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»Mit den besten Empfehlungen des >Wählt-Grant-zum-Präsi-denten<-Clubs dieses Postens, Sir.«

Charles betrachtete das Flugblättchen mit der Gravur des Kandidaten. »Nein, danke.« Er gab es zurück.

»Sir, es ist die Pflicht eines jeden verantwortungsbewußten Bürgers zu wählen.«

»Ich hab' anderes zu tun«, sagte Charles. Der Junge mit der dunkelblauen Kappe sah seine Augen und verstummte.

Charles striegelte und fütterte Satan, dann legte er sich in den Ställen von Fort Dodge schlafen. Am nächsten Morgen versorgte er sich mit frischem Proviant und brach zu dem Lager der Siebten Kavallerie am Nordufer des Arkansas auf, ungefähr zehn Meilen südlich des Forts. Immer noch wirbelten Schneeflocken aus dem schiefergrauen Himmel; bald schon war er wieder bis auf die Knochen durchfroren. Er hielt sich bei Laune, indem er die kleine Melodie pfiff, die ihn an zu Hause erinnerte.

Camp Sandy Forsyth war nach dem Kommandeur der Rächer Salomons benannt worden. Durch die Düsternis der frühen Dämmerung sah Charles die Lichter schimmern. Der Wachposten, der ihn anrief, meinte, er habe Glück gehabt, daß er nicht ein paar Cheyenne in die Hände gefallen war, die sich in letzter Zeit in der Nähe des Lagers herumgetrieben hätten. Charles zuckte die Achseln und sagte, er habe kein Anzeichen von Indianern gesehen. Er hatte so viel Pech gehabt, dachte er, da konnte er ruhig auch mal ein bißchen Glück haben.

Mit Erlaubnis des Unteroffiziers vom Dienst schlug er sein Nachtlager im Wagenpark auf. Nachdem er etwas Zwieback gekaut hatte, zog er die Ohrenklappen seiner Bisammütze herunter, sicherte sie mit einem Kinnriemen und rollte sich in seine Decken. Er war durstig, aber das Wasser in seiner Feldflasche war gefroren. Er fühlte sich müde, allein, deprimiert.

Was er dann kurz vor dem Wecksignal sah und hörte, brachte sein Blut allerdings wieder in Wallung. Gewehrfeuer im gleichmäßigen Rhythmus von Schießübungen zog ihn auf die andere Seite des Zeltlagers. Er entdeckte ein Dutzend Kavalleristen, die auf Holzschießscheiben feuerten. Er erkundigte sich bei einem alten Veteranen mit drei Streifen, was hier vor sich ging.

»Wenn wir auf die Wilden stoßen, dann will Old Curly auch sicher sein, daß wir sie niedermachen. Diese Jungs hier sind einige von den vierzig Mann, die er für seine Elitetruppe ausgesucht hat. Scharfschützen. Leutnant Cooke führt das Kommando.«

Charles setzte seinen Spaziergang fort. Das ganze Lager summte vor Aktivitäten, ein sicheres Anzeichen für einen größeren Feldzug. Er zählte zwanzig Versorgungswagen und vierzig Ochsen.

Hämmer knallten auf heiße Ambosse; Charles sah ein halbes Dutzend Hufschmiede, die damit beschäftigt waren, eine ganze Menge Pferde neu zu beschlagen. Die Kapelle der Siebten übte nach den Klängen von >Garry Owen<. Ihre grauen Pferde erinnerten ihn an Sport.

Im Laufe des Nachmittags kamen ein weiteres halbes Dutzend Wagen an. Kurz nach fünf Uhr durfte er das große Zelt von Custer betreten.

»Still, Maida.« Custer tätschelte den großen Hirschhund, der bei Charles' Anblick knurrend aufgesprungen war. Der General wusch sich gerade die Hände; das Wasser in der Schüssel war immer noch klar, als er damit fertig war. Custer trocknete sich die Hände und kam voller Energie auf ihn zu; sein Lächeln ließ die Zähne unter dem rötlich-goldenen Schnurrbart aufblitzen. Blaue Augen funkelten über den scharfen Bogen seiner Backenknochen. Als sie sich die Hände schüttelten, roch Charles das Zimtöl auf Custers Locken.

»Mr. Main. Ich habe Sie erwartet. Bitte setzen Sie sich.«

»Jawohl, Sir, General. Danke.« Charles setzte sich auf einen Segeltuchstuhl. Auf Custers vollem Schreibtisch bemerkte er Zeitungen aus dem Osten. Eine mit schwarzer Tinte eingekreiste Schlagzeile stach ihm ins Auge. Sie hatte irgendwas zu tun mit Grants Präsidentschaftskampagne.

Custer musterte ihn, die Ellenbogen auf den Schreibtisch gestützt. Charles mußte sich selbst erst wieder klarmachen, daß dieser weltberühmte Soldat noch keine dreißig Jahre alt war.

»Wir sind uns irgendwo schon mal begegnet«, sagte Custer.

