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Es kam nicht zu dem vorhergesagten >Negertollhaus< unten im Sitzungssaal, obwohl der einstweilige Vorsitzende T.J. Robertson, ein angesehener Geschäftsmann mit gemäßigten Ansichten, häufig seinen Hammer betätigen mußte, um die begeisterten schwarzen Zuschauer oben auf der Galerie zum Schweigen zu bringen. Den meisten Lärm erzeugten die Mitglieder der Presse, hauptsächlich Yankees. Viele von ihnen hatten karierte Anzüge und grelle Krawatten an. Andy sah, wie ein Reporter einen Tabaksaft auf den Boden spuckte, und verspürte selbstzufriedene Überlegenheit. Zuvor hatte Cardozo zu ihm und eini-gen anderen schwarzen Delegierten gesagt: »Die Reporter sind hergekommen, um diesen Konvent gegen nordstaatliche Moral abzuwägen. Sie werden unsere Äußerungen ebenso wie unser Benehmen bewerten. Also handeln Sie dementsprechend, Gentle-men.«

Robertsons Hammer rief die Halle zur Ordnung. »Bevor ich den Stuhl an unseren großartigen Freund Dr. Mackey abgebe«, das war ein weiterer angesehener Einheimischer, »möchte ich die hier Versammelten gern an unser hochgestecktes Ziel erinnern. Wir sind hier, um eine gerechte, liberale Verfassung für den Palmetto-Staat zu entwerfen, eine Verfassung, die allen gleiche Rechte garantiert und uns die Wiedereingliederung in die Union ermöglicht.«

Die Zuschauer bekundeten ihr Einverständnis. Wieder brachte Robertson sie mit dem Hammer zum Schweigen, ehe er fortfuhr:

»Wir behaupten nicht, übermäßig weise oder tugendhaft zu sein. Wir nehmen jedoch für uns in Anspruch, daß wir dem fortschrittlichen Zeitgeist folgen ... mögen wir kühn genug, ehrlich genug, weise genug sein, um anstößige, unwürdige Gesetze und Gewohnheiten zu zertreten und so eine neue Gerechtigkeit in South Carolina ins Leben zu rufen. Möge jeder Delegierte seine Gedanken und Äußerungen einzig und allein diesem Zweck unterordnen.«

Er meint meine Gedanken, sagte sich Andy. Gut, er würde seine Stimme erheben. Wenn er etwas Falsches sagte, dann würde er lernen. Wie konnte man sich ohne Fehler und Irrtümer von dem, was man war, zu dem, was man werden wollte, erheben?

Er richtete sich hoch auf; seine Hand ruhte auf dem Gesetzestext. Eine Woge von Stolz belebte seinen Mut und stellte sein Selbstvertrauen wieder her.

»Nun, Ma'am«, sagte Mr. Edisto Topper von Beaufort, »dies ist der Grund, weshalb ich so dringend um ein Treffen gebeten habe.« Der adrette Anwalt stand neben Madeline in dem brachliegenden Reisfeld und zerbröselte mit einer Hand einen blaugrauen Lehmklumpen.

Vor dem vertrauten Gestank trat Madeline einen Schritt zurück. »Ich habe das immer als unsere vergiftete Erde bezeichnet.«

Lachend ließ Topper die Lehmklumpen fallen. »Vergiftet mit Reichtümern, Mrs. Main.« Er wandte sich an seinen dienstbeflissenen jungen Angestellten. »Sammeln Sie einige dieser Klumpen in die Tasche. Wir werden sie untersuchen lassen.«

Madelines Stirn glänzte vor Schweiß. Als Toppers Kutsche den Weg hochgerattert kam, war sie damit beschäftigt gewesen, dem Pinienhaus einen frischen Anstrich zu verpassen. Weiße Flecken zierten ihre Hände und ihr verblaßtes Kleid.

»Ich kann es kaum glauben, Mr. Topper.«

»Glauben Sie es ruhig, gute Frau, glauben Sie es. Die Gerüchte sind wahr. Entlang der Flüsse Ashley und Stone verbergen sich Mineralschätze, ebenso wie in den Flußbetten. Ihre sogenannte vergiftete Erde ist phosphathaltig.«

»Dann muß das Phosphat doch schon seit Jahren hier gewesen sein.«

»Und keine Seele hat es erkannt, bis Dr. Ravenel aus Charleston im letzten Herbst einige Proben aus der Gegend von Lambs untersuchte.« Mit überschwenglicher Geste umfaßte Topper die umliegenden Reisfelder. »In Mont Royal könnte das auf sechs-bis achthundert Tonnen Mergel pro Acre hinauslaufen. Hochgradiger Mergel - wesentlich ergiebiger als der Mergel von Virginia.«

