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Großer Wächter, Großer Leutnant, Großer Sekretär, Großer Schatzmeister - jedem Mann wurde Verantwortung übertragen. Außergewöhnlich feierlich und mit einem Patriotismusgefühl, wie er es seit seinem Abschied von den Palmetto Rifles nicht mehr empfunden hatte, legte Des die rote Robe und die Kapuze an. Die anderen taten es ihm nach.

Die Fackeln rauchten. General Forrest musterte die unter Kapuzen steckenden Männer und lächelte zufrieden.

»Ihr seid die neuesten Ritter unseres großen Kreuzzugs. Beginnt hier mit der Säuberung, auf eurer Heimaterde, wo das Gesicht des Feindes euch bekannt ist. Klan um Klan vereint in unserem gewaltigen Unsichtbaren Reich, so werden wir gemein-sam die verderbte Regierung von unserem Land fegen, das wir lieben.«

Des leckte sich die Lippen und atmete tief aus, was die Maske unter seinem Kinn flattern ließ. Wieder spürte er das Gewicht seines Zechkumpanen, Ferris Brixham, der tot in seinen Armen zusammensackte.

Jolly spürte den wiegenden Schritt eines Schlachtrosses und hörte die Schreie der Sterbenden bei Fort Pillow.

Und Gettys bekam eine Erektion unter seiner Robe beim Gedanken an Orry Mains Witwe, die sie entführten und an einen abgelegenen Ort wie diesen hier brachten und nackt auszogen, um sie je nach Lust und Laune zu bestrafen oder sich an ihr zu vergnügen.

Es war fast unheimlich, wie Des seine Gedanken erriet. »Wir werden unser Land von gewissen weißen Männern säubern, Randall«, flüsterte er. »Und von einer gewissen Frau.«

Sklaverei und Gefängnisstrafen für Schuldner sind für immer verboten.

Duelle werden für gesetzlos erklärt.

Scheidung wird legal. Das Eigentum einer verheirateten Frau darf nicht länger zur Deckung der Schulden ihres Mannes herangezogen werden.

Künftig werden Gerichtsbezirke als >Counties< bezeichnet.

Ein für alle zugängliches, aus Steuermitteln finanziertes öffentliches Schulsystem soll errichtet werden.

Keine Rassentrennung bei der Bürgerwehr.

Universelles Wahlrecht für alle erwachsenen Männer, ungeachtet der Rasse.

Keiner Person sollen die Bürgerrechte entzogen werden wegen Verbrechen, die er während seiner Zeit als Sklave beging.

Unterscheidungen aufgrund der Rasse oder der Hautfarbe, ganz gleich in welchem Fall, werden verboten; alle Klassen von Bürgern sollen gleiche öffentliche, legale und politische Privilegien für sich in Anspruch nehmen können.

Einige Auszüge aus der 41 Abschnitte umfassenden Verfassung von South Carolina, 1868

40

Viele Dinge beunruhigten Marie-Louise Main im Frühling ihres fünfzehnten Lebensjahres.

Nachts suchten sie lebhafte Träume heim, in denen sie mit einer Reihe gutaussehender junger Männer tanzte. Jeder dieser jungen Männer hielt ihre Taille fest umschlungen und flirtete in einem Yankee-Akzent mit ihr, den sie auf eine verruchte Weise attraktiv fand. Jedes Gesicht war anders, doch alle jungen Männer waren Offiziere in blauer Uniform mit glänzenden Goldknöpfen. Jeder Traum endete gleich. Der junge Offizier wirbelte mit ihr davon zu irgendeinem dunklen Balkon oder Gartenpfad und beugte sich dann zu ihr herab, um sie leidenschaftlich zu küssen.

Worauf sie unweigerlich erwachte. Sie wußte, warum. Sie hatte keine Ahnung, was nach einem Kuß kam.

Oh, eine allgemeine Vorstellung besaß sie schon. Sie hatte Tieren zugeschaut, und, nun ja, sie wußte Bescheid. Aber sie hatte nicht die leiseste Ahnung, was für Gefühle damit verbunden waren oder wie sie sich benehmen sollte. Mama hatte ihr einige Grundtatsachen erklärt, aber auf Fragen, wie sie reagieren sollte, hatte sie gesagt: »Darüber können wir reden, wenn du verlobt bist. Und das wird noch ein paar Jahre dauern.« Selbstverständlich schnitt Marie-Louise des Thema gegenüber Papa niemals an.

