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Die Menge erstreckte sich nach beiden Seiten; Hüte wurden geworfen, es wurde gejohlt und gelegentlich aufgeschrien, wenn der Ast eines Baumes nachgab und die abwarf, unter deren Gewicht er gebrochen war. Gegen 12 Uhr 15 - ungefähr zu der Zeit sollte sich Andrew Johnson von seinem Kabinett verabschieden und mit der Kutsche vom Weißen Haus wegfahren tauchte die offizielle, für die Plattform bestimmte Gesellschaft aus dem Kapitol auf.

Grant machte in seinem schwarzen Anzug mit den strohfarbenen Handschuhen einen würdevollen Eindruck. Richter Chase sprach nervös den Eid vor. Grant legte ihn ab, beugte sich vor, um die Bibel zu küssen, und hielt dann eine kurze Ansprache. Isabels Kommentar zu dem ganzen Vorgang lautete: »Uninteressant. Langweilig.«

FRIEDEN

Das großartige Motto leuchtete im Dunkeln hoch über ihnen auf. Stanley stand da und bewunderte die Leistung des Komitees. Die spezielle Beleuchtung wurde von Gasströmen quer über die Front des Finanzministeriums erzeugt. Entwurf und Bau waren teuer gewesen, doch der Effekt war spektakulär. Hier konnten Washington und die ganze Welt sehen, wozu sich die Republikaner verpflichtet und was sie auf ihr Banner geschrieben hatten.

Während Stanley glotzte, beklagte sich Isabel über die Verzögerung. Sie hatten sich anderen formell gekleideten Paaren angeschlossen, die hineineilten.

Vom Balkon des gewaltigen Cash-Saales drangen die Klänge eines Streichorchesters. In der erhabenen Umgebung von Marmor aus Siena und Carrara war das allegorische Gemälde >Frie-den< ausgestellt. Eine große Menge drängte sich um die Staffelei. Stanley und Isabel stießen zufällig auf Mr. Stout, der gerade für eine volle Amtsperiode in den Senat zurückgekehrt war. An seinem Arm hing eine viel jüngere Frau mit harten Augen und einem Saphirdiadem im Haar. Sehr kühl sagte Stout zu ihnen:

»Ich glaube, Sie kennen meine Frau Jeannie?«

Isabel kochte vor Wut. Diese junge Frau war Stanleys Geliebte gewesen, bis Isabel dahintergekommen war und der Sache ein Ende bereitet hatte. Zu der Zeit war sie noch Jeannie Canary gewesen, eine Varietésängerin.

»Ah, ja«, verwirrt rückte Stanley seine Krawatte zurecht, »ich hatte das Vergnügen, ihre, äh, Darbietungen mehrfach zu genießen.«

Stout bekam nicht sofort die unbeabsichtigte Zweideutigkeit mit. Dann jedoch rötete sich sein Gesicht, als wollte er Stanley im nächsten Moment zu einem altmodischen Duell herausfordern. Jeannie sah gleichfalls pikiert drein. Isabel zog ihren Mann fort. Ihre Augen waren feucht. Stanley zeigte sich erstaunt; seine Frau weinte niemals.

»Du dreckiger Bastard«, flüsterte sie und blickte tränenblind geradeaus. Ausnahmsweise war Stanley zu verblüfft, um diesen Augenblick genießen zu können.

Danach weigerte sich Isabel, mit ihm zu sprechen. Essen und Trinken lehnte sie ebenso ab wie seine lahme Aufforderung zum Tanz. Sie folgte ihm, als Präsident Grant mit Mrs. Grant erschien und Stanley mit Dutzenden von anderen zur Begrüßung vorstürzte. Schändlicherweise befanden sich Stout und dessen Frau in Begleitung der Grants.

Schließlich waren Stanley und Isabel an der Reihe. Stanley murmelte ihre Namen, die Stout wiederholte. Isabel starrte ihren Mann feindselig an, während der Präsident Stanley die Hand gab.

»Ah ja, Mr. Hazard. Die Pennsylvania Hazards. Ich kenne Ihren Bruder George. Sie waren Verbindungsmann beim Büro für befreite Negersklaven, nicht wahr?«

»Jawohl, Herr Präsident, bis Ende '67. Dann zog ich mich zurück, um mich um meine geschäftlichen Angelegenheiten zu kümmern. Ich muß sagen, Sir, Ihr Wirtschaftsprogramm ist durch und durch gesund.«

»Besten Dank, Sir«, sagte Grant und wandte sich dem nächsten Paar zu.

Isabel war noch wütender als zuvor. »Du verlogenes Miststück. Du hast ihn heute morgen gar nicht getroffen.«

»Nein. Sie haben mich nicht in Wades Büro gelassen.«

»Für einen Abend hast du mich genügend gedemütigt, Stan-ley.« Außerdem hatte sie alle wichtigen Leute gesehen und war von allen gesehen worden. »Bring mich nach Hause.«

Vom Komitee der Manager war Stanley der erste, der ging.

