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»Du scheinst nicht gerade wild auf den Kampf zu sein«, bemerkte California Joe. »Sollte recht munter werden. Wenn wir sie überraschen, sollten wir auch keine großen Probleme haben. Ich dachte, das ist's, was du willst. Ich dachte, deshalb hast du angeheuert. Cheyenne Charlie brennt darauf, ein paar Wilde umzubringen.«

»Halt's Maul«, sagte Charles. »Laß mich in Ruh, oder ich ramm' dir den Krug in den Hals.«

Er stand auf und ging davon. »Was ist denn in den gefahren?« erkundigte sich California Joe.

Dutch Henry konnte nur mit den Schultern zucken.

Als der Mond hinter dem Wald verschwand, begann sich ein dichter Bodennebel auszubreiten, der recht unheimlich wirkte. Custer klappte seine Taschenuhr immer wieder auf und zu. Endlich war es soweit. Er steckte die Uhr weg und schob seine Webley-Bulldog-Revolver mit den Elfenbeingriffen in ihre Taschen. Dann erteilte er seine letzten Befehle: Provianttaschen bleiben zurück: Umhänge und Säbel ebenfalls. Kein Schuß durfte abgefeuert werden, bis er das Signal gab.

Charles fühlte sich schwerfällig, schmutzig, müde, als er das rechte Bein über Satans Rücken schwang. Custer sah, daß sich die Kolonne formiert hatte, winkte seinen Trompeter neben sich und trieb Dandy im Schritt zwischen den Bäumen hindurch. Der Bodennebel wogte um die Knie des Tieres.

Plötzlich ging ein schwerer Atem durch die Reihen der Männer. Charles wandte sich nach Osten, wo Dutch Henry hindeutete. Über den Bäumen glühte ein goldener Lichtfleck.

»Der Morgenstern«, sagte jemand.

Der Planet stieg strahlend am Himmel empor. Custers Gesicht schien etwas von dem ehrfurchterweckenden goldenen Licht aufzunehmen und widerzuspiegeln.

»Bei Gott«, sagte er in ehrfürchtigem Ton. »Bei Gott. Diese Expedition steht unter einem guten Stern, das ist das Zeichen.«

Sie näherten sich der gezackten Klippe oberhalb des Flusses. Das gedämpfte Stampfen so vieler beschlagener Pferde klang Charles wie Donner in den Ohren. Sicherlich mußte das schlafende Dorf irgendwie darauf reagieren. Und da kam es auch schon; ein Hund bellte. In den nächsten Sekunden schlossen sich ihm ein weiteres halbes Dutzend Hunde an.

Custer hielt die rechte Hand empor und begann mit dem Abstieg. Dandy rutschte und schlitterte, erreichte jedoch den Fluß ohne Sturz. Andere machten sich ebenfalls an den Abstieg, die Scouts rechts von dem Trompeter, der die Kapelle nach unten führte.

Charles hatte seinen Zigeunermantel hochgezogen; sein Armeecolt steckte griffbereit im Gürtel. Mit einer Hand hielt er die Spencer quer über seinen Knien. Langsam stieg die Kolonne, unterbrochen von gelegentlichen unterdrückten Flüchen, zum Washita hinab. Unten am Fluß, wo das Wasser die Luft beträchtlich abgekühlt hatte, sah Charles die Pappeln auf der anderen Seite des Flusses aus einer neuen Perspektive. Gegen den blassen Himmel zeichneten sich die gekreuzten Stangen vieler Tipis ab.

Wessen Tipis?

»Trompeter!« begann Custer.

In den dunklen Wäldern hatte jemand einen Warnschuß abgefeuert. Custer stieß einen grimmigen Fluch aus. Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Von der offenen Fläche jenseits des Flusses drang Gewieher herüber, als wären viele Ponys plötzlich aufgeschreckt worden. Wahrscheinlich hatten sie die Pferde der Weißen gewittert.

Von dem Hintergrund des dunklen Waldes löste sich ein Mann mit einem Gewehr und rannte auf den Fluß zu. Custer sah den Indianer kommen und hob einen seiner Revolver.

»Trompeter, das Angriffssignal!« schrie er und feuerte vom Pferderücken aus. Der Indianer wurde zurückgeschleudert, das Gewehr flog ihm aus der Hand.

Der Trompeter blies zum Angriff. Rund um Charles herum brüllten und jubelten Männer. Noch bevor der Trompeter zu Ende geblasen hatte, stimmte die Kapelle >Garry Owen< an, und die Siebte Kavallerie durchquerte den Washita, um gegen das Dorf loszuschlagen.

