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»Jawohl, General.« Die beiden Männer flohen zu den Galerietüren. »Der alte Spruch ist wahr geworden, was? Das Unterste ist zuoberst gekehrt worden.«

Im Korridor sagte Hampton: »Was dort drinnen geschieht, ist eine Travestie und eine Tragödie. Ich bin überzeugt davon, daß wir South Carolina von solchen Männern erlösen müssen, oder wir verlieren alles, was wir schätzen.«

»Ich bin der gleichen Meinung«, sagte Cooper. »Was immer nötig ist, ich bin bereit, es zu tun.«

August 1868. Old Stevens ist mit 76 gestorben. Ein ungemein verhaßter Mann in Carolina - obwohl ich dieses Gefühl nicht teilen kann. Er liegt aufgebahrt mit einer Ehrengarde von Negerzuaven. Es gibt bereits Streit über seine Grabstätte in Pennsylvania.

Virgilia sah ihren alten Freund drei Stunden vor seinem Ende. Unter den wachsamen Augen von Schwester Loretta und Schwester Genevieve, zwei Nonnen vom protestantischen Hospital für Farbige, saß sie da und hielt die Hand des alten Mannes.

Sie und Scipio nahmen den Zug nach Lancaster, um bei der Beerdigung dabei zu sein. Während der Reise mußten sie die wütenden Blicke und beleidigenden Bemerkungen anderer Fahrgäste ertragen. An ihrem Ziel angekommen, hatte Virgilia zu kämpfen, um ihren Kummer unter Kontrolle zu halten. Sie schaffte es, bis sie am Friedhof angekommen waren, wo ihr Freund zur letzten Ruhe gebettet werden sollte.

Während seiner letzten Tage hatte Stevens lange über seine Grabstätte nachgedacht. Weil es in Lancaster keine prominenten Friedhöfe gab, die die Leichen von Negern zugelassen hätten, wählte er einen ärmlichen, kleinen Negerfriedhof. Nach seinem Wunsch sollte auf dem Grabstein stehen:

ICH HABE DIESEN ORT GEWÄHLT UM NOCH IN MEINEM TOD FÜR DIE PRINZIPIEN EINZUSTEHEN DIE ICH EIN LANGES LEBEN LANG GEPRIESEN HABE:

GLEICHHEIT FÜR JEDEN MENSCHEN VOR SEINEM SCHÖPFER

Als sie das sah, brach Virgilia in Tränen aus, ein gewaltiges Schluchzen entrang sich ihrer Brust, so wie vor langer Zeit, als sie allein Gradys Grab in der Nähe von Harpers Ferry besucht hatte. Scipio legte einen Arm um sie. Es tröstete sie, ebenso wie seine ruhigen Worte:

»Nur sehr wenige können von sich sagen, daß sie so gestorben sind, wie sie gelebt haben. Er war ein großer Mann.«

Virgilia preßte sich an ihn. Seine Hand hielt ihre Schulter fest umklammert; keiner von ihnen beachtete die erstaunten Blicke, die sie auf sich zogen. Sie war froh, daß seine Hand bei ihr war. Sie hoffte, es würde immer so sein.

Wie unverschämt sie doch sind - der >Klan<. In Gettys' Thunderbolt heißt es in einer kurzen Notiz, daß sie Freitagnacht eine Parade in Summerton veranstalten werden. Jeder, der gegen sie ist, wird gewarnt; wenn er sich nicht fernhält, riskiert er strenge Bestrafung.

Andy erklärte, daß er sich die Sache mal anschauen würde. Ich sagte nein. Er erwiderte, ich hätte über seine Entscheidungen nicht zu verfügen. Ich sagte, ich sei lediglich um seine Sicherheit besorgt, und bat ihn, mir zu versprechen, daß er auf M.R. bleiben würde. Ich wertete sein Schweigen als Zustimmung.

Die schwüle Dunkelheit des Sommers machte schlaff und gereizt. Jane saß an dem alten Tisch in ihrem Haus und deutete auf die Zeitung, die Andy gerade gelesen hatte; mit nervösen Bewegungen seiner Handfläche glättete er sie wieder und wieder, während er auf seiner Unterlippe herumkaute.

»Andy, da steht es. >Alle illoyalen weißen Männer und LigaAnhänger werden gewarnt, fernzubleiben.< Was hast du davon?«

»Ich will sie mir ansehen. Im Krieg haben die Generäle auf beiden Seiten den Feind stets ausgespäht.«

»Du hast Madeline dein Wort gegeben.«

»Ich habe geschwiegen. Das war kein Versprechen. Ich werde vorsichtig sein. Ich bin bald wieder zurück.«

Er küßte sie und schlüpfte aus dem Haus. Sie berührte ihre Wange. Wie kalt sich seine Lippen angefühlt hatten. Jane legte die Hände zusammen und preßte sie fest auf ihren Mund. Sie schloß die Augen. »Andy - Andy.« Furcht und Schrecken lagen in ihrem Flüstern.

