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»Du Bastard«, sagte Charles und ritt weiter.

Er durchquerte den Washita. Das Wasser reichte bis an seine Oberschenkel. Satan reckte den Kopf hoch. Als sie auf der anderen Seite waren, zitterte Charles, und seine Zähne klapperten. Eine ferne Trompete blies zum Abmarsch. Mit geschlossenen Augen konnte er sich vorstellen, wie sich die verschiedenen Einheiten von Custers Kommando formierten.

Alle Indianer befanden sich nun flußabwärts; vielleicht war es auch nur so finster, daß er sie auf den Klippen nicht mehr sehen konnte. Als er über den Kamm ritt, von wo aus sie ihren Angriff gestartet hatten, hörte er Custers Kapelle spielen. Er kannte das Lied aus dem Krieg. >Ain't I Glad to Get Out of the Wilderness.< (Ich bin so froh, aus der Wildnis hinauszukommen.)

Nein, er war nicht froh. Eine verheerende Wahrheit hatte ihn während der eisigen Flußdurchquerung überfallen. Er gehörte nicht mehr nach South Carolina. Er gehörte nicht nach Kansas, wo er vielleicht Gemüse oder Milchkühe züchten konnte. Und er gehörte nicht in die US-Armee, so sehr er auch einige der Männer mochte, die er im Zehnten Regiment kennengelernt hatte. Was die Soldaten zu tun hatten, war falsch. Vielleicht waren sie als Einzelpersonen keine Missetäter, doch in der Masse schon. Er hatte gedacht, er könne das ertragen, was die Armee tun mußte. Er hatte sich eingeredet, das sei nötig, um Jackson zu rächen. Und er hatte den weiten Weg bis an den Washita zurückgelegt, um herauszufinden, daß er sich im Irrtum befand. Für ihn war auf der ganzen Welt kein Platz.

Pferd und Reiter wurden kleiner und kleiner, verschwanden in den Schneefeldern und der Dunkelheit des Indianerterritoriums.

Hauptquartier Siebte US-Kavallerie Washita River, Im Feld 28. November 1868

In der Erregung des Kampfes, ebenso wie in Selbstverteidigung, geschah es, daß einige der Squaws und Kinder verwundet oder getötet wurden .

Eine weiße Frau wurde im Moment unseres Angriffs von ihren Entführern ermordet .

Der verzweifelte Charakter des Kampfes mag der Tatsache entnehmen zu sein, daß nach der Schlacht die Leichen von achtunddreißig Kriegern in einer kleinen Schlucht nahe des Dorfes, wo sie sich verschanzt hatten, gefunden wurden .

Nun habe ich die Verluste meines eigenen Kommandos zu melden.

Mit tiefem Bedauern muß ich unter den Getöteten Major Joel H. Elliott und Capt. Louis W. Hamilton anführen sowie neunzehn Mannschaftsdienstgrade .

Auszug aus einem Report an

GENERAL SHERIDAN

MADELINES JOURNAL

Dezember 1868. Custers Sieg über die Indianer macht immer noch Schlagzeilen. Ein Redakteur dichtet ihm den Mut eines Löwen an, ein anderer schreibt verächtlich über ihn, weil er Krieg gegen Un-schuldige< führt. Ich mag ihn nicht, ohne ihn je kennengelernt zu haben. Ich habe noch nie Männer gemocht, die sich wie Pfauen aufspielen ...

... Zwei ermüdende Tage vorüber. Mußte endlos lächeln, endlose Erklärungen abgeben, wie Mont Royal vor drei Jahren dem Ruin entronnen ist. Acht Kongreßmitglieder waren auf >Inspektionstour< hier (scheint sich dabei mehr um Ferien zu handeln - drei brachten ihre Frauen mit, die sich fast ebenso wichtigtuerisch aufführten wie ihre Ehemänner). Der Mann, dem gegenüber sich alle anderen ehrerbietig verhalten, Mr. Stout vom Senat, schwingt sich sogar bei beiläufigen Gesprächen zu großen Reden auf. Mir gefielen weder sein glattes Benehmen noch das Tempo und die Sicherheit, womit er Meinungen anzubieten hat - ja zu diesem, nein zu jenem, wobei ohne jedes Nachdenken in jeder Bemerkung radikale Politik zum Ausdruck kommt.

Was den Grund für den Besuch anbelangt, so vermute ich, daß M.R. allmählich den Ruf eines Vorzeigeobjekts bekommen hat, denn die Washingtoner inspizierten in ermüdender Weise alles und jedes: Phosphatfelder, Sägemühle, Drillübungen unserer Bezirksmiliz, die Andy kommandiert. Senator Stout saß eine Stunde lang da, wie ein Schüler in Prudence Chaffees Klasse, nachdem er dafür gesorgt hatte, daß zwei Journalisten aus seinem Begleittroß jede seiner Bemerkungen mitschrieben. Die Pest über alle Politiker.

