Выбрать главу

»Da ist was«, sagte Charles leise. Er deutete auf einen orangefarbenen Fleck, kleiner und schwächer als jene, die sie gesehen hatten, als sie Elliott entdeckten. Dutch Henry zog seine beiden Revolver und spannte sie. Charles hielt seine Spencer bereit.

Die Scouts trieben ihre Pferde zwischen die Bäume. Charles roch den Rauch jetzt deutlich. Das Feuer im Windschatten einiger dorniger Büsche war so gut wie erloschen.

Satan witterte etwas Merkwürdiges, das ihm nicht gefiel. Charles tätschelte den Schecken, um ihn zu beruhigen. Als er mit einem Stock in dem Feuer stocherte, flammte die Glut auf; in dem Schein konnten sie den Boden erkennen. Es war eine aufgewühlte Masse aus Schnee und Matsch. Er trat in einen noch weichen Pferdeapfel. Das Aroma vermischte sich mit dem des Feuers.

»Eine Ponyherde hat hier tagsüber zu grasen versucht, Henry. Ich verwette mein Leben, daß die Pferdewächter dieses Feuer hier unterhalten haben.«

»Also können wir nicht weiter als zwei, drei Meilen vom Dorf entfernt sein?«

»Richtig. Aber wessen Dorf?«

»Spielt das eine Rolle?«

Die Frage brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Das Unbehagen kehrte verstärkt zurück. Kleiner Biber begann schlurfend zu tanzen und dazu leise zu murmeln und zu singen. Er witterte den bevorstehenden Kampf.

»Ich bring' dem General die guten Nachrichten«, sagte Dutch Henry und zog sein Pferd herum.

Custer schickte die beiden Scouts zu Fuß erneut vor. Charles' Mund fühlte sich wie ein ausgetrockneter Gully an. Sein Pulsschlag hämmerte schmerzhaft bis in seine Kehle.

»Vorsicht. Das schaut wie ein Steilabfall aus«, warnte Dutch Henry. Auf dem Bauch schoben sie sich bis an die Kante vor. Ein steiler Abhang lag vor ihnen; schwierig für die Pferde, wenn auch nicht unmöglich.

Sie starrten hinunter in das Tal eines seichten Flusses. »Muß der Washita sein«, sagte Dutch Henry. Der Fluß lag direkt unter ihnen da, im Mondlicht silbern leuchtend. Er verlief ungefähr von Ost nach West. Links von ihnen, ungefähr zwei Meilen östlich, schlug der Fluß einen Bogen nach Norden und verschwand hinter einigen Hügeln.

Hinter einer offenen Fläche auf der anderen Seite des Flusses deutete eine dunkle Masse auf dichteren Wald hin. Trotz des strahlend hellen Mondes und des unglaublichen Sternengefun-kels war sonst kaum etwas zu erkennen. Charles schnüffelte. Auch Dutch Henry roch den Rauch von der anderen Flußseite her.

Drüben im Wald bellte ein Hund. Charles hätte es beinahe die Haare aufgestellt. Ein paar Sekunden später hörte er das Schreien eines Babys.

»Von hier oben kann man die Zelte nicht sehen«, sagte Dutch Henry. »Wenn ich tiefer gehe, kann ich sie vielleicht als Silhouette gegen den Himmel erkennen.«

Er kroch den Hang hinunter; Charles blieb zurück, den stärker werdenden Rauch in der Nase. Ein leises Klirren zeigte ihm plötzlich die Ponyherde, eine dunklere Masse, die von dem Wald fortströmte.

Kurz darauf kam Griffenstein wieder hochgekrochen. »Wir haben sie«, flüsterte er. »Die Tipis stehen da hinten zwischen den Pappeln. Ungefähr fünfzig. Gehen wir.«

Während sie sich davonstahlen, dachte Charles: Fünfzig. Aber zu wem gehören sie?

Custer hielt seine Taschenuhr ins Mondlicht. »Ungefähr dreieinhalb Stunden bis zur Morgendämmerung. Dann schlagen wir zu. Main, rufen Sie die Offiziere zusammen.«

In wenigen Minuten hatten sich alle versammelt. Custer teilte ihnen schnell mit, daß sie den Kriegstrupp bis zum Dorf verfolgt hatten, das sie im Morgengrauen angreifen würden. Char-les konnte hören, wie sich allgemeine Erregung ausbreitete. Ve-nable vergaß sogar, ihm einen seiner einschüchternden Blicke zuzuwerfen.

Mit unverhohlener Begeisterung entwarf Custer sofort einen improvisierten Plan. Er teilte seine siebenhundert Männer in vier Abteilungen auf, wobei drei davon die Hauptkolonne unterstützen sollten, die den Angriff von dem Abhang aus, von dem Charles und Griffenstein das Dorf beobachtet hatten, führen würde. Eine der Abteilungen sollte, falls möglich, einen vollständigen Bogen um das Dorf schlagen. Mit den ersten Klängen der Kapelle würde der allgemeine Angriff erfolgen. El-liotts und Thompsons Abteilungen sollten augenblicklich zu ihren Positionen aufbrechen.

