Alles vorbei. Grant ist gewählt. Im Dixie-Land hat Seymour lediglich Louisiana und Georgia hinter sich gebracht. Jeder in Frage kommende Mann auf M.R. hat gewählt, worauf ich sehr stolz bin ...
Theo war zum Abendessen da. Ist gegangen, kurz bevor ich mich zum Schreiben dieser Zeilen niedersetzte. Zum erstenmal schnitten er und M.-L. das Thema Heirat an. Ich habe nichts dagegen, aber sie ist Coopers Kind. Wie lange kann ich es wagen, einer Sache Vorschub zu leisten, die mit Sicherheit viel Unfrieden - muß Schluß machen. Lärm draußen ...
Hintereinander bogen die Reiter von der Uferstraße in den Weg. Ein bläßlicher Mond ließ die Läufe ihrer Waffen aufschimmern.
Langsam und leise ritten sie unter den Bäumen hindurch und dann um das weiße Haus herum. In einer Reihe bauten sie sich vor der Eingangstür auf. Im Mondlicht schimmerten ihre Roben und Kapuzen fast schwarz. Die Gucklöcher reflektierten überhaupt kein Licht.
Der Reiter in der Mitte hob seine alte Flinte. Der Mann rechts von ihm sah das Signal, riß ein Streichholz an seinem Absatz an und hielt es an die ölgetränkte Fackel, die sofort aufflammte und das halbe Dutzend Reiter beleuchtete.
»Ruft sie heraus«, sagte der Mann ganz rechts in der Reihe. Der Reiter saß dicht unter den tiefhängenden Ästen einer riesigen, knorrigen Eiche auf seinem Pferd. Der obere Teil des Eichenstammes war unter Moos verborgen. Irgendein Vogel oder Eichhörnchen bewegte sich dort mit leisem Rascheln. Der Reiter spähte nach oben, konnte aber nichts erkennen.
Der Mann in der Mitte hob ein altes Hörrohr. Plötzlich flog die Haustür auf, und Madeline trat heraus; ihre linke Hand griff nach dem Seil der Schiffsglocke.
»Bleib stehen«, befahl der Mann mit dem Hörrohr und der Flinte. Madeline sah blaß aus, als sie den alten Männermorgenrock vorn zusammenraffte. Hinter ihr tauchten die stämmige Schullehrerin und dann Marie-Louise auf.
»Wir sind die Ritter des Unsichtbaren Reiches«, sagte der Mann in der Mitte. Sein nervöses Pferd scheute.
Madeline überraschte sie alle durch ihr Lachen. »Ihr seid kleine Jungs, die ihre Gesichter verstecken, weil sie Feiglinge sind. Ich erkenne Ihre langen Beine, Mr. LaMotte. Haben Sie wenigstens soviel Anstand, die Kapuze abzunehmen und sich wie ein Mann zu benehmen.«
Ein Klansmann auf der linken Seite raffte seine Robe hoch und griff mit beiden Händen nach den Kolben seiner Revolver. »Bringen wir das verdammte Miststück um. Ich bin nicht hier, um mit einer Niggerin zu diskutieren.«
Der Mann in der Mitte hob seine Flinte, um den Sprecher zum Schweigen zu bringen. Zu Madeline gewandt, sagte er: »Sie haben vierundzwanzig Stunden, um den Bezirk zu verlassen.« Die Fackel knisterte. Ein klickendes Geräusch ertönte, ein Gewehr wurde durchgeladen, und eine Stimme rechts hinter der Linie der Reiter dröhnte:
»Nein, Sir. Noch nicht.«
Alle drehten sie sich um; Madelines Blick flog zu dem bemoosten Baum. Ein stämmiger Schwarzer mit rundem Gesicht war auf einem dicken Ast zu sehen, der sich unter seinem Gewicht durchbog. Er stemmte die Schultern gegen einen höheren Ast, damit er beide Hände fürs Gewehr frei hatte. Madeline erkannte den sanften, zurückhaltenden Foote. Sie hatte nicht gewußt, wer heute nacht Wache hatte.
»Ich denke, ihr kehrt besser um und reitet davon«, sagte Foote.
»Jesus, das ist bloß ein Nigger«, protestierte der Mann mit den zwei Revolvern.
»Ein Nigger mit einem Repetiergewehr«, sagte ein anderer Klansmann. »Ich würde nichts überstürzen, Jack.«
»Keine Namen«, rief der Mann in der Mitte.
Marie-Louise wisperte an Madelines Schultern:
»Es ist Mrs. Allwicks Tanzlehrer. Ich kenne seine Stimme.«
Madeline nickte mit zusammengepreßten Lippen. Der Mann in der Mitte fing an: »Madam!« Madeline sprang vor und versuchte ihm die Kapuze vom Kopf zu reißen.
