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»Dein Fehler.« Charles verkürzte die Entfernung zwischen der Pfahleiche und dem Haus, stoppte dann. »Ich weiß, was du mit George Hazards Frau gemacht hast.« Bent reagierte, trat überrascht zurück. »Ich kann sehen, was du Gus angetan hast. Ich brauche kaum noch einen Vorwand, um dein Gehirn in der Gegend zu verspritzen. Also hol nicht mal tief Luft. Gus, komm her zu Pa. Jetzt!«

Er behielt mehr Bent als seinen Sohn im Auge. Der Junge konnte seine plötzliche Befreiung noch nicht fassen. Er machte probeweise einen Schritt auf seinen Vater zu. Zwei Schritte. Drei.

Eine Indianerfrau in einem schmutzigen Hirschlederkittel kam mit einem Nachttopf zur Tür hinaus. Ihr Gesicht zeigte einen schläfrigen, mürrischen Ausdruck. Charles dachte, sie besitze eine gewisse Ähnlichkeit mit jemandem, dem er während seiner Zeit mit Jackson begegnet war. Dann erkannte er mit Verblüffung, daß es Grünes Gras war.

Sie sah ihn, erkannte ihn, ließ den Nachttopf fallen und schrie auf. Gus wirbelte erschrocken herum. Bent machte einen Satz und hatte den Jungen.

Charles wollte nicht glauben, was er vor sich sah. Bent lächelte, das alte, tückische Lächeln, an das sich Charles voller Abscheu erinnerte. Bents schmierige Hand schloß sich um Gus' Hals. Seine andere Hand holte ein Rasiermesser aus seiner Tasche. Er ließ es aufschnappen und drückte die schimmernde Klinge gegen Gus' Wange.

»Die Waffen weg, Main.« Charles starrte ihn an; hinter seiner Stirn hämmerte ein dumpfer Schmerz. Bent drehte die Klinge. Die Kante preßte sich in Gus' Wange. Der Junge schrie auf.

Bent hielt ihn fest. »Weg damit, oder ich schneide ihm die Kehle durch.«

Charles legte die Spencer vor sich zu Boden, dann seinen Armeecolt. »Jetzt das Messer.« Das Bowiemesser landete daneben. Bent genoß den Anblick des unbewaffneten Charles. Sein schmieriges Grinsen wurde breiter, fast herzlich. Sein Versagen lastete wie ein schwerer Granitblock auf Charles.

»Heb die Sachen auf, du Miststück. Main, zur Seite mit dir! Weiter - noch weiter!«

Grünes Gras eilte in einer Art Kriechgang auf die Waffen zu. Während sie sie aufsammelte, warf sie Charles einen bittenden Blick zu und sagte auf englisch zu ihm: »Er sagte, es sei der Junge von einem Händler, einem bösen Händler.«

Charles zuckte hoffnungslos mit den Schultern. »Was tust du hier?«

»Sie gehörte zu dem Besitzer dieser Ranch«, sagte Bent. »Ich verkaufe sie. Für Gin bespringt sie Mensch oder Tier, aber du wirst das Vergnügen nicht haben. Mit dir hab' ich anderes im Sinn.« Sein Gesicht verzerrte sich. Charles erinnerte sich, wie wahnsinnig er war. »Du Miststück, beeil dich!«

Bent betrachtete Charles und kicherte. »Und jetzt, Main, jetzt werden wir diese unerwartete Wiedervereinigung feiern. Ich werde die Befehle geben. Du befolgst sie ganz genau, wenn du nicht willst, daß dieses Kind vor deinen Augen verblutet. Wenn ich sage: >Vorwärts marsch!<, dann gehst du hier lang und machst zwei Schritte durch die Tür. Nicht einen oder drei, sondern zwei! Die ganze Zeit behältst du die Hände oben. Irgendein Fehler, irgendein Anzeichen von Ungehorsam, und ich schlitze ihn auf.«

Bent konnte seine gute Laune kaum unter Kontrolle halten. »Also gut. Vorwärts - marsch!«

Mit erhobenen Händen ging Charles auf das Haus zu.

Magee entfernte sich von den Pecanobäumen, sein Gewehr in der Armbeuge.

Graue Eule rief: »Er sagte warten.«

»Er ist schon zu lange weg.« Magee marschierte weiter.

»Warten. Das war sein Befehl.«

Magee zögerte. Er blieb stehen. Nach einem mürrischen Blick den Vermilion Creek hinunter drehte er um und marschierte langsam zu dem in seine Decke gewickelten Fährtensucher zurück.

62

Der Raum erinnerte Charles an eine Marketenderkneipe. Auf dem Erdboden zeichneten sich die Spuren von Stiefeln, Mokassins und nackten Füßen ab. Auf zwei Tischen standen die Überreste kalten Essens. Der Stuhl, auf den er sich auf Bents Befehl hinsetzen mußte, ächzte und schwankte unter seinem Gewicht.

