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Das aufgeschlitzte Bein von Grünes Gras blutete stark. Nach ihrem Sturz hatte sie das Bewußtsein verloren. Magee streifte ihren Rock hoch und inspizierte die Wunde. Leidenschaftslos wie ein Arzt wischte er Blut von ihrem dichten Schamhaar. »Früher hab' ich Besoffene im Saloon verarztet, wenn sie mit Messern aufeinander losgegangen sind. Das hier kann ich abbinden. Eine Weile wird sie nur unter Schmerzen laufen können, aber ich denke, das kriegen wir wieder hin.«

Aus seinem Medizinbeutel holte Graue Eule einige Wurzeln, die er zerkrümelte und mit etwas Wasser mischte; draußen auf einem flachen Stein machte er eine Paste daraus. Dann suchte er das kleine Zimmer ab und fand ein Stück sauberes Tuch. Magee war damit beschäftigt, Bents Hände mit dem Seil zu fesseln, mit dem Charles gebunden gewesen war. Er drehte Bent die Arme auf den Rücken und achtete darauf, daß das Seil auch wirklich fest saß. Er ging nicht sonderlich sanft mit Bent um.

»Was ist mit seinem Bein?« erkundigte sich Charles.

»Ein Streifschuß, nicht mehr. Am besten, wir kümmern uns nicht drum. Geschieht ihm recht, wenn der Brand reinkommt.«

Graue Eule kniete neben dem erschöpften Jungen nieder. Seine braunen Hände waren unglaublich sanft, als er etwas von der graugrünen Paste in die Wunde an der Wange schmierte. »Er mag eine Narbe behalten, so wie die Cheyenne-Jungen Narben vom Sonnentanz.«

»Die Haken vom Sonnentanz gehen in die Brust, nicht ins Gesicht.«

»Ja«, sagte der Fährtensucher traurig. »Man kann nichts tun. Es wird heilen.«

»Selbst wenn es heilt, wird er für immer Narben davontragen«, sagte Charles.

Er steckte den Armeecolt in das Halfter, bandagierte sein vom Seil verbranntes Handgelenk und ging hinter die Bar, wo er ein weiteres Seil entdeckte. Er warf es sich über den linken Arm. Bent stand mit blutigem Hosenbein neben der Tür. Mit unterwürfigem Gesichtsausdruck blinzelte er in den Sonnenschein.

Charles nahm zwei Schlucke von dem üblen Whisky in der Hoffnung, den Schock zu dämpfen, der als unvermeidliche Folge des Kampfes kommen würde. Er ging hinüber zu Bent. Nur mit Mühe konnte er verhindern, daß er nicht einfach den Colt an Bents Kopf hielt und abdrückte.

»Magic, kommst du mit, ja? Bleib mit dem Jungen hier, Graue Eule.«

Bent krümmte sich im Türrahmen. Ein zitronenfarbener Schmetterling gaukelte um seinen Kopf und flog davon. »Wohin bringt ihr mich?«

Die Sonne ließ das Goldfiligran von Constances Ohrring aufleuchten. Charles konnte nicht anders, er griff nach dem Ohrring und riß ihn nach unten. Der Haken zerfetzte Bents Ohrläppchen. Er schrie auf und krachte gegen die Tür. Charles trat ihm in den Hintern, trieb ihn in das grelle Licht hinaus.

Die milde Luft konnte den Geschmack von Dreck und Schweiß und schlechtem Whisky nicht aus Charles' Mund vertreiben. Nie war dieses ausgebrannte Gefühl so stark gewesen. Es schmerzte wie Pfeffer und Salz in einer Wunde.

Die Hand auf sein blutendes Ohr gepreßt, fragte Bent kriecherisch: »Bitte - wohin?«

»Du weißer Abschaum«, sagt Magee, majestätisch in seinem Zorn. »Du fährst zur Hölle!«

»Wohin?«

Charles beugte sich dicht zu ihm. »Waterloo.«

KU-KLUX LÄUFT AMOK.

Eine Nacht des Terrors am Ashley.

Die Mont-Royal-Schule zum zweitenmal zerstört.

Zwei Tote.

Präsident Grant bringt seine Empörung zum Ausdruck.

Verwundetem Klansmann die Maske vom Gesicht gerissen.

Sonderbericht von unserem Charleston-Korrespondenten

MADELINES JOURNAL

Mai 1869. Haben heute Prudence Chaffee und Andy Sherman beerdigt. Auf meinen und Janes Wunsch hin liegen sie Seite an Seite. Ich habe die Bibel gelesen, Johannes 14.

