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»Nein!« Cooper knallte seinen Löffel gegen die Schüssel mit Lammstew. »Ich dulde nicht, daß irgendein Yankee-Räuber meiner Tochter den Hof macht.«

Marie-Louise fing an zu weinen.

Judith griff nach der Hand ihrer Tochter und drückte sie. Zu ihrem Mann sagte sie: »Es ist eine vollkommen vernünftige Bitte.«

»Wenn er ein Südstaatler wäre. Einer von uns.«

»Tante Brett hat auch einen Yankee-Offizier geheiratet«, begann Marie-Louise.

»Ohne dadurch, soviel wir wissen, den Zusammenbruch der Zivilisation herbeizuführen«, bemerkte Judith.

Die Ironie war verschwendet. »Ich lasse nicht zu, daß irgendein feiger Hund von Canbys Stab bei meiner Familie herumschnüffelt.«

»Das klingt so grob und häßlich!« rief Marie-Louise.

»So ist es nicht.«

»Bitte denk noch mal drüber nach, Cooper«, fing Judith an.

Ruckartig schob er seinen Stuhl zurück und erhob sich. »Ich soll drüber nachdenken, ob ich meiner Tochter erlauben soll, sich von einem Soldaten den Hof machen zu lassen, dessen Vater ein bibellesender Republikaner ist? Lieber noch hätte ich diesen Burschen LaMotte in meinem Haus. Die Entscheidung ist endgültig. Ich muß noch im Garten arbeiten, solange das Licht hält.«

Mit schnellen, harten Schritten verließ er das Zimmer. Judith wappnete sich gegen eine neue Tränenflut. Statt dessen fühlte sie sich überrascht von dem, was sie in den Augen ihrer Tochter entdeckte. Ein lautloser Zorn, der für so ein junges Mädchen ganz und gar nicht typisch war.

Marie-Louise wischte sich über die Wangen. Sie starrte weiter auf die Tür, durch die ihr Vater verschwunden war.

Später, als es schon dunkel geworden war, ging Judith leise auf die Veranda mit Blick zum Garten hinaus. Insekten umkreisten die Öllampe, die auf einem geflochtenen Tisch stand. Cooper war auf einem Stuhl neben dem Tisch eingeschlafen; seine Weste stand offen, die Krawatte hatte er gelockert.

Sie stieg über mit Zahlenkolonnen bedeckte Papiere hinweg und beugte sich über ihn, um ihn mit einem Kuß auf die Stirn zu wecken. Cooper ruckte nach oben, unsicher, wo er sich befand.

»Es ist fast zehn Uhr, Cooper. Marie-Louise ist direkt nach dem Essen nach oben auf ihr Zimmer gerannt. Seitdem habe ich keinen Laut mehr gehört. Ich denke, du solltest Frieden mit ihr schließen, falls das möglich ist.«

»Ich habe nichts Unrechtes getan. Warum muß ich ...?« Judiths Blick brachte ihn zum Schweigen. Sich die Augen reibend, stand er auf. »Also gut.«

Sie lauschte, wie er langsam die Treppe hochstieg, hörte dann ein leises Klopfen. »Marie-Louise?« Sie schaute in den dunklen Garten hinaus, als er rufend die Treppe herabgestürzt kam. »Sie ist weg.«

»Was sagst du da?«

»Sie muß die Nebentreppe benutzt haben. Ihr Zimmer ist leer, die Hälfte ihrer Kleidung ist verschwunden. Sie ist weg!«

Die Insekten umkreisten die flackernde Lampe. Zum erstenmal seit langer Zeit ließ Judith ihrem Zorn freien Lauf. »Das ist deine Schuld. Du hast sie aus dem Haus getrieben.«

»Das ist unmöglich. Sie ist doch bloß ein Mädchen.«

»Im Heiratsalter, wenn ich dich daran erinnern darf. Viele Mädchen in South Carolina sind mit vierzehn Mutter. Du hast ihre Zuneigung zu diesem jungen Mann falsch eingeschätzt. Seinetwegen - und deinetwegen - ist sie weggerannt.«

Ein gedämpftes Hämmern drang durch die Nebel des Schlafes. Madeline hob langsam den Kopf, versuchte das Geräusch einzuordnen. Sie hörte, wie sich Prudence Chaffee im anderen Schlafzimmer bewegte.

Das Hämmern wurde lauter. »Bitte ... jemand ...«

Eine Frauenstimme. Madeline glaubte, sie müsse die Stimme erkennen, tat es aber nicht. Sie war immer noch zu schläfrig. War es eine der Negerfrauen?