Grant bemerkte es und sagte zu seiner Frau Julia: »Sehr sympathisch, dieser Hazard. Scheint mir ein intelligenter, vermögender Mann zu sein.«

Senator Stout bekam die Worte mit. Wenn Mr. Grant das glaubt, dachte er, dann haben wir einen naiven Tölpel in unserem höchsten Amt. Möge Gott der Republik gnädig sein.

Marie-Louise und Theo haben sich endlich in einem winzigen Häuschen auf Sullivan's Island niedergelassen, das der Mann für sie aufgetrieben hat, der Theo einen besseren Job angeboten hat, als er auf Mont Royal hätte bekommen können. Bei dem Mann handelt es sich um einen weiteren Yankee-Abenteurer.

Die Stadt ist größtenteils wieder aufgebaut worden, aber es bleibt noch viel zu tun. Naive Reisende, die den Pier betreten, werden immer noch gefragt: »Möchten Sie gern Mr. Calhouns Monument sehen?« Sagen sie ja, dann zeigt der Zyniker auf die Stadt.

Theos Arbeitgeber hat an dem langsamen Wiederaufbau mitgewirkt. Er kam im Herbst '65 an, erkannte, woran Bedarf bestand, und gründete eine Firma zum Bau von neuen Bürgersteigen mit Randbefestigung. Seine Mannschaften füllen und reparieren auch die zahlreichen Morast- und Granatlöcher.

Der Straßenbau des Yankee floriert. Er hat große, örtliche Stadtkontrakte erhalten, ebenso in Georgetown und Florence. Theo ersetzt den ersten Vorarbeiter des Yankee, der mit einer Mulattin nach Brasilien durchgebrannt ist. Theo arbeitet 12-14 Stunden täglich, 6 Tage pro Woche; er beaufsichtigt schwarze Arbeitstrupps und meint, daß er und M.-L. nun recht glücklich seien. Zuvor war das nicht der Fall. Nach ihrer Rückkehr von Sav. und Coopers Zurückweisung lebten sie einige Wochen lang hier auf der Plantage in einer ärmlichen Hütte. Nur der Job, den ich ihnen gab, erlaubte es ihnen, zu überleben. Theo war ein ausgezeichneter Aufseher, und ich habe ihn nicht gern gehen lassen, konnte es aber auch nicht verhindern.

Die Beziehung des jungen Paares zu C. hat sich jedoch nicht verbessert. C. will sie weder empfangen, noch erkennt er ihre Gegenwart in der Stadt an. Judith muß ihre Tochter heimlich besuchen, genau wie mich. Ich gebe zu, daß der Krieg viele Leben zerstört hat, aber irgendwo kommt der Punkt, wo das Mitleid der Ungeduld weichen muß. Cooper hat sich mit seiner neuen Politik und der Behandlung seiner Familie alle Sympathien verscherzt. Meine jedenfalls .

... Letzte Nacht fiel Sims Junge Grant, mittlerweile ein junger Mann, dem Klan an der Kreuzung in die Hände. Er und zwei Freunde von ihm wurden eine Stunde lang festgehalten; die Kapuzenmänner zwangen sie zu etwas, was sie Tanzwettbewerb nannten.

Die drei wurden mit Waffen bedroht und mußten mit Wassereimern auf dem Kopf tanzen. Das klingt alles so kindisch, doch Grant kam völlig verstört nach Hause. Wenigstens wurde er nicht verletzt. Letzte Woche wurde Joseph Steptoe von den gleichen Männern ausgepeitscht. Heftig blutend wurde er in ein mit gesalzenem Schweineschmalz beschmiertes Laken gewickelt und an der Straße liegengelassen. Er und seine Frau verschwanden am nächsten Tag aus ihrer Hütte neben der Episkopalkirche und wurden seitdem nicht mehr gesehen. Joseph S. war ein Corporal der farbigen Bezirksmiliz. Auch Grant ist Mitglied.

Ich weiß nicht, wie eine Bande Männer gleichzeitig lächerlich und bedrohlich wirken kann, aber genau das ist die verwirrende Art dieses >Klans<.

In C'ston gewesen, um Theo und M.-L. zu besuchen und noch mal mit Dawkins zu sprechen ...

»Nein«, sagte der fette Mann. Zwischen der Korrespondenz und den mit Zahlen bedeckten Blättern auf seinem Schreibtisch entdeckte Madeline ein billig gebundenes und gedrucktes Büchlein, >Deine Schwester Sally<. Sie hatte das Büchlein zuvor schon gesehen. Das Buch - ein Import von Mississippi - beschrieb in übertriebener, völlig überzogener Weise, wie die Weißen unter einer von Schwarzen dominierten Legislative dem Ruin entgegensehen würden. Gettys verkaufte das Buch in seinem Laden.