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»Leverett«, sagte sie mit erzwungener Ruhe, »Mont Royal verdient Geld. Trotz des Wiederaufbaus des Hauses verfüge ich über genügend Geld, um die Hypothek in wesentlich höheren Jahresraten abzutragen. Ich hasse es, unnötigerweise soviel Zinsen zu zahlen.«

Das Büro war in dunklem Holz und dunkelgrünem Plüsch gehalten; Dawkins Spezialstuhl war mit diesem Material gepol-stert. »Ich kann nur die erklärte Politik der Bank wiederholen. Keine vorzeitigen Rückzahlungen.« Er leckte sich die Lippen. »Wenn Sie sich weigern, ein bißchen flexibel zu sein, dann tun wir das auch.«

»Flexibel.« Madeline sprach das Wort voller Bitterkeit aus. »Sie meinen, ich solle die Schule schließen. Sie waren einst ein liberaler Mann. Wieso sind Sie so gegen ...?«

»Weil diese Niggerschulen überhaupt keine Schulen sind. Das sind Zentren für politische Aktionen. Alle Konservativen sind dagegen.« Konservativ war das Etikett, das sich die antirepublikanische Koalition aus Demokraten und ehemaligen Nationalrepublikanern angeheftet hatte.

»Wade Hampton unterhält eine Schule auf seiner Plantage. Er ist ein überzeugter Konservativer.«

»Ja, aber gefärbt von einigen unglücklichen Ansichten. Es ist sinnlos, über General Hampton zu reden. Er ist ein einmaliger Fall.«

Er meint, er sei unangreifbar - was ich nicht bin.

»Leverett, ich wollte, ich könnte es verstehen. Warum sind Sie so absolut dagegen, den Menschen eine anständige Bildung zu geben?«

»Nicht Menschen. Niggern. Die Idee vergiftet South Carolina. Zuerst hatten wir diese Yankee-Weiber, die in St. Helena unterrichteten. Dann Ihre freie Schule. Jetzt haben wir die öffentlichen Schulen. Als Folge davon haben wir nicht nur rachsüchtige, minderwertige Nigger, die uns zu regieren versuchen, sondern wir haben auch eine bedrückende Finanzlast in Form von anrüchigen Schulsteuern zu tragen.«

»Also läuft es aufs Geld hinaus. Auf Habsucht.«

»Gerechtigkeit! Fairneß! Mit dem Absatz in der Staatsverfassung, der öffentliche Schulen verlangt, habe ich nichts zu tun. Mr. Cooper Main ebenfalls nicht. Erst letzte Woche haben wir zusammen bei mir zu Hause gespeist, und ich kenne seine Einstellung. Und die verschiedenen Umstände, die dafür verantwortlich sind«, fügte er hinzu und warf ihr einen scharfen Blick zu. Sie nahm an, daß sich die Bemerkung des Bankiers auf Marie-Louises Ehe bezog.

»Ihr Schwager und ich stimmen vollkommen überein, was die Schulen angeht«, fuhr Dawkins fort. »Da sie uns von der Bundesregierung aufgezwungen wurden, soll auch die Bundesregierung für sie bezahlen.«

»Ich bekomme kein Regierungsgeld, Leverett.«

»Aber soviel ich weiß, sind häufig Kleriker und Bürokraten der Yankees bei Ihnen zu Besuch, die Ihre Schule für ein Musterbeispiel an radikalem Unternehmungsgeist halten. Ich wundere mich, daß der Ku-Klux nicht noch mal zugeschlagen hat. Ich bin nicht für Gewalt, aber Sie werden sich schon selbst die Schuld geben müssen, wenn es dazu kommt.«

Das sind also unsere Aussichten. Manchmal bete ich zu Gott, er möge mir alles vom Leibe halten, was in irgendeiner Beziehung zu >dem Wiederaufbau steht!!

57

»Hübsch?« sagte Bent. »Hübsch, Gus?« Er griff sich ans linke Ohr und schüttelte den Tränenohrring.

Das kleine Feuer prasselte im Märzwind. Sie kampierten auf einem öden Hang in den Wichita Mountains, Granitgipfeln, die abrupt aus der Ebene emporstiegen. Vor zwei Tagen hatte Bent nördlich der Berge eine Kavalleriekolonne gesichtet, die von Osten nach Westen unterwegs war. Er hatte den kleinen Gus und den gesprenkelten Grauen zu Boden gezerrt, bis der Trupp verschwunden war. Erst heute abend hatte er es wieder gewagt, ein Feuer zu machen.

