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»Laß meinen Jungen gehen, Bent. Er ist zu klein, um dir was tun zu können.«

»Oh nein, mein lieber Charles. Er ist ein Main. Ich habe stets beabsichtigt, ihn zu töten.« Grünes Gras stieß einen kleinen Laut aus und wandte den Kopf ab. »Ich hatte vor, mehrere Monate zu warten, bis du dich mit seinem Verlust abgefunden hättest. Dann, nachdem ich ihn getötet hätte ...«

»Sag das nicht vor ihm, verdammt noch mal.«

Bent riß an Charles' Bart, zerrte ihn nach oben, zwang seinen Kopf zurück. Er drückte das Rasiermesser gegen Charles' Kehle. »Ich sage, was mir gefällt. Ich führe hier das Kommando.« Der Druck des Rasiermessers wurde stärker. Charles spürte den Schmerz. Blut sickerte. Er schloß die Augen.

Bent kicherte und zog das Messer zurück. Er säuberte die Klinge am Ärmel seines Mantels.

Erneut freundlich und nett sagte er: »Nachdem ich ihn erledigt hätte, wollte ich dir gewisse - Teile schicken, damit du Bescheid weißt. Ein paar Finger. Zehen. Vielleicht noch ein paar intimere Teile.«

»Du verfluchter Irrer«, preßte Charles zwischen den Zähnen hervor; nicht fähig, sich länger zu beherrschen, fuhr er vom Stuhl hoch. Bent packte Gus an den Haaren. Der Junge schrie auf und schlug mit seinen kleinen Fäusten gegen Bents Bein. Bent schleuderte ihn mit einem Schlag zu Boden, trat ihm in die Rippen. Gus rollte zur Seite und umklammerte wimmernd seinen Bauch.

»Steh auf, Junge!« Bents Stimme dröhnte wie bei einem Priester der Wiederauferstehung. Wie viele Menschen lebten in diesem pervertierten Körper? Wie viele Stimmen sprachen aus diesem wahnsinnigen Hirn? »Steh auf! Das ist ein direkter Befehl!«

»Nicht«, sagte das Cheyenne-Mädchen, »oh, nicht. Er ist so klein.«

Er knallte ihr die Faust in den Magen. Sie fiel gegen die Wand, versuchte sich an den groben Stämmen festzukrallen; ihre Knie scharrten durch den Dreck. »Du wirst als nächste hingerichtet, wenn du noch ein Wort sagst.« Er schwenkte das Rasiermesser über seinem Kopf. »Hoch, Junge!«

Gus wimmerte wieder und schwankte hoch. Bent packte ihn, zog ihn gegen seine Beine, wobei er ihn gleichzeitig drehte. Er legte seine freie Hand unter Gus' Kinn und zerrte seinen Kopf mit einem Ruck zurecht, so daß sich Vater und Sohn ins Gesicht sehen konnten.

»Nach ihm und nach dir«, sagte Bent, »kommt die Familie von Hazards Bruder in Kalifornien dran. Ich lösche euch alle aus, bevor ich erledigt bin. Denk daran, lieber Charles.«

Sanft, fast streichelnd zog er die Klinge über Gus' rechte Wange. Gus schrie auf. Ein Blutfaden wand sich über die blasse Haut.

»Denk daran, während der Scharfrichter die Befehle des Generals ausführt.«

Magic Magee sagte: »Oh, Scheiße«, was Graue Eule überraschte, denn Magee fluchte für gewöhnlich nie. Er sprang auf. »Seine Befehle sind mir egal. Irgendwas stimmt nicht.«

Graue Eule wollte ihn zurückrufen. Magee ging mit langen Schritten los. Graue Eule zögerte nur einen Moment, bevor er hinter ihm her eilte.

Tränen strömten aus Gus' Augen und vermischten sich mit dem Blut auf seiner Wange. Eine Wut, die ihn krank und schwach machte, füllte Charles ganz und gar aus. Mit den Knien stemmte er seine Hände auseinander. Das Seil schürfte den Rücken seiner Handgelenke. Plötzlich rutschte die linke Hand ein Stückchen, wurde glitschig. Er blutete. Er zog die linke Hand an, doch der Teil knapp unterhalb der Knöchel wollte nicht durch das Seil rutschen. Sinnlos. Sinnlos.

Magee legte eine Hand auf das Geländer des Pferchs. Der Braune und die Maultiere witterten ihn und warfen die Köpfe hoch. »Ruhig, ruhig«, sagte er. »Regt euch nicht auf. Ich mein's ja gut.«

Er glitt zwischen zwei Stangen hindurch. Der Braune wieherte. »Laß das«, sagte Magee, der den verdammten Gaul am liebsten erschossen hätte. Er nickte Graue Eule heftig zu, der sein Gewehr umklammerte und auf die Eingangstür zuging. Magee hatte ihm gesagt, er solle warten, bis er ihn rief. Charles mußte im Haus sein. Er befand sich weder in dem Stall noch in dem verlassenen Händlerwagen.