Sein Pferd tänzelte seitlich weg. Er schlug mit der Flinte nach Madeline, aber sie ließ sich nicht abhalten. Wieder sprang sie mit ausgestreckter Hand nach der Kapuze. Diesmal riß sie sie herunter. Des LaMottes Gesicht wurde rot vor Wut.
»Na endlich. Der berüchtigte Mr. LaMotte. Und mir bleibt von Ihrem Besuch wenigstens ein Souvenir.« Sie hielt die Kapuze in die Höhe.
Alle hatten nur Augen für sie - die beiden anderen Frauen und die Klansmänner und Foote auf dem durchsackenden Ast. Währenddessen hatte unbemerkt von allen anderen der eine Klansmann seine beiden Revolver gezogen. Er beugte den rechten Arm, legte den Lauf seines linken Revolvers darauf und drückte ab.
Der Revolver donnerte los. Die Pferde wieherten und bockten. Foote bekam die Kugel in den linken Oberschenkel, wurde von dem Ast gefegt und verschwand hinter dem bemoosten Stamm.
»Foote!« schrie Madeline und rannte an den Pferden vorbei auf ihn zu. Vor ihr trieb der Reiter, der dem Baum am nächsten war, seinen Gaul unter die Zweige. Ein weiterer Schuß dröhnte. Madeline stoppte brüsk. »Foote!«
»Haltet die andere auf!« brüllte der Klansmann mit den Zwillingsrevolvern. Jack Jolly riß sich die Kapuze vom Kopf und zielte auf Prudence, die nach dem zweiten Schuß hinausgestürzt war. Die entstellende Narbe leuchtete weiß in seinem Gesicht.
Jolly zögerte einen Moment, einer weißen Frau eine Kugel zu verpassen. Dieses Zögern nutzte Prudence aus, um nach dem Glockenseil zu greifen. LaMottes Schrei ging in dem hallenden Gedröhne unter. Ein anderer Mann brüllte: »Das war's! Verschwinden wir!«
LaMotte schrie, die Augen ganz glasig vor Verwirrung, Madeline zu: »Sie haben vierundzwanzig Stunden. Verschwindet. Alle. Diese Lehrerin, die Niggermiliz ...«
Etwas in Madeline zerbrach. Wieder rannte sie auf LaMottes Pferd zu, packte es am Zügel und schrie ihn mit der Stimme eines Dockarbeiters an: »Den Teufel werde ich! Das ist mein Land. Mein Zuhause. Ihr seid nichts weiter als ein Haufen Feiglinge, die sich fürs Varieté verkleidet haben. Wenn ihr mich von Mont Royal runter haben wollt, dann müßt ihr mich schon umbringen. Anders werdet ihr mich nicht los.«
Das Pferd des Klansmanns links außen begann zu stampfen. LaMotte warf seinen Männern besorgte Blicke zu. Jolly tobte vor Wut. »Wenn du Angst hast, eine Niggerin umzubringen, ich hab' keine.« Mit beiden Leech & Rigdons zielte er grinsend auf Madeline. »Hier hast du das Ticket ohne Rückfahrkarte zum Bahnhof Hölle.«
Der Kapuzenmann neben ihm schlug ihm den Bruchteil einer Sekunde, bevor der Revolver losdonnerte, die Arme nach oben. Eine Kugel fuhr in die Dachschindeln, die andere irgendwo in die Dunkelheit. Die Klansmänner waren jetzt in Panik, waren allerdings kaum verängstigter als Madeline, die sich mit dem Rücken gegen das Haus geworfen hatte, überzeugt davon, daß eine der Kugeln sie treffen würde.
»Das dulde ich nicht«, sagte der Mann, der Jolly eben gehindert hatte.
Voller Verblüffung hörte Madeline zum erstenmal diese Stimme.
»Vater Lovewell? Mein Gott.«
»So tief werde ich nicht sinken«, sagte er. Jolly richtete die Revolver auf ihn. Unbeirrt griff der Priester wieder nach seinen Armen. »Schluß damit, Jolly. Ich lasse es nicht zu, daß Frauen ermordet werden, nicht mal eine Farbige.«
»Du frömmelnder Scheißkerl!« schrie Jolly und riß einen seiner Arme aus der Umklammerung. Er zielte auf Vater Lovewells Kapuze. Wieder schlug der Priester gegen Jollys Arm, bevor sich der Schuß löste. Die Kugel wirbelte unter dem Bauch von Vater Lovewells Stute eine Staubfontäne auf. Als Antwort auf die Glocke riefen draußen in der Dunkelheit Männer durcheinander.
Vater Lovewell entriß Jolly einen Revolver. Jolly brachte seine andere Waffe in Anschlag. Sein nervöses Pferd stieg hoch und zwang ihn, mit dem Schuß noch zu warten. Vater Lovewell umklammerte mit beiden Händen den Revolver und drückte ab.