Während ich diese Zeilen schreibe, leuchtet der Fluß wie weißes Feuer. Selten ist es im Januar so warm gewesen. Vielleicht ist dieser Winter der Verzweiflung endlich vorbei. Das Beste von alldem ist, daß ich meinen Traum zum Leben erwecken kann, wenn tatsächlich im Boden von Mont Royal Reichtümer verborgen liegen. Ich kann das Haus wieder aufbauen.
Das Geräusch eines sich von der Flußstraße nähernden Reiters weckte sie am nächsten Morgen. Sie wickelte sich in ihren alten Morgenmantel und eilte hinaus, um den Besucher zu empfangen. Sie glaubte ihren Augen nicht trauen zu können; es war Cooper, der da von einem schaumbedeckten Braunen sprang.
»Gestern abend gegen zehn wußte ganz Charleston Bescheid. Alle spotten über uns.«
Verschlafen murmelte sie: »Wovon redest du eigentlich?«
»Von deinem verdammten Vertrag mit Beaufort Phosphate. Anscheinend bist du die einzige im Bezirk, die nicht weiß, wer hinter dieser Company steckt.«
»Einheimische, sagte der Anwalt.«
»Dieser Lump hat gelogen. Er ist der einzige aus South Carolina, der an der Sache beteiligt ist. Der Hauptaktionär ist ein gottverdammter radikaler Senator, Samuel Stout. Du hast uns an einen Mann verkauft, der uns mit einer Hand auspeitscht und mit der anderen aussaugt.«
...Ich konnte nichts tun, um ihn zu beschwichtigen. Er überschüttete mich mit Beschimpfungen, lehnte jegliche Nahrung von mir ab, sprang sehr grob mit Prudence um und befahl mir, auf keinen Fall den offiziellen Vertrag zu unterschreiben. Ich sagte, ich würde einen Pakt mit dem Teufel unterschreiben, wenn ich dadurch das Land der Mains retten und unseren Negern Essen geben könnte. Er verfluchte mich, sprang auf sein erschöpftes Pferd und ritt davon. Obwohl er von meinem Fehler profitieren wird, fürchte ich, er haßt mich jetzt mehr als je zuvor.
Februar 1868. Man rechnet damit, daß der Konvent fast 60 Tage dauert. Bis auf einen Dollar schickt Andy S. seine gesamten 11 Dollar, die er als Delegierter als Tagegeld erhält, an seine Frau. Abends arbeitet er im Mills House und zahlt einer schwarzen Familie Miete, damit er in ihrer Hütte übernachten kann. Jane hat mir seinen letzten Brief gezeigt, einfach formuliert, aber in gutem, klarem Englisch verfaßt. Was für eine wunderbare Sache doch der menschliche Geist ist, wenn es ihm erlaubt ist, sich frei zu entfalten ...
Andy Sherman hatte das Gefühl, noch nie so viel gelernt zu haben, vielleicht von der Zeit während des Krieges abgesehen, als Jane seine Lehrerin gewesen war. Am Morgen, wenn er sich für seine Delegiertenarbeit ankleidete, taten ihm alle Knochen weh von dem stundenlangen Knien beim Putzen der Hotelböden. Aber irgendwie genügten ihm die paar Stunden Schlaf, genauso wie die eine volle Mahlzeit, die er sich täglich erlaubte. Er nährte sich von dem Konvent und der Arbeit, die er hier leistete.
Er diskutierte viel mit Cardozo, dessen schnelle Auffassung und beeindruckende Rednergabe er bewunderte. »Sie haben recht, Sherman. Als Rasse sind wir zu zurückhaltend. Nur Bildung kann das verbessern. Wenn man sich jedoch die Geschichte dieses Staates betrachtet, dann glaube ich nicht, daß ein angemessenes öffentliches Schulsystem vor 1875 funktionieren wird. Ich werde mich gegen den Verfassungszusatz aussprechen, daß nach 1875 jedem Mann im Wahlalter, der weder lesen noch schreiben kann, das Wahlrecht vorenthalten wird.«
Auch Andy sprach sich dagegen aus - zum erstenmal bei diesem Konvent meldete er sich zu Wort. Nervös, aber voller Überzeugung verlas er die kleine Rede, die er auf Papierfetzen immer wieder umformuliert hatte, bis sie zu seiner Zufriedenheit ausgefallen war. »Gentlemen, ich glaube, das Recht zu wählen muß dem Weisen ebenso wie dem Unwissenden zugebilligt werden, dem Bösen ebenso wie dem Tugendhaften, sonst bedeutet die Idee des universellen Stimmrechts gar nichts.«
Die Bestimmung wurde mit 107 zu 2 Stimmen abgelehnt. Die Kopfsteuer, die Cardozo mit ätzenden Worten brandmarkte als den ersten Schritt, das aristokratische Element< wieder an die Macht zu bringen, wurde mit 81 zu 21 abgeschmettert.