Vater Lovewell hat den Bezirk fluchtartig verlassen. Von der Leiche von Des L. keine Spur. Ich empfinde für ihn eher Trauer denn Haß. Man hat mir erzählt, daß er die ganzen vier Jahre hindurch bei den Palmetto Rifles gedient hat. Danach kämpfte er für zwielichtigere Sachen. Die Erhaltung der Sklaverei in anderer Form. Die Überlegenheit der weißen Rasse. Die Ehre einer grausamen, arroganten Familie. Müssen Männer immer bösen Ideen zum Opfer fallen, die sie in den Mantel einer verführerischen Selbstgerechtigkeit hüllen? ...

Muß wieder an D.L. denken. Im Tode erregt er meine Neugier stärker als zu der Zeit, da er uns bedrohte. Wie so viele andere auf beiden Seiten hat der Krieg ihn verändert und letztendlich zerstört. Diese Art von Erfahrung könnte zum Mittelpunkt des Lebens für eine Generation oder länger werden. In Charleston reden die Leute immer noch darüber, wie der Krieg Cooper vernichtend geschlagen hat. Ich weiß, wie sehr dich Mexiko verwundet hat, mein Liebster. Hätte es nicht Sumter gegeben, die Sezession, Lee und all die anderen großen Ereignisse und Personen, die jetzt mit den falschen Farben der Romantik eingefärbt werden, dann wäre D.L. vielleicht nicht dazu getrieben worden, seinen letzten, schicksalsträchtigen Krieg gegen Mont Royal auszukämpfen.

Aber wie ich zuvor schon sagte, auch das Mitleid hat seine Grenzen. In der Angelegenheit des Klans will ich Gerechtigkeit. R. Gettys liegt immer noch halb bewußtlos im Hospital von Charleston, und die Behörden reagieren viel zu langsam. Ein guter Freund sagte, ich könne mich jederzeit hilfesuchend an ihn wenden. Morgen werde ich nach Columbia fahren und eine Pistole als Begleitung mitnehmen ...

Nichts war von Millwood oder Sand Hills übriggeblieben. Wade Hampton hatte seinen gesamten Landbesitz im Kielwasser des erzwungenen Bankrotts im vergangenen Dezember verloren. Steigende Steuern, sinkende Ernteerträge, Investitionen, wo man für den Dollar nur noch vierzig Cent bekam - all das kulminierte in einer einzigen katastrophalen Flutwelle. Über eine Million Dollar Schulden hatten ihn in die Knie gezwungen.

Hampton und seine Frau Mary lebten nun in stark eingeschränkten Verhältnissen. Er hatte es gerade noch geschafft, ein bescheidenes Häuschen auf einem Stückchen Land zu retten. Die Hamptons hießen Madeline willkommen und bestanden darauf, daß sie die Nacht bei ihnen auf einem improvisierten Lager in dem Zimmer verbrachte, das der General als Büro benutzte.

Hamptons Alter machte sich bemerkbar, aber er steckte noch immer voller Energie. Während Mary den Tee servierte, zog er mit seiner Angel los. Nach einer Stunde kam er mit vier Brassen zum Abendessen zurück. Mary machte sich daran, die Fische auszunehmen, und Hampton lud Madeline in sein Büro ein. Er machte auf dem mit Papieren übersäten Schreibtisch einen Platz für seine Tasse frei; dabei kam ihm ein Band mit Goldschrift in die Hand, den er ihr zeigte.

>Protokolle des Demokratischen Nationalkonvents vom letzten Juli.<

»Ich las, Sie seien Delegierter.«

Ohne Bitterkeit sagte er: »Die Republikaner bezeichneten es als den Rebellenkonvent. Bedford Forrest war ein Delegierter. Peter Sweeny, Vorstandsmitglied der Tammany-Gesellschaft ebenfalls - recht merkwürdige Bettgenossen, aber so ist nun mal die Demokratische Partei.«

»Ich wollte mit Ihnen über General Forrest und seinen Klan sprechen. Ich möchte, daß die Schuldigen bestraft werden.«

»Was haben die Behörden unternommen?«

»Bis jetzt noch nichts. Das ist nun über zwei Wochen her. Wenn zuviel Zeit vergeht, dann drängen sich andere Dinge in den Vordergrund, und alles gerät in Vergessenheit. Ich werde das nicht dulden. Meine Lehrerin und der freie Neger haben zumindest schlichte Gerechtigkeit als Andenken verdient.«

»Ich bin der gleichen Meinung. Ich werde Ihnen etwas über Forrest erzählen. Er ist bereit, seine Verbindung zum Klan zu leugnen und den Befehl zur Auflösung zu geben. Selbst für ihn ist die Sache zu weit gegangen.«