50

Satan trug Charles mit einigen großen Sätzen über den Wa-W shita. Er umklammerte die Flanken des Schecken mit den Knien, während eisiges Gischtwasser hochspritzte. Dann galoppierten sie die Uferbank hoch. Neben sich sah er Griffenstein, in jeder Faust einen Revolver, ein Lächeln auf dem bärtigen Gesicht.

Der Tag brach an. Die ausgebleichten Fellabdeckungen der Tipis waren nun deutlich zwischen den Pappeln zu sehen. Das Bild war unverkennbar; es war ohne jeden Zweifel ein Cheyenne-Dorf. Rechts und links der Hauptstreitmacht griffen die Flankenkolonnen jubelnd und schreiend an. Charles hörte sogar einen Rebellenschrei.

Die Erde erbebte unter den donnernden Hufen. Plötzlich stieg die Sonne über den Horizont; der Washita schimmerte östlich des Dorfes in dem großen Bogen, wo er sich nach Norden wandte, orangefarben auf.

Die Cheyenne strömten aus ihren Zelten, gerade als die Kavalleristen über sie hereinbrachen. Die Männer versuchten, an ihre Bögen und Gewehre heranzukommen. Der Anblick der vielen Frauen und Kinder entsetzte Charles. Einige der verschlafenen Kleinen weinten. Die Frauen heulten vor Furcht auf. Hunde bellten und schnappten. Das plötzliche Gewehrfeuer der angreifenden Kavallerie verschlimmerte das Chaos noch.

Der Atem stand Charles in Wolken vor dem Mund. Er war noch fünfzig Meter von den ersten Tipis entfernt, doch einige Kavalleristen hatten sie bereits erreicht. Einer erschoß einen Hund, der nach den Pferden schnappte. Ein anderer jagte einer grauhaarigen Großmutter eine Kugel in die Brust. Die Frauen kreischten lauter, während ihre Männer vorwärtstaumelten, um sie zu verteidigen. Gegen die berittenen blauen Linien hatten sie nicht die geringste Chance.

Der Angriff trug Charles einen Pfad zwischen mehreren Tipis entlang, aus deren Abzugslöchern Rauch quoll. Mit krachenden Revolvern ritt Griffenstein vor ihm. Ein spindeldürrer alter Mann, der sich mit einem verblaßten roten Schild aus seiner Jugend verteidigte, starrte die Kavalleristen mit verständnislosen Augen an. Dutch Henry jagte ihm eine Kugel in den offenen Mund. Ein großer Blutfächer breitete sich hinter dem Mann aus und bespritzte sein Tipi wie Farbe.

Charles mußte sich auf Satan verlassen, daß er nicht zwischen die in Panik geratenen Indianer fiel, die schreiend auf die Soldaten einzuschlagen versuchten. Sein Verstand schien wie betäubt. Die Spencer hatte er noch kein einziges Mal abgefeuert.

Satan trug ihn den Pfad entlang zur anderen Seite des Dorfes. Dort machte Charles kehrt und wäre beinahe durch eine Kollision mit zwei Kavalleristen, die das gleiche Manöver ausführten, aus dem Sattel geschleudert worden. In ihren Gesichtern, in ihren glitzernden Augen sah er eine Begierde, die nicht mehr zwischen Kriegern, Frauen und Kindern unterschied.

Pulverdampfschwaden durchzogen die Luft. Charles trieb Satan einen anderen Weg entlang. Die Größe des Dorfes mochte ihrer ersten Schätzung entsprechen, ungefähr fünfzig Tipis. Zu seiner Linken rissen drei Kavalleristen ein Zelt nieder. Darunter waren die schrillen Stimmen entsetzter Kinder zu vernehmen.

Das Angriffstempo wurde langsamer. Die Männer der Abteilung, die das Dorf umrundet hatten, strömten herein und vergrößerten die allgemeine Verwirrung. Direkt vor Charles kam eine Frau hinter einem Tipi hervorgerannt, eine schmutzige Frau mit offenen Haaren, die einen kleinen weißen Jungen gegen ihre Schulter preßte. Schützend umklammerte sie den Kopf des Jungen. Ihre Hände und ihr Gesicht waren vom Wetter leicht gerötet; eine weiße Frau.

Sie schrie den Soldaten zu: »Mein Name ist Blinn. Mrs. Blinn.« Die Entführte, erinnerte sich Charles. »Bitte tut Willie nichts!« Eine Schußsalve ließ sie ruckartige Bewegungen wie eine Marionette vollführen. Dem kleinen Jungen fehlte der halbe Kopf, als er und seine Mutter in ein Tipi stürzten und es niederrissen.