Dann sah er das schief aufgehängte Porträt. Er starrte die Frau ungefähr zehn Sekunden lang an, bevor die Erkenntnis wie eine Granate in seinem Kopf explodierte.

»Dieses Bild!« Er hatte Schwierigkeiten, sich verständlich auszudrücken. Die Angst um Gus vernebelte seinen Verstand und verlangsamte seine Reaktionen. Der Anblick des Porträts schien ihn an irgendeinen unwirklichen Ort zu wirbeln, wo alles möglich und nichts mehr normal war.

Mit Mühe beendete er den Satz: »Wo hast du das Bild her?«

»Erkennst du es, ja?« Bent legte Messer, Spencer und Armeecolt auf die Tischplatte; das Rasiermesser behielt er in Griffweite.

»Die Frau meines Cousins Orry. Die Ähnlichkeit ist nicht besonders.«

»Weil es sich um ihre Mutter handelt. Eine Hure in New Orleans. Eine Terzeronin.« Bent holte ein schweres Seil aus einer Schachtel unter dem Flaschenbord. »Du scheinst gar nicht überrascht zu sein, daß sie eine Niggerin ist.«

»Ich weiß, daß Madeline schwarzes Blut hat. Aber ich hätte nie erwartet, solch ein Bild zu sehen.«

»Oder mich zu finden, wage ich zu behaupten.« Bent war voll von falscher Höflichkeit. »Hände zusammen und nach vorn strecken.«

Charles reagierte nicht. Bent schlug ihm die Faust ins Gesicht. Blut sickerte aus Charles' Nase. Er hob die Hände, und Bent schlang das Seil um die Handgelenke.

Charles' Verstand war immer noch wie betäubt, von Zorn überflutet gegen diesen Krüppel, der sich schwerfällig bewegte. Auch auf sich selbst war er wütend. Er hatte draußen versagt. Sein Fehler würde ihn das Leben kosten. Das sagte ihm das fiebrige Glänzen in Elkanah Bents Augen, während Bent das Seil ein drittes und ein viertes Mal um seine Handgelenke schlang.

Na schön, sein Leben war verwirkt. Aber da war immer noch Gus.

Bents Gesicht war stark gerötet. Constances Tränenohrring schwankte wie ein Pendel hin und her. Bent hatte sein Ohrläppchen durchstochen, damit der Ring hielt. Grünes Gras saß ver-dreckt und traurig da und betrachtete Charles mit unverhohlenem Mitleid. Bei dem Blick sträubten sich seine Nackenhaare. Sie wußte, was kommen würde. Sie hielt Gus an sich gedrückt, schützte ihn, solange sie konnte.

Der Junge schaute ihn mit so stumpfen Augen an, daß Charles am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Die gleichen leblosen Augen hatte er bei jungen, verwundeten Männern in der Nacht nach Sharpsburg gesehen.

Doch Gus war noch keine fünf Jahre alt.

Bent zog das Seil an und verknotete es. Charles hatte alle Muskeln angespannt, doch Magees Trick schien ihm nicht viel Spielraum eingebracht zu haben. Eine weitere Niederlage.

»Hast du eine Ahnung, für wen ich mich halte?« erkundigte sich Bent freundlich.

Charles ließ seinem Haß freien Lauf: »Ja, Orry hat's mir erzählt. Für den neuen Napoleon.« Er spuckte auf den Boden.

Bent knallte seine Faust in Charles' Gesicht. Gus versteckte sich hinter der Hüfte von Grünes Gras.

Bent, laut schnaufend und nicht länger lächelnd, sagte: »Hat er auch erzählt, daß er und Hazard mich auf der Akademie und in Mexiko ruiniert haben? Meinen Ruf durch Lügen zerstört haben? Meine Vorgesetzten gegen mich aufgehetzt haben? Ich wurde dafür geboren, große Armeen zu führen. Wie Alexander der Große. Hannibal. Bonaparte. Deine Leute und die Hazards haben mich daran gehindert.«

Bent wischte sich den Speichel von der Lippe. Draußen vor der geschlossenen Tür hörte Charles Vogelgezwitscher. Von der kalten Asche im Herd ging ein vertrauter Holzgeruch aus.

Bent nahm das Rasiermesser und fuhr sich mit der Klinge leicht über die Daumenkuppe. Sein Lächeln kehrte zurück. Mit überzeugender, eindringlicher Stimme sagte er: »Ich halte mich für den amerikanischen Bonaparte, und das ist durchaus gerechtfertigt. Aber ich bin gezwungen, ständig auf der Hut zu sein, weil jeder große General von kleinen Männern belagert wird. Minderwertigen Männern, die eifersüchtig auf ihn sind und ihn in den Dreck ziehen wollen. Die seine Größe beschmutzen wollen. Die Mains sind so. Die Hazards sind so. Deshalb bin ich nicht nur der Kommandeur, sondern auch der Scharfrichter. Ich rotte die Verschwörer aus. Die Verräter. Den Feind. Hazards. Mains. Bis sie alle tot sind.«