Die Arbeit hat begonnen! Im ganzen Ashley-Bezirk wimmelt es nur so von Arbeitern, Anlegern und Männern von den neuen Verarbeitungsfabriken, die aus dem Boden geschossen sind. Nach fast drei Jahren Chaos und Armut steckt der Bezirk wieder voller Hoffnung
Unsere verbesserten Aussichten machen einen baldigen Besuch in Charleston notwendig - um die Last unserer Schulden zu erleichtern .
Die Schwarzen auf Mont Royal beschützten Madeline, als wäre sie ein Kind. Sie beharrten darauf, daß jemand sie in die Stadt fuhr. Sie gab nach und entschied sich für Fred.
An einem kühlen Februarmorgen hielten sie den Wagen an, kurz nachdem sie in die Uferstraße eingebogen waren. Auf dem unbestellten Feld hinter dem Zaun schwang ein Trupp von dreißig Schwarzen die Schaufel. Mit beflaggten Stangen war ein sechshundert Meter breites und tausend Meter langes Gebiet abgesteckt worden, das mit Gräben durchzogen werden sollte, um das Feld zu entwässern.
Sechs Männer zerrten mit Seilen einen gewaltigen Stamm, um einen Pfad zur Mitte des Feldes zu walzen. Auf diesem Pfad würden schließlich Pferdewagen die geförderten Felsbrocken abtransportieren. Edisto Topper hatte Madeline davon in Kenntnis gesetzt, daß diese Art von Feldern bald überall auf Mont Royal zu finden sein würde.
Hier war das erste. Sie musterte es stolz, als ein greller Lichtstrahl wie von einem reflektierenden Spiegel ihre Aufmerksamkeit erregte. Sie wandte sich um und sah ein Stück weiter die Straße hinunter in Richtung Summerton einen Reiter. Am Körperumfang und an den spiegelnden Brillengläsern erkannte sie Gettys.
Einen Moment lang saß der Ladenbesitzer sehr still, als würde er sie beobachten. Dann schnalzte er verächtlich mit dem Zügel, wendete und trabte auf Summerton zu.
Madeline schauderte. Irgendwie schien ihr der Tag verdorben.
Es wurde noch schlimmer. In der Palmetto Bank in der Broad Street teilte ihr ein kahlköpfiger Angestellter namens Crow mit, daß Mr. Dawkins den ganzen Tag über nicht erreichbar sei.
»Aber ich habe ihm doch geschrieben, daß ich komme. Es ist sehr wichtig, daß ich mit ihm spreche«, sagte sie.
Crow blieb kühl. »Worum geht es?«
»Ich möchte Arrangements treffen, um der Bank meine Hypothek eher als erforderlich zurückzuzahlen. Auf Mont Royal wird nach Phosphaten geschürft. Wir müßten damit ein beträchtliches Einkommen erzielen. All das hab' ich Leverett geschrieben.«
»Mr. Dawkins hat Ihren Brief erhalten.« Crows Mißbilligung über die vertrauliche Anrede war deutlich herauszuhören. »Ich bin angewiesen, Ihnen mitzuteilen, daß die Direktoren dieser Bank mit einer vorzeitigen Rückzahlung nicht einverstanden sind. Die Hypothekarbedingungen geben uns das Recht, darauf zu bestehen, daß Sie weiterhin Ihre vierteljährlichen Zahlungen leisten.«
»Für wie lange?«
»Über die gesamte Laufzeit hinweg.«
»Das sind Jahre. Wenn es um die Zinsen geht, dann bin ich natürlich gern bereit, sie zu zahlen.«
Mit geringschätziger Miene trat Crow einen Schritt zurück. »Es ist eine Sache der Politik unseres Hauses, Mrs. Main.«
»Welcher Politik? Mich an der Leine zu halten, damit Sie sie ganz nach Ihrem Belieben durchschneiden können?«
»Beziehen Sie sich auf eine vorzeitige Verfallserklärung der Hypothek unsererseits?«
»Ja. Ist das auch eine Sache der Politik?«
»Senken Sie bitte Ihre Stimme. Warum sollte die Palmetto Bank den Wunsch haben, Mont Royal vorzeitig die Hypothek zu kündigen? Es ist wertvolles Land, mit ungewöhnlich verbesserten Einkommensaussichten. Sie werfen da eine völlig abseitige Frage auf.« Er überlegte einen Moment und fügte dann hinzu: »Natürlich kann die Bank den Vertrag kündigen, sollten Sie in Zahlungsverzug geraten. Doch in diesem Fall wäre der Leidtragende ja der Eigentümer, Mr. Main. Ich bin überzeugt davon, Sie möchten nicht dafür verantwortlich sein, daß Ihr Verwandter in eine derartige Lage gerät.«