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Der zweite Reiter warf die Kiste zu Boden. Der Deckel sprang auf. Eine Art Puppe kam zum Vorschein.

Der Führer gab ein Zeichen, und die Reihe der Reiter setzte sich in Bewegung. Andy entschied, daß er genug gesehen hatte. Er schlich sich durch die Yuccas zurück auf das dichte Gebüsch zu, aus dem er aufgetaucht war. Sein Fehler war, daß er über die Schulter schaute, um die Klansmänner im Auge zu behalten.

Er trat zu nahe an eine Yuccapflanze heran. Die Spitze eines langen Blattes stach durch seine Hose in sein Bein, und er stieß einen Schmerzensschrei aus, nicht sehr laut, aber doch ausreichend, um die Aufmerksamkeit der Reiter auf sich zu lenken. Jemand brüllte etwas, Gewehre und Revolver wurden hochgerissen. Der Anführer deutete auf den Schwarzen, der auf die Bäume zurannte.

Spitze Blätter bohrten sich in seine Beine, als zwei Kapuzenmänner auf ihn zugeritten kamen. Keuchend rannte Andy schneller, hinaus aus dem Yuccagebüsch. Ein Musketenkolben knallte gegen seinen Schädel und warf ihn auf die Knie.

Die Männer stiegen ab und schleppten ihn zur Veranda. Die weiße Frau, die das Baby gestillt hatte, beugte sich vor und spuckte ihn an. Sie stießen ihn vor das Pferd des Anführers.

»Nigger wurden vor dieser Versammlung gewarnt«, dröhnte der Anführer durch das Hörrohr. Er war eine erschreckende Gestalt, wie er so hoch über Andy aufragte in einer Robe, die in Flammen zu stehen schien. »Nigger, die dem Unsichtbaren Reich trotzen, bekommen, was sie verdienen.«

Ein anderer Klansmann zog ein gewaltiges Jagdmesser hervor. Die Klinge blitzte, als er das Messer drehte. »Reißt ihm die Hosen runter. Du bist erledigt, Boy. Aus Niggerköpfen und Niggereiern kochen wir Suppe.«

»Nein.« Der Anführer schlug mit dem Hörrohr durch die Luft.

»Er soll den anderen erzählen, was er hier gesehen hat. Zeigt ihm den Sarg.«

Ein Mann riß Andys Kopf herum, so daß er die auf dem Boden stehende offene Kiste sehen konnte. Durch das Samtkleid der groben Maishülsenpuppe in der Kiste hatte man eine Kugel gejagt. Der Führer deutete auf geschwärzte Buchstaben, die in den Sarg gebrannt worden waren. Krumme Buchstaben, aber lesbar.

»Einer soll ihm vorlesen, was da steht.«

»Ich kenne diesen Nigger«, sagte ein anderer Klansmann. »Er ist ein Mont-Royal-Nigger. Er kann selber lesen.« Obwohl der Sprecher versuchte, seine Stimme rauher klingen zu lassen, erkannte Andy doch Gettys.

Er war so verängstigt, daß ihm alles vor Augen verschwamm.

Er mußte seine inneren Muskeln krampfhaft anspannen, um sich nicht in die Hosen zu machen. Der Anführer dröhnte: »Also gut. Du erzählst dieser Frau, was du hier gesehen und gelesen hast, Nigger.« Wieder gab er ein Zeichen. Andy wurde losgelassen und erhielt einige Tritte.

Er taumelte los. Ein Revolver knallte viermal. Jedesmal zuckte er in der Erwartung, getroffen zu werden, heftig zusammen. Er rannte weiter, an den Yuccas vorbei auf den Wald zu. Zum Glück fiel er nicht. Er drehte sich um, als er die Bäume erreichte; bläulicher Pulverdampf trieb über den Kapuzenmännern. Sie lachten über ihn. Er rannte in die Dunkelheit hinein.

Konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Andy hat den Klan gesehen und was sie in den Sargdeckel gebrannt haben, dessen Inhalt ihr beabsichtigtes Opfer repräsentieren sollte. Er hat es mir aufgeschrieben, mit zitternder Hand, während der Schweiß von seiner Stirn auf das alte braune Papier tropfte:

>Zum Tode verurteilt und hingerichtet<

die Niggerin

MAIN

44

An diesem Tage erwachte Charles eine Stunde später als üblich - um fünf Uhr nachmittags. Er griff unter sein Feldbett, entkorkte die Flasche und nahm den ersten Schluck, bevor er aus dem Bett stieg. Es war für ihn zur Gewohnheit geworden, den Tag so zu beginnen.