»Das sind sehr willkommene Nachrichten. Aber ein bißchen überwältigend.«

Wieder lachte er und rieb sich die Hände. »Verständlich, verehrte Lady. Nach Jahren der Niederlagen und der Entbehrungen stehen wir buchstäblich vor der ökonomischen Wiedergeburt dieses Teiles des Staates. Sie liegt in diesen übelriechenden Klumpen. Das ist der Duft des Geldes. Das ist der Geruch von Düngemittel.«

Sie kehrten zu den selbstgebastelten Stühlen auf dem Rasen vor dem weißgetünchten Haus zurück. Der Anwalt Topper holte aus seinem Koffer Berichte, Untersuchungsergebnisse, Gutachten, die er Madeline in die Hand drückte und sie drängte, jedes einzelne Wort zu lesen. »Es gibt schon einen Run, die Schürfrechte von den Landbesitzern zu kaufen. Ich repräsentiere eine Gruppe von Investoren, die sich zu der Beaufort Phosphate Company zusammengeschlossen haben. Alles erstklassige Südstaaten-Gentlemen, in Carolina geboren, wie ich selbst auch. Ich bin sicher, der Gedanke beruhigt Sie, wenn wir Geschäfte miteinander machen.«

Madeline schob eine Strähne ihres ergrauenden Haares zurück. »Falls, Mr. Topper. Falls.«

»Aber Sie haben bei der ganzen Angelegenheit nur Vorteile! Es ist unser Kapital, das auf dem Spiel steht, während Sie uns lediglich die vorübergehende Nutzung Ihres Landes überlassen. Wir kümmern uns um alles. Wir heben die Erde aus, verlegen die Schienen für die von Pferden gezogenen Karren, installieren dampfgetriebene Waschanlagen, um Sand und Lehm auszuwaschen. Wir übernehmen die volle Verantwortung für den Transport. Dann handeln wir einen vernünftigen Verkaufspreis aus. Mr. Lewis und Mr. Klett haben bereits eine Verarbeitungsfirma unter Vertrag, die die Felsbrocken zertrümmert und sie in kommerzielle Düngemittel verwandelt. Bald schon werden Konkurrenzfirmen auftreten. Wir befinden uns in einer hervorragenden Ausgangsposition.«

Es klang alles zu perfekt. Sie suchte nach dem Haken. »Was ist mit den Männern, die die Felsbrocken ausgraben?«

»Ebenfalls unsere Sache. Wir heuern jeden verfügbaren Nig... äh, freien Neger an. Wir zahlen ihnen fünfundzwanzig Cent pro Quadratfuß, die Entfernung der Felsbrocken eingeschlossen.«

Sie schüttelte den Kopf. Topper schaute verwirrt drein. »Stimmt was nicht?«

»Und ob, Mr. Topper. Überall entlang des Flusses sind schwarze Familien am Verhungern, und da schließe ich Mont Royal nicht aus. Wenn Sie auf meinem Land schürfen wollen, dann werden Sie auch vernünftige Jobs vergeben müssen. Sagen wir fünfzig Cent pro Quadratfuß?«

Topper wurde blaß. »Fünfzig? Ich bin mir nicht sicher.«

»Dann sollte ich vielleicht mit jemand anderem verhandeln. Sie sagten etwas von Konkurrenz.«

Der Anwalt begann sich zu krümmen. »Irgendwas läßt sich da schon machen, verehrte Lady, da bin ich mir ganz sicher. Hier habe ich den Optionsvertrag mitgebracht. Ich hätte gern noch heute morgen Ihre Unterschrift. Der für beide Seiten befriedigende, endgültige Vertrag folgt dann nach.« Er ließ sich von seinem Angestellten das zusammengefaltete Dokument geben. Es war recht umfangreich und wurde von grünem Gummiband zusammengehalten. Er entfaltete es, als handle es sich um eine Straßenkarte nach El Dorado.

Madeline versuchte, ihre Erregung zu verbergen, während sie die eng beschriebenen, in gedrechselter Sprache gehaltenen Seiten überflog, die durch gelegentlich eingestreutes Latein noch unverständlicher wurden. Sie glaubte, den Sinn zu erfassen.

»Sagen Sie Ihrem Angestellten, er solle noch einen Satz über die vereinbarten Löhne der Arbeiter einfügen, dann unterschreibe ich.«

»Soviel wir wissen, wird noch eine zweite Unterschrift benötigt.«

»Nein. Ich habe Vollmacht, für Cooper Main zu unterzeichnen.« Was sie dann auch mit zitternder Hand tat.

Orry, Orry - unglaubliche Freude. Wir sind begnadigt worden! Zur Feier des Tages lud ich heute abend alle ins Haus zu Safranreis ein. Jane brachte einen Krug süßen Beerenweins mit, den sie aufgehoben hatte, und während der Vollmond am Himmel hochstieg, sangen und lachten und tanzten wir. Es wäre schön gewesen, wenn auch Andy hätte hier sein können, doch er steckt mitten in seiner wichtigen Arbeit. Ich sehnte mich nach dir.