»Sie haben recht, General. Wir standen uns auf verschiedenen Seiten bei Brandy Station gegenüber.«

»Das ist es.« Custer lachte. »Ich erinnere mich, Sie haben mich ganz schön ins Schwitzen gebracht. Welche Einheit?«

»Wade Hamptons Legion.«

»Feiner Kavallerieoffizier, Hampton. Ich habe Südstaatler schon immer gemocht.« Custer schlug eine Akte auf. »Sie kennen das allgemeine Ziel unserer Expedition, nehme ich an. Wir haben den Feind aufzuspüren und anzugreifen, wenn er es am wenigsten erwartet; dabei versuchen wir, so viele Krieger wie nur irgend möglich zu töten. Um den Satz von Senator Ross zu benützen: Wir haben vor, uns den Frieden zu erobern.«

Charles nickte. Custer überflog ein Aktenblatt. »Die Armee muß eine gewisse Anziehungskraft für Sie besitzen. Wie ich sehe, haben Sie zweimal versucht, wieder reinzukommen, jedesmal unter einem anderen Namen.«

»Ich habe nichts anderes gelernt, General. Ich kam einige Jahre vor Ihnen nach West Point. Jahrgang '57.«

»Steht hier. Ich graduierte '61 durch die Gnade Gottes und den Fall von Fort Sumter.« Er schloß die Akte. »Kennen Sie das Indianerterritorium?«

»Ihr Milner hat mich das schon gefragt. Ich war über ein Jahr mit ein paar Handelspartnern dort, die dann von den Cheyenne niedergemetzelt wurden.«

Die blauen Augen nagelten Charles fest. »Sie würden also nicht zögern, wenn es darum geht, Wilde zu töten?«

»Nein, keine Sekunde.«

Doch irgend etwas störte ihn an seiner Antwort. Er entschied, der Grund dafür sei der, daß man Schwarzer Kessel in Fort Cobb die Zuflucht verweigert hatte. Nun, die Chancen standen gut, daß die Expedition die Tipis des Friedenshäuptlings verfehlen würde. Das Indianerterritorium war ein weites, leeres Land.

»Griffenstein hat Sie für diesen Feldzug empfohlen. Sie beide haben zusammen gejagt?«

»Jawohl, Sir. Wir haben für Buffalo Bill Cody gearbeitet.«

»Sprechen Sie Cheyenne?«

»Einigermaßen.«

»Ich habe einen Mexikaner, der bei dem Stamm aufgewachsen ist. Sie können ihn unterstützen.« Er machte sich eine Notiz. »Jetzt zurück zu Ihren Erfahrungen. Wie gut kennen Sie das Indianerterritorium?«

»Ich habe Milner die exakte Wahrheit gesagt. In einem Teil davon bin ich gewesen. Jeder Mann, der mehr behauptet, ist ein Lügner. Der ganze westliche Teil ist nie systematisch erforscht worden. Die Salt-Gabelung vom Arkansas, die Canadiens - weiße Männer haben Abschnitte davon gesehen, das ist alles.«

»Das ist nur fair. Aufrichtigkeit ist mir lieber als Lügen.«

Nach ein paar weiteren Fragen nickte Custer. »Okay, Sie sind dabei. Ihre Befehle nehmen Sie von Milner oder von mir entgegen. Bei der ersten Befehlsverweigerung werden Sie diszipliniert.«

Ein Muskel an Charles' Kiefer zuckte. Er wußte Bescheid über Custers berühmte Disziplinarverfahren. Darin enthalten waren solch illegale Bestrafungen wie kahlrasieren, auspeitschen, einsperren in eine Grube - und dann gab es natürlich noch Cu-sters Befehl an seine Untergebenen, Deserteure zu erschießen.

Charles' Zögern ärgerte Custer. »Hab' ich mich irgendwie unklar ausgedrückt, Mr. Main?«

»Nein, Sir. Alles klar.«

»Gut«, sagte Custer nicht mehr ganz so freundlich.

Charles wertete das als Entlassung. Im Aufstehen stieß er versehentlich den Zeitungsstapel vom Schreibtisch. Als er die Zeitungen von dem gefrorenen Boden aufsammelte, bemerkte er einige andere mit Tinte markierte Artikel. »Sie müssen sich für Politik interessieren.«

Custer warf ihm einen kalten Blick zu, während er sich erhob und seine Fransenhandschuhe anzog. »Ich mache kein Geheimnis daraus. Ich behalte General Grants Wahlkampagne genau im Auge, da einige bedeutende Leute im Osten vorgeschlagen haben, ich sollte in Erwägung ziehen, ebenfalls zu kandidieren. Der Schritt von einem militärischen Sieg zur Präsidentschaft ist nicht so groß, vorausgesetzt, es ist ein wichtiger Sieg, der genügend Schlagzeilen bekommt.« Charles fragte sich, wie stark das die Taktik beim Feldzug beeinträchtigen mochte.