Es war Mitte August. Gleich hinter seinem Arbeitsplatz stand die Hütte, in der er schlief; sie war heiß und stickig. Und laut. Cowboys aus Texas brüllten und stampften auf dem Tanzboden des Hauptgebäudes herum, während der Professor auf dem brandneuen Fenway-Klavier des Etablissements eine Polka spielte.

Nach dem zweiten Schluck erhob er sich widerstrebend. Angekleidet war er bereits; für gewöhnlich schlief er in seinen Sachen. Er hatte eine zwölfstündige Nachtschicht als Rausschmeißer in >Trooper Nell's< vor sich. >Nell's< war eine gut florierende Tanzhalle mit Zimmern im ersten Stock für die Huren und deren Kunden. Sie lag in der Texas Street, zwischen Applejack und Pearl, südlich der Eisenbahnlinie. Wenn er aufmerksam lauschte, konnte er die Pferde und Kutschen hören, die die ausbezahlten Viehtreiber in den weniger respektablen Teil von Abilene brachten.

>Trooper Nell's< schloß niemals. Abilene blühte auf und entwickelte sich schnell zu der beliebtesten Verladestation in Kansas. Joe McCoy, ein bescheidener Farmerjunge aus Illinois mit einem gut entwickelten Geschäftssinn, hatte alles auf eine Karte gesetzt und gewonnen. Letztes Jahr hatte McCoy in seiner ersten Saison mit seinem zweihundertfünfzig Acres großen Komplex aus Pferchen und Rampen ungefähr fünfunddreißigtau-send Stück Texasvieh an Bord der U.P.E.D. verladen. Diese zweite Saison versprach das Doppelte. Trotz der Probleme mit den Indianern während des Sommers strömten die Herden bei Humbarger's Ford im Süden der Stadt durch den Smoky Hill. Fast jede Nacht mußte Charles auf zahlreiche freigiebige, saufende Cowboys aufpassen, sobald sie außer Rand und Band gerieten. Der Sheriff von Dickson County tat wenig. Er war von Beruf Kolonialwarenhändler, der mit Rowdies nicht umgehen konnte.

Charles benützte seine Finger, um seinen langen Bart zu entwirren. Von einem Stuhl mit einem abgebrochenen Bein nahm er die Segeltuchhülle, die er selbst genäht hatte, und schob die Spencer hinein. Das Gewehr und der tiefgeschnallte Colt dämpften für gewöhnlich die Kampfeslust der Cowboys. Das hatte er von Wild Bill gelernt, der mittlerweile in Kansas zur Legende geworden war. Manchmal trug Hickock bis zu fünf Waffen plus ein Messer bei sich. Auf diese Weise schüchterte er Männer ein, anstatt sie töten zu müssen. Charles hatte Wild Bill schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen; es hieß, er würde als Meldereiter für die Armee arbeiten.

Es war Charles' Pech, daß er nicht auch so einen Posten bekommen hatte. Seit seiner Entlassung aus dem Zehnten Regiment hatte er keinen Indianer mehr zu Gesicht bekommen.

Und dieses Jahr war wirklich dafür geeignet. Die Stämme hatten ganz friedlich überwintert. Doch dann hatten sich die Politiker über die Höhe der Jahreszahlungen entsprechend den bei Medi-cine Lodge Creek ausgehandelten Bedingungen nicht einigen können. Nahrungsmittel, Gewehre und Munition wurden ebenfalls nicht ausgegeben. Im Frühling dann hatten sich die wütenden Comanchen in Texas auf den Kriegspfad begeben. Dann waren die Cheyenne unter Großer Bulle, Narbengesicht und anderen Kriegshäuptlingen in Kansas eingefallen, angeblich um ihre alten Feinde, die Pawnee, anzugreifen. Doch bald schon richteten sie ihre Feindseligkeiten gegen die Weißen.

Agent Wynkoop konnte die Friedenshäuptlinge unter Kontrolle halten, aber nicht die jungen Männer. Sheridan befand sich in Schwierigkeiten. Er verfügte lediglich über 2.600 Infanteristen und Kavalleristen, mit denen er den Überfällen Einhalt gebieten sollte. Er sandte Comstock und Grover, zwei erfahrene Scouts, aus, um den Frieden mit den Cheyenne wiederherzustellen. Eine Indianergruppe hieß die beiden Männer willkommen und fiel dann ohne Warnung über sie her; Comstock wurde ermordet und Grover schwer verwundet, bevor er flüchten konnte. Die Hinterhältigkeit überraschte Charles nicht.

Er haßte es, daß er diesen Schauplätzen so fern war. Doch er kannte keinen Trupp, der gegen die Indianer kämpfte und ihn aufnehmen würde, und er war nicht närrisch genug, um allein als einsamer Scharfrichter loszuziehen. Also arbeitete er in Abi-lene und trank, während Zorn und Frustration in seinem Inneren wuchsen.