Nicht gerade angenehm, daß die Radikalen sich die Plantage ausgesucht haben. Wir versuchen jede Aufmerksamkeit zu vermeiden und den für gewöhnlich damit verbundenen Arger...

Wieder steht ein einsames Weihnachtsfest vor der Tür. Bretts Brief aus Kalifornien drückte ähnlich melancholische Gefühle aus. Mit Billys Firma steht alles zum besten, sagt sie. Das Baby Clarissa ist vier Monate alt und blüht und gedeiht. Seit Mai von G. in der Schweiz keine Nachricht mehr. Das löst große Besorgnis aus ...

George speiste zu seiner gewohnten Zeit um halb zwei. Das Palace war eines der besten Hotels von Lausanne und pflegte eine hervorragende Küche. Als Stammgast hatte er bei schönem Wetter seinen eigenen kleinen Tisch auf der Terrasse nahe dem Marmorgeländer. Jetzt, da der Winter die Touristen aus der Schweiz vertrieben hatte, war er an einen Tisch im Inneren neben einem hohen Fenster umgezogen, von dem aus er die gleiche Terrasse überschauen konnte. Von dem Fenster aus konnte er über den Stadtkern hinweg den Genfer See sehen, wo einer der schmucken kleinen Dampfer auf das Südufer zustrebte. Die blasse Sonne stand schon ziemlich tief.

Ein paar abgestorbene Blätter wirbelten über die Terrasse. Er beendete seine Mahlzeit, eine ausgezeichnete Hummerterrine, leerte eine Flasche Wein, einen köstlichen Montrachet, und verließ den Tisch. Er durchquerte den Speisesaal und wechselte dabei einige höfliche Worte mit drei Schweizer Bankiers, die hier regelmäßig aßen und auf ihn als Stammgast aufmerksam geworden waren.

Sie stellten häufig Spekulationen über den Amerikaner an. Sie wußten, daß er sehr reich war. Sie wußten, daß er mit Ausnahme der Dienerschaft allein in einer weitläufigen, ziemlich düsteren Villa auf den Jorat-Höhen lebte, von wo aus man einen großartigen Blick auf die Stadt hatte. Sie fragten sich, was ihm wohl zugestoßen sein mochte.

Sie sahen einen untersetzten kleinen Mann in den mittleren Jahren vor sich - George hatte seinen dreiundvierzigsten Geburtstag gehabt - mit weißen Strähnen in seinem sauber gestutzten dunklen Bart. Seine Haltung war sehr korrekt, und doch machte er einen niedergeschlagenen Eindruck. Mit nervösen Bewegungen rauchte er eine Menge starker Zigarren, die meisten nur zur Hälfte. Er schien alles zu besitzen und trotzdem zu leiden. Er war, anders als die meisten seiner Landsleute, die Lausanne besuchten, unnahbar. Die Touristen quatschten endlos; seine wärmste Begrüßung bestand aus wenigen Worten.

Hatte seine Frau ihn verlassen? Hatte es irgendeinen Skandal gegeben? Ah, vielleicht war es das. Er besaß eine gewisse Ähnlichkeit mit gravierten Porträts des neuen amerikanischen Präsidenten, General Grant. Konnte er ein in Ungnade gefallener Verwandter im Exil sein?

Es würde sein Geheimnis bleiben. Gentlemen schnüffelten nicht.

An der Tür des Speisesaals unterhielt sich George kurz auf französisch mit dem Oberkellner, gab ihm Trinkgeld, nahm Stock, Hut und Pelzmantel an sich und durchquerte die Lobby. Eine Erbin aus Athen, eine atemberaubende Frau mit olivfarbe-ner Haut, sehr teuer gekleidet, bemerkte ihn und hielt den Atem an; sie war erst vor kurzem Witwe geworden. Während ein Träger ihr Gepäck sortierte, versuchte sie den Blick dieses imposanten Fremden einzufangen. Er bemerkte sie, ging aber weiter. Sie hatte das Gefühl, als hätte sie in einen verschneiten Teich im Herzen eines Winterwaldes geschaut. Dunkles Wasser und Kälte.

George ging die abfallende Straße hinunter zum Büro des Immobilienmaklers, das direkt hinter der herrlichen gotischen Kathedrale von Notre Dame lag. Dort holte er die wöchentliche Post ab und marschierte in flottem Tempo wieder den Hügel hoch. Er brauchte mehr als eine Stunde bis zur Villa, aber es war seine einzige Tätigkeit in diesen Tagen, und er zwang sich dazu.