Magee hatte keine Ahnung, was er hinter der Tür vom Pferch aus vorfinden würde, hoffte aber, die Tür würde nicht direkt in den Hauptraum führen. Er schwitzte wie im August. Gerade, als er nach dem Türhaken griff, kam ein fetter Waschbär um die Ecke geschossen und richtete sich vor der Tür auf.

»Verschwind«, flüsterte Magee. Er fuchtelte in der Luft herum. Der zahme Waschbär wich nicht. Er wollte sich drinnen wahrscheinlich Futter holen und würde Magee dabei verraten.

Verwirrt blieb Magee ungefähr fünfzehn Sekunden still stehen. Dann hörte er deutlich einen kleinen Jungen aufschreien. Mit düsterem Gesicht zog er sein Messer. »Tut mir leid, Mister.« Er stach zu und tötete den Waschbär mit einem Stich.

Gus blutete an der Wange. Charles hoffte, der Junge würde ohnmächtig werden, aber das war nicht der Fall. Glücklicherweise war Bents Kopf frei von Schmerzen und jenen merkwürdigen, quälenden Lichtern. Die Befehle des Generals waren richtig und gerecht, und die Pflichten des Scharfrichters waren eine reine Freude. Er konnte es allerdings nicht länger hinausziehen. Der Schnitt - direkt vor den Augen des an seinen Fesseln zer-renden, halb wahnsinnigen Vaters - hatte bei ihm eine riesige, schmerzende Erektion ausgelöst. Er drückte das Rasiermesser gegen Gus' Kehle.

Charles sah, wie sich der bläuliche Lauf zwischen Türrahmen und roter Decke hindurchschob. Aus diesem Teil des Hauses hatte er nicht einen einzigen Laut gehört. Magee sagte mit fester Stimme: »Mr. Bent! Sie drehen sich besser um und schauen sich mal diesen Revolver an.«

Einen endlosen, qualvollen Moment lang wußte Charles, daß Bent jetzt Gus die Kehle durchschneiden würde. Statt dessen gehorchte er wie ein Soldat der Kommandostimme. Er drehte sich um. Magee trat hinter der Decke hervor.

Charles warf sich aus dem Stuhl und schleuderte Gus zu Boden. Bent bellte dumpf auf, erkannte seinen Fehler. Charles stolperte über seinen Sohn und stürzte. Grünes Gras sprang Bent an und hämmerte mit ihren Fäusten auf ihn ein. Magee zielte, aber sie stand in der Schußlinie. Bent stieß sie von sich und riß das Rasiermesser nach unten; er fetzte ihren Rock und ihre Oberschenkel auf. Sie schrie auf. Ein zweiter Stoß warf sie zu Boden. Bent stürzte sich mit blitzender Klinge auf Charles.

Magee schoß. Die Kugel traf Bent von hinten in den linken Schenkel. Er drehte sich um die eigene Achse und fiel mit ausgestreckter Hand hin. Charles rollte sich, die Handgelenke immer noch gefesselt, über den Boden, zerrte das Rasiermesser aus Bents Hand und warf es weg. Magee brüllte etwas. Ein Lichtrechteck fiel über Charles und seinen Sohn. Graue Eule stand geduckt in der Tür, das Gewehr im Anschlag.

»Soll ich ihm den Rest geben?« fragte Magee. Bent starrte ihn an, merkte, daß er unbewaffnet in der Falle saß.

»Nicht vor dem Jungen. Schneid mich los.«

Magee befreite Charles mit seinem blutbefleckten Messer. Zitternd kniete Charles nieder.

»Gus, ich bin's, dein Papa. Ich weiß, ich schaue furchtbar aus, aber ich bin dein Papa, Papa«, wiederholte er, mit besonderer Betonung auf dem P, als könnte dadurch die Verbindung wiederhergestellt werden.

Der Junge wich zurück. Aus seinen Augen starrte ein verängstigtes, geistloses Tier. Charles breitete beide Arme aus, wie er es draußen vor der Tür getan hatte. »Papa.«

Plötzlich kamen die Tränen; heftige Schluchzer schüttelten den Jungen. Er wimmerte auf und rannte auf Charles zu. Charles nahm ihn in die Arme und hielt ihn fest. Er hielt Gus eine lange Zeit, bis der kleine Körper aufhörte zu zittern.