»Die Männer, die hierbleiben, können absitzen. Ich möchte kein Wort hören, das über ein Flüstern hinausgeht. Ansonsten kein Geräusch. Niemand läuft herum, niemand stampft mit den Füßen, selbst wenn er am Erfrieren ist. Keine Streichhölzer dürfen für Pfeifen oder Zigarren angerissen werden. Jeder Mann, der diesen Befehlen nicht gehorcht, wird sich bei mir persönlich verantworten müssen. Venable, tun Sie mir einen Gefallen! Bringen Sie Maida und Blucher nach hinten, und übergeben Sie sie der Obhut von Sergeant Major Kennedy, bis wir abmarschieren.«

Venable gefiel dieser untergeordnete Auftrag ganz und gar nicht, doch er widersprach nicht, sondern stieß lediglich einen leisen Pfiff aus. Die gut dressierten Hirschhunde folgten ihm. Custers Fransenhandschuh faßte mit einer Bewegung die anderen Hunde in der Nähe der Offiziere zusammen. »Main, Sie töten zusammen mit Griffenstein diese Streuner.«

Charles hatte das Gefühl, als hätte jemand ihm eine Nadel in den Kopf gebohrt. »Wie bitte, Sir?«

»Sie haben mich gehört. Wir wollen die Überraschung auf unserer Seite haben. Diese Hunde könnten uns verraten. Schafft sie uns vom Halse, auf der Stelle.«

Charles starrte, und Custer gab den Blick zurück, seine Augen schwarze Höhlen in der Düsternis. Dutch Henry legte Charles einen Handschuh auf die Schulter, entweder um ihn zu besänftigen oder um ihn zurückzuhalten. Captain Hamilton brachte die Dinge in Gang, indem er einigen Lieutenants befahclass="underline" »Holt Seile. Wir binden ihnen vorher die Schnauzen zu.«

Charles sprang in der Absicht auf Old Bob zu, ihn zu packen und nach hinten zu tragen. Custer schnappte: »Nein. Ich sagte, alle Hunde.«

»Ich tu's nicht.«

Custer warf ihm einen langen Blick zu. »Wir kriegen ein weiches Herz, was? Überwinden Sie das, bevor wir das Dorf angreifen.« Er stolzierte davon; seine winzigen Goldsporen blitzten im Mondschein.

»Geh weg. Schau nicht zu«, flüsterte Dutch Henry.

Die Lieutenants kamen mit den Seilen angerannt. Die Männer umzingelten die insgesamt zehn Hunde, und nach einigen Kämpfen und Jagden lagen alle gefesselt mit zusammengebundenen Schnauzen da. Charles ging ein Stück in den Wald und lehnte sich gegen einen Baum, das Gesicht dem Dorf zugewandt. Er hörte das Klirren, als die Säbel gezogen wurden. Dann ein rasendes Japsen, obwohl die Fesseln die Lautstärke dämpften. Das Japsen hielt eine Weile an, ebenso wie das Geräusch der Pfoten, die wie wahnsinnig in den verkrusteten Schnee schlugen. Charles wußte nicht, wer Old Bob die Kehle durchgeschnitten hatte, doch er sah den schlaffen, gelblichen Leib auf einem Haufen mit allen anderen liegen. Hastig ging er vorbei. Die Luft war fast kalt genug, um die bitteren Tränen in seinen Augen gefrieren zu lassen.

Der Flankentrupp zog los, um rechtzeitig bei Tagesanbruch in Position zu sein. Die Männer der Hauptkolonne konnten noch etwas länger rasten. Regungslos standen, saßen oder lagen die Männer bei ihren Pferden. Einige wenige zogen sich die Mäntel über die Köpfe und versuchten zu schlafen. Die meisten waren dafür zu angespannt.

Einige der Offiziere drängten sich zusammen, flüsterten in unterdrückter Erregung. Jack Corbins Pony begann zu stampfen und zu wiehern. Corbin konnte es nicht beruhigen. Charles ging hinüber und drückte dem Pony die Nüstern zusammen, bis es wieder still war. Ein Cheyenne-Trick, den ihm Jackson beigebracht hatte. Corbin bedankte sich flüsternd.

Charles duckte sich neben Satan zusammen, die Zügel von einer Hand in die andere wechselnd. Irgend etwas in ihm stimmte nicht, ein gefährlich explosives Gefühl drängte hoch. California Joe versorgte sich mit etwas flüssigem Mut aus seinem anscheinend unerschöpflichen Vorrat. Er reichte den Krug an Dutch Henry weiter, der nach Offizieren Ausschau hielt, bevor er hastig trank. Milner bot Charles den Krug an. Charles schüttelte den Kopf.