mont Royal erfolgreich zu leiten. Die Aussicht, diesen Ort verlassen zu müssen, ist ungemein schmerzlich. Doch Abdankung, falls dies die richtige Bezeichnung ist, scheint mir die einzige Möglichkeit zu sein.

Ich glaube, Andy wird es von allen hier am schwersten treffen, wenn ich diesen Weg einschlage. Er ist stolz und aufgeregt, daß er als Konventdelegierter nach Charleston geht. Redet ständig davon ...

Auch Des LaMotte redete darüber, zusammen mit Gettys und Captain Jolly in Jollys Bruchbude.

Es war zwei Wochen vor Weihnachten; das Wetter war trüb und regnerisch. Die Monate im Gefängnis hatten Des völlig abmagern lassen. Im Gegensatz dazu sah Jolly gesund und munter aus; er trug einen neuen leinenen Staubmantel, den er einem Reisenden gestohlen hatte. Er war eifrig damit beschäftigt, mit einem fettigen Lappen den Lauf eines seiner Leech & Rigdons zu putzen.

»Wir müssen ein bißchen mehr tun als nur reden«, erklärte Des. In den Augen seines Freundes bemerkte Gettys tiefe Verletzung. Des erzählte so gut wie nichts von seiner Zeit hinter Gittern, aber es war ganz offensichtlich ein quälendes Erlebnis gewesen.

Jolly spuckte auf den Lauf und strich liebevoll mit dem Lumpen darüber. »Scheiße, das ist alles, was wir je tun, rumsitzen und quatschen. Sie schickt ihren Nigger zum Konvent. Warum schaue ich nicht mal bei ihm vorbei und schieße ihn nieder?«

»Weil dann ein anderer geschickt wird oder dieses und jenes passiert, bis sie den ganzen Bezirk auf die Seite der Nigger gebracht hat.«

»LaMotte, das hängt mir zum Hals raus«, sagte Jolly. »Willst du sie loswerden oder nicht?«

»Das weißt du ganz genau.«

»Dann tun wir's doch. Ansonsten bist du bloß ein zahnloser Hund, der bellt und nicht beißt.«

Der große Tanzlehrer ging Jolly an die Kehle. Der Captain drückte die Mündung seines Revolvers gegen Des' Handfläche. Er grinste. »Nur zu. Versuch doch, mich zu erwürgen. Ich jage dir eine Kugel durch die Hand in den Schädel.«

Mit rotem Gesicht senkte Des die Hand. »Du kapierst einfach nicht, was? Ich will ihren Tod, aber ich möchte dafür nicht ins Gefängnis. Ich bin dort gewesen, im Gefängnis«, er schwitzte, »schreckliche Dinge können da einem intelligenten, sensiblen Menschen zustoßen. Abstoßende Dinge, die man nicht mal mit physischer Stärke verhindern kann.«

Gettys beschloß, daß es an der Zeit war, Des aus seinem Elend zu erlösen. Er zog ein Päckchen aus seinem alten Mantel.

»Wenn ihr mit euerm Gestreite mal kurz aufhören könntet, dann hätte ich vielleicht die Antwort für uns. Mein Cousin Sit-well machte den weiten Weg nach Nashville wegen einer geheimen Konklave.« Er bemerkte Jollys Verwirrung und genoß es, mit überlegener Miene hinzufügen zu können: »Konvent, Cap-tain. Versammlung. Das hier hat er mitgebracht.«

Er hielt ein zerknittertes Plakat mit großer, kühner Überschrift hoch, Tennessee tiger. Der Tiger, eine Stahlgravur, duckte sich wild und grimmig vor Gittern und Stangen. »Lies das Gedicht«, sagte Gettys und deutete darauf.

Des las laut vor. »Nigger und Liga-Leute, aus dem Weg. Wir sind Geburten der Nacht...« Captain Jollys Interesse erwachte. Des sagte: »Du meinst, in Tennessee sind derartige Publikationen erlaubt?«

»Und ähnliche Sachen an vielen anderen Orten, hat mir Sit-well berichtet. Du hast doch keine Namen gesehen, oder? Lies weiter.«

». Geburten der Nacht und verschwinden bei Tag. Wir fressen nichts anderes als Menschenfleisch. Und Nigger lieben wir am meisten ... der Ku-Klux-Klan.«

Mit langsam dämmerndem Verständnis starrte Des die anderen an. Überlegen sagte Gettys zu Jolly: »Der Ku-Klux ist der Club, der die Nigger in Angst und Schrecken versetzt. Sitwell meint, inzwischen sei mehr daraus geworden. Eine Verteidigungsliga des weißen Mannes. Klaverns schießen überall im Süden aus dem Boden.«

»Was ist das?« fragte Jolly.

»Klaverns? Das bedeutet Klan-Höhlen, eine örtliche Niederlassung. Sie besitzen eine richtige Verfassung, genannt die Vorschrift, und eine ganze Menge toller Titel und Rituale. Und Ro-ben, Jolly. Roben, die das Gesicht eines Mannes verbergen.« Grinsend tippte er mit dem Plakat gegen den Ärmel des Captain. »Weißt du, wer durch den Süden zieht und bei der Gründung des Klaverns hilft? Der Führer des Klans. Der Allmächtige Hexenmeister. Dein alter Freund Forrest.«

»Bedford höchstpersönlich?« Jollys Stimme klang ergeben. Der Dienst in Forrests Kavallerie blieb der Höhepunkt seines Lebens; für einen Augenblick versank er in der Vergangenheit, erinnerte sich an ihre Schlachten. Durch schlimmste Gewitter und eisigen Hagel waren sie geritten, hatten stets dem Tod ins Auge geschaut und sich nie abgewandt, weil sie für die Sache der weißen Rasse im Sattel saßen.