Ihre Unzulänglichkeit beunruhigte sie, wenn sie sich mit ihren Altersgenossinnen verglich, den fünf anderen jungen Damen ihrer Klasse in Mrs. Allwicks Akademie für junge Damen. Während sie an der Übersetzung ausgewählter Passagen von Horaz arbeitete, schoben sich die anderen Mädchen Zettel zu oder unterhielten sich flüsternd über ihre Liebhaber. Jede hatte davon mehrere oder behauptete es zumindest. Marie-Louise hatte keinen. Papa war die ganze Zeit über so grimmig und mit sich selbst beschäftigt, daß er ihr nicht die leiseste Ermutigung zukommen ließ, was Jungs anbelangte. Nicht daß es wirklich eine Rolle gespielt hätte. Sie kannte nicht einen Jungen, der Lust gehabt hätte, ihr mit den üblichen kleinen Geschenken und Wohnzimmerbesuchen den Hof zu machen.

Sie fragte sich, ob ihr Aussehen an dieser unglücklichen Situation schuld war. Sie mußte sich mit ihrer Größe und ihrer überschlanken Figur abfinden. Von ihrer Mama hatte sie die dunkelblonden Locken und den großen Mund mit schönen Zähnen geerbt. Ihr kleiner Busen mußte ihr auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise von Papas Seite vererbt worden sein, Mama war flachbrüstig.

Wenn sie gut gelaunt war, hielt sie sich für einigermaßen hübsch. Wenn sie etwas bedrückte - für gewöhnlich das Fehlen von Jungs in ihrem Leben -, dann war sie überzeugt davon, daß sie wie ein Ackergaul aussah. Objektiv gesehen war sie eine attraktive junge Frau mit einem hübschen Gesicht und einem natürlichen, herzlichen Lächeln, obwohl sie tatsächlich etwas zu groß und zu dünn war, um eine wahre Schönheit zu sein.

Auch ihr Vater beunruhigte Marie-Louise. Er war streng und lächelte nie. Früher hatte sie sich in seiner Gegenwart wohl gefühlt; jetzt nicht mehr. Das galt auch für Mama. Mama empfing gern Tante Madeline, wann immer sie in Charleston war, doch das ging nur tagsüber, wenn Marie-Louise in der Schule war. Papa ließ es nicht zu, daß Onkel Orrys Witwe zum Abendessen in der Tradd Street blieb oder sie besuchte, wenn er zu Hause war. Er gab keine Erklärung für sein intolerantes Benehmen ab, aber es schmerzte Marie-Louise, die ihre Tante sehr gern hatte.

Papa war das alles egal. Papa war nicht mehr er selbst, nicht mehr der Mann, an den sich Marie-Louise aus Kindertagen erinnerte. Er war mit allerlei persönlichen Angelegenheiten beschäftigt. Beispielsweise ritt er zweimal im Monat nach Columbia. Er fungierte als einer der achtunddreißig Treuhänder des alten South Carolina College, das nun seine Pforten wieder als Staatsuniversität mit zweiundzwanzig Studenten geöffnet hatte. »Wenn die Radikalen und General Canby uns in Ruhe lassen, dann könnten wir etwas aus dieser Institution machen.«

Marie-Louise kam nicht dahinter, was genau er daraus machen wollte, aber er war stolz auf seine Position als Treuhänder und wild entschlossen, die Universität zu schützen.

Papa hielt ständig kleine, zornige Reden bei den Mahlzeiten. Marie-Louise wußte, daß der Staat sich in Aufruhr befand wegen einer neuen Verfassung, die irgendwas mit den öffentlichen Schulen zu tun hatte, einem der Themen, über die sich Papa häufig ausließ. Eines Tages zeigte er einen Brief von General Wade Hampton vor. »Er sitzt einem Sonderkomitee vor, das einen Protestbrief an den Kongreß wegen dieser verdammenswer-ten Verfassung schreiben will.« Am nächsten Abend wedelte er mit einem billigen Blättchen herum und erklärte:

»The Thunderbolt ist ein Schmutzblatt, aber in diesem Fall hat der Redakteur recht. Eine Eigentumssteuer von einem Tausendstel pro Dollar wäre Diebstahl. Der Schulplan ist nichts weiter als eine Sache der Unterstützungsempfänger, angekurbelt von ungefähr sechzig Negern, von denen die meisten Analphabeten sind, und fünfzig weißen Männern, bei denen es sich um Ausgestoßene des Nordens oder Südstaaten-Renegaten handelt. Ihr Herumgepfusche an der sozialen Ordnung wird diesen Staat moralisch und finanziell zerstören.«