Prudence machte ihre Lampe an und brachte sie zur Tür von Madelines Raum. Ihr schlichtes, kräftiges Gesicht war hellwach, ihre Augen blickten besorgt. »Glaubst du, es gibt Ärger mit der Schule?«

»Ich weiß nicht.« Auf nackten Füßen ging Madeline zur Tür. »Es ist mitten in der Nacht.«

In Wirklichkeit war fast Morgen, wie sie beim Öffnen der Tür entdeckte. Zwischen den hohen Bäumen sah sie den gezackten, orangefarbenen Himmel. Gegen das Licht zeichnete sich eine zerzauste Gestalt auf der Veranda ab.

»Tante Madeline!«

Sie hätte nicht erstaunter sein können, wenn Andrew Johnson persönlich vorbeigeschaut hätte. »Marie-Louise! Was tust du denn hier?«

»Bitte laß mich rein, dann erkläre ich alles. Ich bin die ganze Nacht marschiert.«

»Du bist den ganzen Weg von Charleston gelaufen?« rief Prudence. »Zwölf Meilen, ganz allein, auf einer dunklen Straße? Hast du dir denn da gar keine Gedanken gemacht?«

Sofort war Madeline klar, daß etwas Schlimmes geschehen sein mußte. Ein Todesfall? Ein Gewaltakt? Dann sah sie den zum Platzen gefüllten Koffer. Man packt keinen Koffer, um von einer Tragödie zu berichten.

»Da gibt es diesen Jungen. Papa hat verboten, daß er mir den Hof macht. Ich liebe ihn, Tante Madeline. Ich liebe ihn, und Papa haßt ihn.«

Das also war es. Ein junges, verliebtes Mädchen tat viele gefährliche oder gedankenlose Dinge, wenn sie mit ihren eigenen Problemen beschäftigt war. Sie erinnerte sich, wie es mit Orry gewesen war, wie romantische Gefühle jeden Sinn fürs Praktische und alle Furcht vor Gefahren weggefegt hatten.

»Darf ich bleiben, Tante Madeline? In die Tradd Street gehe ich nicht zurück.«

Dann würde es sicher Ärger mit Cooper geben. Aber wegschicken konnte Madeline sie auch nicht. »Komm herein«, sagte sie und trat beiseite, um den atemlosen Flüchtling willkommen zu heißen.

WEISSE MÄNNER - AN DIE WAFFEN!

Heute tagt die Bastard->Legislative< in Columbia. Die wahnsinnigste, skrupelloseste und infamste Revolution in unserer Geschichte hat die Macht den Händen der Rasse entrissen, die das Land besiedelt hat, und sie an ihre früheren Sklaven übergeben, eine unwissende, korrupte Rasse.

Diese gesetzlose, elende Versammlung wird die besten und nobelsten Staaten unserer großen Schwesternschaft unter den gottlosen Hufen afrikanischer Wilder und Armeebriganten zertrampeln. Millionen freigeborener, edler Männer und Frauen unseres Landes werden gezwungen, sich in die Gewalt von sabbernden, verlausten, den Teufel anbetenden Barbaren aus dem Dschungel und streunenden Freibeutern aus Cape Cod, Boston und der Hölle zu begeben.

Es ist fünf vor zwölf; es geht um unser Leben; unsere einzige Zuflucht ist die Gewalt der Waffen.

Sonderausgabe von the ashley thunderbolt 6. Juli 1868

MADELINES JOURNAL

Juni 1868. Cooper hier, noch keine 24 Stunden, nachdem wir seine Tochter aufgenommen hatten. Schreckliche Szene ...

»Wo ist sie? Ich verlange, daß du sie herbringst.«

Er stand Madeline auf dem Rasen vor dem weißgetünchten Haus gegenüber. Unten am Fluß keuchte die Dampfmaschine bei der Sägemühle. Das Blatt einer Kreissäge jaulte auf, versuchte sich durch einen Eichenstamm zu beißen.

»Sie befindet sich auf der Plantage. Es geht ihr gut, und sie möchte eine Weile bei uns bleiben. Sie will ganz eindeutig keine weiteren Streitereien mit dir.«

»Mein Gott. Erst machst du Geschäfte mit republikanischen Ausbeutern. Dann hetzt du meine Tochter gegen mich auf.«

»Marie-Louise ist in den Jungen verliebt, Cooper. Ich würde in der Tradd Street nach der Ursache ihres Trotzes suchen.«

»Zum Teufel mit dir, bring sie her!«

»Nein. Die Entscheidung zu gehen liegt bei ihr.«

»Bis sie erwachsen ist, hab' einzig und allein ich das legale Recht ...«

»Das legale Recht vielleicht, nicht das moralische. Sie ist fast sechzehn. Viele Mädchen sind schon vorher verheiratet und Mütter.« Madeline ging um ihn herum.