Er schlug einen weiten Bogen durch die Sümpfe um Summerton herum, vertraute dabei darauf, daß er die begehbaren Pfade im Gedächtnis hatte. Nur einmal rutschte er knietief ins Salzwasser.

Es war eine wolkenlose Nacht ohne jeden Wind. Eine dichte Dunstschicht verschleierte den Mond. Die Luft war voller Mos-kitos und winziger Insekten, die sein Ohr mit dem Geräusch einer Kreissäge umschwirrten. Er hörte Stimmen und Gelächter, als er sich hinter Gettys' Laden an Summerton heranschlich.

Durch das Unterholz kroch er bis ans hintere Ende des DixieLadens. Von hier aus konnte er die vordere Veranda einsehen, auf der sich einige schlampige weiße Frauen herumdrückten. Eine hatte ihr Kleid vorne geöffnet. Ein mageres Baby saugte an ihrer linken Brust. Das Gespräch der Frauen war laut und obszön.

Auf der anderen Seite der Straße sah Andy ein paar Kinder im Staub sitzen, zusammen mit einem Paar der ärmeren Pächter aus dem Bezirk. Plötzlich verstummte das Gerede. Die weißen Leute richteten ihre Aufmerksamkeit auf etwas, was außerhalb seines Blickfeldes vor dem Laden geschah.

Schwitzend beschloß er, hinter eine gewaltige Eiche zu kriechen, die zehn Fuß von der Veranda entfernt stand. Dazu mußte er eine offene, hellerleuchtete Fläche überwinden, doch die Leute schauten alle in die andere Richtung, die Straße hoch. Er zählte bis drei und schoß los. Eine Frau auf der Veranda hörte ihn, doch bevor sie sich umgedreht hatte, drückte er sich bereits flach gegen die rauhe Borke des Baumstamms. Er hörte die Frau grunzen: »Wahrscheinlich irgendein Tier.«

Nach einer Zeit des Schweigens hörte er schwache, rhythmische Geräusche. Pferde oder Maultiere auf der staubigen Uferstraße. An der Kreuzung brüllte jemand: »Hurra! Da kommen sie.«

Andy schob seinen Kopf hinter dem Baumstamm hervor, bis er die jetzt hellerleuchtete Kreuzung gut einsehen konnte; die Hälfte der Neuankömmlinge trug rauchende Fackeln bei sich.

Er wußte nur, daß es sich um Männer handeln mußte, mehr konnte er nicht erkennen. Sie trugen Roben und Kapuzen mit Löchern für die Augen. Die Kostüme waren aus irgendeinem glänzenden, blutfarbenen Stoff genäht. Er klammerte sich an den Stamm und beobachtete mit angehaltenem Atem weiter.

In Einerreihe ritten sie auf die Kreuzung. Der Anführer hatte seine Robe auf der rechten Seite hochgezogen und hinter seinen Gürtel gestopft, in dem Patronen schimmerten. Der Kolben seines in einem Halfter steckenden Revolvers pendelte frei. Bei den anderen Reitern entdeckte Andy alte Flinten, ein antikes Sponton, sogar einige Säbel.

Die Hufe wirbelten Staub auf. Die Reiter umkreisten die Lichtung wieder und wieder; das Ganze wirkte um so erschreckender, weil es vollkommen lautlos geschah. Selbst die weißen Schlampen und die Pächter schauten eingeschüchtert drein.

Der Anführer brachte sein Pferd vor dem Dixie-Laden zum Stehen. Jetzt erst bemerkte Andy etwas, das er zuvor nicht gesehen hatte. Der zweite Mann schleppte auf seinem Sattel eine Art Holzkiste mit, teilweise unter seiner Robe verborgen. Die Kiste schien rechteckig zu sein, ungefähr zwei Fuß lang, und bestand aus rohem Pinienholz.

Der Führer hob ein altes Hörrohr, wie es von Schwerhörigen benutzt wurde, an den Mund und sprach hinein. Seine Stimme klang dadurch blechern und verzerrt.

»Die Ritter des Unsichtbaren Reiches versammeln sich. Feinde des weißen Rittertums, hütet euch. Eure Tage sind gezählt. Euer Tod ist gewiß.«

Das war billiger Kitsch, darüber war sich Andy im klaren.

Eine kindische Maskerade. Doch er konnte in die Herzen, wenn schon nicht in die Gesichter der Kapuzenmänner sehen. Sie waren entschlossen und voller Haß.

»Teilt es allen mit«, bellte der Anführer durch das verbeulte Rohr. »Hier ist der erste, der unseren Zorn zu spüren bekommen wird.«