Er drehte dem Jungen seine linke Gesichtshälfte zu und klimperte erneut mit dem Ohrring. »Ist das nicht hübsch?«

In seinem seit Tagen ungewaschenen Gesicht leuchteten Gus' Augen wie polierte braune Steine. Bents Erziehungsmaßnahmen hatten ihre Spuren in diesen Augen hinterlassen, zusammen mit einer Schwellung an Gus' Kinn, seiner Stirn und einer Abschürfung an seinem rechten Auge. Bent hielt den Jungen in ständiger Angst und vollkommener Abhängigkeit; der Vierjährige war dankbar für jeden Brocken Fleisch und jeden Schluck schalen Wassers, die ihm sein Entführer bewilligte. Er hatte gelernt, daß der Zorn des Mannes schnell und ohne Grund aufflammen konnte.

Bent klimperte weiter mit dem Ohrring. Gus wußte nicht, was sein Entführer von ihm erwartete. Bent lächelte, und der Junge dachte, er solle den Ohrring berühren. Vorsichtig hob er die Hand, streckte sie aus.

Bent schlug ihn so hart, daß er umfiel. Er riß Gus an den Haaren wieder hoch, schlug ihm zweimal ins Gesicht. »Böser Junge. Nicht anfassen. Wenn du ein böser Junge bist, wacht mein Freund auf.«

Aus der Tasche seines dreckigen Fracks holte er das Rasiermesser. Schnippte es auf. Mit offenem Mund zuckte Gus zurück. Er gab keinen Laut von sich; Bent schlug ihn, wenn er Lärm machte. Auch das Rasiermesser hatte er zuvor schon gesehen, war damit geritzt worden.

Im Schein des Lagerfeuers schoß die Klinge Silberblitze. Gus krümmte sich, rutschte auf seinem Hosenboden weiter zurück. Wieder lächelte Bent. »Du weißt, was mein Freund mit bösen Jungen macht, nicht wahr? Er tut ihnen weh.«

Bent kniete sich hin, sein Arm schoß blitzschnell über das Feuer. Die Schneide des Rasiermessers huschte auf Gus' Kehle zu. Gus schrie auf und fiel zur Seite, bedeckte sein Gesicht. Im letzten Moment hatte Bent den Stoß abgefangen und die Klinge wenige Zentimeter vom Hals des Jungen entfernt gestoppt.

Gus' Schrei war so durchdringend, daß er ihm irgendwie den ganzen Spaß verdarb. In Bents Kopf hallten merkwürdige Echos des Schreis wider. Er ließ das Rasiermesser fallen, rannte um das Feuer und schüttelte den Jungen an den Schultern. »Du bist wirklich ein böser Junge. Ich habe dir gesagt, du sollst keinen Lärm machen. Wenn du das nochmal tust, dann lass' ich dich von meinem Freund beißen. Du weißt, wie es ist, wenn er dich beißt.«

Gus begann zu wimmern. Bent nahm seinen Zylinder ab und wischte sich mit dem Ärmel über die glänzende Stirn; schmutzige Streifen blieben zurück. »Schon besser. Roll dich in die Decke, und schlaf, bevor ich meinen Freund bitte, dich zu beißen, weil du so bös warst.«

Leise und vorsichtig schlich Gus zu einer dreckigen Satteldecke. Längst schon waren die Läuse von der Decke auf seinen Körper und sein Haar übergewechselt. Er zog die Decke bis zu den Augen hoch. Mit dem Daumenballen wischte Bent etwas Schmutz von dem Rasiermesser. In einem bestimmten Winkel blitzte die Klinge im Feuerschein auf und blendete Gus. Nach dem drittenmal versteckte sich der Junge unter der Decke.

Es war sehr befriedigend, dem Jungen weh zu tun. Jedesmal hatte Bent dabei das Gefühl, auch Charles Main weh zu tun. Außerdem hatte das einen praktischen Vorteiclass="underline" Es unterband jegliche Fluchtversuche. Gus war gründlich eingeschüchtert; er quatschte nicht, zeigte nicht die für einen Vierjährigen typische Energie. In wachem Zustand war er so schweigsam wie ein kranker alter Mann. Bent hatte ihn wie ein Pferd gebrochen. Er betrachtete das Bündel unter der Decke. »Gut«, sagte er leise. »Gut.«

Der angepflockte Graue hatte sich vor einer halben Stunde niedergelegt und immer noch nicht wieder erhoben. Das Pferd sah Bent mit Augen an, die ihn an die des Jungen erinnerten. Es war ausgelaugt. Die Rippen waren deutlich zu sehen, und das Maul war wund. In den nächsten Tagen würde Bent es erschießen müssen; dann ging es zu Fuß weiter. Zumindest konnten sie das Fleisch essen.

Er setzte seinen Hut auf, zog seinen Revolver und zerrte seine eigene Decke über seine Beine. Es war Zeit, sich ein paar Gedanken über die Zukunft zu machen. Er brauchte einen Unterschlupf für die Sommermonate. Die Nahrungsmittel gingen ihm aus, und er sah sich der ständigen Bedrohung gegenüber, von einer Armeepatrouille im Territorium erwischt zu werden, wo er nichts zu suchen hatte.